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#31 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von DrZalmat 10.08.2019 18:54

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Zitat von Amanita im Beitrag #29
Bei den Elaviern ist die Tötung eines Säugetieres moralisch (wenn auch nicht rechtlich) mit der Tötung eines Menschen gleichzusetzen,

Sind Elavier dann Vegetarier? Und wie sehen sie es bei nicht-Säugetieren?

Zitat von Amanita im Beitrag #29
Ein Elavier, der ohne eine solche Legitimierung eine unschuldige kleine Maus tötet, gilt unter seinen Landsleuten jedoch als Monster.

Wie wird Tötung aus Versehen geahndet? Also sagen wir mal... jemand tritt aus versehen auf eine Maus

#32 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 10.08.2019 18:58

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #30
Ein interessantes Thema, besonders in deiner Welt! Hier können die anderen Nationen etwas von den Sarilern lernen! :D

Meinst du hier wirklich die Sariler oder die Elavier?

Zitat von DrZalmat im Beitrag #31
Wie wird Tötung aus Versehen geahndet? Also sagen wir mal... jemand tritt aus versehen auf eine Maus

Das gilt dann eben als fahrlässige Tötung.
Zitat von DrZalmat im Beitrag #31
Sind Elavier dann Vegetarier? Und wie sehen sie es bei nicht-Säugetieren?

Viele Elavier sind tatsächlich Vegetarier. Bei Nicht-Säugetieren gehen die Meinungen auseinander. Das Töten von Insekten, Schnecken und dergleichen gilt aber für viele als akzeptabel, der Verzehr von Insekten ist in Elavien auch recht verbreitet. Insbesondere am Meer gibt es auch die Ansicht, dass Fische getötet werden dürfen, selten auch Reptilien oder Vögel.

#33 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Chrontheon 10.08.2019 21:14

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Zitat von Amanita im Beitrag #32
Meinst du hier wirklich die Sariler oder die Elavier?

Die Sariler, weil sie für toxische Sachen nur Fachpersonal [= Elementarmagier] verwenden, was die Sicherheit enorm erhöht. [Von den Elaviern kann man hier natürlich auch, wenn nicht sogar mehr, lernen!]

Zitat von Amanita im Beitrag #32
Das gilt dann eben als fahrlässige Tötung.

Nicht als "Unfall"? Ich mein, wenn man auf alles achtet, gibt es immer die Möglichkeit, dass doch ...

#34 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von DrZalmat 11.08.2019 15:44

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Zitat von Amanita im Beitrag #32
Das Töten von Insekten, Schnecken und dergleichen gilt aber für viele als akzeptabel, der Verzehr von Insekten ist in Elavien auch recht verbreitet. Insbesondere am Meer gibt es auch die Ansicht, dass Fische getötet werden dürfen, selten auch Reptilien oder Vögel.

Also quasi... je "höher" die Lebensform ist, desto eher sagen die Leute dass man sie nicht töten darf.

Was ist mit Wesen aus "niedrigen" Bereichen die aber weit entwickelt sind? Wie z.B. ein Oktopus? "niedrige" Lebensform aber extrem intelligent

#35 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Teja 12.08.2019 11:26

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Sind die Elavier dann Vegetarier oder Veganer? Haben sie überhaupt Nutztiere?

#36 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 24.08.2019 13:54

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Zur Schwimm- und Badekultur verweise ich auf den guten Bademeister Remigius vom Anfang.
Letzte Woche gab es aber irgendwann das Thema "Verbotene Waffen" und dazu habe ich für Silaris noch ein bisschen was gebastelt. (Ich distanziere mich ausdrücklich von den Statements unter den Spoilertags. )

Verbotene Waffen



Schon seit Jahrhunderten werden die völkerrechtlichen Grundlagen der Kriegsführung in Silaris durch die „Pansilarische Kriegsordnung“ geregelt. Dieser Vertrag wurde inzwischen von allen silarischen Staaten unterzeichnet und regelt Dinge wie die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten, den Umgang mit Kriegsgefangenen, wie vorgegangen werden soll, wenn sich Soldaten unterwerfen und welche Richtlinien bei Kapitulationen einer Kriegspartei gelten. Völkermord, also der Versuch eine Gruppe komplett auszulöschen, oder auch "nur" ihre Kultur zu vernichten, wird in diesem Vertrag ebenfalls geächtet.

