Schreibt etwa eine Standardseite (bis etwa 1800 Zeichen). Alles darf (muss aber nicht) in eurer Bastelwelt stattfinden. Weitere Regeln sind: Diese Punkte müssen vorkommen. • Eine tiefgehende Unterhaltung. • Ein Herrenzimmer oder etwas vergleichbares im Setting. • Eine schwere Vase. Was nicht drin vorkommen darf: • Gewalt • Seichtes Gerede/Smalltalk • Mehr als 4 Personen • Romantik • Kitsch
Ich scheiterte leider an der Zeichenbegrenzung.
Die zerbrochene Vase
Der Erzmagier von Glerich, Ratgeber des amnúrischen Kaisers, enger Vertrauter des stedischen Herzogs, einer der größten Zauberer und wohl mächtigster Hexenmeister seiner Zeit, stand in seinem Kaminzimmer und blickte auf die zertrümmerte Vase hinab. Die Miene des alten Mannes war ausdruckslos. Er wirkte fast wie eine Statue, doch die Luft fühlte sich drückend an, so als stünde ein Gewitter bevor und sein Lehrling wusste, dass der Sturm, der losbrechen würde, schlimmer sein würde, als jedes Unwetter jenseits der Mauern des Turmes sein könnte. „Weißt du, wie viel das Leben eines Menschen wert ist?“, fragte der Erzmagier nach einer gefühlten Ewigkeit. Seine Stimme war ruhig. Sie war so ruhig, wie sein Schüler es bisher nur selten erlebt hatte und eigentlich nicht wieder erleben wollte. „Ich … ich glaube, das lässt sich gar nicht sagen“, stotterte er, woraufhin sein Meister nun den Blick auf ihn richtete. Der Lehrling zuckte leicht zusammen, als ein Gefühl ihn durchfuhr, als wäre ein Eiszapfen durch sein Gehirn geschossen. „Unsinn“, sagte der Erzmagier. „Es gibt auf jede Frage eine Antwort und diese Frage ist keine besonders schwierige.“ Der Lehrling schluckte. Er war doch gar nicht an diesem Unglück Schuld, also warum musste er nun Rede und Antwort stehen? Nun ja, vermutlich, weil er nicht, wie der Verursacher, auf Nimmerwiedersehen reißaus genommen hatte. „Das Leben eines Menschen ist so viel wert wie seine guten Taten“, versuchte er es dann. „Ah.“ Der Erzmagier nickte. „Und die schlechten Taten? Werten sie das Leben ab? Ist das Leben eines einfachen Bauern, der großmütig seinen Nachbarn bei der Ernte hilft, mehr wert, als das eines großen, aber grausamen Königs — oder eines ebenso großen und grausamen Zauberers?“ Die Kehle des Lehrlings fühlte sich an wie vertrocknetes Pergament, doch er widerstand der Versuchung, erneut zu schlucken. „N-Nein, ich wollte nicht behaupten, dass das Leben eines Bauern mehr wert sein könnte als Eu—“ Er brach ab und presste sich eine Hand auf den Mund. Mit dem begonnenen Satz hatte er sich die Schlinge um den Hals gelegt, hätte er ihn beendet, so wäre er vom Hocker gesprungen. Nun lag es an seinem Meister, ihn wegzutreten. Doch der Erzmagier lächelte nur, was die Situation jedoch in keiner Weise entspannte. „Meister, ich sprach unbedacht! Ich glaube, große Taten bestimmen den Wert eines Menschen. Ich denke, die Erinnerung an einen Menschen zeigt, was er wert war.“ „Eine gute Antwort“, sagte der Erzmagier und schaute wieder die Vase an. „Sag mir, wer entrang den Atamerern Niturin?“ Der Schüler zögerte. Nicht, weil die Frage zu schwer war, sondern weil sie so leicht schien. „König Amnúrion, Meister.“ „Und wie hieß der Mann, der sich um des Königs Ross kümmerte?“ „Ich weiß es nicht, Meister.“ „Ich weiß es auch nicht“, sagte der Erzmagier und erneut schaute er ihn mit seinem furchtbaren Lächeln an. „Ein wertloses Leben. Nun sag mir, was du über diese Vase weißt.“ „I-Ihr habt sie von Euren Reisen in den Süden mitgebracht, als Ihr ein junger Mann wart, Meister. Es heißt, die Vase stand einst im Palast König Korons von Belcasgar. Als sein Reich im Meer versank, versank auch sie, doch ein Perlentaucher fand sie und zog sie wieder hinauf. Sie gelangte an den Hof König Ceranis’, der ihre Echtheit bestätigte und …“ Der Erzmagier hob seine Hand und brachte den Lehrling zum Schweigen. „Meinst du, in so vielen Jahrtausenden wird sich jemand auch nur im Entferntesten so gut an deinen Mitschüler erinnern, der hierfür verantwortlich ist? Nein? Das dachte ich mir. Nun, da siehst du, was sein Leben wert ist im Vergleich zu dieser Vase. Ich will, dass du dies bedenkst, wenn du ihn für mich findest.“ „A-Aber Meister, warum denn er? Dieser Zwerg und der Barde waren es.“ „Dein tumber Freund hielt dich wohl zurecht zum Narren, wenn du das glaubst, doch er war nicht so einfältig zu glauben, auch mich täuschen zu können.“ Die Stimme des alten Hexenmeisters war nun wie ein Peitschenhieb. „Warum sonst ist er wohl geflohen? Nun geh und finde ihn.“
Du hast eine tolle, tiefgründige Unterhaltung geschrieben. Man merkt schnell, dass der Erzmagier eher ein "böser" Charakter ist und der Schüler sich unterordnet.
soo, falls auch du keine Kritik haben willst, dann hör auf zu Lesen! Im Vergleich zu z.B. meinem Text, hätte ich hier doch ganz gerne etwas mehr Beschreibungen gelesen. Bspw. das "Herrenzimmer"/Kaminzimmer wird überhaupt nicht beschrieben, oder Kleidung der beiden Personen, damit man sich ein bisschen ein Bild machen kann.
Hier weiß ich nicht ob die Geschichte nun aus Sicht des Schülers erzählt wird oder ob es einen Erzähler gibt.
Zitat von Elatan im Beitrag #1Er war doch gar nicht an diesem Unglück Schuld, also warum musste er nun Rede und Antwort stehen? Nun ja, vermutlich, weil er nicht, wie der Verursacher, auf Nimmerwiedersehen reißaus genommen hatte.
Irgendwie klingt es persönlich aber auch allwissend...
Allgemein, super, dass du so schnell was schreiben konntest. Vielleicht kommt ja bald noch mehr (hier in dieser Rubrik, oder auch als neue Challenge)
Danke fürs Lob und mit deiner Kritik hast du völlig recht, ich hab mich mit Beschreibungen doch ein wenig zu sehr zurückgehalten und ich glaube, ich würde lügen, wenn ich es nur auf die Zeichenbegrenzung schieben würde, denn manchmal bin ich schon etwas beschreibfaul.
Ich hatte tatsächlich überlegt, einen allwissenden Erzähler hier zu nutzen, entschied mich dann aber doch dafür, eher aus der Sicht des Schülers zu schreiben. Ich glaube, dass man das auch merkt, auch wenn ich nicht direkt Perspektivfehler drin habe (oder?).