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#1 [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Nharun 31.07.2019 15:14

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Im "Jetzt" (um 1980) existieren auf der Toraja grob gezählt 9 größere Religionen: Der Asiranismus, die Erkenntnis, die Saiwaiya, der Palor Sicator-Glaube, das Hiyoshi, der Teneitas, das Tentupan, der Yofan und das Atsuru.
Diese großen Religionen, die häufig noch in mehr oder minder große Sekten gespalten sind, möchte ich als erstes im Rahmen dieses Threads vorstellen.



Inhaltsverzeichnis der Religionsbeiträge
  1. Der Asiranismus
  2. Die Erkenntnis
  3. Die Saiwaiya
  4. Der Palor Sicator Glaube
  5. Das Hiyoshi
  6. Der Teneitas
  7. Das Tentupan
  8. Der Yofan
  9. Das Atsuru


Die Verbreitung der Weltreligionen um 1979




Für dieses Thema sind besonders 9., 11., 13. und 14. meiner Leitlinien relevant, das heißt kurz zusammengefasst: Ob es Götter gibt oder nicht, wird von mir nicht beantwortet; Ähnlichkeiten zu irdischen Religionen oder religiösen Entwicklungen sind zwar durchaus beabsichtigt, für die Toraja gelten aber andere Moralvorstellungen als prägend.

#2 Der Asiranismus von Nharun 31.07.2019 15:15

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Beginnen wir mit dem euch vielleicht Bekanntesten, weil auch hier im Forum bereits öfter mal erwähnten:

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Der Asiranismus


Was ist der Sinn des Lebens? - Das Leben ist eine Leidensprüfung, in der ich beweisen soll, dass ich der Verderbnis widerstehen kann
Was erwartet mich nach dem Tod? - Wenn ich mich von Leid und Verderbnis lösen konnte, erwartet mich ein Platz in den Thaonischen Gärten; bin ich der Verderbnis verfallen, werde ich ins Anderdunkel gestoßen
Zu wem bete ich? - Asiranas, meinem Erlöser
Wie stets mit der Magie? - Magie ist Verderbnis

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Kyrakeia Phallege Ne Sesta Asiranei (Echyrisch-Rechtgläubige Kirche)


Rechtgläubige und Reformierte: Die großen Konfessionen


Der Asiranismus ist in drei große Konfessionen (Kyrakes) zersplittert: (1) Die echyrisch-rechtgläubige Kyrakeia beansprucht für sich die älteste Tradition und führt sich auf die Kyrakeia des klassischen Arrovelosia zurück. Sie nennt sich selbst Kyrakeia Phallege Ne Sesta Asiranei ("Die Heilige und Wahre Gemeinschaft des Asiranas") und erhebt den Anspruch, die Chairotea Kalbleparda ("Botschaft der Hoffnung") sie das wahre Wort des Erlösers, das bereits vor seiner Niederschrift exakt in diesem Wortlaut weitergeben wurde. Obwohl es sich somit um die konservativste Konfession des Asiranismus handelt, er- und überlebte die sogenannte Kyrakeia Sephasta ("Vierte Kirche") bereits zwei große Reformationen, von denen die letzte mit einer empfindlichen Säkularisierung einherging. Andere Bezeichnungen für diese Konfession sind auch Kyrakeia Echirike ("Echyrische Kirche") und Kyrakeia Sestsakrinosis ("Rechtgläubige Kirche").
(2) Die arbarisch-reformierte Kyrakeia entstand zur Zeit der "Dritten Kirche" als Gegenbewegung zur menschenvernichtenden, theokratischen Diktatur. Die Kyrakeia Enymene ("erneuerte Gemeinschaft") sieht die Chairotea Kalbleparda nicht als getreues Wort des Erlösers an, sondern als auslegungsbedürftige Schriftsammlung, weshalb sie in vielen Belangen als toleranter gilt. Doch die Kyrakeia Arbarike ("Arbarische Kyrakeia") hat neben dem arbarischen Volksglauben, auch das Horgersystem in ihre Form des Asiranismus miteingebracht.
(3) Die subatisch-rechtgläubige Kyrakeia Entstand bereits im Mittelalter und sieht sich als rechtmäßigen Erben der antiken, arrovelisianischen Tradition an, auch wenn sich im Kultus viele antik-gisuvatische Elemente erhalten haben.

