#1 RE: [Silaris] Diverses (Die Ilram-Fieber-Pandemie) von Amanita 06.11.2019 11:05

avatar

Alijan

Beschreibung

Alijan ist die drittgrößte Stadt Sariliens und hat ungefähr 250 000 Einwohner. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in der historischen Altstadt, die übrigen Bewohner in den umliegenden Wohngebieten und Vororten.
Wie in allen sarilischen Städten verfügen die Wohnhäuser zumindest außerhalb der Altstadt über Gärten, in denen genau wie in den öffentlichen Parks und an den Straßenrändern Nahrungspflanzen angebaut werden. Auch zur Zierde dienende Blumen finden sich hier, allerdings ist es in Sarilien nicht erlaubt, giftige Pflanzen, die nicht wie Kartoffeln gleichzeitig Nahrungsmittel liefern innerhalb der Stadtgrenzen offen anzubauen. Dank des im Vergleich zu anderen sarilischen Regionen sehr milden Klimas gedeihen in Alijan und im Umland auch wärmeliebende Pflanzen wie Feigen, Aprikosen, Pfirsiche und Mandeln.

Die Altstadt stamm teilweise noch aus dem Dergom-Zeitalter oder wurde originalgetreu wieder aufgebaut, sodass sich dort die für die Dergom typische Bauweise aus Granit und Schiefer findet und sogar einige der Verzierungen aus Silber und mineralischen Pigmenten an den Häusern, die beispielsweise in Benada dem sarilischen Pragmatismus zum Opfer gefallen sind, blieben erhalten oder wurden restauriert. Aus diesem Grund trägt Alijan auch den Beinamen „die silberne Stadt.“
In der Altstadt findet jede Woche ein großer Markt für Lebensmittel und Kunsthandwerk statt, der an die elavischen Märkte erinnert, aber anders als diese der sarilischen Bürokratie und Gewerbeaufsicht folgen muss.

Alijan ist schon seit Jahrhunderten die sarilische Stadt mit der größten Bevölkerungsvielfalt. Neben den Sarilern lebt dort eine elavische Minderheit sowie eine kleine Bevölkerungsgruppe, die sich als Abkömmlinge der Dergom sieht, dazu Sariler, die traditionell in der Stadt gelebt haben und andere, die aus anderen Regionen des Landes dorthin gekommen sind und ihre unterschiedlichen Stammestraditionen bewahrt haben. Dazu kommen Mischpopulationen, die die Traditionen aller Ursprungsvölker weiter pflegen und wertschätzen.
Anders als im von Konflikten zerrissenen Arisaja im Süden gelang und gelingt das Zusammenleben dieser Gruppen in Alijan jedoch meist sehr friedlich und alle sehen sich zu allererst als Bürger ihrer Stadt.
Die ethnische Vielfalt der Stadt spiegelt sich auch in Musik und Kunst wieder, welche auch von elavischer und dergomarischer Mythologie inspiriert wurde. Während sich die Musik im restlichen Sarilien weitgehend auf traditionelle Tanzmusik und Lagerfeuerballaden beschränkt, inzwischen ergänzt durch das Parteiliedgut, war Alijan vor der Araja Manjia-Herrschaft Heimat mehrerer in ganz Silaris geschätzter Komponisten.

Seit der unter Staatslenkerin Aneséja erfolgenden langsamen Öffnung Sariliens und des Abbaus von internationalen Sanktionen ist Alijan zum beliebtesten Urlaubsziel für ausländische Touristen geworden. Neben den Sehenswürdigkeiten der Stadt locken die kulturellen Angebote Besucher in die Stadt, deren Bewohner mehrheitlich deutlich weltoffener sind, als die übrigen Sariler.

Geschichte (Content-Warnung: Die Geschichte ist stellenweise ziemlich blutig)

Die Stadt Alijan wurde bereits durch die Dergom gegründet und trug damals den Namen Alichama, der im Lauf der Zeit zu Alijan sarilisiert wurde. Die Stadt wurde durch den damaligen Krieg nicht zerstört, allerdings kam es dort wie in anderen Dergom-Städten auch zu einem Massensterben. Die Ursachen hierfür sind unter Historikern umstritten. Die meisten gehen davon aus, dass es durch den Krieg zu einer Hungersnot kam, die von natürlichen Seuchen begleitet wurde. Die elavische Überlieferung und andere Theorien gehen jedoch von einer gezielten Massenvernichtung aus. Inzwischen besagt die am weitesten verbreitete Theorie, dass Fajans Armee den grassierenden Seuchen noch durch einfache Mittel (Aussetzen von Ratten etc.) etwas auf die Sprünge geholfen haben könnte.
Warum auch immer, ungefähr drei Viertel der Dergom-Bevölkerung von Alijan kamen in diesem Krieg zu Tode. Die Überlebenden erhielten logistische Unterstützung von sarilischen und elavischen Gegnern Fajans, die sich im Anschluss ebenfalls in der Stadt ansiedelten.