Explizit verbotene Waffen findet man darin jedoch nicht, sondern lediglich folgende Passage.

§18: Nicht zum Einsatz kommen dürfen Waffen, die durch ihre Wirkungsweise oder Beschaffenheit, trotz sachgemäßer Anwendung
a) einen besonders langsamen und qualvollen Tod herbeiführen oder besonders häufig zu langanhaltendem Siechtum, Leiden oder Verstümmelung führen
b) Zivilisten besonders stark gefährden oder sogar vorrangig gegen Zivilisten gerichtet sind.

Wie man an diesen Formulierungen schon sieht, gibt es hier sehr viel Ermessensspielraum. In der Praxis kam es bisher kaum vor, dass eine Kriegspartei wegen der Art der angewendeten Waffen wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde, andere Aspekte werden da höher gewichtet.
Beispielsweise laufen solche Soldaten, die Zivilisten an die Wand stellen und mit einem sauberen Schuss töten, eher Gefahr als Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen zu werden, als solche wie bei @Elatan, die feindliche Soldaten in mit kotbeschmierten, spitzen Stöcken gespickte Gruben locken.

In Silaris gab und gibt es jedoch immer wieder Bemühungen auf Basis von §18 der Kriegsordnung bestimmte Waffengattungen international zu ächten.

Am erfolgreichsten war dies für Landminen, den Vertrag zu deren Ächtung haben alle silarischen Staaten mit Ausnahme von Avechain unterzeichnet und halten ihn auch ein. Internationale Teams zur Räumung sind in verschiedenen, aus früheren Kriegen betroffenen Gebieten tätig. Die Avechai weigern sich den Vertrag zu unterzeichnen, da sie nicht auf die Nutzung dieser Waffengattung zur Sicherung ihrer Grenze zu Sarilien verzichten wollen.

Die Organisation „Gesellschaft für Ethik in der Biologie“ strebt einen Vertragsschluss zur Ächtung von biologischen Waffen an, diese Bemühungen stecken jedoch noch in ihren Kinderschuhen, da die meisten Politiker und Militärs das Thema als nicht relevant abtun, da sowieso niemand zu solchen Waffen greifen würde...
Während sie in ihren Geheimlabors fleißig daran forschen, jedenfalls Arunier, Elavier, Sariler und Avechai.

Aus Ruaris stammt ein Vorschlag zur Ächtung von Brandmunition, die zunächst allgemein und nach einem modifizierten Antrag lediglich für die Anwendung gegen Personen gelten sollte. Es gelang den Ruariern jedoch nicht, die Vertreter der anderen Staaten vom Verzicht auf solche Waffen zu überzeugen.
Der temiranische Verteidigungsminister Meneo Sarnos fasst die verbreitete Meinung hierzu wenig diplomatisch zusammen:
„Feuer und Schwert gehören zum Krieg seit es Kriege gibt. Der Vorschlag, die Nutzung des Feuers im Krieg verbieten lassen zu wollen, weil sie unverhältnismäßig grausam sei, kann nur von verweichlichen, degenerierten Politdarstellern mit pazifistischer Ideologie kommen.“ (Im Anschluss wurde der temiranische Botschafter in Ruaris einbestellt.)


Ebenfalls aus Ruaris stammt der Versuch Waffen und militärische Maßnahmen zu verbieten, die dazu gedacht sind, Hungersnöte hervorzurufen. Dies wurde jedoch von den Aruniern kategorisch abgelehnt und als verdeckten Angriff auf ihre Herbizideinsätze in Sarilien interpretiert.

Immerhin von allen Staaten außer Sarilien, Avechain und Tessmar unterzeichnet wurde der Vertrag zum Verbot von Chemiewaffen, gegen den Arunien allerdings im Arisaja-Krieg mehrfach verstoßen hat, was bisher keine Konsequenzen für die Arunier hatte.
Der arunische General Cressidus äußerte sich hierzu intern folgendermaßen:
„Die Behauptung, dass chemische Kampfstoffe besonders grausam wären, wird zwar von interessierter Seite immer wieder ins Feld geführt, aber ein fundierter Beweis dieser These findet nicht statt. Angenommen sie träfe zu, wäre dies noch lange kein Grund die gesamte Waffengattung zu verbieten, sondern sollte allenfalls Motivation für unsere Wissenschaftler sein, effektive Wirkstoffe zu finden, die keine oder nur geringe Schmerzen auslösen.“

