#1 Verbrennen, verbuddeln oder ins Meer werfen - Bestattungsriten deiner Welt von Teja 22.10.2019 20:26

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Die meisten unserer Weltenbewohner sterben irgendwann und die Hinterbliebenen müssen sich in irgendeiner Form mit den Überresten auseinandersetzen. Dieser Thread ist dafür gedacht, sich ein paar Gedanken über Bestattungsriten zu machen.

Sind die Überreste für die Angehörigen wichtig? Findet überhaupt eine Bestattung statt?

Die meisten menschlichen Kulturen kennen Bestattungen. Man behandelt den Körper des Verstorbenen respektvoll, trauert um ihn und sitzt zusammen, um sich zu erinnern. Es könnte aber durchaus sein, dass jemand eine Kultur bastelt, wo der Körper keine so große Rolle spielt.

Wie wird der Körper bestattet?

Es gibt viele Möglichkeiten: Begraben, Mumifizieren, Verbrennen, Aufessen, ins Meer werfen, in der Wildnis ablegen, damit Tiere den Körper verzehren...

Wie gehen die Hinterbliebenen spirituell mit dem Tod um?

Wie einzelne Personen mit Trauer umgehen ist individiuell und kulturell verschieden. Gewöhnlich trifft man sich mit der Familie und Freunden, um das ganze gemeinsam zu begehen. Manche Kulturen legen dabei mehr Wert auf den Trauernaspekt, andere feiern eine Party zum Gedenken an die guten Zeiten des Verstorbenen.




Ich bemühe mich mal, die Fragen für Jamarra zu beantworten:

Ich hatte andernorts schon erwähnt, dass in Jamarra jede Familie ihren eigenen Ahnenkult betreibt. Jede Familie besitzt einen Schrein, in dem sich eine Statuette befindet, die die Verbindung mit den Ahnen bildet. Diese Statuette wird bei wichtigen Lebensereignissen zerschlagen und neu geformt, auch beim Tod eines Familienmitglieds.

Zunächst wird der Verstorbene jedoch von den nächsten Verwandten gewaschen und aufgebahrt. Die ganze Familie kommt vorbei, um zu bezeugen, dass er wirklich tot ist, um zu trauern und Abschied zu nehmen. Nach dem Ablauf von 24 Stunden holt man sich die Hilfe des Tempels, um dem Toten einen (gewöhnlich kleinen) Knochen zu entfernen, Fingerknochen oder vergleichbares. Dieser wird gereinigt und der nächsten weiblichen Verwandten übergeben. Diese ist dafür verantwortlich, dass der Knochen verbrannt und zerrieben wird. Das Pulver wird dann der zerschlagenen Ahnenstatuette hinzugefügt, bevor sie neu geformt wird. Der Verstorbene hat damit seinen Platz unter den Ahnen gefunden und kann von dort aus über seine Familie wachen.

Der Körper ist damit jedoch nur noch ein Körper. Er wird in die Wüste gebracht und dort in ein unmarkiertes Grab gelegt. Ich überlege noch, ob diese Aufgabe die Verwandschaft übernimmt oder ob sie jemanden dafür bezahlen.




Wie läuft das in deiner Welt?

#2 RE: Verbrennen, verbuddeln oder ins Meer werfen - Bestattungsriten deiner Welt von Elatan 22.10.2019 21:26

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Die Idee mit den Ahnenstatuen, die immer wieder neu geformt werden, finde ich sehr schön!




Der Umgang mit den Toten ist bei mir auch überall anders, ich werde die Frage erstmal für die Sentarier beantworten, vielleicht kommt später was zu anderen Leutchen.

Die Sentarier vertreten die Ansicht, dass der Körper des Toten zerstört werden muss, damit die Seele aus ihm befreit werden kann; so lange der Körper noch besteht, denken sie, dass die Seele in diesem eingesperrt ist - und es ist natürlich nicht besonders schön, in einem verwesenden und zerfallenden Körper eingesperrt zu sein. Wo genau die Seele sitzt und ob der ganze Körper zerstört werden muss, ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Es gibt hier viele verschiedene Meinungen und demnach auch verschiedene Arten mit dem Umgang mit der Leiche. Manche meinen z.B., die Seele sitze ausschließlich im Gehirn, was besonders in Nordwestilranuh angenommen wird. Hier wird der Körper möglichst intakt gelassen und nur das Gehirn entfernt und verbrannt. Der Körper selbst wird dann nicht viel anders als bei uns auch vergraben oder auch einbalsamiert; man greift hier auf vorsentarische Bestattungsrituale zurück.