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Alijan zu einem Handelszentrum zwischen Elavien und den sarilischen Stämmen und führte den Titel „Freistadt Alijan“, was bedeutete, dass sich die Stadt weder zu Elavien noch zu einem der sarilischen Stämme zugehörig fühlte. Die Stadt stellte eine gut ausgebildete Stadtgarde auf, die Überfälle abwehrte, blieb jedoch von größeren, kriegerischen Auseinandersetzungen verschont.
Für die sarilischen Stämme galt es als unehrenhaft, im Rahmen innersarilischer Kriege Dörfer und Städte anzugreifen, während die Elavier feststellten, dass es für sie kaum möglich war, eroberte sarilische Regionen dauerhaft zu kontrollieren und dass sie von einem neutralen Alijan mehr profitierten, als von irgendwelchen Eroberungsversuchen.
Alijan diente in dieser Zeit mehrmals als neutraler Ort für Friedensverhandlungen zwischen Sarilern und Elaviern, aber auch zwischen sarilischen Stämmen untereinander.

Im Zeitalter der Industrialisierung gelang es dem Bürgermeister von Alijan und der restlichen Stadtelite wesentlich besser, auf Augenhöhe mit den ausländischen Konzernen zu verhandeln als den übrigen Sarilern, sodass die Stadt im Gegensatz zum restlichen Land von der Industrialisierung profitierte, da es eine wichtige Handelsmetropole zwischen Sarilien und Elavien blieb. In dieser Zeit kamen die Bürger auch mit arunischen, ruarischen und temiranischen Händlern in Kontakt und ließen sich auch von deren Kultur inspirieren. Theaterstücke und Musik aus diesen Ländern wurden in Alijan aufgeführt und viele Stadtbewohner lernten die Sprachen der südlichen Mächte und bereisten neben Elavien auch diese drei Länder, bis der Krieg zwischen Arunien und Ruaris solche Reisen verhinderte.

Diese Blütezeit der Stadt fand mit der Machtergreifung von Rijuna sira Lavanja und ihrer Araja Manjia-Partei jedoch ein jähes und brutales Ende.
Die Stadtführung von Alijan hatte keinesfalls vor, den Status der Stadt aufzugeben, um sich der Ein-Parteienherrschaft aus Benada zu unterwerfen und wusste dabei die große Mehrheit der Bürger hinter sich.
Rijuna hatte jedoch nicht vor, auf die wohlhabende Stadt zu verzichten, daneben waren sie und viele ihrer Anhänger von Rachegelüsten getrieben, da die Bürger Alijans sich während der „Zeit der Schande“ als Kollaborateure mit feindlichen Mächten erwiesen hatten.
Die Stadtgarde wehrte sich tapfer, doch gegen die Übermacht der restlichen Sariler konnte sie auf Dauer nichts ausrichten. Insbesondere elavische und dergomarische Bewohner der Stadt, aber auch einige der Sariler flohen vor den anrückenden Truppen Richtung Elavien, wo sie in Enes Tall den heute unter dem Namen Daar Kersah bekannten Stadtteil errichteten.
Diejenigen, die nicht fliehen konnten, oder wollten, waren der Rache der Sieger ausgesetzt. Alle Angehörigen der Stadtgarde und Würdenträger der Stadt wurden auf dem Marktplatz erschossen, die einzige Ausnahme einzelne Frauen, die von Rijunas Soldaten verschleppt wurden. Die übrigen Stadtbewohner waren Plünderungen und Vergewaltigungen ausgesetzt und wurden dazu gezwungen, der Staatslenkerin auf Knien die Treue zu schwören. Dieser Prozess wurde von bewaffneten Soldaten begleitet und wer bei seinem Treueschwur nicht überzeugend genug wirkte, wurde ebenfalls augenblicklich erschossen.

