#1 [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten (Aktuell: Lucasta Clossiana) von Amanita 23.04.2019 19:55

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Bekannte Persönlichkeiten aus Silaris

Jetzt gibt es von mir auch mal noch einen Thread zu bekannten Persönlichkeiten der silarischen Vergangenheit und Gegenwart. Den Anfang macht die aktuelle sarilische Ministerin für Chemie und Elementarmagie, Brajana sira Ramenka, eine der am meisten gehassten und verehrten Politikerinnen (und Politiker) des heutigen Silaris.

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Brajana als Tochter einer Richterin und eines Bibliothekars in Alijan im sarilischen Nordosten. Diese Stadt tut sich besonders durch enge Handelsbeziehungen zum benachbarten Elavien und einen gewissen Einfluss der elavischen Kultur und ein besonders mildes Klima hervor. Die Bibliothek von Alijan beherbergt den umfangreichsten Schatz an internationaler Literatur in ganz Sarilien und die junge Brajana durfte dort als Kind nach Herzenslust lesen, was sie auch gerne getan hat.
Ihre Tante war als Apothekerin tätig und nahm sie mit auf Exkursionen zum Sammeln von Heilpflanzen und ließ sie bei der Zubereitung von Medikamenten zuschauen, daneben hatte die kleine Brajana auch noch reichlich Gelegenheit auf den Straßen von Alijan mit anderen Kindern, auch elavischstämmigen zu spielen.
So verbrachte sie dort eine glückliche Kindheit. Ihre Tante, eine Stickstoffmagierin, ahnte schon länger, dass Brajana ebenfalls Elementarmagierin sein könnte und hoffte darauf, dass sie später die Apotheke übernehmen würde.
Als sich Brajana mit zwölf Jahren dem in Sarilien obligatorischen Test unterziehen musste, wurde dies auch festgestellt. Zur großen Enttäuschung von Brajana und ihrer Tante war sie jedoch eine Phosphormagierin, als solche würde sie die Apotheke nicht übernehmen können, sondern ihr stand eine Tätigkeit mit Düngemitteln oder Schädlingsbekämpfung bevor, beides keine für sie sonderlich reizvollen Zukunftsperspektiven.

Entsprechend motiviert begann sie ihre schulische Ausbildung in Elasvaihja, dem nächstgelegenen Zentrum für Elementarmagie. Der stark strukturierte Tagesablauf gefiel ihr gar nicht und der hauptsächlich auf Regimepropaganda fokussierte Unterricht konnte ihre intellektuelle Neugierde in keinster Weise befriedigen.
Obwohl sie sich kaum Mühe gab, schnitt sie jedoch bei den Übungen der Phosphormagier mit ihrem Element fast immer am besten ab, was für die Fleiß und Einsatz fordernden Lehrer ziemlich frustrierend war. Als sie schließlich zur Überprüfung der Eignung als Kammerjäger mit giftigem Phosphorwasserstoff umgehen sollten, stellte sich heraus, dass es Brajana besonders leichtfiel mit giftigen Substanzen umzugehen.
In Sarilien (und ganz Silaris) wird erwartet, dass Elementarmagier zunächst Ekel und Abscheu gegenüber Giften empfinden und sich allenfalls mit Mühe daran gewöhnen können. Bei Phosphormagiern ist es sehr selten, dass dies nicht der Fall ist und beunruhigte Lehrer und Parteivertreter. Brajana dachte sich dabei jedoch nicht viel. Bei ihrer Tante hatte sie gelernt, dass es häufig keine klare Trennung zwischen Gift und Heilmittel gibt und sah deswegen keinen Grund Substanzen in Gut und Böse einzuteilen.
Den Erwachsenen war dieses Mädchen jedoch schon länger suspekt und nach dieser Erkenntnis noch viel mehr. Brajana musste sich noch mehr Bürgerkunde und Ethikunterricht anhören und wurde während ihrer restlichen Schulzeit fast ständig übrewacht.

#2 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Elatan 25.04.2019 11:10

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Das klingt ja schon so, als könne sie durchaus Ahnung vom Aufgabenbereich ihres Ministeriums haben (ich erspare mir einen Seitenhieb auf unsere Minister ... ). Mich würde aber interessieren, warum Brajanas Talent denn die Erwachsenen so sehr beunruhigte; zeigte sie denn auch Anzeichen dafür, dass sie ihr Talent vielleicht für ungute Dinge einsetzen könnte? Jetzt interessiert mich aber auf jeden Fall ihr weiterer Lebensweg!

#3 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Nharun 25.04.2019 13:41

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Ich bin jetzt gespannt, wie sie von der regime- bzw. mindestens propagandakritischen, von den Erwachsenen argwöhnisch verdächtigten Schülerin zu einer bedeutenden Politikerin und gar Ministerin aufsteigen konnte. Dein bisheriger Text wirkt wie der Auftakt zu einer spannenden Geschichte, gib uns mehr!

#4 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Teja 25.04.2019 17:52

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Zitat
Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

#5 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 25.04.2019 19:11

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Danke für eure Kommentare.

Zitat von Elatan im Beitrag #2
Das klingt ja schon so, als könne sie durchaus Ahnung vom Aufgabenbereich ihres Ministeriums haben

Ja. Bei aller gerechtfertigten Kritik am sarilischen Regime, das ist dort tatsächlich Vorraussetzung für die Erlaubnis ein politisches Amt zu bekleiden.
Zitat von Elatan im Beitrag #2
Mich würde aber interessieren, warum Brajanas Talent denn die Erwachsenen so sehr beunruhigte; zeigte sie denn auch Anzeichen dafür, dass sie ihr Talent vielleicht für ungute Dinge einsetzen könnte?

