Seite 4 von 6
#46 RE: Jakons Tag: Morgenroutine & Arbeitsalltag (Teil 1) von Amanita 28.01.2020 20:14

avatar

Das geht ja so langsam schon über normalen Alltag hinaus. Oder läuft das bei den Tatortsehern immer so ab?
Das Moos in der Wohnung ist wirklich gruslig.

#47 RE: Jakons Tag: Morgenroutine & Arbeitsalltag (Teil 1) von Nharun 28.01.2020 23:52

avatar

Ja, die Ereignisse in Jakons Geschichte sind schon nicht mehr ganz alltäglich, weil so etwas wie das Moos oder die starke Verderbnis nicht jeden Tag auftreten. In dieser Geschichte spiele ich mehr mit Tskellars "Was erleben die Bewohner eurer Welt so? ", obwohl die Abläufe ja noch irgendwie dem Alltagsmuster folgen.

Die arbische "Polizei" ist hauptsächlich in "Abschirmer" (Schutzpolizei) und "Aufklärer" (Kriminalpolizei) aufgeteilt, dazu gibt es dann noch Spezialisten, wie die "Tatortseher", die am ehesten mit der Spurensicherung korrelieren, auch wenn es sich bei ihnen um Magier handelt, die ganze Tatorte als Gedankenpalast "speichern" und so für Ermittlungen und Verhandlungen "begehbar" machen; daneben analysieren sie Spuren und können manchmal sogar die letzten Erinnerungen eines Opfers auslesen, selbst wenn dieses Tod ist, um die Ermittlungen voranzubringen. Gerade bei Leichen ist das aber durchaus nicht so leicht, weil die Erinnerungen durch den Tod schnell zerstört werden und oft nur noch fragmentarisch vorhanden sind; noch schwieriger ist es, wenn der Tote schon zu lange tot ist, oder Magie bzw. Verderbnis in sein Ableben involviert war.

Dann gibt es noch die "Bärenkrieger", oft nur kurz "Bären" genannt, eine Art Magiepolizei, die auf die Eindämmung von Verderbnis, die Bekämpfung von Geistern und die Bekämpfung von Zauberern spezialisiert sind. Sie sind eine Spezialtruppe, die gerufen wird, wenn die Kacke am Dampfen ist.

Arbeskire ist in Fürstentümer eingeteilt, die jeweils eigene Polizei haben, so dass die Polizei nur in Fällen ermitteln kann, die ein Fürstentum betrifft. Bei Vorfällen, die über ein Fürstentum hinausgehen, die den arbischen König oder seine Familie betreffen, oder die mit Landesverrat zu tun haben, wird die "Königsgarde" eingeschaltet, das ist eine Art Bundespolizei oder FBI. Die "Königsgarde" geht, wie der Name schon andeutet, auf die Leibwache der arbischen Könige zurück. Sie ermittelt auch, wenn eine fürstliche Polizei in irgendwelche Vorkommnisse verstrickt ist. Die Königsgarde kann fürstliche Polizei herumscheuchen und auch Bärenkrieger eines Fürstentums für Aufgaben in einem anderen requirieren, sofern sie das für nötig halten; aber die Königsgarde hat normalerweise eigene, entsprechend ausgebildete Angehörige.

#48 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 29.01.2020 20:52

avatar

Rovin Deravim: Vljośnaj [Teil 1]

Morgen

Das Ticken der Uhr wurde immer lauter und beendete Rovins Traum. Obwohl er diese Technik schon seit Jahren ausübte, fühlte er sich nach dem Aufstehen immer so, als hätte er gar nicht geschlafen. Mit geschlossenen Augen tastete er sich zum Badezimmer, wo er sich die Hände und das Gesicht mit kaltem Wasser wusch. Einige Sekunden betrachtete er sein Spiegelbild, bevor er sich rasierte und bekleidete. Die Uniform war auch nicht mehr neu. Aber in seiner Situation konnte er sich kein neues Set vor Fristende leisten.

Nach einem Blick auf die Uhr ging er frühstücken. Zehn vor halb fünf; er hatte noch 20 Minuten. Er ließ sich Zeit. Rovin wünschte sich, das Wochenende mit seiner Familie verbringen zu können, doch am Ende jedes zweiten Monats musste auch er den Wochenenddienst leisten. Wenigstens bekam er die wichtigen Fahrten.

Nach dem Frühstück schrieb er Evlij eine Nachricht und verließ anschließend das Haus. Es war noch still. Das genoss Rovin am meisten bei an den Frühdiensten: Die morgendliche Stille am Weg zur Arbeit. Obwohl bereits ein Bus zur passenden Zeit fuhr, zog Rovin den Weg durch den Park vor. Zwischen den Bäumen hindurch, der kühle Wind im Gesicht, die frühen Vögel begrüßten ihn, der Kies under seinen Füßen knirschte und das Laub neben den Wegen raschelte. Schließlich kam er einigermaßen wach und erfrischt an der Dienststelle an.