Nach diesem Blutbad traute sich zunächst niemand mehr, die Stimme gegen das neue Regime zu erheben. Soldaten und Angehörige der neu gegründeten Geheimpolizei kontrollierten alle Aktivitäten in der Stadt, die Kinder und Jugendlichen wurden in Schulen und Jugendgruppen mit Propaganda überschüttet. Ernährungslage und gesundheitliche Versorgung waren jedoch recht gut, sodass dies bei den jungen Stadtbewohnern auch langsam Früchte trug.
Mitanzusehen, wie der jüngeren Generation das Wissen über die Geschichte der Stadt immer mehr abhandenkam, war einigen der Stadtbewohner aber doch zu viel und ein Geheimbund mit dem Namen „Wächter der Erinnerung“ wurde gegründet, in dem das Wissen über die Stadtgeschichte überliefert und an sorgfältig ausgewählte junge Menschen weitergegeben wurde.
Daneben entwickelte sich eine für Alijan typische Kunstform namens „Nilama.“ Hierbei handelt es sich um Bilder, Gedichte, Geschichten und Lieder, die nach außen hin von Ereignissen aus grauer Vorzeit, mythologischen Geschichten, oder auch Tieren, Pflanzen und teilweise sogar personifizierten Dingen, oder auch Elementen handeln, in Wirklichkeit aber Ereignisse aus der jüngeren Geschichte Alijans darstellen.
Es wäre der Geheimpolizei gegenüber unfair zu behaupten, dass dort niemand jemals durchschaute, was es mit diesen Werken auf sich hatte, aber solange es nicht zu deutlicheren Formen der Rebellion kam, wurde dies geduldet.

Unter der etwas liberaleren neuen Staatslenkerin Larima wurden den Stadtbewohnern der Handel mit den Elaviern unter strengen Auflagen wieder erlaubt und gelegentliche Reisen ermöglicht.
Inzwischen hatte man sich mit dem Regime weitgehend arrangiert, anders als im restlichen Sarilien gab es in Alijan aber immer noch recht viele Bürger, die sich ein besseres politisches System vorstellen konnten und auf Veränderungen hofften.
Diese Einstellung verbreitete sich unter der wieder restriktiveren Herrschaft von Staatslenker Avenco, dessen Untertanen auch in anderen Landesteilen immer kritischer wurden. Dagegen ging er vor, indem er versuchte, die elavische Minderheit zum Sündenbock zu machen. In Arisaja, wo Elavier und Sariler nebeneinander, aber nicht miteinander lebten, gelang dies recht gut, in Alijan biss er damit jedoch auf Granit. Seine Berater konnten ihn jedoch davon überzeugen, die Stadt in Ruhe zu lassen und sich auf Arisaja zu konzentrieren, weil dies für seine Pläne die Sariler mehr hinter sich zu einen, günstiger wäre.

Dies führte schließlich zum Arisaja-Krieg, in dessen Verlauf zahlreiche pro-elavisch eingestellte Arisaja-Sariler und pro-sarilisch eingestellte Arisaja-Elavier nach Alijan flohen. Die Stadt hieß die Flüchtlinge willkommen und die Bürgermeisterin äußerte sich mehrmals ausgesprochen kritisch über die sarilischen Gewaltexzesse, woraufhin sie des Amtes enthoben wurde.
Beim Kriegseintritt der Arunier hofften einige Bürger von Alijan, hierdurch endlich ihre Freiheit zurückzubekommen und mache von ihnen zogen ernsthaft in Erwägung, die Arunier zu unterstützen. Schließlich entschieden sie sich jedoch dagegen, weil ihnen die Pläne der Arunier für Sarilien zu undurchsichtig waren.

Avenco wusste, dass die Loyalität der Bürger von Alijan zum Regime nicht übermäßig stark ausgeprägt war und traf eine folgenschwere Entscheidung. Um jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken, stationierte er dort eine besonders gefürchtete Einheit seiner Armee, die immer wieder durch Folter und sexualisierte Gewalt gegen elavische Zivilisten und arunische Kriegsgefangene aufgefallen war.
Diese Entscheidung brachte die arunische Heeresleitung dazu, Alijan als Ziel für ihren Chemiewaffenangriff auszuwählen, um dabei gleich diese den Aruniern verhasste Einheit auszulöschen.
Allerdings war diese nicht, wie die Arunier vermuteten, in der alten Kaserne der Stadtgarde untergebracht, sondern in einer Vorstadt im Norden von Alijan. Dies führte dazu, dass sich unter den ungefähr 5000 Todesopfern nur eine einzige Soldatin dieser Armee befand, Neralia, die versucht hatte, ihre in der Stadt lebende, siebenjährige Tochter in Sicherheit zu bringen.
Die Sariler wurden von diesem Angriff vollkommen überrascht, das Thema chemische Kriegsführung hatte in ihren Plänen nie eine Rolle gespielt und den Warnungen der drei einfachen Soldaten Orvan, Rejan und Brajana, die entsprechende Informationen von arunischen Gefangenen erhalten hatten, wurde kein Glauben geschenkt.
Wären diese drei nicht in Alijan gewesen und hätten sie nicht gewusst, was die Arunier als Gegengift verwendeten und ohne Brajanas außergewöhnliches elementarmagisches Talent wäre die Zahl des Opfer vermutlich noch um ein Vielfaches höher gewesen. Zumindest die zeitnahe Bestattung der Toten und die Verhinderung der Ausbreitung von Seuchen gelang aber dank der sarilischen Disziplin und Effizienz, wobei sich die drastische Reduktion der Insektenpopulation hierauf ebenfalls positiv auswirkte.
Ähnlich effizient waren auch die sofortigen Bemühungen des Regimes, das eigene Versagen zu vertuschen und zu verhindern, dass sich diese Information im restlichen Sarilien ausbreitete, wer dagegen verstieß wurde als Verräter bezeichnet, der die Kampfmoral der Sariler schwächen wollte.
In den folgenden Wochen gelang den sarilischen Elementarmagiern eine erfolgreiche Dekontamination des Geländes, allerdings wusste und weiß niemand, welche Spätfolgen die Vergiftung für die Überlebenden haben kann, sodass diese nicht zugeordnet werden können und nicht wenige Bürger sie in sarilischer Manier für Willensschwäche und persönliches Versagen halten.