In einigen Ländern von Silaris (Arunien, Ruaris, Temira, Tessmar, Sarilien) gibt es diese Tradition chemische Verbindungen in gut und böse einzuteilen. "Normale" Elementarmagier brauchen erst einiges an Training bevor sie sich mit den "bösen" befassen können, ohne darunter zu leiden und Abscheu zu empfinden. Wer das auf Anhieb kann, ist verdächtig. Bei Halogenmagiern ist das aber relativ häufig und wird auch eher akzeptiert, bei Phosphormagiern ist es selten und gilt als besonders verdächtig. Von denen wird erwartet, dass sie sich brav auf Dünger konzentrieren und wie arunische Halogenmagier gerne spöttisch sagen, dem Gras beim Wachsen zuschauen. Wie ich ja im Text auch schon geschrieben habe, hält Brajana von dieser Einteilung nicht viel.
Bei Brajana hat aber die kritische Haltung schon gereicht, dass sie sich verdächtig gemacht hat. So etwas war zu dieser Zeit in Sarilien überhaupt nicht gerne gesehen, schließlich weiß die Partei ja alles am besten. Das entsprechende SED-Lied könnte man eins zu eins auf die sarilischen Verhältnisse zu dieser Zeit übertragen.
Zitat von Nharun im Beitrag #3
Dein bisheriger Text wirkt wie der Auftakt zu einer spannenden Geschichte, gib uns mehr!

Vorher werde ich aber im Geschichts-Thread noch was zum Arisaja-Krieg schreiben, damit das alles ein bisschen besser strukturiert bleibt...
@Teja Dieses Zitat würde Brajana auch sofort unterschreiben, aber wie oben beschrieben ist die Mainstream-Meinung eine andere...

#6 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Teja 25.04.2019 19:15

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Ich musste das Zitat einfach bringen, weil das so gut dazu passt.

#7 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 01.05.2019 20:57

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Brajana im Arisaja-Krieg

Brajanas Zukunft schien vorbestimmt zu sein, doch kurz vor ihrer Abschlussprüfung ergab sich eine neue Option. Staatslenker Lanivan brauchte Soldaten für seinen Arisaja-Krieg und gewährte auch Elementarmagiern den Zugang zur Armee.
Ohne viel Zögern entschied sich Brajana für diese Option, die ihr wie sie glaubte die Möglichkeit geben würde ihre Tapferkeit unter Beweis zu stellen und dadurch zu zeigen, dass sie für mehr geeignet war als nur Düngerproduktion oder Schädlingsbekämpfung.

Brajana hatte immer viel Sport getrieben und bestand die Eignungsprüfung der Armee. Ihre Ausbildung dort war Neralia sira Elina, eine äußerst angesehene Soldatin, die jedoch der damals in Sarilien noch recht starken, elementarmagiekritischen Fraktion angehörte. Sie machte Brajana von Anfang an klar, dass ihr Element im Kampf nichts zu suchen hatte, da sie andernfalls gegen eines der wenigen „Gesetze des Krieges, die von allen Völkern respektiert wurden“ verstoßen würde.
Brajana hielt ihr Element aber sowieso eher für eine Belastung und es fiel ihr nicht schwer, sich hierauf einzulassen und Neralia zu beweisen, dass sie mehr war als das verwöhnte Magiermädchen.

Durch ihre Einsatzbereitschaft gelang es ihr Neralias Respekt zu gewinnen und ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen, danach wurde sie nach Arisaja in den Krieg gegen die elavischen Rebellen geschickt. Dort stellte sie schnell unter Beweis, dass sie keine großen Hemmungen gegen das Töten hatte, auch die Verhöre der gefangenen Rebellen, mit allem, was dazugehörte, bereiteten ihr keine Bauchschmerzen. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung lehnte sie jedoch immer ab und beteiligte sich hieran nicht, für die Exzesse mancher männlicher Kameraden hatte sie nur Verachtung übrig.
Lang währte Brajanas Einsatz in Arisaja jedoch nicht, denn bereits wenige Wochen nach dessen Beginn griffen die Arunier in den Krieg ein und die sarilische Armee musste sich aus Arisaja zurückziehen. Brajana kämpfte nun mit ihren Kameraden nicht mehr um die Vorherrschaft über Arisaja, sondern um die Unabhängigkeit ihres Landes.

Auch gegen die Arunier überzeugte sie durch Nervenstärkte und Tapferkeit und erhielt hierfür die Falkenfeder dritter Ordnung, einen sarilischen Orden.
Wenig später geriet Brajana jedoch in ein Gefecht, in dem die Arunier ihre Bodentruppen durch das Abwerfen von weißem Phosphor auf die sarilischen Soldaten unterstützten. Brajana brauchte nicht lang, um zu entscheiden, dass ihr das Leben ihrer Kameraden wichtiger war als die Regeln zum Einsatz von Elementarmagie im Kampf. Das eigene Element in reiner Form zu kontrollieren ist für Elementarmagier relativ einfach und so gelang ihr dafür zu sorgen, dass die Arunier ihrer eigenen Waffe zum Opfer fielen. Die meisten von ihnen starben oder erlitten schwere Verbrennungen, die Überlebenden waren teilweise schwer traumatisiert, da sie diese Art der Gegenwehr völlig unerwartet getroffen hatte.
In der Folge warfen die Arunier den Sarilern vor gegen internationales Recht verstoßen und ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. Die Sariler wiesen dies zurück, intern wurde Brajana aber trotzdem abgemahnt und hinter die Front versetzt, wo sie von nun an im Kampf gegen die teilweise phosphorhaltigen Herbizide der Arunier helfen sollte.
Brajana war über diese Entscheidung zunächst äußerst frustriert, stellte jedoch schnell fest, dass sie hier einiges für ihr Land tun konnte, indem sie Pflanzen vor dem Herbizid schützte, kontaminierte Landstriche und Menschen reinigte, entartete Zellen bekämpfte und bei Frauen, die missgebildete Kinder im Leib trugen, Abtreibungen durchführte.
Bei diesen Tätigkeiten lernte sie die frühere Majorin und heutige Gouverneurin der besonders stark betroffenen Provinz Narjala Anesèja sira Lujinda kennen, welche von Brajanas Fähigkeiten und ihrer Einsatzbereitschaft ausgesprochen beeindruckt war und sich bald auf Brajanas Rat verließ, wenn es um toxikologische Fragestellungen ging.

