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#1 Zweites Spontanspeedbasteln am 26. August 2019: Zensur von Elatan 26.08.2019 17:53

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Heute basteln wir spntan Speed! Ähm ... ich meine, wir speedbasteln heute spontan! 20:30 Uhr gehts los, das Thema wird zuvor im Chat ausgesucht.

#2 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Nharun 26.08.2019 20:30

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Sehr verehrte Damen und Herren Spontanspeedbastler! Das heutige Thema darf ich Ihnen leider nicht mitteilen, denn es unterliegt der

Zensur

#3 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Chrontheon 26.08.2019 21:12

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Warum sagt der Titel, es wäre gestern gewesen?

#4 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Teja 26.08.2019 21:16

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Atmosphärische Störungen


„Das ist sehr anstrengend und sehr viel Verantwortung. Limlim wird nicht viel Zeit haben, uns Nachrichten zu schicken.“

Ihre Mutter sollte Recht behalten. Nachdem Limlim fort war, vergingen Monate, bis Amala überhaupt wieder von ihm hörte. Er hatte ihr versprochen, ihr Nachrichten zu schicken, so oft er konnte.

Amala wartete geduldig. Darin war sie gut, ihre ganze Familie war überaus geduldig. Irgendwann wurde sie ungeduldig, dann schließlich wurde sie zornig. Und zum Schluss war sie enttäuscht, dass sich Limlim nicht an sein Versprechen gehalten hatte.

„Nicht einmal eine kurze Nachricht hat er geschickt“, beschwerte sich Amala bei ihrer Schwester.

„Wir wissen nicht, wo er hingeschickt wurde. Es könnte Monate dauern, bis uns eine Nachricht erreicht“, sagte sie.

Die anderen sagten das Gleiche. So war es immer gewesen. Von denen, die fortgingen, gab es kaum Nachrichten.

„Sie haben eben Wichtigeres zu tun. Du weißt doch, dass man sich dort draußen verändert“, beruhigte sie ihr Vater. Aber verändert man sich wirklich so sehr? Und so schnell?

Nach Monaten des Wartens kamen Nachrichten. Sie waren freundlich, immer positiv, aber sehr kurz und voller Störungen. Übertragungsprobleme und Speicherzerfall, sagten die Übermittler. Und: Es tut uns leid, dass es nicht besser geht.

Amala fragte herum. Niemand hatte jemals Nachrichten mit guter Qualität bekommen, jedenfalls niemand, den sie kannte. Sie sahen immer gleich aus und nie hörte man etwas Schlechtes von draußen.

Im Lauf der Zeit wurden die Nachrichten noch seltener. Ich glaube nicht, dass Limlim mich einfach vergessen hat. Sie wollen nur nicht, dass wir zu viel von draußen hören, damit wir nicht davon abgelenkt werden.

Ablenkung bedeutete Versagen und Versagen war inakzeptabel. Amala stürzte sich in ihre Studien, damit sie auch eines Tages zu den Sternen reisen konnte. Und vielleicht Limlim wiedersehen…

Ich werde viele Nachrichten senden, sagte sie sich. Damit Desi weiß, wo ich bin und wie es mir geht.

Als es soweit war und Amala zu den Sternen aufbrach, schickte sie Nachricht um Nachricht nach Hause und bat jedes Mal um eine Bestätigung.

Nur wenige Antworten kamen je zurück. Es dauerte Monate, eine Nachricht so weit zu verschicken. Jede Antwort war freundlich, positiv, aber kurz und voller Störungen. Und wenn sie schlechte Nachrichten übermittelt hatte, kam nie auch nur ein Wort des Mitgefühls zurück.

Eine Zeitlang war Amala sehr enttäuscht. Aber sie erinnerte sich an die Nachrichten, die sie damals erhalten hatte und wie niemals etwas schlechtes darin zu hören gewesen war.

Sie tun das. Sie streichen alles heraus, was die Kinder und die Alten nicht hören sollen. Nicht, weil es uns Ablenken würde. Sondern damit niemand weiß, wie es hier draußen wirklich ist.