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Kyrakeia Enymene (Arbarisch-Reformierte Kirche)



Ursprünge und Verderbnis: Die Entwicklung des Asiranismus in groben Zügen


Die asiranistische Religion ist in ihrem Kern eine Philosophie der Hoffnung, die den Menschen vor seelischem Leiden und körperlicher Verderbnis erretten will und in der Asiranas als halbgöttlicher Erlöser und Vorbild gilt. Die zunächst asketische und nur von Mönchen ausgeübte Religion entwickelte sich bereits in der Antike zu einem Staatskult im ersevischen Velosija und fand über das Arrovelosianische Reich ihren Weg zur zentralistischen Reichsreligion. Auf diesem Weg beanspruchte der Asiranismus auch, den Menschen von "moralischen Verderbnissen" retten zu müssen, wobei die Moral eine immer engere Auslegung erfuhr. Der Tiefpunkt war die sogenannte Kyrakeia Dreiaste ("Dritte Kyrakeia") des ausgehenden Mittelalters, die nicht nur Andersgläubige sondern auch "Sünder" systematisch verfolgte und zur Sicherung des Gemeinwohls umbrachte; da bereits kleinste Spuren der Verderbnis als "Nachweis der Sünde" galten, wurden Zehntausende Opfer des Reinigungswahns der Kirche (manche Schätzungen sprechen auch von Hunderttausenden).

Die große Reformation zur "Vierten Kirche" beinhaltet eine, auf alle großen Konfessionen ausstrahlende, "Auflockerung" der Jenseitsvorstellung, aber auch des Umgangs mit verderbten Menschen. Während zuvor nur der körperlich und seelisch Reine nach dem Tod Eintritt in die idyllischen Thaonischen Gärten erfuhr, gilt als Zugangsqualifikation nun das aufrichtige Streben nach Reinung, das der Gläubige durch ein gebotsmäßiges Leben beweisen kann, auch wenn er vielleicht körperliche Spuren der Verderbnis trägt. Hier unterscheiden sich die Konfessionen und Sekten vor allem in der Striktheit der Auslegung der Gebote und der Hürden für eine Wiedergutmachung von Verfehlungen.

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Kirakja Subatsja (Subatisch-Rechtgläubige Kirche)



Ich würd' ja so gern dran glauben: Die Probleme des heutigen Asiranismus


Das größte Problem des Asiranismus in den meisten seiner Spielarten ist sein Verhältnis zur Magie. Der Asiranismus entstand als Religion des Schutzes gegen das Anderdunkel und dessen Verderbnis, doch die moderne Welt kann ohne die Magie nicht mehr leben. Da Magie unbezweifelbar Verderbnis ist, kann der Asiranismus die Magie nicht gut heißen und besonders die echyrische und subatische Kyrakeia tun sich schwer damit, manche Formen offiziell wenigstens zu tolerieren.
Die Mehrheit der asiranistischen Gläubigen befindet sich daher heute in einem Zwiespalt zwischen dem magischen Luxus des Alltags und ihrem Glauben und viele Menschen sind nur noch pro Forma Mitglieder einer Kyrakeia, ohne den Kult zu befolgen oder nach den Geboten zu leben.

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Symbol der "Dritten Kyrakeia"


Abspalter und Andersdenker: Überblick über die kleineren Sekten und Glaubensgemeinschaften