Nachdem die Arunier diese Herbizideinsätze eingestellt hatten, durfte Brajana wieder zurück zu ihrer Einheit, um weiter gegen die Arunier zu kämpfen, allerdings musste sie versprechen, von nun auf Elementarmagie zu verzichten. Anesèjas Vorschlag sie in den Städten einzusetzen, um die Auswirkungen der von den Aruniern eingesetzten Phosphorbomben zu minimieren wurde von der Führung abgelehnt.
Nach ihren Erlebnissen in Narjala kämpfte Brajana mit neuem Eifer und Herzblut gegen die Arunier, für die sie inzwischen einen tiefen Hass und große Verachtung empfand. Gemeinsam mit ihren Kameraden Rejan und Orvan nahm sie einen arunischen Soldaten gefangen, der Ampullen mit Atropin bei sich trug. Im Verhör durch Orvan, der vor seiner Armeezeit als Agent der Geheimpolizei geschult worden war, berichtete er schließlich, dies sei nicht wie die Sariler vermutet hatten als Mittel zur Ausschaltung von elementarmagischen Fähigkeiten, sondern als Gegengift gegen eine chemische Waffe gedacht, deren Einsatz die Arunier planten.
Brajana und ihre Kameraden meldeten dies pflichtbewusst, allerdings wurde die Information nicht weiter ernstgenommen, bereits Neralia war der Überzeugung, der Gefangene hätte sich nur eine Geschichte ausgedacht.
Frustriert gaben die drei ihre Warnversuche auf, nutzten aber jede Gelegenheit, um Tollkischen, Bilsenkraut und andere Nachtschattengewächse zu sammeln, um deren Gift zu gewinnen. Hierfür sollten sie bald jede Menge Zeit haben, denn nach Gefangennahme einer mit dem Militär reisenden arunischen Journalistin warfen die Arunier den Angehörigen von Brajanas Einheit vor, die Zivilisten gefoltert und vergewaltigt zu haben.
Staatslenker Lanivan wies diese Vorwürfe zwar zurück, beschloss aber, dass er seine Problemeinheit am besten ganz von den Aruniern fernhalten sollte: Die gesamte Einheit wurde in Brajanas Heimatstadt Alijan versetzt, welche fern der Front lag und bisher auch von Luftangriffen verschont geblieben war.

Alijan beherbergte aus diesem Grund eine recht hohe Anzahl an Flüchtlingen und der Bürgermeister der Stadt hatte sich bereits kritisch zum Arisaja-Krieg geäußert, sodass die gesamte Stadt als potenziell illoyal angesehen wurde. Brajanas Einheit sollte dort für Ordnung sorgen und die Regimetreue gewährleisten, offiziell ging es darum Unruhen durch die Flüchtlinge zu verhindern.
Brajana war alles andere als begeistert über diesen neuen Auftrag, beschloss dann aber doch aus der Not eine Tugend zu machen und zu versuchen als Tochter der Stadt zwischen den Bürgern von Alijan und Armee und Regime zu vermitteln. Hierbei gelang es ihr, dem Bürgermeister und den anderen wichtigen Persönlichkeiten in Alijan die Notwendigkeit einer Einheit gegen die arunischen Angreifer klarzumachen und sie davon zu überzeugen, dass dieser Moment großer Not für Sarilien nicht der richtige Zeitpunkt für Regimekritik war.

Brajana kam in Alijan recht bald auf den Geschmack was die Politik betraf und fasste den Beschluss nach Kriegsende in die Partei einzutreten, eine Vorstellung, die sie bis vor kurzem noch völlig absurd gefunden hätte.
Zunächst stand ihr jedoch noch eine Aufgabe bevor, die mehr mit ihren Kernkompetenzen zu tun hatte. Als der sarilische Radar einen bevorstehenden Luftangriff auf Alijan meldete, machte sich Brajana auf den Weg in die Innenstadt, um zu verhindern, dass die historische Altstadt durch Phosphorbomben niedergebrannt wurde.
Dort stellte sie jedoch schnell fest, dass die Geschosse der Arunier dieses Mal weder explodierten noch Brände auslösten, sondern eine Phosphorverbindung, der sie bis dato nie begegnet war, in einem feinen Nebel in der Altstadt verteilten. Brajana realisierte nicht sofort, was vor sich ging, sondern stellte zunächst nur fest, dass die Substanz sofort alle Insekten tötete. Zunächst ging sie davon aus, dass die Arunier als neuste Idee statt der Wälder die Bienen in Sarilien auslöschen wollten, dann begriff sie, dass das Mittel auch für andere Menschen äußerst toxisch war und es sich vermutlich um die neue Waffe handelte, von der der arunische Gefangene gesprochen hatte. Sie begann zu tun, was in ihrer Macht stand, um die Bewohner der Alijaner Altstadt zu retten.
Eine Elementarmagierin alleine hat keine Chance einen solchen Angriff alleine abzuwehren, aber Brajana gelang es zumindest, zahlreiche Menschen in Sicherheit zu bringen, Verletzte zu retten und die weitere Ausbreitung des Gifts zu verhindern, sodass das zentrale Krankenhaus von Alijan nicht betroffen war und für die Behandlung der Verletzten zur Verfügung stand.
Außerdem gelang es ihr den Ausbruch von Panik und Chaos weitgehend zu unterbinden.