Arbeit

Als erstes überprüfte er den Dienstplan – er fuhr mit Drin. Wenn er nicht wieder „krank“ wurde. Danach ging er in die Küche, machte Tee, und brachte ihn der Leitstelle der Nachtschicht. Evlin und Ljun, das Dreamteam der Nachtschicht, begrüßten ihn herzlich.

„Rov! Der Mann der Stunde! Auf dich ist immer Verlass!“

„Wenn du nicht wärst, würden wir schon schlafen!“

Typisch. Aber ein Funke der Wahrheit schien in Ljun's Aussage zu stecken: Als Rovin nach einem Arbeitsunfall drei Wochen lang nicht zur Arbeit kam, sind die beiden angeblich am Ende einer jeden Nachtschicht im Reich der Träume gelandet.

„Wisst ihr, wann Drin kommt?“

„Vermutlich erst kurz vor Dienstbeginn“, meinte Ljun. „Du kennst ihn ja; er ist nicht so motiviert wie du!“

Rovin nickte, verabschiedete sich von den Koordinatoren und machte sich auf den Weg zum Wagen, um das Inventar und das Fahrzeug selbst zu überprüfen. Gegen Ende der Überprüfung traf Drin ein.

„Und, alles beisammen?“

„Nicht ganz. Es fehlen zwei Decken.“

„Die holen wir vor dem Ausrücken.“

„Kannst du sie jetzt holen? Ich muss noch etwas erledigen!“

Augenrollend ging Drin in Richtung Materiallager, während Rovin sich in den dritten Stock bewegte. Hinter einer kleinen Holztüre verneigte er sich kurz vor einem Altar, legte einen Brief ab und setzte sich. Er sprach ein kurzes Gebet zum Dank, erzählte von letzter Woche und bat um einen erfolgreichen Dienst.

Pünktlich zu Dienstbeginn saßen Rovin und Drin im Wagen und gaben ihre Einsatzbereitschaft an. Als sie ausrücken wollten, wurde ihnen von der Tagleitstelle ein Neuling spontan zugeteilt. Noch in der Ausbildung. Natürlich musste er bei Drin mitfahren! Nach kurzem Bekanntwerden setzte sich Erin hinten in den Wagen, dann fuhren sie los. Ihr heutiger Standpunkt war am Aupark. Etwas weiter weg, aber eine schöne Gegend. Vermutlich würden sie Reiche und Adelige abholen.

Während Drin sich sein Frühstück beim Bäcker holte – dem einzigen, der an diesem Tag geöffnet hatte – machte Rovin den Neuling mit dem Inventar vertraut. Er sollte zwar wissen, was alles dabei war, doch Rovin hatte seine eigene Ordnung, mit der er schon den ein oder anderen Fahrer frustriert hatte. Das war einer der Gründe gewesen, weshalb er seinen Stammwagen bekommen hatte.

Nachdem sie fertig waren, begann die Wartezeit. Lesen, schlafen, in die Luft schauen, lernen ... viel Auswahl hatten sie nicht. Erst gegen 10 Uhr kam der erste Einsatz. Weiblich, starke Bauchschmerzen, Nobelviertel. Rovin zündete die blaue Flamme und fuhr los.

Als sie ankamen, stellten sie fest, dass die Frau schwanger war und in den Wehen lag. Sie war bei den barmherzigen Vettern in Behandlung und sollte ihr Kind dort zur Welt bringen. Auf dem Weg zum Spital musste Drin hinten sitzen, da die Geburt jeder Zeit zu beginnen drohte. Glücklicherweise schafften sie es noch in den Kreißsaal.

Zur Mittagsstunde, nach einer weiteren, endlosen Wartezeit, konnten sie zum Essen einrücken. Im Pausenraum trafen sie zwei andere Teams, die sie einigermaßen gut kannten. Die Pause verlief ziemlich schnell und bald mussten sie wieder ausrücken.

Die folgenden Einsätze waren nichts besonderes: Beinbruch, Aufstehhilfe, ein verwirrter Obdachloser, zwei Fehlalarme, falsche Pille geschluckt. Doch dann: Bewusstloser im Aupark. Als sie ankamen, schien der Patient sich doch zu rühren. Allerdings kamen keine sinnvollen Worte aus seinem Mund. Erin überprüfte den Blutzucker, doch der war im Normalbereich. Nach einigen weiteren Untersuchungen war klar, dass es sich um einen Schlaganfall handelte. Mit blauer Flamme und Sirene rasten sie durch die Straßen; vor ihnen teilte sich das Meer aus Automobilen. Auch dieser Patient wurde rechtzeitig ins Spital gebracht.

Nach einer kleinen Pause brachten sie einen Asthmapatienten in die Privatklinik Ijsden. Dort traf Rovin einen alten Bekannten wieder, der ihn einst bei einigen Einsätzen begleitet hatte. Doch viel Zeit hatten sie nicht: Kaum waren sie als einsatzbereit gemeldet, kam der nächste Auftrag. Männlich, 45J, starke Brustschmerzen, Bezirk Aupark.