Zu den kleineren Sekten des Asiranismus gehören einige (sog. "Nyrumeses Sysaides", "Wiedergeburtssekten"), die ein Weiterleben nach dem Tode bezweifeln und davon ausgehen, dass eine Seele, die sich bis zum Tod nicht von der Verderbnis befreien konnte, einfach wiedergeboren wird.
Andere Sekten zeichnen sich durch besonders strenge Auslegung der Lehren aus und führen ein abgeschiedenes Leben wie im Mittelalter, um Kontakt mit der verderblichen Magie der Moderne zu vermeiden (sog. "Kaisestiden" ~ "Anhänger des alten Gesetzes"), wobei andere Sekten aus diesem Umfeld sich als Bewahrer der Dritten Kirche verstehen und auch nicht vor Terroranschlägen auf das moderne Leben und seine Magiegesellschaft zurück schrecken.
Zuletzt muss auch noch die Gruppe der Mygasiranistes ("Magie-Asiranisten") genannt werden, die in der modernen, wissenschaftlichen Magie eben keine Verderbnis sehen, sondern ein Werkzeug der Erlösung; während manche dieser Sekten durchaus Zulauft aus der breiten Bevölkerung erhalten, gibt es auch manche Sekte, die durch Magie den Menschen zu einem magischen Übermenschen machen will, der aufgrund seiner Verbesserung den Leiden der Welt widerstehen kann; sie berufen sich oft auf Syvekuta 23 : "Die Befleckung des Menschen hinzunehmen, zeugt von mangelndem Glauben."

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"Sternenkriegsbanner"




Die Verbreitung der Weltreligionen um 1979

Das kommt als nächstes: Die Erkenntnis

Habt ihr fragen? Soll ich auf etwas, dass ich angerissen habe noch genauer eingehen? Ist etwas groß unverständlich? Seht ihr irgendwo Probleme? Teilt es mir hier mit!



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#3 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Elatan 31.07.2019 15:33

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Mir gefällt es, dass dieser Glaube so viele verschiedene Spielarten kennt. Sowas wirkt auf mich immer sehr realistisch (siehe die verschiedenen christlichen Konfessionen oder Schulen im Islam) und bietet schöne Möglichkeiten für Konflikte innerhalb der Welt, aber auch für Denkanstöße. Einige Fragen habe ich: Mir ist nicht so ganz klar, warum Asiranas der Erlöser ist. Ich bin ja kein völliger Laie und weiß daher auch von den sieben großen Taten Asiranas', aber mir ist nicht so ganz klar, inwiefern er dann dem Menschen Erlösung bringt. Außerdem würde mich dann noch interessieren, wie die Mygasiranistes darauf kommen, dass Magie nicht nur nicht Verderbnis ist, sondern gar Erlösung bringt. Und zu guter letzt:Wie sind die verschiedenen Kyrakes denn organisiert? Gibt es sowas wie einen Papst?

#4 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Teja 31.07.2019 16:41

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Ich finde es auch sehr gut, einen genaueren Einblick zu haben, da du den Asiranismus ja immer wieder erwähnst. Gerade die verschiedenen Spielarten machen das ganze sehr lebendig!

Vor ein paar Tagen fiel mir ein Thread auf, in dem unter anderem die Frage gestellt wurde, ob es in einer Welt mit Magie noch "normale" Technologie geben könnte.

Zitat von Nharun im Beitrag #2
Da Magie unbezweifelbar Verderbnis ist, kann der Asiranismus die Magie nicht gut heißen

Ich glaube, dieser Satz liefert eine gute Erklärung dafür, wenn man doch lieber Technologie entwickeln möchte. Gibt es denn auf deiner Welt auch Sekten, die Magie völlig ablehnen und dann effektiv leben wie die Amish in unserer Welt?

#5 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Chrontheon 31.07.2019 18:22

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Zitat von Nharun im Beitrag #1
Im "Jetzt" (um 1980) existieren auf der Toraja grob gezählt 9 größere Religionen: Der Asiranismus, die Erkenntnis, die Saiwaiya, der Palor Sicator-Glaube, das Hiyoshi, der Teneitas, das Tentupan, der Yofan und das Atsuru.

Welcher gehören die Iderusen an?

#6 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von DrZalmat 31.07.2019 18:38

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Zitat von Nharun im Beitrag #2
die sogenannte Kyrakeia Sephasta ("Vierte Kirche")


Wieso vierte Kirche wenn sie doch die Ersten waren?


