#1 Politisch/Soziologische Identitätsstiftung von Nharun 27.03.2019 11:03

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Im klassischen Iderusa gab es auf der Toraja einen Tag im Monat, den sogenannten "Curnitondum" ("das Hornblasen"), an dem in allen Städten des Iderusischen Bundes vor den Tempeln der Dreiheit zur Mittagsstunde ins Horn geblasen wurde, um die Einheit des Bundes zu verkünden. Die Hörner wurden die restliche Zeit über immer Tempel der Dreiheit verwahrt, die Hornbläser für jeden Termin unter den Bewerbern - jeder Bürger konnte sich bewerben - ausgelost. Das die Hornstöße zu hören verkündete "die Welt ist noch in Ordnung", "der Bund hat noch bestand", man fühlte sich dadurch sicher. Wer sich die Zeit nehmen konnte versammelte sich am Platz vor dem Tempel der Dreiheit um das Hornblasen mitzuerleben, das waren Ereignisse bei denen man soziale Kontakte pflegen konnte, sich zeigen konnte - oder als fliegender Händler mit Imbissen etwas Geld verdienen konnte. Im Prinzip war dieses monatliche Ereignis irgendwas etwas zwischen dem Singen der Nationalhymne und einem Nationalfeiertag. Es trug jedenfalls dazu bei, dass die Iderusen sich als Iderusen verstanden, auch weil es irgendwann "Alltag" war.




Was habt ihr für Rituale, Feiertage oder Gegenstände in den Völkern, Nationen oder Kulturen eurer Welten, die Identität stiften?






Identitätspolitik wird sowohl von dominanten Gruppen zur Erhaltung als auch von dominierten Gruppen zur Änderung des Status quo benutzt.

Als Identitätspolitik von dominanten Gruppen bezeichnet man Vorstellungen zur Gestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse, die die Subjekte auf die Verwirklichung einer vermeintlich in ihrem Wesen liegenden Norm verpflichtet. Als Normen in diesem Zusammenhang können z. B. gelten: Frau-sein, Deutsch-sein, Weiß-sein etc. Diese Festschreibung auf etwas konstruiert Wesentliches, die „Ontologisierung“ von bestimmten Eigenschaften sozialen Ursprungs, führt für Kritiker in letzter Konsequenz zu ausgrenzenden Weltanschauungen und Handlungsweisen.
Demgegenüber versucht die Identitätspolitik der dominierten Gruppen zu einem „Wir-Gefühl“ zu finden, um emanzipatorische Forderungen zu entwickeln und durchzusetzen. Es geht in den dominierten Gruppen darum, sich selber zu repräsentieren und den von außen auferlegten Zuschreibungen eine Selbstdefinition entgegenzusetzen. Dies schließt gegebenenfalls eine Politik der Separation mit ein (z. B. autonome Feministinnen). Ein Konzept von Identitätspolitik ist die positive Diskriminierung oder auch affirmative action. Identitätspolitik in diesem Sinne fordert nicht nur Anerkennung für die dominierten Gruppen, sondern auch Bildungszugänge, soziale Mobilität, etc. Auch die Standpunkt-Theorie basiert auf Identitätspolitik, da sie behauptet, dass die Gewinnung von Erkenntnis sozial situiert sei, dass die dominierte Gruppe ein besserer Ort zur Erkenntnisgewinnung bzw. -produktion sei. Dominierte Gruppen verstehen ihre Identitätspolitik oftmals als vorübergehendes notwendiges Stadium, um in einem dialektischen Prozess zur Aufhebung der Differenzen zu gelangen (z. B. klassenlose Gesellschaft).

#2 RE: Politisch/Soziologische Identitätsstiftung von Amanita 27.03.2019 11:58

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Bei den Elaviern in Silaris spielt das Madoriga-Epos eine große Rolle bei der Idenditätsstiftung.

Es erzählt die Geschichte vom heroischen Kampf des elavischen Helden Madori gegen den bösen sarilischen Schwarzmagier Faganu (eigentlich Fajan auf Sarilisch.) Das Ganze geht auf einen wahren Krieg zurück und Fajan war tatsächlich ein äußerst brutaler Eroberer. Als Fluormagier konnte er aber nicht einmal ansatzweise all das bewirken, was ihm im Madoriga-Epos unterstellt wird. (Wobei es wilde (Verschwörungs)theorien gibt, was damit eigentlich gemeint ist, aber das spielt sich eher weniger in Elavien ab.

Dort verkörpert Faganu alles, was die Elavier als unmoralisch empfinden und Madori alles Edle und Gute. Hierbei spielt nicht zuletzt auch die Abgrenzug gegenüber den Sarilern eine Rolle, deren Moralvorstellungen tatsächlich in vielerlei Hinsicht den elavischen diametral entgegengsetzt sind, insbesondere bei den Themenbereichen Sexualität und Familie sowie Eigentum und Hierarchie.
Dazu kommt die seit Madoris Zeit exisitierende strikte Ablehnung der Elementarmagie durch die Elavier. Im heutigen Sarilien ist es Staatsraison sie als etwas Positives zu sehen, was aber auch nicht von allen Sarilern geteilt wird und manche Elementarmagie-Kritiker schaffen es bis in hohe Ämter, da sind die Gegensätze also gar nicht so groß.

Kinder müssen das Madoriga-Epos lesen bzw. in den Regionen, wo der Alphabetismus nicht so verbreitet ist, sich erzählen lassen und Teile davon auswendig lernen, außerdem gibt es alljährlich das Madori-Fest, wo der Sieg über Fagnu und das Böse, aber gleichzeitig auch die Ernte des Jahres gefeiert wird.

#3 RE: Politisch/Soziologische Identitätsstiftung von Teja 27.03.2019 21:11

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Hm, so richtig viele Feste habe ich in meinen Welten noch nicht gebastelt. Das Einzige, das mir spontan einfällt, ist das Frühlingsfest in Grimmingen.

Das Frühlingsfest wird abgehalten, wenn die Tiere im Frühjahr Nachwuchs bekommen und wieder Essbares in den Wäldern und auf den Feldern wächst. Dann tun sich alle Mitglieder einer Gemeinschaft zusammen und bereiten ein Festmahl aus den übrigen Vorräten des Winters. Man feiert, dass man die knappe Zeit überstanden hat und den Anbruch der üppigen Sommerzeit. Man kommt zusammen, isst und trinkt und lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Es werden Lieder gesungen und es wird getanzt. Man begrüßt die neuen Menschen, die geboren wurden und nimmt Abschied von denen, die nicht mehr da sind.

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