Aktivisten und Politiker aus Ruaris, Avechain und Elavien versuchen daneben Vergewaltigungen im Krieg zunächst als Waffe anerkennen zu lassen und dann mit Bezug auf Paragraph 18 als Kriegsverbrechen zu ächten. Arunien unterstützt die Einstufung als Kriegsverbrechen grundsätzlich, ist aber mit der Einstufung als Waffe noch nicht ganz einverstanden, ähnlich sind die Positionen in Temira und Dagerya, Sarilien lehnt den Vorschlag ab und sieht darin einen Versuch, sarilische Soldaten nachträglich als Kriegsverbrecher verurteilen zu können.
Narajan siru Elina, Major der sarilischen Geheimpolizei, äußert sich dazu folgendermaßen.
„Ein solcher Vorschlag zeigt uns deutlich, wie sehr sich die Denkweise vieler heutiger Menschen von der Natur entfernt hat. Überall im Tierreich dasselbe Bild, wenn Männchen miteinander kämpfen, bekommt das stärkere die Gelegenheit zur Fortpflanzung, sodass genetisch möglichst starke Nachkommen geboren werden. Was überall sonst normal ist, kann beim Menschen keine Waffe sein und schon gar kein Kriegsverbrechen. Ist es nicht regelrecht zynisch, eine Schwangerschaft als „langanhaltendes Siechtum oder Leiden“ bezeichnen zu wollen?"

#37 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Chrontheon 24.08.2019 15:04

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Zitat von Amanita im Beitrag #36
als solche wie bei @Nharun, die feindliche Soldaten in mit kotbeschmierten, spitzen Stöcken gespickte Gruben locken

Ich glaube das war von @Elatan.

#38 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Aguran 24.08.2019 16:11

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Urghs... ganz üble zynische Machtpolitik, das die überhaupt dazu gekommen sind eine Art Kriegsordnung auszuhandeln wundert mich ein wenig.
Gab es denn einen konkreten Grund dafür dass es überhaupt als notwendig erachtet wurde eine Solche Ordnung einzusetzen?
Und wenn es zu Kriegsverbrechen kommen sollte, wer richtet dann über die Täter? Oder bleibt es lediglich bei diplomatischen Ermahnungen?

#39 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 24.08.2019 20:20

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@Chrontheon, ja, du hast recht. (Wir brauchen einen Rotwerd-Smiley...)
Ich ändere das mal, damit Nharun sich nicht wundert.

@Aguran, es gibt ein Kriegsverbrechertribunal, wo Prozesse gegen Einzelpersonen geführt werden. Ganze Länder können aber nicht vor Gericht gestellt werden, sondern bekommen je nachdem wer es ist, diplomatische Ermahnungen, Wirtschaftssanktionen,oder eine "humanitäre Intervention." Dieser Narajan steht beispielsweise auch auf der Liste und sollte Sarilien besser nicht verlassen, genau wie sein guter Kumpel der aktuelle Leiter von Elasvaihja, Rejan.
Die Kriegsordnung stammt noch aus einer Zeit, wo die politischen Verhältnisse noch etwas anders waren als heute und wo man sich darauf einigen konnte, dass die dort getroffenen Vereinbarungen in der Summe mehr nutzen als ein Beharren auf den geächteten Vorgehensweisen.

#40 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Aguran 24.08.2019 20:43

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@Amanita
Dann ist das Tribunal aber eher ein zahnloser Papiertiger oder?
Was hat sich denn konkret verändert dass es heute so anders ist als zur Verfassung der Kriegsordnung?

#41 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 24.08.2019 23:44

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Zitat von Aguran im Beitrag #40
Dann ist das Tribunal aber eher ein zahnloser Papiertiger oder?

Ja, das beklagen auch in-world einige. Es gab aber schon den einen oder anderen, der dadurch zur Verantwortung gezogen wurde.
Zitat von Aguran im Beitrag #40
Was hat sich denn konkret verändert dass es heute so anders ist als zur Verfassung der Kriegsordnung?