Warum ist Magie unbezweifelbar Verderbnis? Und gilt das für alle Magie? Wie geht die Kirche damit um dass es "heute" ja überall Magie gibt... also nicht die Gläubigen, das hast du ja schon gesagt, ich meine die Priester und Oberen der Kirche

#7 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Nharun 31.07.2019 18:40

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Zitat von Elatan im Beitrag #3
Einige Fragen habe ich


Danke, ich werde versuchen dir alle so gut wie möglich zu beantworten

Zitat von Elatan im Beitrag #3
Mir ist nicht so ganz klar, warum Asiranas der Erlöser ist. Ich bin ja kein völliger Laie und weiß daher auch von den sieben großen Taten Asiranas', aber mir ist nicht so ganz klar, inwiefern er dann dem Menschen Erlösung bringt.


Das ist eine interessante Frage, denn sie trifft auch den Punkt, an dem sich der "Asiranismus" vom heidnischen Asiranas-Kult abspaltet; Asiranas ist nämlich viel älter, als der Asiranismus und hat, religionsgeschichtlich, eine steile Karriere hingelegt: Vom Stadtgott einer süd-echyrischen Stadt zu einem pan-echyrischen Heldengott zum ... naja Erlöser Die Sieben Taten stammen ursprünglich aus dem heidnischen Mythos, man kann sie mit den klassischen Taten des Herkales vergleichen. Die frühen Asiranisten haben diese Taten dann zu einem ersten Kampf Asiranas' gegen die Verderbnis umgedeutet, der schließlich doch vergeblich war, denn Asiranas musste erst erkennen, dass die Verderbnis in jedem Menschen wurzelt. Die Asiranisten sehen in Asiranas den Erlöser, weil er der große Lehrer ist, der ihnen erklärt warum sie momentan leiden und der ihnen Wege aufzeigt, ihrem Leid zu entfliehen; der asiranistische Asiranas ist der Erlöser von Leid und Verderben, aber eher im Sinne Buddhas als Christus'.

Zitat von Elatan im Beitrag #3
Außerdem würde mich dann noch interessieren, wie die Mygasiranistes darauf kommen, dass Magie nicht nur nicht Verderbnis ist, sondern gar Erlösung bringt.

Es gab schon in der Klassik Schriften, nach denen Asiranas auf seiner Suche nach einem Weg gegen die Verderbnis die Magie studierte; die haben es nicht in das Heilige Buch geschafft und sind daher eher Apokryphen, aber einige Sekten aus dem Umfeld der Mygasiranistes stürzen sich natürlicher darauf. Dann spielt noch eine Rolle, dass moderne, wissenschaftliche Magie, besonders seit der Computerberechnung von Zaubern, ziemlich nebenwirkungsarm geworden ist, d.h. die Magie selbst ist zwar noch eine "Verderbnis der Naturgesetze" aber sie verursacht nur noch bein Unfällen eine leibhaftige Verderbnis beim Menschen. Die moderne Magie kann außerdem die meisten physischen und sogar einige psychische Leiden effektiv bekämpfen, da wirkt sie schon attraktiv als leichter Weg der "Erlösung" ...

Zitat von Elatan im Beitrag #3
Wie sind die verschiedenen Kyrakes denn organisiert? Gibt es sowas wie einen Papst?

Ich glaube in allen drei großen Konfessionen ist die Organisation ähnlich der, der christlich-orthodoxen Kirchen, d.h. es gibt vor allem selbstständige Kirchen(gemeinden), die sich aber in Sachen Dogmatik und Lehre auf eine Einheit verständigen. Das bedeutet auch, dass es für bestimmte Regionen durchaus Patriarchen und Metropoliten gibt (die Titel für diese hab ich auch irgendwo, finde sie aber grade nicht). In der echyrischen Kyrakeia besaß der Patriarch von Pellas lange das Primat, als die "Dritte Kirche" zerschlagen wurde, verlor das Patriarchat von Pellas aber seinen rechtlichen Vorrang; es genießt aber immer noch so eine Art "Respektsbonus".

Zitat von Teja im Beitrag #4
Ich glaube, dieser Satz liefert eine gute Erklärung dafür, wenn man doch lieber Technologie entwickeln möchte. Gibt es denn auf deiner Welt auch Sekten, die Magie völlig ablehnen und dann effektiv leben wie die Amish in unserer Welt?