Die meisten Sentarier verbrennen allerdings den ganzen Körper. Die Asche, die über bleibt, hat im Prinzip keinerlei Bedeutung mehr, allerdings wird diese trotzdem nicht einfach zusammengefegt und in den Müll geschmissen, sondern oft an einem Ort verstreut oder vergraben, der eine besondere Bedeutung für den Verstorbenen hatte. Eloniten (die den Sentar des Wassers am meisten verehren) streuen die Asche bevorzugt ins Meer, aber auch in Flüsse oder Seen: Beim Tod eines thyonischen Königs wird dessen Leiche z.B. öffentlich verbrannt (allerdings hinter einem Sichtschutz) und die Asche dann in einer feierlichen Prozession zum Fluss Sirilith gebracht, wo sie verstreut wird. Grade bei der Bestattung eines Königs wird noch einmal sehr deutlich gemacht, dass im Sentarismus alle im Tode gleich sind, denn der Priester, der den Toten verbrennen wird, fragt zunächst, wer zu ihm gebracht wird, woraufhin (in der Regel) der Thronfolger mit sämtlichen Titeln und Namen des Verstorbenen antwortet, woraufhin der Priester antwortet, dass er diese Person nicht kenne und noch einmal fragt, worauf dann die größten Taten des Toten genannt werden, nur damit wieder gesagt wird, dass er ein unbekannter sei. Erst dann wird ihm nur der Name des Toten genannt und dass darum gebeten wird, dass er ins Reich der Toten eintreten dürfe, woraufhin er dann verbrannt wird. Grade bei einem Kaiser oder König kann das ganze Schauspiel natürlich sehr interessant sein, aber im Prinzip ist diese Vorgehensweise bei jedem Menschen gleich - nur hat ein einfacher Bauer meist eben weniger Titel und Taten vorzuweisen, wodurch alles etwas fixer und weniger pompös geht.

#3 RE: Verbrennen, verbuddeln oder ins Meer werfen - Bestattungsriten deiner Welt von Nharun 23.10.2019 15:57

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Da kann ich mich Elatan erstmal nur anschließen: Die wandelbaren Ahnenstatuen sind eine tolle Idee!

@Elatan deine Begründungen aus der Religion finde ich sehr interessant, vor allem dass es nicht die eine wahre Bestattungsform gibt, sondern unterschiedliche Ansichten miteinander konkurrieren.




Auf der Toraja werden die Toten in aller Regel verbrannt und der Leichenbrand in Urnen bestattet oder ausgestellt. Diese Kulturgrenzen überwindende Praxis hat allerdings auch pragmatische Gründe, denn ein körperloser Dämon kann recht leicht von einem menschlichen oder tiersichen Leichnam Besitz ergreifen (weshalb man übrigens geschlachtete Tiere auch zügig zerstückelt). Es gibt aber auch Kulturen, die davon abweichende Traditionen haben oder hatten:

Bei den vorasiranistsichen Arbaren war es üblich die Leichen derer, die in der Wildnis verstarben, an Ort und Stelle zu belassen; sie glaubten, dass der Waldgott Karillus diese Menschen für sich beansprucht hatte und er diese Körper zu Wölfen umwandeln und seinen Rudeln hinzfügen wolle (Wölfe wurden daher auch "dôdewûlfir", "Totenhunde" , genannt). Zumindest in der frühen Antike bestatteten die Arbaren berühmte Anführer oder Helden auch in Hügelgräbern, möglicherweise als Relikt aus vorarbarischen Zeiten.