Auf der Fahrt zum Patienten kamen laufend Meldungen, dass sich der Zustand weiter verschlechtere. Ein Notarzt sei schon auf dem Weg. Im Haus des Unternehmers angekommen, sahen sie diesen, umringt von Verwandten und Hauspersonal, mit blassem, schmerzverzerrtem Gesicht, schwer atmend, eine Hand an der Brust.

„Mein Herz“, sagte er angestrengt. „Ich habe keine Tabletten mehr!“

Kurz darauf verlor er das Bewusstsein und rutschte vom Sessel. Während Rovin die Atmung überprüfte, wies Drin die Umstehenden an, die näheren Möbelstücke zu entfernen. Gleich darauf begann die Reanimation. Erin und Drin wechselten sich zwischen Herzdruckmassage und Beatmung ab, Rovin bereitete die ersten Injektionen vor. Nach Ankunft des Notarztes tauschte er mit Drin den Platz.

Die Reanimation dauerte fast drei Stunden, immer wieder schienen sie den Patienten zurückzuholen, doch jedes Mal hörte das Herz erneut auf. Gegen Ende gab der Notarzt auf und erklärte ihn für tot. Rovin wollte zuerst nichts davon hören und machte weiter, hielt ohne die Hilfe der anderen jedoch nicht lange durch und hörte selbst, erschöpft, auf. Der Arzt entließ die Sanitäter, er würde sich um die kommenden Formalitäten selbst kümmern.

Auf dem Weg zurück zur Dienststelle sprach keiner. Das einzige, was Rovin von sich gab, war an Erin gerichtet. „Wenn du jemanden brauchst, mit dem du darüber reden kannst, können wir das einrichten.“

In der Dienststelle desinfizierten sie die Mehrweggeräte und den Wagen, und gingen unter die Dekontaminationsdusche. Anschließend vermerkte Rovin die Einsätze in Erin's Ausbildungsbuch und wiederholte sein Angebot, das der Neuling diesmal annahm. Rovin gab der Leitstelle bescheid, die jemanden herbeirief. Nach der Übergabe des Wagens an die Nachtschicht und der Abgabe der gesammelten Einsatzpapiere gingen Rovin und Drin getrennten Weges nach Hause. Den Einsatzbericht würden sie später schreiben.



Nach der Arbeit...

#49 RE: Alltagsgeschichten von Elatan 29.01.2020 21:03

avatar

Ein schön geschriebener Tagesbericht, der die Höhen und Tiefen dieses Jobs gut darstellt. Was genau ist diese blaue Flamme? Handelt es sich dabei um Magie oder eine normale Lampe hinter blauem Glas? Brennt das Feuer gar so heiß, dass es blau ist?

#50 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 29.01.2020 21:24

avatar

Zitat von Elatan im Beitrag #49
Was genau ist diese blaue Flamme? Handelt es sich dabei um Magie oder eine normale Lampe hinter blauem Glas? Brennt das Feuer gar so heiß, dass es blau ist?

Zum Zeitpunkt der Geschichte ist es tatsächlich nur ein gewöhnliches Blaulicht. Der Begriff ist jedoch auf die ursprüngliche blaue Flamme zurückzuführen, die tatsächlich an den Dächern der ersten Rettungskutschen gezündet wurde. Wie die Farbe zustande kam, ist heutzutage umstritten. Den Vettern zufolge soll sie, wie die Flamme selbst, magischen Ursprungs sein. Anerkannte Wissenschaftler gehen jedoch eher von chemischer Färbung aus.

Der von den Vettern angeführte Grund der Farbe ist jener, dass blauem Feuer früher eine heilende Wirkung zugesprochen wurde.

#51 RE: Alltagsgeschichten von Nharun 29.01.2020 21:32

avatar

Ich schließe mich Ela an: Ein schöner Tagesbericht. Was genau hat es mit den "Barmherzigen Vettern" auf sich und warum sind sie keine "richtigen" Wissenschaftler?

#52 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 29.01.2020 21:54

avatar

Zitat von Nharun im Beitrag #51
Was genau hat es mit den "Barmherzigen Vettern" auf sich und warum sind sie keine "richtigen" Wissenschaftler?

Die Barmherzigen Vettern sind die Nachfahren der Kriegsvettern [siehe Speedbasteln #77].

Mit "anerkannte Wissenschaftler" meinte ich Akademiker, die an Universitäten zu finden sind. Leute mit mehrfachen Doktortiteln, Professoren, Forscher etc. Den höchsten akademischen Grad, den ein (hauptberuflicher) Vetter haben wird, ist ein Doktor der Medizin. Und der wird nicht auf der Uni arbeiten.

#53 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 30.01.2020 12:38

avatar

Was bisher geschah...




Rovin Deravim: Vljośnaj [Teil 2]

Nach der Arbeit

Rovin nutzte den Weg durch den Park, um seine Gedanken zu sortieren. Normalerweise reflektierte er hierbei immer über den gesamten Tag, doch diesmal ging ihm der letzte Einsatz einfach nicht aus dem Kopf. Er hatte alles gegeben, war sogar weiter gegangen als die anderen, und hatte trotzdem nichts ausrichten können!