Sie tröstete sich damit, mit Limlim wieder Nachrichten austauschen zu können, richtige Nachrichten. Die wurden nicht zensiert.

#5 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Amanita 26.08.2019 21:24

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Zitat von Elatan im Beitrag #1
Heute basteln wir spontan Speed!

Drogen-Speedbasteln wäre auch mal was für mich, da mangelt es mir nicht an Ideen.
Aber auch zum Thema Zensur bin ich heute tatsächlich mal im Zeitplan tätig geworden.

Zensur in Sarilien und Arunien

Beim Thema Zensur denken die meisten Arunier sofort an das Terrorregime des ruarischen Diktators Cuno Lamkiss oder an die totalitäre Einparteienherrschaft der Araja Manjia in Sarilien.

Tatsächlich ist das Recht auf freie Meinungsäußerung in Sarilien äußerst eingeschränkt und wer Flugblätter mit Aufrufen zum Regimewechsel veröffentlicht oder Karikaturen, die die Staatslenkerin beim Geschlechtsverkehr mit einem Pferd zeigen, findet sich schnell in den Folterkellern der Geheimpolizei wieder. Insbesondere letzteres wurde von arunischer Seite als eklatanter Verstoß gegen die Freiheit von Kunst und Satire bezeichnet, auch wenn zaghafte Stimmen den künstlerischen Wert des Machwerks in Frage gestellt haben.
Unabhängige Zeitungen oder Radioprogramme sind in Sarilien grundsätzlich verboten, existieren aber trotzdem, da es immer wieder SarilerInnen gibt, die sich durch die Androhung harter Strafen nicht davon abhalten lassen, auf diese Weise von der offiziellen Darstellung abweichende Meinungen und Fakten zu veröffentlichen.

Ein Silaris-weit bekanntes Beispiel ist die Zeitung „Stimme der Freiheit“ die sich für eine Demokratisierung Sariliens, Berufs- und Reisefreiheit, allgemein höhere Menschenrechtsstandards sowie für die Aufarbeitung der sarilischen Kriegsverbrechen im Arisaja-Krieg einsetzte. Der Geheimpolizei gelang es jedoch herauszufinden, wer hinter dieser Zeitung steckte und zahlreiche tatsächlich und mutmaßlich Beteiligte festzunehmen. Angesichts der Tatsache, dass einige der Kriegsverbrecher, deren Auslieferung in der Zeitung gefordert wurde, bei der Geheimpolizei ihre Anschlussverwertung gefunden haben, kann man sich vorstellen, wie das Schicksal der kritischen Journalisten dort ausgesehen hat.

Mehr Glück haben bisher die Macher hinter dem geheimen Radiosender Radio Alijan, der hauptsächlich in Ostsarilien zu empfangen ist. Dieser Sender hat unter anderem die elavische Minderheit in Ostsarilien als Zielgruppe und bietet für diese Sendungen in elavischer Sprache, daneben finden kontroverse Diskussionen statt, bei denen sowohl Regierungsanhänger als auch Regierungskritiker zu Wort kommen und es werden „unsarilische“ Lieder gespielt, also sowohl nicht parteigetreue sarilische Lieder als auch internationale Musik vorrangig aus Elavien, aber auch aus Arunien, Ruaris und Dageyra.
Der Radiosender geriet bisher nicht in den Blick des Regimes, ist aber nicht ganz so geheim, wie die Menschen dahinter glauben. Chemieministerin Brajana (selbst manchen Aspekten der Regierung, für die sie arbeitet, kritischer gegenüberstehend als irgendjemand ahnt) weiß sowohl, dass er existiert, als auch was für Inhalte dort gesendet werden. Ihrer Einschätzung nach gibt es jedoch keinerlei Grund etwas dagegen zu unternehmen, da das Programm des Senders Sarilien in der Summe mehr nutzt als schadet und sie leistet sogar einen aktiven Beitrag dazu, die Geheimpolizei nicht auf dessen Fährte geraten zu lassen.