In den Tagen nach dem Angriff half Brajana weiterhin bei der Versorgung der Verletzten und agierte wie in den Wochen zuvor als Vermittlerin zwischen dem Regime und den Bürgern von Alijan, wobei es ihr mit viel Mühe gelang, den meisten Stadtbewohnern verständlich zu machen, warum es besser war der Regierung zu gehorchen und außerhalb der Stadt keine Details über den Angriff preiszugeben, um die Kampfmoral der Sariler nicht zu schwächen und die Arunier nicht zu unterstützen.
Für diesen Einsatz wurde sie mit der Falkenfeder Erster Ordnung ausgezeichnet und blieb für den Rest des Krieges in Alijan, wo zahlreiche Menschen immer noch auf ihre Hilfe angewiesen waren.

#8 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Vahul 02.05.2019 08:50

Moin,
ist sie böse ist sie Gut? Das ist wohl nicht so wichtig? Es wird meistens Beschrieben was sie gemacht hat mich würde interessieren warum sie es macht? Was ist die Motivation für das Handeln? Wieso dient sie dem Regime, weil sie muss? Haben wir nicht immer eine Wahl? Sie ist wohl recht talentiert, was macht das aus ihr, fühlt sie sich überlegen, ist sie arrogant? Hat sie die Weisheit mit Löffel gegessen? Sollte sie nicht ihre Fähigkeiten für was Gutes benutzen, hat sie Aufgeklärte Gedanken? Wie sieht es in einer Person aus.

Ich muss gestehen, dass ich meine Persönlichkeiten ähnlich beschreibe nüchtern betrachtet von außen, aber das interessante aber auch schwierige ist immer das Komplexe Innenleben? Die Frage ist natürlich auch ob das notwendig ist.

#9 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 02.05.2019 13:27

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@Vahul Danke für deine Anregungen und Fragen. Ich muss zugeben, dass ich bei dieser Art Beitrag auch eine starke Tendenz habe, mich auf die Außenperspektive zu konzentrieren, auch um das Ganze noch in einem halbwegs übersichtlichen Rahmen zu halten. Mit dem komplexen Innenleben beschäftige ich mich dann eher im Rahmen von Geschichten.

Zitat von Vahul im Beitrag #8
Ist sie böse ist sie Gut? Das ist wohl nicht so wichtig?

Darüber ist man in-world unterschiedlicher Meinung, ich selbst würde sie eher als "grau" bezeichnen. Wie auch die meisten anderen Personen, die ich hier später noch vorstellen werde.
Zitat von Vahul im Beitrag #8
Was ist die Motivation für das Handeln?

Als Jugendliche waren ihre Motive hauptsächlich egoistischer Natur. Sie wollte Ruhm und Anerkennung, sich als etwas Besonders hervortun. Im Verlauf des Krieges wurde das dann durch den Wunsch, ihr Volk und seine Unabhängigkeit zu beschützen, zurückgedrängt. Der Wunsch, die Machtposition für sich und auch für die Magier als Gruppe zu sichern, ist ihr aber bis heute nicht fern, wobei sie inzwischen aber sogar selbst davon überzeugt ist, dass sie dies nur anstrebt, weil es das Beste für Sarilien wäre.
Zitat von Vahul im Beitrag #8
Wieso dient sie dem Regime, weil sie muss? Haben wir nicht immer eine Wahl?

Zu Beginn des Krieges gab es in Sarilien sogar eine Widerstandsbewegung. Sie hätte also eine Wahl gehabt, war aber regimetreu erzogen und konnte sich überhaupt keine wirklich verlockenden Alternativen vorstellen. (Ähnlich wie es vielen von uns heute mit unserem politischen System auch geht. Jeder ist mal mit irgendwas unzufrieden, aber die Staatsform wirklich zu ändern ist für die meisten trotzdem keine Option.)
Zitat von Vahul im Beitrag #8
Sie ist wohl recht talentiert, was macht das aus ihr, fühlt sie sich überlegen, ist sie arrogant?

Sie würde das entschieden verneinen, es trifft aber doch zumindest ein bisschen zu.
Zitat von Vahul im Beitrag #8
Sollte sie nicht ihre Fähigkeiten für was Gutes benutzen, hat sie Aufgeklärte Gedanken?

Sie ist davon überzeugt, dass sie das bereits tut. Aufgeklärte Gedanken, hm, das kann ja vieles heißen. Unsere Vorstellungen von einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung mit Recht auf Eigentum und umfangreichen Rechten gegenüber dem Staat teilt sie so nicht, dies hat aber in Sarilien auch keine Tradition. Ihre Vorstellungen zu Geschlechterrollen und Sexualität würden wohl als progressiv gelten, beim Thema Sexualität sogar für manche als unmoralisch, sind aber für ihre Kultur normal.