Da es in Alijan nun reichlich freien Wohnraum gab, wurden dort Flüchtlinge aus anderen Regionen Sariliens angesiedelt, insbesondere aus der völlig zerstörten Stadt Simja im Süden. Viele von ihnen waren durch den Verlust ihrer Heimat, den Tod nahestehender Menschen und sexuelle Übergriffe, die nicht nur durch Sariler, sondern auch durch Elavier und Arunier verübt worden waren, schwer traumatisiert und trafen auf die häufig ebenfalls traumatisierten Bürger von Alijan.
Dies hätte zu einem Pulverfass führen können und höchstwahrscheinlich gab es auch lokale Konflikte, im Großen und Ganzen gelang es Alijan jedoch recht schnell diese Menschen zu integrieren. Der Umstand, dass Elavisch-Sarilische Mischlingskinder nirgendwo sonst in Silaris so leicht akzeptiert werden, da solche Beziehungen in Alijan völlig normal waren und sind half hierbei sicherlich auch.
Die Kinder arunischer Soldaten hatten es etwas schwerer, fanden aber auf Dauer auch Akzeptanz und ihren Platz in der Stadt.
Für Sarilien einzigartig sind die Selbsthilfegruppen, die sich in den folgenden Jahren in Alijan gegründet haben. International bekannt geworden ist die Gruppe Kriegskinder eV, die inzwischen zahlreiche Zweigstellen hat und in ganz Silaris durch Vergewaltigungen gezeugte Kinder und deren Mütter unterstützt.

Trotz allem ist die Situation in der Stadt jedoch nicht unproblematisch und Geheimpolizei sowie ranghohe Politiker fürchten nicht zu Unrecht, dass sich ein Funken in Alijan schnell zu einem Flächenbrand entwickeln könnte, da das Verhältnis zur Regierung durch die Vorgehensweise im Krieg und danach noch angespannter wurde, als es sowieso schon war.
Unter Staatslenkerin Anesèja genießt die Stadt daher wieder so viele Freiheiten wie noch nie seit Beginn der Araja Manjia-Herrschaft. Handel mit dem Ausland ist genauso erlaubt wie das Vorführen internationaler Theaterstücke, Kinofilme und Musik, außerdem gibt es inzwischen eine offizielle Städtepartnerschaft mit dem elavischen Enes Tall und eine Zugverbindung zwischen den beiden Städten.
Allerdings sind sich nicht alle sicher, ob dies der beste Weg ist, da regierungskritische Gedanken durch Kontakte ins Ausland unter Umständen noch verstärkt werden...

#2 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von DrZalmat 07.11.2019 00:13

avatar

Mann die Geschichte der Stadt ist ja echt brutal... da würde ich in ziemlich keiner Zeit leben wollen außer vielleicht der Blütezeit um die Industrialisierung

Eine Frage:

Zitat von Amanita im Beitrag #1
ist es in Sarilien nicht erlaubt, giftige Pflanzen, die nicht wie Kartoffeln gleichzeitig Nahrungsmittel liefern innerhalb der Stadtgrenzen offen anzubauen

Was gilt als giftig? Weil die meisten Zierpflanzen sind zumindest nicht genießbar und haben Giftstoffe und so von einem Spektrum von Lupine zu Tollkirsche... wo wird die Grenze gezogen?

#3 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 07.11.2019 07:47

avatar

Zitat von DrZalmat im Beitrag #2
Was gilt als giftig? Weil die meisten Zierpflanzen sind zumindest nicht genießbar und haben Giftstoffe und so von einem Spektrum von Lupine zu Tollkirsche... wo wird die Grenze gezogen?