Die Informationen, die den Sarilern über das Staatsfernsehen sowie die offiziellen Radiosender und Zeitungen zukommen, unterliegen jedoch alle der Zensur der Geheimpolizei und wer etwas zu Kritisches schreibt, muss zumindest damit rechnen, dort einbestellt zu werden, was kein Sariler möchte.

In Arunien gibt es offiziell keine Zensur, eine offizielle Ausnahme stellen Medien dar, die für Minderjährige angemessen sein sollen. Die „Schere im Kopf“ ist jedoch auch in Arunien weit verbreitet und kontroverse Aussagen und Themen werden häufig gemieden, um öffentliche Aufregung zu vermeiden. Eine strafrechtliche Verfolgung wegen einer Meinungsäußerung oder auch wegen des Inhalts von künstlerischen Werken ist in Arunien jedoch im Normalfall nicht möglich. Ausnahmen werden dann gemacht, wenn von der Aussage oder dem Kunstwerk eine konkrete Gefahr für Leib und Leben ausgeht. Graffitis mit Flusssäure fallen also nicht unter die Kunstfreiheit und Aufforderungen zu Straftaten sind ebenfalls strafbar und nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
Einen Straftatbestand wie Volksverhetzung kennen die Arunier jedoch nicht und es gibt auch keine gesetzlichen Regelungen zur Einstufung irgendwelcher historischer Ereignisse. (Populäre und weniger populäre Einstufungen selbiger gibt es aber sehr wohl.)

Ganz so frei wie man anhand dieser Fakten meinen könnte, sind die Medien in Arunien jedoch auch nicht und das liegt nicht nur an der „Schere im Kopf.“
Dem Militär ist die Meinungsfreiheit manchmal doch ein Dorn im Auge, insbesondere bei den massiven Antikriegsdemonstrationen in der Endphase des Arisaja-Krieges, die nach Einschätzung des Militärs dazu beitrugen, die Kampfkraft der arunischen Armee zu schwächen und junge Arunier davon abzubringen, sich freiwillig für den Militärdienst zu melden, da sie dadurch eine gesellschaftliche Isolation fürchteten.
Aus diesem Grund fordert das Militär immer wieder Einschränkungen der Meinungsfreiheit, wenn es um „Fragen der nationalen Sicherheit“ geht, was regelmäßig zu neuen Antimilitärdemonstrationen führt…

Tatsächlich wird aber in der Verteidigungspolitik teilweise nach dem Motto „was das Volk nicht weiß, macht es nicht heiß“ agiert und so manches geheim gehalten, was mit der nationalen Sicherheit begründet wird. Investigativer Journalismus ist hierbei alles andere als gern gesehen und es gab auch schon Vorfälle, bei denen solche Journalisten mysteriösen Unfällen erlegen sind, bevor sie ihre Erkenntnisse an die Öffentlichkeit bringen konnten.
Gelegentlich wurden solche Vorfälle bekannt, was bei vielen Aruniern das Misstrauen gegenüber dem Staat stärkte und Nährboden für Verschwörungstheorien bot.

#6 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Nharun 26.08.2019 21:27

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Die Zensur im Wandel der Zeit


„Die Zensur ist ein Mittel, das in allen zivilisierten Ländern dieser Welt zum Einsatz kommt. Sie gewährleistet die Sicherheit und Sittsamkeit der Völker und somit nicht nur den Fortbestand der Ordnung, sondern auch das Glück jedes Einzelnen.“