Manche Völker wie die Sariler oder auch die Roviniel waren bei der Entwicklung des Kriegsordnung überhaupt nicht dabei, weil sie damals Stammesgesellschaften waren, die nicht als "zivilisiert" galten.
Diejenigen, die sich mit dieser Bezeichnung geschmückt haben, also hauptsächlich Arunien, Ruaris, Temira und Elavien, aber auch Avechain hatten in dieser Phase (genannt "Zeitalter des Aufbruchts) einen regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch untereinander. Krieg als "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" war da zwar durchaus üblich, man war sich aber einig, dass dies nach gewissen Regeln ablaufen sollte, um zu viel Schaden für die Zivilbevölkerung und die Versorgungssituation zu vermeiden und zu verhindern, dass sich durch die Kriege wirklich längerfristige Ressentiments entwickeln, weil dies die damalige Weltordnung gefährden würde. Deswegen auch die Regeln zu Kapitulation, die dem Unterlegenen ermöglichen sollten, die Niederlage zwar einzugestehen, aber das Gesicht zu wahren.
Der Arunisch-Temiranische Krieg, der das Ende des Zeitalters des Aufbruchs und den Beginn der Industrialisierung besiegelte, lief noch mit geringen Verlusten bei der Zivilbevölkerung und ohne Demütigung der unterlegenen Temiraner ab, auch wenn die Staatsform dort von einer Monarchie zur parlamentarischen Demokratie wurde.

Der Arunisch-Ruarische Krieg stellte hier eine deutlich Zäsur dar. Der ruarische Diktator Lamkiss verstieß ganz bewusst gegen die Kriegsordnung, ließ Zivilisten massakrieren und zu brutaler Zwangsarbeit verpflichten, Folter von Gefangenen war an der Tagesordnung, wertvolle Kulturgüter wurden gezielt vernichtet usw. usf. Die Arunier behaupten, dass sie sich innerhalb dieses Konflikts trotzdem daran hielten, allerdings gab es auf ihrer Seite zahlreiche Situationen im "grauen Bereich", beispielsweise verheerende Angriffe auf Städte, in denen sich Soldaten, aber auch zahlreiche Zivilisten aufhielten, statt Folter gab es "erweitere Verhörmethoden" etc. Dadurch haben sich die Arunier dann sozusagen daran gewöhnt, die Kriegsordnung eher großzügig auszulegen.
Hinzu kommt noch, dass sich durch die Industrialisierung und die neuen technologischen Möglichkeiten in der Kriegsführung auch ganz andere Möglichkeiten und Herausforderungen ergeben haben. Allgemein wurden da wieder Strategien wie "den Kampfgeist brechen" und sie "so hart treffen, dass sie sich nie wieder trauen, einen Krieg anzufangen" populär.

Viele konservative Militärs und auch Künstler und Autoren glorifizieren jedoch die heroische frühere Zeit mit ehrenhaften Kriegen. Bei den Sarilern ist dies ebenfalls der Fall, allerdings unterscheiden sich ihre Vorstellungen von einem ehrenhaften Krieg in vielen Punkten deutlich von denen der anderen.

#42 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Aguran 26.08.2019 17:20

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Danke für die ausführlicjen Antworten, sehr interessant das Ganze. 😊

#43 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Nharun 26.08.2019 18:48

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Ich finde diesen Themenkomplex auch sehr interessant! Es ist spannend zu sehen, aus welchen Gründen hier Themen moralisch bewertet werden; es ist erfrischend zu lesen, dass sich die Moral deiner Leutchen von unserer unterscheidet, der Unterschied sich aber harmonisch in das Bild fügt, das du bereits durch Beiträge zu anderen Themen skizziert hast, und nicht einfach "anders um des Andersseins willens" ist.

#44 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 14.09.2019 14:53

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Kommunismus in Silaris



Im Verlauf der Industrialisierung kam es auch in Silaris zu großen sozialen Ungleichheiten, die bei vielen Menschen den Wunsch nach einem anderen System weckten. Einige wenige besaßen viel und schwelgten im Luxus, während andere unter miserablen Bedingungen hart arbeiten musste.