Die Zucht von Zierpflanzen ist in Sarilien grundsätzlich eher unüblich. Das gezielte Anpflanzen ist also tatsächlich nur gestattet, wenn die Pflanze zumindest in geringen Mengen sogar essbar wäre, um ein unnötiges Risiko auszuschließen. (Ja, das Regime hat auch was von Nanny-Staat.) Sowas wie Rose oder Lavendel ist beispielsweise erlaubt und wird auch gerne angebaut. Goldregen, Eisenhut und Oleander sind dagegen tabu.
Tollkirsche ist ein interessantes Thema, denn die fällt in Sarilien eher wieder unter das dortige Äquivalent des Betäubungsmittelgesetzes, weil sie traditionell in Initiatiosnriten benutzt wurde, was inzwischen aber ebenfalls illegal ist. Tollkirschen wurden aber nie gezielt angebaut, sondern eher im Wald gesammelt, wo sie in ganz Sarilien weit verbreitet sind.
Diese Regeln zu erlaubten Pflanzen werden von vielen Sarilern als zu restriktiv empfunden, da es traditionell durchaus üblich war Rausch-und Heilpflanzen, die meistens auch giftig sind, selbst anzubauen und zu verarbeiten, was unter dem Araja Manjia-Regime nicht mehr möglich ist.

#4 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 02.12.2019 21:20

avatar

Die OECE

Allgemeines
Die „Organisation für den ethischen Umgang mit Chemie und Elementarmagie“, kurz OECE oder manchmal auch „Langnamenorganisation“ ist eine transnationale Organisation in Silaris, der alle Länder außer Roviniel und Tayek angehören. (Diese verfügen weder über eine Chemieindustrie noch über Elementarmagier im eigentlichen Sinne.)

Bekannt ist die OECE in Silaris vor allem, weil sie drei Jahre nach Ende des Arunisch-Ruarischen Krieges eine internationale Übereinkunft zum Verbot von Chemiewaffen durchsetzen konnte und deren Umsetzung organisiert und überwacht. Zunächst wurde diese Übereinkunft nur zwischen Arunien, Ruaris und Tessmar getroffen, inzwischen haben den Vertrag alle Staaten außer Sarilien und Avechain unterzeichnet, auch Roviniel und Tayek, die der OECE selbst ja nicht angehören.
Die Avechai verweigern die Unterzeichnung insbesondere deshalb, weil sie in den Grenzstreitigkeiten mit Elavien nicht auf den Einsatz von nicht-tödlichen chemischen Waffen gegen elavische Milizionäre verzichten wollen. Dies bedeutet für sie einen großen Vorteil, da sie über Elementarmagier verfügen, die Elavier aber nicht.
Die Weigerung der benachbarten Avechai ist für die Sariler ein Grund, den Vertrag auch nicht zu unterzeichnen, dazu kommt die Überzeugung von Ministerin Brajana, dass die OECE von den Aruniern unterwandert ist und diesen als Machtmittel dient.
Die Vertreter der OECE kontrollieren die Einhaltung des Vertrags und überprüfen verdächtige Vorfälle im Rahmen von bewaffneten Konflikten überall in Silaris, was insbesondere in Krisengebieten häufig ausgesprochen gefährlich ist.

Ein weiteres wichtiges Abkommen der OECE ist die Ausbildungscharta für Elementarmagier. In diesem Vertrag wird geregelt, dass jeder Elementarmagier das Recht auf eine Ausbildung hat und dass diese Ausbildung ohne Anwendung von Gewalt gegen den Schüler abzulaufen hat. Außerdem darf kein Elementarmagier zu Zwangsarbeit einschließlich Militärdienst verpflichtet werden, die einzige Ausnahme stellen defensive Aufgaben in Notsituationen dar.
Dieses Abkommen wurde von Avechain unterzeichnet, von Sarilien ebenfalls nicht. Die Elavier lehnen es jedoch ebenfalls ab, weil es bei ihnen offiziell überhaupt keine Elementarmagier gibt und sie keine ausbilden möchten.
Auch für die Unterzeichnerstaaten gibt es hier jedoch Ausnahmen. Beispielsweise müssen die Avechai Elementarmagier nicht von ihrem allgemeinen Wehrdienst befreien und in Arunien werden die Zwangsmitgliedschaft im Alchimistenzirkel und das Einbrennen des Elementsymbols bei der Aufnahmezeremonie geduldet. Beides wird jedoch sowohl in Arunien selbst als auch bei den Sitzungen der OECE immer wieder kontrovers diskutiert.