An der Wohnungstür wurde er sofort von seinen Kindern begrüßt. Aufgeregt erzählten sie ihm, was sie nach dem Tempelbesuch gemacht hatten. Rijn hatte sich mit Freunden im Park getroffen, Dijn war mit den Großeltern mitgegangen und Nija hatte angefangen, die alten Schulbücher zu nähen. Sie war mit ihren Begabungen vermutlich die Zukunft der Familie.

Während Evlij das Abendessen vorbereitete, spielte Rovin mit den Kindern einige Brettspiele, während Eli auf seinem Schoß saß. Wie immer gewann Rijn, obwohl er mehr Zeit draußen verbrachte als seine Geschwister.

Beim Abendessen erzählten sie einander ausführlicher von ihren Erlebnissen des Tages, und auch Rovin nannte einige seiner Einsätze: Der Junge, der von einem Baum gefallen war und sich dabei das Bein gebrochen hatte, die Adelige, die sie zur Geburt ins Spital der Barmherzigen Vettern gebracht hatten, und die nette alte Dame, der sie aufgeholfen hatten, nachdem sie am nassen Küchenboden ausgerutscht war. Der Schreck war größer als die Verletzung gewesen.


Abend

Nach dem Abendessen brachte Rovin die Kinder ins Bett, und setzte sich für den Einsatzbericht an den Schreibtisch. Er verfasste ihn ordnungsgemäß, wie er es gewohnt war. Doch beim letzten Einsatz blieb er hängen. Evlij merkte es und las sich den Abschnitt durch.

„Was ist denn passiert?“

„Wir haben es nicht geschafft. Wir ... wir haben ihn ein paar mal zurück gebracht, aber das Herz hat nie länger als ein paar Sekunden durchgehalten..“

„Der erste?“

Rovin nickte. Evlij nahm ihn in den Arm.

„Das wird schon wieder. Nicht jeder Dienst ist perfekt. Und du hast sicher die Morgenbitte nicht vergessen, hab ich recht?“

Rovin nickte erneut.

„Ich dachte nur ...“

„Nein, es war nicht umsonst. Stell dir vor, was alles hätte schiefgehen können, wenn du es nicht getan hättest!“

Evlij hatte recht. Bis zur Reanimation ist alles perfekt gelaufen. Sie saßen noch eine Weile so da, dann ging er ins schlafen. Evlij verließ noch ein letztes Mal das Zimmer, kehrte jedoch nicht zurück, bevor Rovin im Reich der Träume war.



Nächster Tag...

#54 RE: Alltagsgeschichten von Elatan 30.01.2020 20:53

avatar

Schön, dass auf Rovin so eine nette kleine Familie wartet!

Zitat von Chrontheon im Beitrag #53
die alten Schulbücher zu nähen

Ich frage vorsichtshalber nach, was damit gemeint ist, obwohl ich mir schon etwas vorstellen könnte, aber vielleicht ist es bei dir ja doch etwas ganz anderes.

#55 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 30.01.2020 21:04

avatar

Zitat von Elatan im Beitrag #54
Ich frage vorsichtshalber nach, was damit gemeint ist, obwohl ich mir schon etwas vorstellen könnte, aber vielleicht ist es bei dir ja doch etwas ganz anderes.

Um nicht für jedes Kind neue Schulbücher kaufen zu müssen, wurden die bestehenden wiederverwendet. Nach zwei Kindern waren sie schon entsprechend abgenutzt. Damit Nija die alten Bücher noch verwenden konnte, nähte sie die Seiten, die schon auseinandergefallen waren, wieder zusammen. [Dass sie dann noch in den Einband geklebt werden mussten, hab ich zu dem Zeitpunkt noch nicht erwähnen müssen.]

#56 RE: Alltagsgeschichten von Amanita 30.01.2020 22:35

avatar

@Chrontheon, das hört sich jetzt aber nicht nach der Welt mit der Geheimpolizei an, oder?

Da wir ja alle gerade den Themenschwerpunkt Medizin haben, gibt es bei mir den Tag eines elementarmagischen Arztes. Es geht jetzt mit dem Morgen los.

Corin Avellanus-Morgenroutine

Das Klingeln des Weckers riss Corin aus dem Schlaf. Er drehte sich auf den Rücken, bis zum zweiten Klingeln konnte er noch liegenbleiben. Das morgendliche Aufstehen fiel ihm mittelprächtig leicht, auch wenn er wusste, was für ein Luxus ein geregelter Tagesablauf war. Seit er seine Ausbildung zum Facharzt für Lungenheilkunde und elementarmagische Medizin abgeschlossen hatte, blieb ihm zumindest die Nachtschicht erspart. Falls nachts irgendwelche Patienten mit schwerer Übergangskrankheit eingeliefert wurden, kümmerten sich darum zunächst die Kollegen und verabreichten ihnen die hierfür vorgesehene Standardmedikation, die bereits fertig zubereitet im Arzneischrank lagerte. Dann hatten die Neu-Elementarmagier im Normalfall Zeit bis zum nächsten Morgen. Falls dies nicht der Fall war, riefen sie Corin an und er schaffte es mit dem Auto von seinem Haus aus in fünf Minuten zur Klinik.