Bis in die Klassik hinein wurden die demarischen Priesterköniginnen und andere Mitglieder des weiblichen Adels einbalsamiert und in aufwändigen Gräbern bestattet. Um die Besessenheit der Leichname zu verhindern, wurden die Toten in Bleisärgen bestattet. Das einst reichhaltige Wissen der Demarer ging in den Wirren der Dunklen Zeit aber verloren, weshalb die Toten nicht länger balsamiert wurden und auch die Tradition der Bleisärge im Zuge einer "Demokratisierung der Bestattung" verloren ging - es ist aber bis heute üblich, den Toten ein Bleiamulett mit ins Grab zu geben.

#4 RE: Verbrennen, verbuddeln oder ins Meer werfen - Bestattungsriten deiner Welt von DrZalmat 23.10.2019 17:11

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Uh... schwer zu beantworten weil es auf Lhanid so viele Riten gibt... Ich erkläre glaub ich erstmal die groben Riten für die Völker, es gibt da noch viele Unterteilungen

Die Menschen des Nordens begraben ihre Toten auf Friedhöfen oder verbrennen sie, ähnlich wie wir, außer dass die Riten anders sind und sich sehr um Vögel drehen... Vögel transportieren die Seelen ins Jenseits, deshalb hat auch jeder Friedhof immer Vogeltränken und Nistmöglichkeiten, viele Friedhöfe sind auch Vogelrückzugsgebiete. Einige Leute ganz im Norden, in Bereichen mit Permafrost, legen das auch so aus dass sie die Leichen aus den Orten an Stellen bringen wo die Vögel sie fressen können und nach einer Weile werden die Knochen eingesammelt und dann vergraben.
Je südlicher es wird, desto häufiger kommt es vor dass zumindest teilweise die Leichen als untote Diener weiter verwendet werden. Im Normalfall in Form eines Vertrages den man zu Lebzeiten unterschreibt. Ich bekomme im Diesseits Geld und dafür können die Totenpriester nach dem Tod meinen Körper weiter verwenden. Sie stellen natürlich sicher dass die Seele den Körper verlassen hat... Die Mehrheit wird dennoch vergraben oder verbrannt

Elfen legen ihre Toten in die Wildnis, wo sie wieder Teil der Erde werden. In manchen Bereichen im Westen werden sie begraben, aber sie werden niemals verbrannt, weil die Asche nicht nützlich für die Umwelt ist. Ein typischer Ritus ist es einen Samen in den Mund des Toten zu legen. Wenn dieser sprießt, nimmt er die Nährstoffe aus denen der Körper besteht auf und kann dadurch wachsen. Wenn jemand also einen jungen Baum mit einem Skelett am Fuß sieht weiß, das war wohl eine von Elfen bestattete Person.

Nayu begraben ihre Toten nicht sondern verarbeiten sie. Sie stellen sicher dass die Seele den Körper verlassen hat und verarbeiten dann die Haut, das Fleisch und die Knochen zu diversen Dingen des täglichen Lebens. Die Toten werden aber nicht gegessen, das Fleisch wird zur Herstellung von bestimmten Stoffen zerkocht. Wenn man bei Nayu ist kann es also durchaus sein dass das Messer mit dem du das Essen schneidest aus dem Knochen seines Großvaters besteht, aber du kannst sicher sein dass das Fleisch dass du damit schneidest nicht vom Großvater ist.

Zwerge haben Familiengräber in denen die Knochen aufbewahrt werden und normalerweise im Familiensitz direkt sind. Es ist leichter die Ahnen zu ehren wenn die Schädel der Ahnen direkt vor einem Sind. Der Rest vom Körper wird, aus Notwendigkeit (unter der Erde gibt es nicht viele organische Ressourcen) als Dünger für die Pilzfarmen verwendet. Solch ein Familiengrab kann nach Jahrhunderten durchaus eine beeindruckende Größe einnehmen aber man kann sich sicher sein dass ein Zwerg jeden Knochen da drin einem Vorfahren zuordnen kann.

#5 RE: Verbrennen, verbuddeln oder ins Meer werfen - Bestattungsriten deiner Welt von Aguran 23.10.2019 20:49

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Es gibt so viele Bestattingsriten wie es Völker gibt auf Tenrasyl, sogar noch mehr.
Drum geb ich hier nur einen kleinen Überblick über die elbische Kultur als Ganzes. Innerhalb der elbischen Gesellschaft gibt es jedoch etliche individuelle Arten mit den Tod umzugehen.