Daneben bietet die OECE rechtliche und elementarmagische Unterstützung an, wenn Menschen bei ihrer Arbeit mit Gefahrstoffen, oder durch umweltverschmutzendes Verhalten von Unternehmen gesundheitlich gefährdet werden, allerdings müssen die örtlichen Behörden dem zustimmen.
Neben den Kontrollen der beiden Abkommen untersuchen die Mitglieder der OECE auch mysteriöse Häufungen von gesundheitlichen Problemen und organisieren die Beseitigung von Altlasten, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen darstellen.
Dieser Aufgabenbereich ist häufig nicht ungefährlich, da die OECE-Kontrolleure dabei immer wieder illegalen Giftmülldeals und ähnlichem auf die Spur kommen, was bei den Verantwortlichen nicht unbedingt auf Begeisterung stößt…
Bei diesen Einsätzen tun die Kontrolleure genau wie bei Einsätzen in Krisengebieten gut daran, selbst dazu in der Lage zu sein, ihr Element bei Bedarf zur Selbstverteidigung einzusetzen.


Gründerinnen

Gegründet wurde die OECE nach dem Arunisch-Ruarischen Krieg von zwei Frauen, die auf diese Weise ihren Beitrag dazu leisten wollten, dass ihre Vision von einem friedlichen Silaris, Wirklichkeit wird. Nach dem langen und verlustreichen Krieg, dessen Sinn die meisten Arunier und Ruarier schon längst nicht mehr gesehen hatten, fielen ihre Ideen auf fruchtbaren Boden und sie konnten schnell Unterstützung gewinnen. Auch der arunische Alchimistenzirkel stand hinter ihnen, wobei dies neben moralischen auch machtpolitische Gründe hatte.
Finanziell erhielt die OECE schließlich das beschlagnahmte Vermögen des ruarischen Staatskonzerns RuarChem. Dazu kam eine großzügige anonyme Spende, die vom arunischen Chemieunternehmer Valerius Aropus stammte, den Gewissensbisse plagten, da er während des Krieges üppig an der Waffenproduktion verdient hatte.

Dorea Verita, eine arunische Ärztin und Calciummagierin bekam in dieser Eigenschaft die Folgen des Krieges hautnah mit, denn ihre Fähigkeit konnte zur Linderung von Schmerzen ohne weitere Hilfsmittel sowie zur Behandlung von Knochenbrüchen eingesetzt werden, sodass sie häufig mit schwerverletzten Kriegsopfern zu tun hatte. Dies führte zum Unverständnis von KollegInnen und insbesondere ihrem Ehemann, Chlormagier Rabanus Ostreatus dazu, dass sie den Krieg ablehnte und sich der damals noch sehr kleinen Friedensbewegung anschloss.
Da er wegen der Aktionen seiner Frau um seinen Ruf fürchtete und ihr zudem noch Affären unterstellte, verbot Rabanus ihr die weitere Ausübung ihres Berufs sowie der Besuch weiterer Friedensveranstaltungen. (Zu diesem Zeitpunkt war Arunien noch recht sexistisch.)
Die Situation war für Dorea unerträglich, eine Chance auf eine Scheidung hatte sie jedoch nicht. Deshalb täuschte sie ihren Tod vor und setzte sich ins verfeindete Ruaris ab, wo sie den gewaltfreien Widerstand gegen das Lamkiss-System unterstützte.
Im heutigen Arunien gilt Dorea als Heldin und viele Straßen, Plätze und Schulen sind nach ihr benannt.

Die zweite Gründerin, Dagny Armack, war genau wie Dorea zwischen beiden Ländern unterwegs. Sie war wesentlich jünger und wurde als bis dato unentdeckte Phosphormagierin von den Aruniern gefangengenommen und von Lucasta Clossiana ausgebildet.
Nach Kriegsende und Zerschlagung des Staatskonzerns RuarChem mit seiner Elementarmagierausbildung, die darin bestand, die Neu-Magier auf brutalste Art und Weise zu willigen Werkzeugen für den Krieg zu machen, leistete sie zusammen mit Sauerstoffmagierin Wallfrida Sigrin, die sich am Ende von Lamkiss abgewandt hatte, einen erheblichen Beitrag zum Wiederaufbau der elementarmagischen Ausbildung und Infrastruktur in Ruaris.
Bekannt wurde sie außerdem wegen ihrer in Arunien und Ruaris bis heute als Grundlagenwerke geschätzten Bücher über Phosphormagie und die Ausbildung von Elementarmagiern. Ihr Buch „Frieden schaffen zwischen Mensch und Element“ bildet bis heute die Grundlage der in Arunien und Ruaris üblichen Herangehensweise an die medizinische Behandlung und Ausbildung von Patienten mit schweren Übergangskrankheiten und Anpassungsstörungen, inzwischen unter der Bezeichnung „Armack-Methode“ bekannt.
Die Ausbildungscharta für Elementarmagier geht hauptsächlich auf sie zurück, da es ihr sehr am Herzen lag zu verhindern, dass junge Elementarmagier wieder Ähnliches erdulden mussten wie ihre Landsleute.