Jetzt hieß es aber aufstehen. Corin schlüpfte in seine Kleidung für zuhause und öffnete das Fenster. Unterhalb seines Hauses breitete sich die Stadt Daris Kaja in Richtung Orellan aus. Unten am Fluss sah Corin das Aropa-Dreieck, die Leuchtreklame des gleichnamigen Chemiekonzerns, welche die anderen Lichter der Stadt in den Schatten stellte. Valerius Aropus, der Gründer dieses Unternehmens hatte vor mehr als hundert Jahren das Krankenhaus, in dem Corin arbeitete, für seine Mitarbeiter gegründet. Inzwischen befand es sich jedoch längst in staatlicher Hand.
Daris Kaja war nicht gerade für seine bauliche Pracht bekannt, doch über das ruhige Wohngebiet in Höhenlage, wo Corin wohnte, gab es nichts zu meckern. In seinem weitläufigen Garten sangen die Vögel und Corin ließ auch seinen elementarmagischen Blick nach draußen schweifen. Es hatte etwas Beruhigendes und gleichzeitig Fokussierendes, dem Weg des Sauerstoffs in der Luft, im Wasser, im Boden und in den Lebewesen zu folgen. Dabei spürte er die Verbindung seines Elements zu ihm und die eigene zurück zu seinem Element, beide ungefähr gleich stark, wie es bei einem fertig ausgebildeten Elementarmagier sein sollte. Seine Elementare waren ebenfalls im Garten unterwegs und begrüßten ihn kurz im Vorbeifliegen.
Corin selbst hatte nie unter einer Übergangskrankheit gelitten. Seit er sich erinnern konnte, war sein Element eine wohlwollende Präsenz in seinem Leben gewesen, zumindest fühlte es sich für ihn so an. Es hatte ihm als Kind dabei geholfen, seiner Schwester bei ihren Asthmaanfällen zur Seite zu stehen und ermöglichte ihm jetzt, anderen zu helfen.

Damit er das tun konnte, durfte er jedoch nicht mehr allzu viel Zeit am Fenster verbringen. Er ging ins Esszimmer, wo seine Novizin, Phosphormagierin Elanja bereits das Frühstück vorbereitet hatte. Am Anfang war es Corin unangenehm gewesen sich von ihr bedienen zu lassen, schließlich war er ihr Ausbilder und nicht ihr Arbeitgeber. Er hatte jedoch schnell gemerkt, wie wichtig es ihr war, das Gefühl zu haben, dass sie sich nützlich machen konnte.
Inzwischen wusste Elanja auch, wie man eine Kaffeemaschine bediente, obwohl sie weiterhin den traditionellen sarilischen Kräutertee trank, den sie im multikulturellen Daris Kaja irgendwo aufgetrieben hatte. Aus finanzieller Sicht war das sicherlich sinnvoll. Die Dageyraner ließen sich den Kaffee reich bezahlen und verwehrten ausländischen Unternehmen den Erwerb von landwirtschaftlichen Flächen in ihrem Land. Alle Versuche, Kaffee in Elavien anzubauen, waren jedoch fehlgeschlagen, sodass alle Kaffeefreunde den Preis zahlen mussten, denn die Dageyraner verlangten. Corin war froh darüber, dass er deswegen nicht mehr auf das anregende Getränk verzichten musste.
Bei aßen ein Müsli, Elanja allerdings die Variante mit Nussmilch und eine Scheibe Brot mit Marmelade. Am Anfang hatte Corin extra die in Arunien ebenfalls sehr teuren Alijan-Bohnen besorgt, damit sie sich den bei den Sarilern angeblich beliebten Aufstrich aus gekochten Bohnen und Honig machen konnte. Elanja hatte ihm jedoch gesagt, dass sie lieber so essen wollte, wie es in Arunien üblich war. Die Bohnen hatte sie in ihrer Kindheit im Waisenhaus dauernd bekommen und konnte sie nicht mehr sehen. Dafür hatte Corin natürlich Verständnis, auch wenn ihn die beiläufige Art, wie sie das erwähnt hatte, etwas schockierte. Im Vergleich zum Versuch der sarilischen Elementarmagier ihr eine Ausbildung zu verpassen, war die Zeit im Waisenhaus aber offenbar noch das reinste Vergnügen gewesen. Obwohl Elanja, für Sariler untypischerweise, Makeup trug, sah man noch die Narbe auf ihrer Stirn, wo der Leiter ihres ehemaligen Zentrums ihr Elementsymbol mit Flusssäure entfernt hatte, als sie „wegen Unfähigkeit“ entlassen worden war. Notwendig war das nicht gewesen, das Symbol bestand aus wasserlöslicher Farbe.
Auf Tiermilch musste sie jedoch verzichten, da sie diese wie die allermeisten Sariler nicht vertrug.