Sind die Überreste für die Angehörigen wichtig? Findet eine Bestattung statt?

Der Tod ist für Elben etwas schwer greifbares. Was nicht verwunderlich ist, wenn man weiß das es unter Elben keine klassischen Leichen gibt.
Viel mehr ist es so, das sich der elbische Körper nach seinem Tod einer Transformation unterzieht.
Das heißt, Fleisch wird zum Beispiel zu Stein, oder Holz, manchmal sogar zu Wasser oder Luft. In diesem letzten beiden Fällen bleibt also nichts greifbares zurück.
Meistens jedoch bleibt nach dieser Transformation etwas übrig in dem Holz, dem Stein usw.
Es ist dann zum Beispiel ein Flüstern zu hören wenn man sich den Überresten nähert. Dies kann mehrere Tage nach dem Tod nachklingen, aber in seltenen Fällen auch über mehrere Jahrhunderte.

Wie wird der Körper bestattet?
Oft verbleiben die Überreste an Ort und Stelle, und werden mehr oder weniger sich selbst überlassen.
Oft bleibem aber auch Wächter an den Orten zurück um den Elben, sollte er doch wieder erwachen zu beschützen. Diese Wächter sind meist gebundene Geister.

Das Abschiedsritual dient auch genau dazu diese Wächtergeister zu beschwören und andie Überreste zu binden.

Diese "Elbengräber" sind für Außenstehende äußerst unangenehme Orte, denn die Wächtergeister sind spürbar und erfüllen nichtelbische Besucher allein durch ihre Präsenz mit ihren Ängsten.
Alte elbische Schlachtfelder sind zum Beispiel wahre Orte des Grauens für unbeabsichtigte Besucher, während vereinzelte Elbengräber eher unheimlich wirken.
Mit den Jahrhunderten trauen sich nur wenige Tiere oder Kulturschaffende an diese Orte.
Einzig Pflanzen wachsen weiter umd ùberwuchern diese Orte langsam aber sicher und machen sie unwegsam.


Wie gehen die Hinterbliebenen mit dem Tod um?

Trauer ist das einzige Gefühl welches Elben voll ausleben können, ohne gesellschaftlicje Ächtung befürchten zu müssen.
Elbem trauern deshalb sehr intensiv und lange. Es gibt Einzelfälle in denem Elben bei den Überresten ihrer Verstorbenen über Jahrhunderte, bis zur eigenem Transformation wachten.
Meist immer in der Hoffnumg, das der Verstorbene sich ins Leben zurückwandelt.

Die Elben haben in ihrer Glaubenswelt kein Totenreich, also auch keinen Ort an welchem sie ihre Verstorbenen wieder sehen werden.
Sie habem lediglich das vage Versprechen von ihrer Göttin dass sie im Leben wie im Tod auf ihre Kinder achten wird.

Da Elben sehr intensiv trauern, kann auch alles was aus dieser Trauer entsteht leicht in einem Exzess abgleiten. Geschichten von elbischen Rächern sie nach Vergeltung für Tode streben sind genauso oft anzutreffen wie Geschichten über elbische Eremiten die sich in ihrer Trauer völlig von der Welt zurückziehen.

Dem versucht die elbische Gesellschaft nach einer individuell zugestandenen Trauerzeit entgegen zu wirken indem sie den sehr intensiv Trauernden über neue herausfordernde Aufgabenzuweisungen einen neuen Lebenssinn versuchen zu geben.

Elben besuchen darüber hinaus auch noch Jahrhunderte später die Überreste ihrer Verstorbenen. Erneuern dann die Schutzrituale, oder suchen nach Komminikation mit den flüsternden Stimmen des Verstorbenen.
Manche glauben das sie wirklich kommunizieren können auf diese Weise, andere glauen dass das Flüstern nur ein Echo des Verstorbenen ist, und deshalb eine Kommunikation unmöglich ist.

Die Marleijakirche lässt beiden Interpretationen ihrem Raum, sie versucht vor allem individuellen Trost zu spendem . Was der Trauerheilung eher helfen mag, das unterstützen sie seelsorgerisch.

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