Die sarilische Ministerin Brajana ist der Überzeugung, dass die Geschichte von Doreas Pazifismus eine Lüge ist und sie in Wirklichkeit „mit den Waffen einer Calciummagierin“ alles getan hat, um ihren Beitrag zum arunischen Sieg in diesem Krieg zu leisten.
Dagny ist dagegen ein Opfer und eine Marionette der Arunier und ihre Abhandlungen über Phosphormagie größtenteils falsch…

#5 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von DrZalmat 03.12.2019 18:57

avatar

Toll mal von einer transnationalen Organisation zu lesen die nicht zahnlos ist

Zitat von Amanita im Beitrag #4
alle Länder außer Roviniel und Tayek angehören. (Diese verfügen weder über eine Chemieindustrie noch über Elementarmagier im eigentlichen Sinne.)

Wo kriegen die dann ihre Chemikalien her? Ist das nicht gefährlich total auf Importe angewiesen zu sein?

Und warum haben die keine Magier? Ich dachte solche Magier können überall entstehen, warum dort nicht?

#6 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 03.12.2019 19:30

avatar

Danke.

Zitat von DrZalmat im Beitrag #5
Wo kriegen die dann ihre Chemikalien her? Ist das nicht gefährlich total auf Importe angewiesen zu sein?

Tayek und Roviniel leben beide noch in sehr traditionellen Stammeskulturen und brauchen deswegen auch keine Chemikalien. Die (verbliebenen) Lebensräume der beiden Volksgruppen verfügen auch nicht über Rohstoffe, die zur Ausbeutung durch ausländische Konzerne einladen. In Tayek gibt es nur Wüste (ohne Ölvorkommen) und einzelne Oasen und der Rest des Roviniel-Territoriums (der Großteil davon gehört schon seit der Gründung zu Arunien und viele Roviniel sind dort vollkommen assimiliert) besteht aus Wäldern und Sümpfen, die sich schlecht für Landwirtschaft eignen, die Roviniel leben dort weitgehend als Jäger und Sammler.
Zitat von DrZalmat im Beitrag #5
Und warum haben die keine Magier? Ich dachte solche Magier können überall entstehen, warum dort nicht?

Bei den Roviniel gibt es durchaus eine für nicht industrialisierte und nicht metallverarbeitende Gesellschaften normale Anzahl an Elementarmagiern, die sich aber selbst nicht als solche betrachten. (Das war bei den meisten sarilischen Stämmen ähnlich.)
Die Tayek betrachten Magie als Frevel und wer Anzeichen dafür zeigt, wird hingerichtet oder in die Salzwüste zwischen Tayek und Roviniel verbannt. Nach Ansicht der Tayek kommt letzteres einem Todesurteil gleich, in Wirklichkeit gibt es dort jedoch eine geheime Stadt von Nachkommen der verbannten Elementarmagier, die jedoch sehr isoliert lebt und mithilfe von Elementarmagie überlebt.

#7 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Nharun 03.12.2019 19:38

avatar

Die OECE gefällt mir als übergreifende Organisation, sowohl von ihrem Aufgabenbereich als auch ihren Möglichkeiten. Und vor allem gefällt mir die Abkürzung, die einwenig an die OSZE anklingt, aber etwas ganz welteigenes ist.

#8 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 04.12.2019 10:19

avatar

@Nharun, danke. Die Ähnlichkeit der Abkürzung zur OSZE ist mir auch aufgefallen, aber das U noch mit einzubauen hat mir nicht gefallen, deswegen bin ich dabei geblieben. Freut mich, dass es dir gefällt.

Heue geht es noch um die aktuellen Gesichter der Organisation.