Ja, die gibt es, das sind die Hardcore-Kaisistiden, die leben wie im Mittelalter.

Zitat von Chrontheon im Beitrag #5
Welcher gehören die Iderusen an?

Die klassischen Iderusen folgen keiner der genannten Religionen, die Palor-Sicator-Religion entsteht aber später in ihrem Gebiet.

#8 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Nharun 31.07.2019 19:07

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #6
Wieso vierte Kirche wenn sie doch die Ersten waren?

Die Erste Kyrakeia ist die "Ur-Gemeinschaft" die noch von Asiranas selbst geleitet wurde (und von der Religionswissenschaftler und -kritiker nicht nur annehmen, dass sie niemals exisitert hat); die zweite Kyrakeia ist die "Klassische Kirche", die zur Staatsreligion wird; die "dritte Kirche" ist die mittelalterliche Theokratie, die "vierte Kirche" ist die aktuelle Erscheinungsform.

Zitat von DrZalmat im Beitrag #6
Warum ist Magie unbezweifelbar Verderbnis? Und gilt das für alle Magie?

Das ist eine innerweltliche Konstante und es gibt nur die eine Magie, jede andere "Magie" ist Illusion oder Humbug

Zitat von DrZalmat im Beitrag #6
Wie geht die Kirche damit um dass es "heute" ja überall Magie gibt... also nicht die Gläubigen, das hast du ja schon gesagt, ich meine die Priester und Oberen der Kirche

In etwa so souverän wie die katholische Kirche mit Abtreibung, Verhütung und Homosexualität. D.h. offiziell ist alles Sünde, aber du kannst nen netten Priester haben, der das lockerer sieht, solange seine Vorgesetzen ihm nicht auf die Finger schauen

#9 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Elatan 31.07.2019 19:22

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Zitat von Nharun im Beitrag #7
Ja, die gibt es, das sind die Hardcore-Kaisistiden, die leben wie im Mittelalter.

Da frage ich mich jetzt, ob dise radikalen Magie-Gegner nicht irgendwie versuchen, sich das Leben ohne Magie erträglicher zu machen und dann solche Entwicklungen (im kleineren Rahmen vielleicht) vorantreiben, wie sie in unserer Welt, in der wir ja ohne Magie auskommen müssen, vorkommen.

#10 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Nharun 31.07.2019 19:57

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Zitat von Elatan im Beitrag #9
Da frage ich mich jetzt, ob dise radikalen Magie-Gegner nicht irgendwie versuchen, sich das Leben ohne Magie erträglicher zu machen und dann solche Entwicklungen (im kleineren Rahmen vielleicht) vorantreiben, wie sie in unserer Welt, in der wir ja ohne Magie auskommen müssen, vorkommen.


Die richtigen Harcore-Fanatiker bestimmt nicht, aber in etwas aufgeschlosseneren Kommunen bestimmt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine nicht religiöse Art Anti-Magiologie-Bewegung gibt, die versucht Alternativen für alles mögliche zu finden, ähnlich wie Veganer, die Ersatz für Klamotten etc. finden müssen. Insgesamt ist das "finstere Mittelalter" bei allem Schrecken aber auch eine Blütezeit der nichtmagischen Technologie, insofern sind technologische Innovationen schon möglich und denkbar; aber für vieles gibt es eben einen preiswerten Ersatz in Form von Magie, weshalb manche Dinge sich wirtschaftlich einfach nicht lohnen.

#11 Die Erkenntnis (Dscha'ila) von Nharun 02.08.2019 01:44

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Kommen wir als nächstes zur Dscha‘ila, der Erkenntnis. Zwischen den Asiranisten und den Anhängern der „Religion des Propheten“ kam es während des Mittelalters zu mehreren sogenannten „Sternenkriegen“, in denen die Heere unter dem asiranistischen Sternenbanner versuchten den Ungläubigen das Wort des Erlösers mit dem Schwert zu bringen, während die Heere des Südens unter dem Sternenbanner des Propheten versuchten den Ungläubigen im Norden die Erkenntnis zu offenbaren.

