#1 Verliebt, verlobt, verheiratet - Hochzeiten und Ehen von Elatan 27.10.2019 19:14

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Wenn zwei Kreaturen eurer Welt sich ganz doll liebhaben, was tun sie dann? Gut, auf das will ich nun nicht hinaus. Mich interessiert, ob sie heiraten und wie so etwas vonstattengeht. Gibt es Verlobungsfeiern? Wie sieht eine Hochzeit aus und was ist sonst noch über die Ehe zu sagen? Kann man sich scheiden auch wieder scheiden lassen, wenn man sich nicht mehr liebt? Spielt Liebe überhaupt eine Rolle oder geht es in einer Ehe um etwas ganz anderes? Fragen über Fragen die ihr mir hoffentlich beantworten mögt.

#2 RE: Verliebt, verlobt, verheiratet - Hochzeiten und Ehen von Nharun 28.10.2019 13:46

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Zu diesem Thema möchte ich mich zunächst selbst aus dem 106. Speedbasteln zitieren, auch wenn es dort schwerpunktmäßig um "uneheliche Kinder" geht:

Zitat von Nharun im Beitrag Einhundertsechstes Speedbasteln am 10. September 2019: Uneheliche Kinder
Die „Ehe“ als Verbindung von zwei oder mehr Personen ist in den meisten torajanischen Gesellschaften als soziale und oft auch rechtliche Institution bekannt, wird jedoch in den wenigsten auf eine „Fortpflanzungsgemeinschaft“ begrenzt. Durch die ganze Geschichte waren homosexuelle Verbindungen in den meisten Gesellschaften genauso akzeptiert, wie heterosexuelle.
In Zeiten vor der Magischen Revolution war es daher durchaus üblich, dass homosexuelle Paare oder Gruppen, die keine eigenen Kinder erschaffen konnten, Kinder adoptierten oder außerhalb dieser Verbindungen zeugten.
Da in den meisten Gesellschaften Sklaverei normal war (und oft auch noch ist), war es ebenso normal, dass Sklavenhalter oder Sklavenhalterinnen Nachwuchs mit ihren Sklaven zeugten.
Auch ist in den meisten Kulturen der Geschlechtsverkehr nicht tabuisiert und in vielen Kulturen ist eine eher promiskuitive Lebensweise sogar erwünscht.
Aus diesen Gründen spielte es wenn nur vereinzelt eine Rolle ob und wie Kinder innerhalb einer „Ehe“ gezeugt werden oder nicht. In den meisten Kulturen haben Kinder rein gar nichts mit der „Ehe“ zu tun und es ist lediglich wichtig, ob sie von bestimmten Personen als Erbe anerkannt wurden oder nicht. Die Begriffe „Vater“ oder „Mutter“ sind daher auch in den meisten Kulturen emotionale Begriffe, die wenig bis keine konkrete juristische Bedeutung haben.

Bei den Arbaren und den von ihn abstammenden Völkern spielen die biologischen Eltern seit der allgemeinen Durchsetzung des Horgertums keine Rolle mehr. Hier ist entscheidend, ob ein Kind einen Horger besitzt oder nicht, weshalb die allein daheim bei ihren (biologischen) Eltern erzogenen Kinder rechtlich und sozial schlechter gestellt sind, als die Tiner eines Horgers.

Bei den antiken und früh-klassischen Iderusen war entscheidend ob die Mutter ein Kind als das ihre anerkannte. Der Vater spielte hierbei rechtlich überhaupt keine Rolle, so dass eine Unterscheidung zwischen „Mutterkindern“ und „mutterlosen Kindern“ üblich war. Der Vater spielte nur im Adel eine zunehmende Rolle, als die Adelsgeschlechter sich durch „Ehen“ einander auch politisch näherten; doch da eine Frau mehrere „Ehen“ mit Männern schließen konnte, blieb ihre Rolle rechtlich hier angefochten, auch wenn bestimmte Kinder durch die Anerkennung durch einen Vater auch in den Vorzug kamen, wenigstens sozial auch einer anderen Familie anzugehören.

In Viranco war es schon in der Antike eher wichtig, ob ein Junge bei Erreichen der Pubertät von einem „Vater“ bzw. ein Mädchen von einer „Mutter“ angenommen wird, unabhängig davon, ob diese auch die biologischen Eltern waren. Seit der Klassik lag hier die Bedeutung der biologischen Eltern rechtlich lediglich darin, den Kindern ihre Nachnamen mitzugeben, um Inzest zu vermeiden. Auch wenn es durchaus üblich war und ist, dass das biologische Elternteil die Vormundschaft über ein pubertierendes Kind übernimmt, besteht dazu weder eine rechtliche Pflicht, noch sind Kinder, die von anderen angenommen werden rechtlich oder sozial schlechter gestellt. Andersgestellt sind lediglich Pubertierende, die nicht offiziell von einem Erwachsenen angenommen werden.