Informationskontrolle ist kein Phänomen der Moderne, vielmehr bildet sie ein Element, dass die menschlichen Gesellschaften von Anbeginn an begleitet. In erster Linie ging es dabei darum, die Verbreitung von sogenanntem „Altvorderen Wissen“ zu unterdrücken, wozu neben den kultischen Schriften altvorderer Religionen auch Schriften zur Magie und Geisterbeschwörung gehören.
Während der Antike ging diese Zensur in der Regel von mächtigen Priesterschaften aus oder beschränkte sich auf reine Selbstzensur, die sich nach dem „öffentlich Akzeptablen“ richtete – staatliche Informationskontrolle erfolgte nur sporadisch, da die meisten antiken Staaten keine Mittel dafür besaßen.
Den Großreichen der Klassik gelang schließlich die Verstaatlichung der Informationskontrolle, die schließlich noch oft von den Behörden ausgeübt wurde, die zur Kontrolle der Magier und der magischen Forschung eingesetzt worden waren, obwohl sie längst nicht mehr nur gegen „Altvorderes Wissen“ vorgingen, sondern vielmehr gegen allerlei „Abweichler“, die gegen die Staatsdoktrinen ankämpften.
Mit dem Zusammbruch der Großreiche, brach auch zunächst die Informationskontrolle zusammen, weshalb die Dunkle Zeit als „Goldenes Zeitalter der Denker“ bezeichnet wird und die Geburtsstunde der Dscha‘ila wohl nicht zufällig in diese Zeit fällt.
Im Mittelalter kontrollierte die asiranistische Kirche die Informationsverbreitung im Norden der bekannten Welt, während der „freie Süden“ zunehmend von den Sittenwächtern der Dscha‘ila zensiert wurde, die promonarchische oder proaristokratische Schriften genau so verfolgten, wie im Norden demokratische Pamphlete oder altvordere Lobpreisungen verfolgt wurden.
Mit der Macht der Kirche bröckelte auch ihre Informationskontrolle Stück für Stück dahin, doch anstatt gänzlich zu zerbrechen, fiel das was der Kirche entglitt den erstarkenden Staaten in die Hände und so wie die moderne Gesellschaft sich hier auszuformen begann, begann sich die moderne Zensur zu formen.
Heute ist die Zensur ein Bestandteil der staatliche Propagandabehörden, die nach den Maßgaben der Regierungen den Informationsfluss ganz nach deren Wünschen fördern oder hemmen. Die meisten modernen Staaten folgen dabei im Kern den Richtlinien des Weltkongresses, wodurch gerade die Verbreitung von Wissen über die Altvorderen und die „heilige Literatur“ ihrer Kulte besonderen Einschränkungen und Verboten unterliegt und auch magische Forschungsliteratur in bestimmten Bereichen gehemmt wird. Somit hat sich in der Moderne der Kreis zu den antiken Ursprüngen geschlossen, indem der Kampf gegen das gefährliche „Altvordere Wissen“ wieder im Vordergrund steht.
Randnotiz: In vielen Staaten werden heute auch die Schriften der „Ursprung in der Ferne“-Szene von der Zensur unterdrückt und selbst die Bestseller Herechas Nekides‘ sind so verboten wie das Atla Thog.

#7 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Teja 26.08.2019 21:31

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HALT! Bürger! Ab hier endet die Zensur!

#8 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Amanita 26.08.2019 22:31

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@Teja ein ziemlich deprimierender Text, auch wenn es vermutlich nichts Ungewöhnliches ist, dass über manche Projekte nichts nach außen dringen soll. Wenn ich das richtig einschätze, geht es hier ja um die nicht ganz nebenwirkungsfreie Navigatorenausbildung aus deiner Welt und da haben sie ja gute Gründe manche Aspekte der Wahrheit zu verschleiern.

@Nharun da kann ich eigentlich nur das zurückgeben, was du vorhin zu meinen Waffenverbotsverträgen geschrieben hast. Es ist sehr spannend eine Welt zu sehen, bei der manche Dinge, die als gut und richtig erachtet werden, dem, was in der "freien, westlichen Welt" als gut und richtig erachtet wird, widersprechen. Im Rahmen deiner Welt ergibt die Zensur von Informationen über die Altvorderen aber durchaus Sinn und leistet tatsächlich einen Beitrag dazu, die Welt sicherer zu machen, wenn es tatsächlich Wissen gibt, das unambivalent destruktiv ist. So etwas haben wir ja hier auf der Erde zumindest meiner Meinung nach nicht, sondern alles kann zum Guten wie zum Schlechten verwendet werden und es kommt darauf an, wer etwas nutzt und wozu...
Trotzdem lese ich zwischen den Zeilen, dass die Zensur bei dir auch über das absolut Notwenige hinausgeht.