#10 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Vahul 02.05.2019 15:44

Macht ist meistens keine direkte Motivation, sondern es ist der Wunsch nach sicherheit den ich mir durch Macht hole (Geld), oder anerkennung, oder nähe (weil ich mächtig bin bekomme ich tolle frauen und diese geben mir dann sexuallität oder Nähe).

Entäuschungen und Rache sind verletzngen der Bedürfnisse. Sie wollte anerkennung und nähe von ihren Eltern oder der Gesellschaft und bekam diese nicht nun ist sie böse und holt sich die anerkennung durch Macht und Zwang - Pervertiert.

ich gebe aber zu dass ich selten mir Charaktere so weit ausarbeite, und in Büchern wird das oft nur in Form von taten gezeigt aber nicht von klaren direkten beschreibungen. Unsere böse Lady auf dem eisernen Thron die Blonde Lanister. Ist nicht böse sie will nur sicherheit für sich und ihre Kinder, ihr handlen ist so eine Art Angstbeißen da sie die Prophezeiungen fürchtet und dann wird plötzlich jedes Mittel recht. Die Auswahl der mittel machen sie böse, aber nicht ihre Angst und ihr bedürfnis.
Vielschichtige Charaktere haben so ein profil und das macht sie erst richtig cool finde ich.

#11 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 02.05.2019 17:45

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Zitat von Vahul im Beitrag #10
Macht ist meistens keine direkte Motivation

Macht an sich vielleicht nicht, aber ich denke, das Bedürfnis Organisationen oder Gesellschaften zu gestalten und in die als richtig empfundene Richtung zu lenken, kann sehr wohl eine Motivation sein und dafür ist es auch erst notwendig dafür zu sorgen, dass die anderen einem auch folgen, also eine Form von Macht.
Wobei die Anerkennung nachdem sie sich durch ihre damals im Vergleich zu anderen eher wenig respektierte Gabe zurückgestoßen gefühlt hat, sicherlich in Brajanas Fall auch ein Faktor ist.
Reichtum und Luxus spielen für die Sariler keine Rolle und dort lebt das tatsächlich auch die Führung und verlangt es nicht nur von der einfachen Bevölkerung und was die Nähe angeht wird es sogar schwieriger je höher die Position wird, da dort sexuelle Beziehungen zu (deutlich) niedrigerrangigen Menschen eher verpönt sind. Die Auswahl wird also wesentlich kleiner.

#12 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Chrontheon 02.05.2019 21:43

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Zitat von Amanita im Beitrag #9
Darüber ist man in-world unterschiedlicher Meinung, ich selbst würde sie eher als "grau" bezeichnen.

Wie würde sie sich selbst bezeichnen?

#13 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 03.05.2019 02:49

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #12

Wie würde sie sich selbst bezeichnen?

Das ist schnell beantwortet. Sie ist überzeugt davon, dass sie das Richtige tut.

#14 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 08.05.2019 20:04

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Und hier kommt der Rest von Brajanas (bisheriger) Geschichte

Brajanas politische Karriere

Auch wenn sie empört reagieren würde, falls ihr irgendjemand so etwas sagt, für Brajanas Karriere war der Krieg einschließlich des Angriffs auf Alijan das Beste, was ihr passieren konnte.

Beauftragte für Schädlingsbekämpfung
Nach Kriegsende wurde sie zunächst zur Beauftragten für Schädlingsbekämpfung in Elasvaihja ernannt. Dieses Amt gab es schon länger, allerdings wurde der zugehörige Aufgabenkreis nun deutlich weitergefasst als bisher. Neben den üblichen Aufgaben (Überwachung der Schädlingsbekämpfung mit phosphorhaltigen Pestiziden/Nagergiften) sollte sie im Auftrag der neuen Staatslenkerin Anesèja auch die von den Aruniern im Krieg verwendeten phosphorhaltigen Verbindungen analysieren und ihre Wirkungen genau erforschen. Dies geschah jedoch außerhalb von Elasvaihja unter strengster Geheimhaltung, um die anderen Elementarmagier nicht zu gefährden und diese Aktivitäten vor ausländischen Spionen geheimzuhalten. Im Gegensatz zu ihren arunischen Kollegen testen Brajana und ihr Kollege Fluormagier Rejan dies aber nicht an Unbeteiligten, sondern an sich selbst sowie an den zu bekämpfenden Insekten. Obwohl sie hierzu nicht beauftragt waren, entwickeln die beiden außerdem noch eine Verbindung mit optimierter Giftwirkung.

Wiederum in Absprache mit der Staatslenkerin beginnt Brajana außerdem Elementarmagier aus ganz Sarilien im Umgang mit chemischen Kampfstoffen auszubilden. Das Ziel hierbei war, in allen Städten entsprechend geschulte Eingreiftruppen zu haben, die im Falle zukünftiger Angriffe kurzfristig helfen können, bis Unterstützung aus den umliegenden Gebieten angefordert werden konnte.
Dieses Training war bei den jungen Elementarmagiern zunächst sehr unbeliebt, Brajana gelang es aber sie von der Wichtigkeit zu überzeugen und inzwischen ist Sarilien das am besten auf die Abwehr eines chemischen Angriffs vorbereitete Land von Silaris.