Der Umgang mit dieser Situation unterschied sich von Land zu Land. Im heutigen Sarilien und Tessmar führte sie zu einem enormen Anstieg der Kriminalität woraufhin sich die Reichen immer stärker abschotteten. Es bildeten sich Banden und illegale Organisationen, die versuchten ihre Situation durch illegale Geschäfte wie Drogenanbau und Handel (besonders in Sarilien), Prostitution (besonders in Tessmar) sowie organisierten Raubzügen zu verbessern. Zwischen diesen Gruppierungen kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen, welche die Sicherheitsbehörden ignorierten, solange keine wohlhabenderen Bürger betroffen waren.
In Tessmar sind diese Strukturen bis heute nicht vollständig verschwunden, da sie noch durch ethnische Konflikte zwischen den häufig wohlhabenden Dergom-Tessmari und den häufig ärmeren Saril-Tessmari geschürt werden. Die Prostitution hat sich dort jedoch inzwischen als anerkanntes Gewerbe etabliert, wobei es immer noch illegale Formen gibt. Zudem ist Tessmar bis heute ein Zentrum des Handels mit Drogen und Waffen jeglicher Art.
In Sarilien fand mit der Machtergreifung des Araja-Manjia-Regimes ein fundamentaler Systemwechsel statt, der zu einem System führte, dessen wirtschaftliche Ordnung einer kommunistischen in ganz Silaris am nächsten kommt. In Sarilien herrscht vornehmlich Planwirtschaft, jeder Bürger bekommt irgendeine Form von Arbeitsstelle und die Lohnunterschiede sind sehr gering. Anders als im real-existierenden Sozialismus übt sich jedoch auch die Parteiführung in Mäßigung und die materiellen Unterschiede zwischen den Bürgern sind sehr gering. Hierarchien in Sarilien begründen sich stattdessen auf den Leistungen der Bürger, die durch an der Uniform getragene Abzeichen sichtbar gemacht wird.

In Temira erkannte das Königshaus recht bald den sozialen Sprengstoff hinter den großen sozialen Unterschieden jener Zeit und erließ eine umfangreiche Sozialgesetzgebung, die gewährleisten sollte, dass niemand der arbeitete, trotzdem Not leiden sollte. Die Bürger wurden durch Renten- und Krankenversicherungen abgesichert und ein Mindestlohn wurde eingeführt, der ausreichte, um die Notwendigkeiten des Lebens zu bestreiten, außerdem wurden Gesetze zum Arbeitsschutz erlassen.
Diese Regelungen führten dazu, dass die Lohnkosten in Temira deutlich höher waren als in Arunien und Ruaris, was die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch das Fortschreiten der Industrialisierung deutlich ausbremste. Gleichzeitig führten sie jedoch wie gewünscht zu einer gesellschaftlichen Stabilisierung und Solidarität.

In Arunien und Ruaris existierten zu jener Zeit kaum Beschränkungen für Unternehmer und die wenigen, die es gab, schrieben vor, wo Fabriken gebaut werden durften (nicht in der Nähe von reichen Wohngegenden), Arbeitsschutz, Regelungen zur erlaubten Arbeitszeit, oder gegen Kinderarbeit waren jedoch nicht existent. Dazu kamen katastrophale hygienische Zustände in den schnell hochgezogenen Arbeitervierteln der arunischen und ruarischen Städte.
Wie man sich vorstellen kann, führte dies zu einigem Unmut und animierte auch gebildete Arunier und Ruarier dazu, alternative Konzepte zu durchdenken, die teilweise in eine ähnliche Richtung gingen, wie das kommunistische Manifest in unserer Welt. Während in Arunien, wo die individuelle Freiheit traditionell hochgehalten wurde, viele Menschen dem eher skeptisch gegenüberstanden, fand es in Ruaris zahlreiche Anhänger und die sozialistische Partei von Ruaris erhielt mit jeder Wahl mehr Stimme im Parlament, auch wenn die etablierten Parteien eine Zusammenarbeit kategorisch ausschlossen. Um diese Entwicklung zu beschränken, wurde das Gewicht der Wählerstimmen eine Zeit lang an das Einkommen der Wähler gebunden, was jedoch massive Proteste nach sich zog und deshalb wieder aufgegeben wurde.
In Arunien sorgte währenddessen der Streik der Textilarbeiterinnen für Aufregung, die Aruniens erste Gewerkschaft gegründet hatten. Im damals noch recht patriarchalisch organisierten Arunien war die Tatsache, dass ausgerechnet arme Frauen es wagten sich den Befehlen reicher Männer zu widersetzen für viel Aufregung und derbe Hetzschriften in den Zeitungen. Die Textilarbeiterinnen ließen sich dadurch jedoch nicht einschüchtern, sondern erhielten zusätzlich Unterstützung von Frauen, die in anderen Bereichen als Arbeiterinnen tätig waren, beispielsweise beim Bemalen von Porzellan oder bei der Herstellung von Streichhölzern. Schließlich gelang es diesen Frauen, sich deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, woraufhin auch zahlreiche Streiks männlicher Arbeiter folgten.
Von den arunischen Vorbildern animiert kam es auch in Ruaris zu einigen Streiks, anders als in Arunien war hier jedoch der Wunsch nach einem kompletten Systemwechsel weit verbreitet.