Darüber hinaus weiß ich, dass es bei den Arbaren die sogenannte "Mirnval" gab, die "Liebesweihe", als feierliches Gelöbnis zweier Partner einander zu lieben; zum Ritus gehörte hier, dass die beiden Partner am Abend des Festtages in einer Hütte eingeschlossen wurden und dort drei oder fünf (je nach Stamm) Tage zusammen blieben [in die Hütte hatte man natürlich vorher ausreichend Speisen, Getränke und auch Geschenke gebracht); da bei den Arbaren die Geschlechter von früh in Männer- bzw. Frauenhäusern getrennt lebten und sich dies auch nach der Mirnval nicht änderte, war dies oft die einzige Zeit in der heterosexuelle Paare nur für sich allein in einem Haus waren. Die Mirnval hatte außer einem förmlichen "wir sind jetzt zusammen" aber keine besondere Bedeutung und konnte recht formlos beendet werden. In der modernen arbischen Gesellschaft ist die "Mirne" eine daraus entstandene Fortpflanzungsgemeinschaft, die normalerweise beendet wird, wenn das gezeugte Kind im Alter von etwa 6 Jahren bei einem Horger untergebracht wurde; im Gegensatz zu ihrem antiken Ursprung hat die "Mirne" tatsächlich eine rechtliche Bedeutung, denn sie garantiert den "Mirnern" eine bestimmte Anzahl von Tagen im Monat in einem "Mirnhûs" - das ist quasi ein Stundenhotel, in dem sich die Mirner ungestört treffen können; außerdem wird dadurch die Kindesversorgung vor dem Horger abgesichert, weil die Mutter während der Schwangerschaft und frühkindlichen Phase finanziell vom Vater und dem Staat aufgefangen wird; wenn die Mirner ihr Kind dann in die Obhut eines Horgers geben, erhalten beide noch das "Mirngalla", eine staatliche Geldprämie, und sind dann formell "geschieden", sofern die Frau nicht wieder schwanger ist oder ein anderes Kleinkind zu versorgen hat. Paare, die quasi durchgängig Kinder in die Welt setzen, werden "Brüder" genannt, sie sind gesellschaftlich einerseits verachtet, weil sie eine der arbischen Gesellschaft fremdgewordene Familienform leben, besitzen durch die staatliche Absicherung und die Geldprämien aber einen nicht ganz geringen Wohlstand, weshalb das "Brüding" einen normalen Beruf durchaus ersetzen kann.

#3 RE: Verliebt, verlobt, verheiratet - Hochzeiten und Ehen von Efyriel 12.11.2019 11:19

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Gute Frage eigentlich.
Von einigen weiß ich, dass sie Hochzeiten feiern, von anderen Völkern habe ich das noch nicht in Erfahrung gebracht.

Hochzeiten
Die meisten Völker ziehen Liebesheiraten vor, manchmal kommt es aber auch zu diplomatischen Verbindungen.
Einfach wenn zwei Leute heiraten, damit sich die Familien nicht mehr so sehr bekriegen und/oder anfeinden, oder ähnliches.
Viele meiner Völker achten darauf, dass auch Frauen eine Schulbildung bekommen und einen Beruf erlernen.
Dadurch haben sie oft auch einen eigenen Besitz, der meistens ihr eigener bleibt, auch wenn sie heiraten.

Bei Trennungen
Je nach Region bleiben Kinder beim Vater, da er den Besitz und Co. von seinen Eltern erbt (manchmal gibt es Ausnahmen für Mädchen).
Oft gibt es recht komplexe Regelungen, wie eine Trennung abzulaufen hat und was dann wem gehört.
Wenn einer von beiden stirbt führt meistens der verbliebene Ehepartner Haus und Hof fort. Hatten sie einen Betrieb, wird der oft verkauft, besonders wenn er verbliebene Partner davon keine Ahnung hat.

Kinder in einer 'Ehe'
Ob die Kinder in die 'Ehe' gehören ist sehr unterschiedlich, auf Thri-Kulas zum Beispiel, kommen die Kinder ab einem bestimmten Alter (schon ziemlich jung) in eine Inseleigene Erziehungsanstalt. Dort wird dann anhand ihrer Fähigkeiten und ihrer Talente bestimmt, welchen Beruf sie erlernen. Dabei kann es natürlich sein, dass jemand etwas ganz anderes machen muss, als er gerne möchte. Evtl. weil es von einem Beruf gerade genug Leute gibt, oder weil bestimmt wird, dass er etwas anderes doch besser kann.

Sonst gibt es bei mir immer eine Beschreibung beim einzelnen Folk, da das wirklich recht unterschiedlich ist.


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@Nharun:
Ich finde es interessant, dass die Leute bei dir da automatisch wieder 'geschieden' sind, wenn das Kind alt genug ist.
Was passiert, wenn es keine Kinder gibt? Endet das dann auch irgendwann automatisch, oder nur wenn einer von beiden nicht mehr will?

#4 RE: Verliebt, verlobt, verheiratet - Hochzeiten und Ehen von Chrontheon 12.11.2019 19:58

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Zitat von Nharun im Beitrag #2
so dass eine Unterscheidung zwischen „Mutterkindern“ und „mutterlosen Kindern“ üblich war

Da bekommt der Begriff "Muttersöhnchen" ja eine ganz neue Bedeutung! :D

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