Annäherung an die Elavier
Zum praktischen Einsatz kam dies bisher aber lediglich außerhalb von Sarilien. Als es in der Fabrik des arunischen Chemiekonzern Ultiria in der grenznahen elavischen Stadt Enes Tall zu einer verheerenden Explosion kam, flohen zahlreiche Menschen vor der freigesetzten Giftwolke in Richtung der sarilischen Grenze, wo sie von Brajanas Leuten aus Elasvaihja versorgt wurden. Sie selbst konnte dabei jedoch nur organisatorisch tätig werden, da die Giftstoffe kein Phosphor enthielten.
Im Anschluss hieran kam es zu einer Freundschaft zwischen Brajana und Mandana Damur, der Aktivistenführerin aus Enes Tall, die Unterstützung von der elavischen Regierung und eine Bestrafung des arunischen Konzerns forderte, die beiden Frauen stehen bis heute im regelmäßigen Kontakt.
Daneben initiierte Brajana eine Städtepartnerschaft zwischen Alijan und Enes Tall, was sich schon allein deshalb anbot, weil in Alijan eine elavische Minderheit lebt, während es in Enes Tall eine sarilische Minderheit gibt, sodass beide Städte auch von der Kultur des jeweils anderen Volkes beeinflusst sind. In der Folge kam es zu einem regen Austausch zwischen den beiden Städten, einschließlich einer Bahnlinie, auf der zweimal täglich Züge zwischen den beiden Städten verkehren.
Wie Brajana und andere Sariler ahnen, war Ultiria auch das Unternehmen, das die Chemiewaffen für Alijan produziert hat, sodass beide Städte auch durch einen gemeinsamen Feind geeint sind…

Politischer Aufstieg und Konflikt mit den Aruniern
Brajana stieg in den Folgejahren in Elasvaihja weiter auf, wurde zunächst Oberste Phosphormagierin des Zentrums und schließlich dessen Leiterin. In dieser Funktion wurde sie auch von den Aruniern zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, da sie sich als einzige der acht ZentrumsleiterInnen vehement gegen Kontrollen im Rahmen des Pansilarischen Chemiewaffensperrvertrags in Elasvaihja aussprach.
An sich gab es hierfür keinen Grund, denn ihre Chemiewaffenarbeiten fanden gar nicht in Elasvaihja statt, aber sie lehnte den Vertrag als Machtinstrument der Arunier ab, die dessen Einhaltung von anderen einfordern, während sie in selbst ignorieren.
In dieser Phase schaffte sie es als die schöne, aber abgrundtief böse Giftmischerin in die arunische und ruarische Boulevardpresse, hierbei erhielt sie unter anderem den schmeichelhaften Titel „skrupelloseste Frau von ganz Silaris.“ Auch die elavische Regierung äußerte ihre Besorgnis über Brajanas Aktivitäten in Elasvaihja, welches sich recht nah an der elavischen Grenze befindet.

Brajana fand das alles eher amüsant, gleichzeitig erfüllte sie die arunische Doppelmoral jedoch mit großer Wut und sie plant tatsächlich Rache für Alijan, allerdings nicht durch einen chemischen Terroranschlag auf eine arunische Stadt, sondern indem sie gezielt die Verantwortlichen von damals ins Fadenkreuz nimmt. Unter anderem ließ sie Vorkehrungen treffen, dass im Falle ihres Todes Beweise für den Angriff auf Alijan an die Öffentlichkeit gelangen würden, sodass die Arunier im Allgemeinen und die direkt Verantwortlichen im Speziellen dann international am Pranger stehen würden.

General Cressidus starb während eines Vortrags an der Universität Ergalla vor zahlreichen Studenten an einem in Arunien bis dato unbekannten phosphorhaltigen Nervengift, das ein Drogendealer einem studentischen Aktivisten anstelle eines Mittelchens, das zu einer öffentlichen Blamage des unbeliebten Generals führen sollte, verkauft hat…
Die sarilische Drahzieherschaft wird von den Aruniern vehement behauptet, lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Wie man sich vorstellen kann, stieß Anesèjas Entscheidung Brajana einen Ministerposten zu überlassen in Arunien nicht gerade auf Begeisterung.
Arunier und Ruarier haben schon grundsätzlich gewisse Probleme mit Elementarmagiern im allgemeinen und Phosphormagierinnen im besonderen in Machtpositionen, was sowohl auf die im kollektiven Unterbewusstsein verankerten Erinnerungen an den längst vergangenen Krieg der Elemente als auch auf die in jüngerer Zeit während des Arunisch-Ruarischen Kriegs gesammelten Erfahrungen zurückzuführen ist und Brajana lässt in ihren Auftritten auch nur wenige Fettnäpfchen aus. Ihre Ernennung zur Ministerin hat das Verhältnis zwischen Arunien und Sarilien, das sich nach Kriegsende langsam wieder normalisiert hatte, deutlich verschlechtert.
Dies entspricht aber durchaus ihrer Absicht, da sie der Meinung ist, die Arunier würden nun versuchen durch ihre Medien und Konsumgüter die Beeinflussung Sariliens zu erreichen, die ihnen auf kriegerischem Weg verwehrt geblieben ist. Daher lehnt sie anders als bei den Elaviern einen Austausch zwischen den beiden Kulturen ab.
Manche Beobachter fürchten, dass ihr Verhalten einen neuen Krieg zwischen Aruniern und Sarilern provozieren könnte.
Und hiermit wären wir in der Jetztzeit von Silaris angekommen…

#15 RE: [Silaris] Bedeutende Persönlichkeiten von Amanita 03.07.2019 21:36

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Nachdem ich Lucasta Clossiana immer mal wieder zwischendurch erwähnt habe, bekommt sie jetzt auch ihren Eintrag hier. Dann sind aber erstmal andere Elemente dran.