Gewohnheitsmäßig überprüfte Corin den Zustand ihrer Elementarmagie. Die Verbindung zwischen ihrem Element und ihr war stark, aber anders als am Anfang gab es inzwischen auch eine in die andere Richtung. Elanjas Kontakt zu ihrem Element war sehr vorsichtig und behutsam, aber die Verbindung war da und stabil. Darauf konnte man aufbauen, der Rest würde mit der Zeit kommen.
Alles in allem war Corin nicht unzufrieden. Einige Mitglieder des Alchimistenzirkels waren völlig entsetzt darüber gewesen, dass er als Sauerstoffmagier eine Phosphormagierin unterrichten wollte, aber das Ergebnis war so schlecht nicht. Unter Corins Patienten waren öfter Phosphormagier aber so gut wie nie Sauerstoffmagier, sodass er mit deren gesundheitlichen Problemen wohlvertraut war.
„Muss ich Fao wirklich wieder mit zur Arbeit nehmen? Er macht ständig Quatsch, ärgerte die Leute, macht die Frisuren kaputt und weht Röcke hoch und so.“
„Ja, ich weiß, dass es lästig ist, aber ich halte es wirklich für sinnvoll. Solange du selbst keinen Elementar herbeirufen kannst, brauchst du zusätzlichen Schutz.“
Während einer Alchimistenzirkelveranstaltung war ein Auftragskiller auf Elanja angesetzt worden, seitdem war Corin da besonders vorsichtig.
Elanja seufzte. „Die Sache ist doch jetzt aus. Clavatus wird nicht Verteidigungsminister und Lebetinus ist seinen Vorstandsposten auch los. Jetzt bringt es doch gar nichts mehr, mich umzubringen, außer noch schlechtere Publicity.“
„Ich hoffe wirklich, dass du recht hast. Mir wäre es aber trotzdem recht, wenn Fao dich weiter begleiten würde.“
Er konnte zwar verstehen, dass es unangenehm war, mit einem Elementar unterwegs zu sein, den man nicht kontrollieren konnte, aber Sicherheit ging vor und Fao war immerhin einer, der nur harmlosen Schabernack machte und nicht herausfinden wollte, wie leicht Menschen brannten, oder Ähnliches.
„Seh es als Anreiz selbst zu üben, einen Elementar zu rufen“, sagte er.
Elanja schaute alles andere als begeistert drein. Ihr schienen diese Wesen ziemlich suspekt zu sein und Corin musste zugeben, dass es ihm bei Phosphorelementaren nicht viel anders ging. Wenn Elanja ihrem zum ersten Mal beim Alchimistenzirkel begegnete und nicht in seiner Wohnung, wäre ihm das nicht Unrecht.
„Es fällt mir immer noch schwer, das mit Lebetinus zu glauben. Und mir war der tatsächlich sympathisch.“
„Das hat mich von Anfang an gewundert“, sagte Corin.
„Ja, ich weiß. Ich habe mich wahrscheinlich blenden lassen. Ein wie ausgebildeter Fluormagier, der nett zu mir ist, das war so etwas Ungewöhnliches. Ich hätte mir denken können, dass es nicht echt ist.“
„Nicht alle Fluormagier sind skrupellose Folterer, Mörder und Vergewaltiger“, sagte Corin.
„Aber im Verhältnis mehr als bei anderen Elementen, oder?“
„Der Eindruck kann tatsächlich entstehen“, sagte Corin. „Ich weiß aber nicht, ob sich das statistisch belegen lässt. Es ist beispielsweise erwiesen, dass die meisten Giftmörder Stickstoffmagier sind, auch auf ihre Anzahl zurückgerechnet. Arsenmagier treten dagegen fast nie in dieser Form in Erscheinung.“
Dies war in einem Artikel der Zeitschrift „Elementarmagie heute“ beschrieben worden, die Corin abonniert hatte.
„Ich kenne auch nur nette Arsenmagier. Und es hat einen Vorteil, sie müssen sich nicht mit ihrem Element beschäftigen, wenn sie das nicht wollen.“
Ein Blick auf die Uhr verriet, dass keine Zeit mehr war, um dieses Thema noch vertieft zu diskutieren.
Elanja musste sich nun auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz, einer sarilischen Bäckerei, machen, in Begleitung von Fao, der zumindest Corin versprach, nichts anzustellen und gut auf sie aufzupassen. Corin stellte noch das Geschirr in die Spülmaschine und fuhr dann zur Klinik.

#57 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 30.01.2020 23:54

avatar

Zitat von Amanita im Beitrag #56
@Chrontheon, das hört sich jetzt aber nicht nach der Welt mit der Geheimpolizei an, oder?

Nein, das ist aus einer anderen Welt. :D

@Amanita: Das ist ein gut detaillierter Anfang. Eine Frage hab ich nur zu den Wohnverhältnissen: Ist es üblich, dass Novizen bei ihren Meistern wohnen? Wenn ja, warum?