#9 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Chrontheon 27.08.2019 00:57

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*Lobsbeeren verteil*

@Teja: So viele Namen! Wer ist denn nun Desi? Ich frag mich da aber auch, was so schlimm an dem ist, was so zensiert werden soll...

@Amanita: Ein interessanter Beitrag über die Zensur in Sarilien und Arunien. Brajanas Einstellung finde ich besonders gut. Wenn es doch nur Leute gäbe, die erfolgreich wären bei der Aufdeckung der geheimen Zensur in Arunien ... so ein arunischer Snowden oder so ...

@Nharun: Ja, also dass die Altvorderen zensiert werden, ist gut so! Wer will deren Gesichter denn schon erkennen! :D Ich fand den Teil vom Mittelalter interessant, wie monarchische und aristokratische bzw demokratische Schriften von den jeweils anderen Seiten verfolgt wurden. Die Altvorderenzensur war aber die ganze Zeit durch vorhanden, und hat nicht in der Dunklen Zeit pausiert, oder?

#10 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Teja 27.08.2019 09:52

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Zitat von Amanita im Beitrag #5
oder Karikaturen, die die Staatslenkerin beim Geschlechtsverkehr mit einem Pferd zeigen

@Amanita Interessant, dass das so spezifisch ist. Man fragt sich dich, ob das einen bestimmten Hintergrund hat oh ob dem Autor die Phantasie durchging. Jedenfalls gut, dass so ein Machwerk zensiert wird!

@Nharun Wenn allein das Wissen über die Aktvorderen korrumpiert, bin ich auch voll für die Zensur!




Zitat von Chrontheon im Beitrag #9
*Lobsbeeren verteil*

@Teja: So viele Namen! Wer ist denn nun Desi? Ich frag mich da aber auch, was so schlimm an dem ist, was so zensiert werden soll...

Desi = die Mutter. Die ist mir beim Durchlesen entwischt. Damit sind es genau zwei Namen, ist die dass schon zu viel?

Zitat von Amanita im Beitrag #8
@Teja ein ziemlich deprimierender Text, auch wenn es vermutlich nichts Ungewöhnliches ist, dass über manche Projekte nichts nach außen dringen soll. Wenn ich das richtig einschätze, geht es hier ja um die nicht ganz nebenwirkungsfreie Navigatorenausbildung aus deiner Welt und da haben sie ja gute Gründe manche Aspekte der Wahrheit zu verschleiern.

Ja, es ist schon traurig. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob das jetzt tatsächlich so ist oder nicht. Die Gilde bemüht sich tatsächlich, ihren Ressourcen Mitarbeitern möglichst wenig zu erzählen, weil es eben eine ziemlich miese Situation ist. Das liegt aber nicht unbedingt an dem Dasein als Navigator, sondern eher an den zukünftigen Arbeitgebern.

#11 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Amanita 27.08.2019 10:18

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@Teja Pferde sind bei den Sarilern die größten gängigen Haus- bzw. Nutztiere, deswegen wurde ein Pferd für die Karikatur gewählt. (Rinder werden in Sarilien kaum gehalten, weil die Sariler mehrheitlich keine Milch vertrange.) Angeblich sollte das Ganze "die Unterwerfung der Staatslenkerin gegenüber dem männlich dominierten Sicherheitsapparat in Sarilien" darstellen. Der Gedanke, dass es dem Künstler eher darum ging, seine Fantasien zu Papier zu bringen, liegt aber nahe. Inhaltlich ist das auch ziemlicher Quatsch, denn erstens sind mehr als ein Drittel der Geheimpolizeiagenten Frauen, auch in Führungspositionen und beim Militär ist der Frauenanteil in Sarilien auch höher als in den meisten anderen Staaten, (außer Avechain, das eine Wehrpflicht für alle hat.) und zweitens hat die Chefin den Laden durchaus im Griff.

Zitat von Teja im Beitrag #10
Wenn allein das Wissen über die Aktvorderen korrumpiert

Ist das ein freudscher Verschreiber?