Lucasta Clossiana

Jugend


Lucasta Clossiana war eine arunische Phosphormagierin. Sie leistete einen maßgeblichen Beitrag zur Erforschung des pflanzlichen Nährstoffbedarfs, entwickelte mineralische Düngemittel für unterschiedliche Anwendungen sowie verschiedene phosphorhaltige Herbizide und Insektizide, die in Silaris bis heute eine wichtige Rolle spiele.
Daneben stieß sie zusammen mit ihren Weggefährten Rabanus Ostreatus, Valerius Aropus und Dorea Verita die Reformierung des arunischen Alchimistenzirkels an, wobei es ihr jedoch nicht gelang, ihre Vision einer liberalen Elementarmagierausbildung in Arunien vollständig umzusetzen.
Außerdem war sie die Entdeckerin der ersten phosphorbasierten Nervenkampfstoffe in Silaris.

Lucasta wuchs in der arunischen Hauptstadt Wariona als drittes von fünf Kindern einer Arbeiterfamilie auf. Nach der Volksschule arbeitete sie in einer nahe gelegenen Fabrik, in der Streichhölzer hergestellt wurden. Die Mädchen und Frauen mussten dort ohne jeglichen Arbeitsschutz mit weißem Phosphor arbeiten, was bei vielen Arbeiterinnen früher oder später zu Vergiftungen führte.
Lucasta hatte jedoch Glück. Sie wurde unter diesen Bedingungen zu einer Phosphormagierin und überlebte auch die Übergangskrankheit.
Ihr Chef hoffte, durch Lucastas Gabe für den Fall strengerer Arbeitsschutzrichtlinien eine Möglichkeit zu haben diese einzuhalten und schickte sie zur Akademie des Alchimistenzirkels. Dort mussten die Novizen damals eine zweijährige Internatsausbildung machen, ein System, das eindeutig nicht auf junge Menschen ausgerichtet waren, die für ihren Lebensunterhalt bzw. den ihrer Familien arbeiten mussten. Dort wurde Marius Agripetus, Phosphormagier und Chemieprofessor in Ergalla, ihr Mentor. Er erkannte ihre außergewöhnliche elementarmagische Begabung sowie Intelligenz und unterrichtete sie deswegen intensiv neben dem üblichen Unterricht.

Ungefähr nach der Hälfte ihrer Ausbildungszeit wurde der Einsatz von weißem Phosphor für die Herstellung von Streichhölzern verboten und Lucastas ehemaliger Chef sah keinen Grund mehr, für ihre Ausbildung zu bezahlen. Sie fand jedoch eine andere Einnahmequelle und zwar als elementarmagische Aufsichtsperson bei der Ratten- und Mäusebekämpfung mit Phosphorwasserstoff.
Diese Aufgabe war unter den meisten Phosphormagiern nicht sonderlich populär, dafür aber sehr gut bezahlt, sodass es sich lohnte die Zähne zusammenzubeißen. Lucasta hatte hierbei den Vorteil, dass ihr „Giftsinn“ durch die Fabrikarbeit bereits abgestumpft war und sie nicht den üblichen Ekel gegenüber giftigen Verbindungen ihres Elements empfand, ja die Giftigkeit nicht einmal wahrnahm, wenn sie nicht die Wirkungen auf andere Lebewesen zu sehen bekam.

An der Universität von Ergalla

Nach dem Ende ihrer Novizenzeit bekam Lucasta von Marius eine Stelle an der Universität. (Zu dieser Zeit konnte die Elementarmagie ein Chemiestudium noch ersetzen.) Während Marius lieber Grundlagenforschung zu instabilen, neuen phosphorhaltigen Molekülen ohne praktische Relevanz machte, gab es die Fördermittel der Industrie eher für anwendungsorientierte Aufgaben und diese wurden Lucasta übertragen.
Zunächst entwickelte sie ein neuartiges Totalherbizid, das sich trotz unlauteren Wettbewerbs eines konkurrierenden Stickstoffmagier-Arbeitskreises mittelfristig durchsetzte, sodass sie als Patentinhaberin gut daran verdiente, genau wie Valerius, der die Chemikalien in seiner neugegründeten Firma herstellen ließ.
Danach arbeitete sie mehrere Jahre lang an der Entwicklung von effektiven Düngemitteln und engagierte sich im Alchimistenzirkel für eine Form der Ausbildung, die weniger auf die Oberschicht ausgerichtet war.
Hierbei gelang es durchzusetzen, dass die Novizen nicht mehr zwei Jahre eine Akademie besuchen mussten, sondern von ihren Adepten vor Ort ausgebildet wurden und nur am Wochenende gemeinsam Unterricht hatten, außerdem wurde ein Netzwerk von elementarmagischen Lehrern und Ärzten aufgebaut, um Übergangskrankheiten zu erkennen und die Sterblichkeitsrate in der Bevölkerung hierdurch zu verringern. Diese war zuvor insbesondere bei Chlor- und Alkalimetallmagiern extrem hoch, was vom Zirkel billigend in Kauf genommen wurde, eine Tatsache, die Lucasta und ihre Gefährten publik machten.

Diese Reformen gingen Lucasta und Rabanus jedoch nicht weit genug, sie waren dafür den Alchimistenzirkel und seine Ränge, Rituale und Roben komplett abzuschaffen und durch ein liberales, dezentralisiertes, praxisorientiertes System zu ersetzen.
Dies wurde im arunischen Parlament kontrovers diskutiert und vom Alchimistenzirkel selbst erwartungsgemäß abgelehnt.