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Die Erkenntnis


Was ist der Sinn des Lebens? - Freiheit und Wohlfahrt jedes einzelnen Menschen
Was erwartet mich nach dem Tod? - Nichts, der Mensch findet sein Glück im Diesseits
Zu wem bete ich? - Zum Propheten und den Heiligen / Niemandem
Wie stets mit der Magie? - Magie ist ein Werkzeug

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chal-Dscha'ila (Wahre Erkenntnis)


Grundsätze

Die Religion der Erkenntnis (Dscha'ila) ist wesentlich jünger als der Asiranismus, sie geht auf den Propheten Kur Kazdat zurück, der in der Dunklen Zeit zwischen Antike und Mittelalter die Offenbarung erhielt.
Obwohl sie in heutiger Zeit in zwei große Schulen (Malfachurot) gespalten ist, ist der Kern der Erkenntnis immer noch unverändert: Die Seele des Menschen ist einmalig und heilig, allen anderen Wesen und Phänomenen überlegen göttlich. Daraus ergeben sich das Wohl des Menschen als höchstes, erreichbares Ziel, die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen und unveräußerliche Rechte eines jeden Menschen, wie dem Recht auf persönliche Freiheit oder Meinungsäußerung.

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win-Dscha'ila (Reine Erkenntnis)


“Die Brutstätte des Bösen“

Die Erkenntnis ist eng verbunden mit der torajanischen Demokratie, sogar soweit, dass beides häufig (und häufig berechtigt) als Einheit angesehen wird. Die "Religion des Propheten" gründet dabei auf den frühen demokratischen Ideen Kaphtenus, die diesen Landstrich schon seit der späten Antike prägten, geht aber noch weiter (die antiken phanechischen Demokratien waren eher Oligarchien). Wo die Erkenntnis vorherrschende Religion ist, werden Fürsten gestürzt und Parlamente eingerichtet - weshalb die Anhänger dieser Religion bis heute in vielen Teilen der Welt geächtet sind und das nördliche Norontea gilt als "Brutstätte des Bösen und Verderbten".
Die heute mehrheitlich der Dscha‘ila anhängenden Staaten Qafta, Mir, Dimmerien, Kanjak, Medak, die Demokratische Republik Huba und die Kartenische Föderation sind die einzigen richtigen Demokatrien der Toraja, bilden jedoch keine geschlossene Einheit, sondern bilden nur unbeständige Bündnisse und führen bisweilen sogar Kriege gegeneinander.
Das wahre Übel stellen jedoch kleine fanatische Zirkel in diesen Ländern dar, die allen Menschen Freiheit und Demokratie bringen wollen. Während manche Terroranschläge in den nicht-demokratischen Staaten planen und verüben, gehen andere den politischen Weg über Parteien- und Lobbyarbeit, um die Ungläubigen durch Krieg zu missionieren.