An diesem Punkt wird es historisch schwierig. Manche, insbesondere linke Historiker sind der Überzeugung, dass die militaristisch-nationalistische Diktatur von Cuno Lamkiss nur zustande gekommen ist, weil sie massiv von Unternehmen unterstützt wurde, die Angst vor einer kommunistischen Revolution hatten. Andere sind der Überzeugung, dass insbesondere weniger gebildete Ruarier auf die Propaganda, die sie trotz ihrer Armut als den anderen Völkern überlegen darstellte, hereingefallen sind.
Nach akzeptierter Meinung war es eine Mischung aus diesen und weiteren Gründen. Jedenfalls kam das Lamkiss-Regime an die Macht, gewährte den Arbeitern Vergünstigungen und vorteilhafte Gesetze, unterband aber gleichzeitig alle Streiks und verbot alle Gewerkschaften.

Nach dem Arunisch-Ruarischen Krieg wurden in beiden Ländern umfangreiche Sozialgesetze eingeführt, der Wohlstand stieg nach dem Wiederaufbau deutlich und kommunistische Ideale sind eher eine Randerscheinung.
Linke Historiker vertreten bis heute die Position, dass der Krieg überhaupt nicht geführt wurde, weil das freiheitlich-demokratische Arunien die gefährliche Lamkiss-Diktatur beenden wollte, sondern dass es in Wirklichkeit darum ging, die steigende Unzufriedenheit und Aggressivität in der Bevölkerung gegen einen äußeren Feind umzulenken, um das kapitalistische System zu bewahren.

#45 RE: Amanitas Tagesthemen-Bastelthread: Aktuell: Sumpffieber von Amanita 08.11.2019 19:26

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Demonstrationen sind in Silaris ein großes Thema, deswegen hier ein (nicht erschöpfender) Beitrag dazu.

Demonstrationen

In Silaris sind Demonstrationen in Arunien, Dageyra, Elavien, Ruaris und Temira grundsätzlich erlaubt. In anderen Ländern (beispielsweise Avechain) ist das Demonstrationsrecht eingeschränkt, während solche Aktivitäten in Sarilien als Verrat gelten und entsprechend verfolgt werden.

Elavien
In Elavien hat sich im Rahmen der friedlichen Revolution eine regelrechte Demonstrationskultur entwickelt, die ein wichtiger Bestandteil der politischen Willensbildung ist.
In der Hauptstadt gibt es einen speziellen Platz in Sicht- und Hörweite des Regierungsviertels, wo das Errichten von Demonstrationscamps erlaubt ist. Hier sammeln sich regelmäßig verschiedenste Interessengruppen, die versuchen, die Regierung von ihren Anliegen zu überzeugen. Daneben wird auch gerne gemeinsam gesungen, musiziert und gekocht, wobei sich häufig Kontakte zwischen Demonstranten aus verschiedensten Regionen des Landes und mit äußerst unterschiedlichen Anliegen bilden.
Bei besonders gravierenden Anliegen ist es üblich, dass die Demonstranten zu Fuß von ihrem Heimatort in die Hauptstadt laufen, sich von Journalisten begleiten lassen und überall auf dem Weg um Unterstützung für ihr Anliegen werben. Auch Hungerstreiks sind üblich.

Themen, um die es bei den Demonstrationen häufig geht sind unter anderem: Korruption, Arbeitnehmerrechte, Benachteiligung einzelner Gruppen, Umweltzerstörung, Landraub, sexualisierte Gewalt, Kritik am Wahlrecht, Unmut über bestimmte Politiker, als ungerecht empfundene Gesetze, die Lebensmittelpreise und vieles mehr. Den Demonstranten gelang es zwar bisher nicht, diese Probleme komplett aus Elavien zu verbannen, aber dennoch konnten immer wieder erfolgreich Zugeständnisse erkämpft werden.