#58 RE: Alltagsgeschichten von Amanita 31.01.2020 07:30

avatar

Zitat von Chrontheon im Beitrag #57
Ist es üblich, dass Novizen bei ihren Meistern wohnen? Wenn ja, warum?

Das kommt gelegentlich vor, ist aber nicht unbedingt üblich. Elanja hat eigentlich auch eine eigene Wohnung, Corin möchte zu diesem Zeitpunkt aber, dass sie aus Sicherheitsgründen bei ihm wohnt, weil sein Haus mehr Sicherheitsmaßnahmen einschließlich wachende Elementare hat. Manche Adepten mit noch schulpflichtigen Novizen, machen das auch, um sie auf eine ihrer Meinung nach bessere Schule schicken zu können.
Es gilt nicht generell als anstößig, bei Corin und Elanja gibt es da aber schon ein paar Gerüchte, auch wegen ihrer Elemente. Da sie schon 27 ist, kann da aber rechtlich niemand was sagen. (Das Einstiegsalter von Elementarmagiern in Arunien schwankt sehr stark. Am häufigsten ist ein Alter zwischen 15 und 25, fünf Jahre mehr oder weniger sind aber auch nicht ungewöhnlich und es kommt auch vor, dass ältere Erwachsene oder jüngere Kinder Elementarmagier werden. Je nach deren beruflichem und gesellschaftlichem Standing kann es aber sein, dass ältere Erwachsene nicht mehr in der Novizengruppe ausgebildet werden, während Kinder nur die Basics lernen und auf die offizielle Aufnahme im Alchimistenzirkel warten müssen. Die ist nicht vor zwölf Jahren möglich.

#59 RE: Alltagsgeschichten von Chrontheon 31.01.2020 12:02

avatar

Ich find auch, dass du die Elementare gut eingebaut hast. Seit wann sind die eigentlich bekannt/können sie von Elementarmagiern verwendet werden? Und ist die Haltung von Elementaren auch in anderen Ländern üblich, oder ist das eine Besonderheit des Alchemistenzirkels?

Haben Elementare ein Bewusstsein? Wenn ja, wie funktioniert das mit dem Beherrschen/Kontrollieren von Elementaren?

#60 RE: Alltagsgeschichten von Amanita 04.02.2020 22:28

avatar

@Chrontheon, dazu habe ich schonmal einen wenig beachteten Beitrag verfasst. Elementare

Corin Avellanus-Vormittag


Das Krankenhaus von Daris Kaja war von einem kleinen Park umgeben, in dem die Patienten, die dafür mobil genug waren, frische Luft schnappen konnten. Einige de Patienten nutzten den Park jedoch zu einem anderen Zweck, zum Rauchen. Corin erkannte zwei seiner Patienten, die wegen der Raucherei unter chronischer Bronchitis litten.
Er schüttelte den Kopf. Manche Leute lernten es einfach nie. Früher hatte er seinen Patienten immer wieder zugeredet, dass sie auf dieses Laster verzichten sollten, aber inzwischen hatte er das aufgegeben. Er informierte sie zu Beginn der Behandlung darüber, dass es sinnvoll wäre, mit dem Rauchen aufzuhören, dann wussten sie Bescheid. Alles andere lag bei ihnen, sie waren schließlich erwachsen.
Glücklicherweise fruchteten die Präventionsmaßnahmen langsam und die Popularität des Rauchens bei den jüngeren Aruniern ging deutlich zurück. In früheren Zeiten war der Tabakkonsum, gerne auch in Form von Pfeifen oder Zigarren im Alchimistenzirkel sehr weit verbreitet gewesen. Das Nikotin wirkte stimulierend auf die elementarmagischen Fähigkeiten, ohne dabei in den beim Rauchen aufgenommenen Dosen gefährliche Nebenwirkungen zu haben, jedenfalls nicht in Bezug auf die Magie. Diese Information wurde inzwischen jedoch außerhalb von wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht mehr diskutiert, um zu vermeiden, dass junge Menschen zum Rauchen verführt wurden, weil sie gerne Elementarmagier sein wollten.
Stattdessen kam es heutzutage immer wieder vor, dass sie absichtlich phosphorhaltige Insektizide soffen, um diesen Effekt zu erzielen. Die gefährlichsten durften zwar nicht mehr an Privatleute verkauft werden, aber vielerorts fanden sich noch Altbestände, oder es wurde eben mehr von den weniger wirksamen eingenommen. Diese Praxis brachte deutlich mehr junge Menschen auf den Friedhof als in den Alchimistenzirkel. Es gelang nur in den seltensten Fällen, wirklich das Auftreten von Elementarmagie zu erzwingen. Unstrittig war, dass diese Gifte so etwas bewirken konnten, warum die freiwilligen Versuche scheiterten, war nicht ganz klar. Die wahrscheinlichste Ursache war die, dass die Betroffenen als Phosphormagie eher ungeeignet waren. Einer der Patienten, den Corin nicht mehr retten konnte, wäre Fluormagier geworden, wenn er etwas mehr Geduld gehabt hätte. Die Entwicklung dieser Magie war jedoch auf natürlichem Weg schon gefährlich genug, künstlich beschleunigt war da nicht mehr viel zu machen.