Der Krieg

Bevor es in diesem Punkt jedoch eine Entscheidung geben konnte, begann der Arunisch-Ruarische Krieg und forderte die komplette Aufmerksamkeit der arunischen Führung. Der erhoffte Sieg blieb aus, nach und nach verschwanden alle Männer im wehrfähigen Alter, die keine Elementarmagier waren an die Front und Lucasta war an der Uni recht einsam mit den wenigen weiblichen Studenten.
Marius musste in die Grenzgebiete um ruarische Angriffe mit weißen Phosphor abzuwehren und Rabanus setzte sich zum Entsetzen des Alchimistenzirkels für den Einsatz von Chemiewaffen im Krieg ein, woraufhin er aus selbigem ausgeschlossen wurde. Das Militär hielt jedoch wesentlich mehr von dieser Idee, das Chemiewaffenprogramm wurde ins Leben gerufen und forderte Rabanus‘ ganze Aufmerksamkeit. Die Ehe mit Dorea zerbrach in der Folge.
Valerius stellte nun statt Dünger Sprengstoff her und bald auch chemische Waffen und verdiente weiterhin hervorragend, auch wenn letzteres dazu führte, dass er sich im Alchimistenzirkel ebenfalls nicht mehr blicken lassen durfte.

Lucasta beschloss Marius‘ Abwesenheit zu nutzen, um die Synthese eines neuartigen Insektizids zu testen, von der er ihr abgeraten hatte, weil er sie für zu gefährlich hielt. Angesichts der durch den Krieg zufällig und absichtlich (die Ruarier setzten in Arunien gezielt Käfer aus, die dort die Ernten vernichten sollten) auftretenden Probleme mit schädlichen Insekten und Resistenzbildung gegen vorhandene Insektizide war Lucasta aber der Meinung, dass es sich lohnte das Risiko einzugehen.
Die Synthese war erfolgreich und Lucasta hielt am Ende ein Produkt in Händen, das eine Wirkung hatte, mit der sie überhaupt nicht gerechnet hatte, es konnte die elementarmagischen Kräfte verstärken.
Ihre Euphorie erhielt jedoch einen kräftigen Dämpfer, als Rabanus, den sie direkt im Anschluss traf, durch die Spuren der Substanz, die sie noch an sich hatte, schwere Vergiftungserscheinungen erlitt. Nachdem sie ihn davon mithilfe ihrer Gabe wieder befreit hatte, war er aber total begeistert, da er in Lucastas Erfindung die perfekte chemische Waffe sah, die all seine Probleme an der Front lösen konnte.
Es dauerte noch etwas, bis eine großtechnische Herstellung erarbeitet war und der Weg dorthin kostete zahlreiche Arbeiterinnen das Leben, aber schließlich konnte „Clossianin“ gegen die Ruarier eingesetzt werden.
Lucasta entwickelte derweil noch zwei verwandte Wirkstoffe und überredete die Arbeiterinnen den gefährlichen Job anzunehmen, in denen sie ihnen einredete, dass sie ihr Leben tapfer in der Fabrik riskierten, während ihre Männer dies auf dem Schlachtfeld taten. Eine dieser Reden ist bis heute ein gängiges Beispiel für Kriegspropaganda dieser Zeit aus arunischen Schulbüchern.

Die Nachkriegszeit
Arunien gewann den Krieg, ob und inwiefern die Chemiewaffen dazu einen relevanten Beitrag leisteten ist äußerst umstritten und die offizielle Lehrmeinung in Arunien wie in Ruaris ist, dass dies nicht der Fall gewesen sei.
Nach dem Krieg beteiligte sich Lucasta zunächst aktiv am Wiederaufbau in Ruaris, da die Ruarier überhaupt nichts über ihre Beteiligung wussten, war sie dort anders als Rabanus kein Feindbild. (Daneben auch noch, weil in der ruarischen Tradition Magie Frauensache war und ihnen Phosphormagierinnen deutlich sympathischer waren als Chlormagier.)
In Ruaris wurde ein Elementarmagieausbildungssystem eingeführt, das Lucastas Vorstellungen ziemlich genau entsprach, in Arunien selbst war sie jedoch ebenfalls aus dem Alchimistenzirkel ausgestoßen wurden und hatte in dieser Hinsicht keinerlei Mitsprachrecht mehr.

Rabanus ging es genauso und auch darüber hinaus hatte sein Ruf ziemlich gelitten. Zusätzlich war er gesundheitlich angeschlagen, wobei umstritten ist, ob dies eine Form von PTSD war, oder eine Folge des jahrelangen Umgangs mit hochtoxischen Chemikalien. Er wanderte jedenfalls nach Avechain aus, dessen Salzmeer als besonders zuträgliche Umgebung für Chlormagier gilt und ließ sich von Lucasta nicht zur Rückkehr nach Arunien überreden.

Lucasta verfolgte nun wieder ihren ursprünglichen Plan, ihre Erfindung als Gegenmittel zu elementarmagiedämpfenden Substanzen sowie als Hilfsmittel in der Ausbildung von Elementarmagiern einzusetzen, allerdings fanden sich hierfür zu ihrem Unverständnis keine freiwilligen Probanden.
Auch die politische Unterstützung brach nach der desaströsen Studie mit den Waisenkindern im Litias-Zentrum weg, sodass sie keine Möglichkeit hatte, diesen Ambitionen weiter nachzugehen.
Stattdessen entwickelte sie noch einige davon abgeleiteten als Insektizid geeignete Wirkstoffe, die teilweise von Aropa und teilweise von Ultiria vermarktet wurden und verfasste mit unterschiedlichen Co-Autoren merhere elementarmagische Lehrbücher.

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