Grundsätzlich wird das Demonstrationsrecht in Elavien sehr respektiert, doch gelegentlich kommt es trotzdem zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Als eine Demonstration vor einer Investorenkonferenz mit wichtigen internationalen Wirtschaftsvertretern mit Schlagstöcken, Gummigeschossen und Tränengas auseinandergetrieben wurde, hatte dies elavienweite Demonstrationen und eine öffentliche Entschuldigung des Premierministers zur Folge.

Arunien

In Arunien ist das Demonstrationsrecht ähnlich geregelt wie bei uns. Demonstrationen sind grundsätzlich erlaubt, müssen aber angemeldet werden und können bei „Gefahren für die öffentliche Ordnung“ auch verboten werden.
Normalerweise demonstrieren die Arunier wesentlich seltener als die Elavier, denn anders als dort gelten Demonstrationen in Arunien bei vielen Menschen als Betätigung für jugendliche Chaoten. Die meisten Arunier regen sich lieber daheim auf und posten wütende Kommentare im Internet, statt vom Sofa aufzustehen beschränken sich ordentlich aufs Wählen, um ihren Willen kundzutun.
Von vielen Demonstrationen erschüttert wurde das Land jedoch während der letzten Jahren des Arisaja-Kriegs. Zunächst ging das dem üblichen Muster folgend von den Universitäten aus, wo zunächst in Ergalla und später auch in Meravas und anderen Städten zahlreiche Studenten gegen Kriegsforschung an ihren Universitäten, das Vertuschen von Kriegsverbrechen heute und im Arunisch-Ruaischen Krieg und am Ende auch gegen den Krieg an sich in Sarilien und überhaupt demonstrierten.
Ziel war hierbei insbesondere der Chemiekonzern Ultiria, der die Armee mit weißen Phosphor und Herbiziden für den Kriegseinsatz versorgte. (Und auch mit chemischen Waffen gegen Menschen, aber dies war den Demonstranten damals nicht bekannt.)
Ultiria wurde von den demonstrierenden Studenten als Inbegriff für alles, was in Arunien schieflief, betrachtet. (Und ist heutzutage immer noch Silaris-weit ausgesprochen unbeliebt…)

Zunächst wurde das alles in der Öffentlichkeit kritisch gesehen und ein hartes Vorgehen gegen die Chaoten propagiert, doch je länger der Krieg andauerte, je mehr arunische Soldaten ohne große Erfolge tot zurückkamen und je mehr Bilder von toten sarilischen Zivilisten in Umlauf kamen, desto geringer wurde der Rückhalt in der Bevölkerung.
Ein endgültiger Umschwung der öffentlichen Meinung fand statt, als im Rahmen einer Demonstration in Meravas ein Student sowie zwei Studentinnen getötet wurden. Von diesem Tag an breitete sich der Unmut in ganz Arunien aus.
Menschen aller Altersgruppen hatten genug davon, ihre Söhne, Brüder und Ehemänner im Kampf um einen „Regimewechsel“ in Sarilien, den die Sariler offensichtlich nicht wollten, sterben zu sehen und viele Menschen konnten die Vorgehensweise im Krieg nicht mehr mit den Werten ihres Landes vereinbaren. Überall in Arunien gingen Tausende auf die Straße, um für ein Ende des Kriegs zu demonstrieren.

Diese eindeutige Meinungsäußerung von Seiten der Bevölkerung war der Hauptgrund dafür, dass nach dem Tod des sarilischen Diktators Avenco mit dessen Nachfolgerin Aneséja ein Waffenstillstand geschlossen und ein Friedensvertrag vereinbart wurde.
Bei einigen Politikern und Militärs sorgt dies bis heute für Unmut, da sie davon überzeugt sind, dass die Sariler bald besiegt gewesen wären, wenn ihnen nicht das eigene Volk in den Rücken gefallen wäre. Das Patt in diesem Krieg ist für diese Menschen eine Kränkung und manche von ihnen versuchen nach wie vor einen neuen Krieg mit Sarilien herbeizuführen, um die Sache endgültig zu klären, was jedoch heute noch weniger Rückhalt in der Bevölkerung hätte als damals. Jedenfalls solange sich die Sariler nichts Gravierendes zu Schulden kommen lassen….

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