Reinheit und Wahrheit: Die Schulen der Erkenntis

Die beiden großen Schulen (Malfachurot) der Erkenntnis sind die chal-Dscha'ila ("reine Erkenntnis") und die win-Dscha'ila ("wahre Erkenntnis"). Beide Schulen berufen sich auf den Propheten und den Churgad (eigentlich "Bericht", eher im Sinne eines "Demokratischen Manifests" zu verstehen), dem "Heiigen Buch", in dem die Ideen und Aussagen des Propheten und seiner Nachfolger gesammelt wurden. In beiden Schulen ist ein Diskurs der Fachurthu ("Lehre") erwünscht und in den Tamot ("Gebetshäusern") werden neben Vorträgen auch immer Debatten abgehalten.
Der Unterschied liegt auch nicht im großen Ziel, denn beiden Schulen ist die Förderung der materiellen Wohlfahrt des Menschen das wichtigste, sondern darin, dass die reine Erkenntnis die Existenz von Gottheiten nicht ablehnt, während die wahre Erkenntnis die Existenz anderer Gottheiten als dem Menschen abstreitet. Und natürlich sind beide Schulen sich darin sicher, mit ihrer Meinung dem Wort des Propheten zu folgen.
Die Reine Erkenntnis bezweifelt die Existenz transzendenter Götter nicht, jedoch sehr wohl, dass sie direkten Einfluss auf das weltliche Geschehen nehmen könnten. Die Götter der Reinen Erkenntnis sind Vor- und Leitbilder, weshalb die Anhänger dieser Schule neben dem Propheten auch andere große Denker ihrer Schule in den Stand transzendenter Götter erheben und mit Gebeten, Ritualen und Festen ehren. Die wirklichen großen Denker und Religionsführer gelten sogar schon zu Lebzeiten als Heilige (Kimu‘im), was ihnen neben dem religiösen Ansehen auch großen Einfluss auf die Politik verleiht.
Die Wahre Erkenntnis lehnt diesen Götterglauben ab, da die Förderung des materiellen Wohlstands den Menschen, nach ihrer Auslegung der Prophetenworte, aus der Abhängigkeit transzendenter Leitbilder befreie. Der Götterglaube gilt sogar als hinderlich, da er die Freiheit des Menschen durch die Annahme falscher Vorschriften einschränke.




Die Verbreitung der Weltreligionen um 1979

Das kommt als nächstes: Die Saiwaiya

Habt ihr fragen? Soll ich auf etwas, dass ich angerissen habe noch genauer eingehen? Ist etwas groß unverständlich? Seht ihr irgendwo Probleme? Teilt es mir hier mit!



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#12 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Elatan 02.08.2019 12:36

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Ich finde es sehr interessant, wie du durch den Konflikt zwischen Asiranisten und Anhängern der Dscha'ila auf den ersten Blick etwas erschaffst, was wie die Kreuzzüge unserer Welt anmutet, dann aber doch in so vieler Hinsicht doch anders ist. Sehr reizvoll finde ich hier vor allem, dass die Erkenntnis, die aufgrund der sprachlichen Ähnlichkeit zum Arabischen, ihrer Rolle als Gegner des Asiranismus sowie gewisser Elemente wie z.B. der Bedeutung des Propheten oder der verschiedenen Schulen zwar an den Islam erinnert, aber doch eine völlig andere Lehre vertritt als dieser und es sich dadurch nicht um einen Abklatsch handelt, den du nur verbaut hast, um eben solche "Kreuzzüge" haben zu können, sondern um eine wirklich interessante Religion und Philosophie, die bis in die Jetzt-Zeit der Toraja für Konflikte sorgt, die sich allerdings auch wieder von den irdischen aufgrund der Beweggründe der Terroristen gravierend unterscheiden und den Leser vor die Frage stellen, ob die angewandten Mittel im Namen der angestrebten Demokratie tatsächlich in Ordnung sind; heiligt der Zweck die Mittel?

Eine Frage fällt mir tatsächlich grade nicht ein. Allerhöchstens: Wie nennt man denn einen Anhänger der Dscha'ila?

#13 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von DrZalmat 02.08.2019 13:40

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Zitat von Nharun im Beitrag #11
sogenannten „Sternenkriegen“

Ist das Easteregg beabsichtigt oder Zufall? Gibt es in den Kriegen auch die Geschichte eines Bauernsohns der seinen Vater töten muss der die Seite gewechselt hat?

Zitat von Nharun im Beitrag #11
Beide Schulen berufen sich auf den Propheten und den Churgad (eigentlich "Bericht", eher im Sinne eines "Demokratischen Manifests" zu verstehen),

Klingt als wäre das Ganze eher eine religiöse Form von Politik, interessantes Konzept...

Zitat von Nharun im Beitrag #11
Was erwartet mich nach dem Tod? - Nichts, der Mensch findet sein Glück im Diesseits

In dem Zusammenhang... glauben die Leute an eine Seele? Wenn ja, löst sich die Seele dann beim Tod auf?