#12 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Teja 27.08.2019 10:42

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Zitat von Amanita im Beitrag #11
Zitat von Teja im Beitrag #10Wenn allein das Wissen über die Aktvorderen korrumpiert

Ist das ein freudscher Verschreiber?


Äh nein, dass liegt daran, dass ich gerade am Handy schreibe. Zitieren funktioniert da wohl auch nicht reibungslos.

#13 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Elatan 27.08.2019 11:51

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@Teja: Das ist ja nicht gerade schön, aber doch verständlich, dass man potentielle Rekruten nicht abschrecken will durch unschöne Geschichten von draußen.
@Amanita: Zwei interessante Einblicke zum Thema Zensur in Staaten deiner Welt! Dass es in Arunien eine Menge Verschwörungstheorien wegen solcher Vorfälle gibt, kann ich mir nur allzu gut vorstellen.
@Nharun: Ich finde es toll, dass deine Welt trotz ihrer Ähnlichkeit zu unserer dann doch in manchen Dingen so eklatante Unterschiede aufweist wie die ganz selbstverständliche Zensur.

#14 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Nharun 27.08.2019 12:33

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@Teja Du hattest gestern im Chat geschrieben, dein Beitrag wäre diesmal nicht so toll, dem muss ich nach der Lektüre entschieden widersprechen. Im Prinzip präsentierst du uns das Thema in einer ziemlich regelgerechten Kurzgeschichte, die sich schon gut und flüssig lesen lässt, Zensur thematisiert sogar einen kleinen Wendepunkt hat - mir gefällt der Beitrag!

@Amanita Ein beeindruckend umfassender Beitrag zu diesem Thema, der viele interessante Details bietet! Da ist viel bei, was man aus entsprechend autoritären Regimen unserer Welt wiedererkennt, aber sich gut in das Bild deiner Staaten fügt und keinesfalls wie Copy 'n' Paste wirkt; ich mag es, das habe ich glaub ich schon mehrmals gesagt, wenn sich Bastler bekannte Elemente zu eigen machen und das ist dir hier (mal wieder) sehr gut gelungen! Ist die Karikatur mit dem Pferd eine Anspielung auf die Gerüchte um Katharina die Große?




Zitat von Amanita im Beitrag #8
da kann ich eigentlich nur das zurückgeben, was du vorhin zu meinen Waffenverbotsverträgen geschrieben hast. Es ist sehr spannend eine Welt zu sehen, bei der manche Dinge, die als gut und richtig erachtet werden, dem, was in der "freien, westlichen Welt" als gut und richtig erachtet wird, widersprechen. Im Rahmen deiner Welt ergibt die Zensur von Informationen über die Altvorderen aber durchaus Sinn und leistet tatsächlich einen Beitrag dazu, die Welt sicherer zu machen, wenn es tatsächlich Wissen gibt, das unambivalent destruktiv ist. So etwas haben wir ja hier auf der Erde zumindest meiner Meinung nach nicht, sondern alles kann zum Guten wie zum Schlechten verwendet werden und es kommt darauf an, wer etwas nutzt und wozu...
Trotzdem lese ich zwischen den Zeilen, dass die Zensur bei dir auch über das absolut Notwenige hinausgeht.


Die Zensur ist eben letztlich ein Werkzeug und kann wie alle Werkzeuge, die von Menschen geführt werden, auch missbraucht werden, daher wird und wurde die Zensur auf der Toraja immer mehr oder weniger missbraucht, um neben "dem Notwendigen" (der Unterdrückung des Altvorderen Wissens) auch andere ehtisch-moralische, religiös-philosophische, politische oder wissenschaftliche Gedanken zu unterdrücken. Was ich im Text nicht erwähnt habe, weil ich gestern nicht mehr daran dachte: Die Geistesmagie bietet theoretisch auch die Möglichkeit Gedanken direkt zu zensieren, was vermutlich in den "bösen" Ländern der Moderne auch bei Einzelpersonen gemacht wird, wenn man sie nicht komplett "umprogrammieren" kann. Die Möglichkeiten eines Zensur-Missbrauchs sind daher sehr viel grausamer als die einfache Unterdrückung von Medien; ich denke der Diskurs auf der Toraja wird sich also eher darum drehen, was Zensur darf und was sie nicht darf, und nicht, ob sie überhaupt erforderlich ist.