Corins Vormittag war jedoch den Lungenkranken gewidmet. Zunächst besuchte er mehrere stationär aufgenommene Patienten und überprüfte ihren Gesundheitszustand. Drei von ihnen litten unter chronischer Bronchitis, die beiden anderen hatten sich bei der Arbeit eine Staublunge zugezogen. Corin hatte das Siliciumdioxid mithilfe seiner Gabe aus ihren Lungen entfernt und überprüfte nun, ob ihre Beschwerden zurückgingen. Dies war tatsächlich der Fall. Trotzdem konnte er den Leuten nur raten, lieber gleich auf einen angemessenen Arbeitsschutz zu achten, damit es gar nicht erst soweit kam.
Als nächstes stand die ambulante Sprechstunde auf dem Programm. Patienten, deren gesundheitliche Versorgung durch die allgemeine Krankenversicherung finanziert wurde, mussten sich durch einen sauerstoffmagischen Arzt untersuchen lassen, wenn sie unter Lungenproblemen litten. Röntgen und MRT gab es zwar auch, diese Technologie wurde für die Routinediagnostik aber nicht verwendet, da die Geräte wesentlich teurer waren als Corins Arbeitszeit.
Theoretisch sprach viel für diese Praxis und nichts dagegen, praktisch gab es jedoch viele Patienten, die sehr skeptisch waren, wenn von ihnen verlangt wurde, den Sauerstofffluss durch ihren Körper mithilfe von Elementarmagie begutachten zu lassen. Solche Ängste traten auch bei manchen Aruniern auf, besonders ausgeprägt waren sie aber bei elavischen Patienten, denn dort wurde Elementarmagie allgemein als etwas Böses betrachtet.
Die Krankenversicherung weigerte sich jedoch, den in Arunien lebenden Elaviern „wegen abergläubischen Blödsinns“ teure und potenziell schädliche Untersuchungen zu finanzieren. Das führt dazu, dass viele Elavier mit Atemwegsproblemen überhaupt nicht zum Arzt gingen, sondern sich lieber auf irgendwelche traditionellen Heilmittel verließen. In Daris Kaja gab es jedoch auch einige, die ihre Scheu überwanden und trotzdem in Corins Sprechstunde kamen.
Da das Verhältnis zwischen Menschen mit elavischem und tessmarischem Migrationshintergrund häufig sehr angespannt war, ließ Corin die Termine gezielt so legen, dass eine Gruppe zu Beginn der Sprechzeit an der Reihe war, die zweite zum Ende.
An diesem Tag ging es mit den Elaviern los. Ein kleiner Junge, der in Begleitung seines Vaters hier war, litt unter Asthma. Corin konnte jedoch feststellen, dass sein Zustand stabil war. Er stellte ihm ein weiteres Rezept für seine Medikamente aus und wandte sich dem nächsten Patienten zu. Das Mädchen litt unter starkem Husten und hohem Fieber. Corin stellte eine Lungenentzündung fest und wies an, dass sie zunächst im Krankenhaus bleiben sollte, um Antibiotika zu bekommen. Die dritte Patientin war ebenfalls eine alte Bekannte. Die Arisaja-Elavierin war während des Krieges einem sarilischen Fluormagier in die Hände gefallen. Dieser Begegnung verdankte sie mehrere Brandnarben, Verätzungen in den Bronchien und eine jetzt zweiundzwanzigjährige Tochter, die eine Ausbildung bei der Bank machte. Sie hatte sich gezielt einen so unsarilischen Beruf wie möglich ausgesucht, wie ihre Mutter sagte. Am Anfang war sie Corin ebenfalls mit großem Misstrauen begegnet, doch das hatte sich im Lauf der Jahre längst gegeben.
Eins hatte ihre Geschichte Corin aber auch klargemacht. Die Berichte über die Gräueltaten der Sariler im Arisaja-Krieg waren nicht nur Propaganda zur Rechtfertigung eines Krieges gewesen, sondern diese Dinge waren tatsächlich geschehen. Corin war es normalerweise sehr wichtig, beim Einsatz seiner Gabe immer nach strengen ethischen Standards zu handeln, doch wenn ihm dieser Mann in die Hände fallen würde, könnte er für nichts garantieren.
Als nächstes waren die arunischen Patienten an der Reihe, auch von ihnen kannte Corin einige bereits, weil sie regelmäßig zur Kontrolle zu ihm kamen. Zum Schluss folgten noch eine tessmarische Leichtathletin, die sich ein Asthma-Medikament verschreiben lassen wollte. Corin stellte jedoch keine Indikation für einen solchen Wirkstoff fest und schickte die Frau ohne Rezept nach Hause. Große Illusionen machte er sich da aber nicht. Auf dem Schwarzmarkt würde sie bestimmt irgendetwas finden, was ihren Wünschen entsprach.

Xobor Forum Software von Xobor
Datenschutz