Zitat von Nharun im Beitrag #11
Die Reine Erkenntnis bezweifelt die Existenz transzendenter Götter nicht, jedoch sehr wohl, dass sie direkten Einfluss auf das weltliche Geschehen nehmen könnten

Schöne Herangehensweise

Zitat von Nharun im Beitrag #11
Die Wahre Erkenntnis lehnt diesen Götterglauben ab

Atheistische Religion... gefällt mir!

Wo kann ich beitreten? Ich will der Wahren Erkenntnis beitreten

#14 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Nharun 02.08.2019 16:23

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Zitat von Elatan im Beitrag #12
ch finde es sehr interessant, wie du durch den Konflikt zwischen Asiranisten und Anhängern der Dscha'ila auf den ersten Blick etwas erschaffst, was wie die Kreuzzüge unserer Welt anmutet, dann aber doch in so vieler Hinsicht doch anders ist. Sehr reizvoll finde ich hier vor allem, dass die Erkenntnis, die aufgrund der sprachlichen Ähnlichkeit zum Arabischen, ihrer Rolle als Gegner des Asiranismus sowie gewisser Elemente wie z.B. der Bedeutung des Propheten oder der verschiedenen Schulen zwar an den Islam erinnert, aber doch eine völlig andere Lehre vertritt als dieser und es sich dadurch nicht um einen Abklatsch handelt, den du nur verbaut hast, um eben solche "Kreuzzüge" haben zu können, sondern um eine wirklich interessante Religion und Philosophie, die bis in die Jetzt-Zeit der Toraja für Konflikte sorgt, die sich allerdings auch wieder von den irdischen aufgrund der Beweggründe der Terroristen gravierend unterscheiden und den Leser vor die Frage stellen, ob die angewandten Mittel im Namen der angestrebten Demokratie tatsächlich in Ordnung sind; heiligt der Zweck die Mittel?


Danke, das fasst ziemlich gut zusammen, was ich beim Basteln im Sinne hatte und ich bin froh, dass es anscheinend auch so erkennbar ist!

Zitat von Elatan im Beitrag #12
Wie nennt man denn einen Anhänger der Dscha'ila?

Ich habe beschlossen, sie Kagorim zu nennen (Sg. Kagor). Die Bezeichnung leitet sich vom Verb gori ab und bedeutet "Jemand, der seine Pflicht erfüllt"; das ist passend, weil die Gläubigen ihre Pflicht erfüllen, den Lehren des Propheten zu folgen und in seinem Sinne zu handeln ...

Zitat von DrZalmat im Beitrag #13
Ist das Easteregg beabsichtigt oder Zufall? Gibt es in den Kriegen auch die Geschichte eines Bauernsohns der seinen Vater töten muss der die Seite gewechselt hat?

Die Bezeichnung "Sternenkriege" ist ein beabsichtigtes Easteregg, weitere Bezüge zu einer Geschichtenreihe aus einer weit, weit entfernten Galaxie gibt es aber (an dieser Stelle) nicht.

Zitat von DrZalmat im Beitrag #13
In dem Zusammenhang... glauben die Leute an eine Seele? Wenn ja, löst sich die Seele dann beim Tod auf?

Ja, die Kagorim glauben an eine Seele, doch sie gehen davon aus, dass die Seele nach dem Tod einfach wieder eins mit Universum verliert; die göttliche Individualität erfährt sie nur während des Lebens. Es gibt mit Sicherheit Sekten, die an ein Jenseits oder die Wiedergeburt glauben, aber diese Überzeugungen sind nicht weit verbreitet.

#15 RE: [Toraja] Religion, Philosophie und Weltanschauung von Teja 02.08.2019 16:24

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Durch das Lesen dieses Artikels kam mir endlich eine Idee, wie die Religion in Jamarra genau aussehen könnte, vor allem durch die Varianten der Erkenntnis. Vielen Dank für die Inspiration!

Im ersten Moment dachte ich auch noch, dass das alles zu sehr an den Islam erinnert, aber die Details sind ja dann doch sehr anders und geben dem allen einen eigenen Touch. Das gerade die Demokratie als Brutstätte des Bösen gilt ist sehr witzig, insbesondere im Zusammenhang mit der Ansicht, dass Aristokratie der natürliche Zustand wäre.

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