Zitat von Chrontheon im Beitrag #9
Ja, also dass die Altvorderen zensiert werden, ist gut so! Wer will deren Gesichter denn schon erkennen! :D Ich fand den Teil vom Mittelalter interessant, wie monarchische und aristokratische bzw demokratische Schriften von den jeweils anderen Seiten verfolgt wurden. Die Altvorderenzensur war aber die ganze Zeit durch vorhanden, und hat nicht in der Dunklen Zeit pausiert, oder?


Die Dunkle Zeit heißt Dunkle Zeit, weil nach der Katastrophe die Großreiche der davor liegenden Klassik durch Zerstörung, Verderbnis, Hungernöte, Völkerwanderungen und andere direkte und indirekte Folgen der Katastrophe zerfallen. Vielerorts herrscht zumindest zeitweise Anarchie oder Krieg zwischen verschiedenen Fraktionen, die die lokale Macht für sich beanspruchen. Die ehemals durchaus staatliche Kontrolle fällt beinahe schlagartig weg und wird wenn überhaupt von kleinen Lokalherrschern durchgesetzt, die aber mehr darum bemüht sind, die gegen sie gerichteten Meinungen zu unterdrücken. So ist die Zensur Altvorderen Wissens in der Dunklen Zeit tatsächlich "pausiert", wenn man sich das Gesamtbild anschaut, obwohl es natürlich Orte und Zeiten darin ab, wo das noch stattfand.

Zitat von Teja im Beitrag #10
Wenn allein das Wissen über die Aktvorderen korrumpiert, bin ich auch voll für die Zensur!


Das Altvordere Wissen ist gefährlich, denn es bietet einerseits Macht (vor allem in Form von Magie) und verleitet denjenigen, der sich damit beschäftigt sich den Denkungsarten der Anderdunkelentitäten anzupassen, was meist zu Wahnsinn führt. Das ist einfach keine gute Kombination.

#15 RE: Zweites Spontanspeedbasteln am 25. August 2019 von Amanita 27.08.2019 13:12

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@Nharun, danke fürs Lob

Zitat von Nharun im Beitrag #14
Ist die Karikatur mit dem Pferd eine Anspielung auf die Gerüchte um Katharina die Große?

Daran habe ich auch kurz gedacht, aber vorrangig an die entsprechenden Karikaturen mit Männern und Ziegen, die bei uns gelegentlich für Skandale sorgen...
Zitat von Nharun im Beitrag #14
Die Geistesmagie bietet theoretisch auch die Möglichkeit Gedanken direkt zu zensieren, was vermutlich in den "bösen" Ländern der Moderne auch bei Einzelpersonen gemacht wird, wenn man sie nicht komplett "umprogrammieren" kann. Die Möglichkeiten eines Zensur-Missbrauchs sind daher sehr viel grausamer als die einfache Unterdrückung von Medien;

Sowas können die Elementarmagier bei der sarilischen Geheimpolizei (und ähnlichen Institutionen in anderen Ländern) mit Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf das menschliche Nervensystem auch. Angewendet wird das aber nur bei Gefangenen, nicht bei "freilaufenden Bürgern", deswegen rechne ich es in Silaris nicht unter Zensur. In Sarilien werden diese Fähigkeiten aber auch zur optimierten Überwachung verwendet, sodass tatsächlich teilweise auch die Gedanken zensiert werden müssen. Allerdings werden die Agenten so geschult, dass sie zwischen kurzfristigen wütenden Gedanken und ernsthaften Umsturzplänen unterscheiden können und die Fähigkeit hilft dabei, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die politischen Gefangenen sind in Sarilien anders als in ähnlichen Systemen auf der Erde tatsächlich meistens schuldig im Sinne der Anklage, die Frage ist eher, ob ihr Tun nach unseren Moralvorstellungen auch verwerflich wäre.

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