Die OECE-Botschafter sind die leitenden Vertreter ihrer Länder bei dieser Organisation. Außer bei den Sarilern durch Brajanas Veto sind jedoch aus jedem Land noch deutlich mehr Menschen dort beschäftigt.
Elementarmagie ist keine Voraussetzung für eine Tätigkeit bei der OECE. Für manche Aufgaben und Entscheidungen ist sogar die Perspektive eine Nichtmagiers ausdrücklich gewünscht. Mitarbeiter ohne Elementarmagie, die häufig an Missionen beteiligt sind, entwickeln jedoch durch den Umgang mit Elementarmagiern und durch die intensive Beschäftigung mit reaktiven und giftigen Substanzen häufig noch welche.
Für diese Mitarbeiter gibt es innerhalb der Organisation Ausbildungsmöglichkeiten, wenn sie das in ihrem Land für das Neuauftreten von Elementarmagie übliche Alter überschritten haben. So wird es beispielsweise einem über vierzigjährigen, gestandenen Arzt erspart, sich in Arunien zwischen Schülern, Studenten und Azubis als Novize des Alchimistenzirkels ausbilden zu lassen.

Der aktuelle Leiter der Organisation und Botschafter von Ruaris ist Garik Lendris. Er spricht viele Sprachen und ist mit den Sitten und Gebräuchen von Tessmari, Temiranern, und Elaviern ähnlich gut vertraut wie mit den heimischen ruarischen und arunischen.
Dies verbunden mit seinem respektvollen Auftreten macht ihn in all diesen Ländern zu einem gern gesehenen Gast, weswegen er zum Leiter der Organisation gewählt wurde. Zunächst fühlte er sich hierdurch geehrt und in seiner Arbeit anerkannt, inzwischen überwiegt jedoch der Frust über lange, fruchtlose Diskussionen und Konferenzen und er wünscht sich manchmal heimlich wieder an Missionen teilzunehmen, statt sich nur noch mit Papierkram zu beschäftigen.
Außerdem hat Garik ein Problem, das ihm unter Umständen noch seine Position kosten könnte. Er hat zwar als Nichtmagier bei der OECE angefangen, ist inzwischen jedoch zum Phosphormagier geworden, ein Umstand, dessen er sich selbst nicht bewusst ist. Normalerweise gilt es als unhöflich und übergriffig, andere Menschen ohne deren Einverständnis auf Elementarmagie zu testen. Die Fähigkeiten der sarilischen Ministerin Brajana sind jedoch so stark ausgeprägt, dass sie gar nicht anders kann, als seine wahrzunehmen, während er behauptet, kein Elementarmagier zu sein…

Arunien
Der arunische Botschafter ist ein Wasserstoffmagier namens Rufus Lepistus, der direkt nach seinem Studium bei der OECE angefangen hat und inzwischen fast dreißig Jahre lang dort tätig ist. Er steht voll hinter den Werten und Prinzipien der OECE und vertritt diese entschieden, auch wenn es um wirtschaftliche und sonstige Interessen Aruniens geht. Damit macht er sich nicht nur Freunde. Bisher war jedoch kein Versuch, in seiner Vergangenheit irgendwelche schmutzigen Kapitel zu finden und ihn dadurch zu diskreditieren, erfolgreich. Lepistus ist sowohl bei der großen Mehrheit der Arunier als auch im Ausland ein sehr geachteter und respektierter Vertreter der arunischen Elementarmagierschaft.

Avechain
Afrim Kashor vertritt Avechain bei der OECE. Chlormagiern wird gemeinhin eine Neigung zu radikalen Positionen und ein fehlender Respekt für Ordnung und Autoritäten nachgesagt und Afrim entspricht diesem Klischee durchaus.
Er vertritt die Ideale der OECE mit großer Überzeugung, wobei es ihm egal ist, wem er damit auf die Füße tritt. Die Weigerung seiner eigenen Regierung, den Chemiewaffenvertrag zu unterzeichnen, bezeichnet er öffentlich als „Schande“, die arunischen Herbizideinsätze im Arisaja-Krieg als „Konjunkturpaket für skrupellose Chemiekonzerne, die sich an Krankheit, Tod und Umweltzerstörung bereichern wollen“ und Ministerin Brajana wirft er vor, den sarilischen Besitz von Chemiewaffen nur „aus Machtgeilheit“ zu befürworten.
Bei den Konferenzen freuen sich die anwesenden Reporter immer, wenn er das Wort ergreift, weil es dann sicherlich etwas zu berichten gibt.

Dageyra
Risha Kamar vertritt Dageyra bei der Organisation und ist Phosphormagierin. Da Dageyra nicht zuletzt aufgrund seiner Insellage in den Konflikten der jüngeren Vergangenheit neutral war, wird Risha gerne als Vermittlerin herangezogen, wenn die Zusammenarbeit in der OECE durch alte Feindschaften und Ressentiments gefährdet wird.
In Dageyra stehen die von der OECE vertretenen Werte nicht zur Debatte, sodass sie in dieser Hinsicht zuhause keine Überzeugungsarbeit leisten muss. Eine große Aufgabe von Risha ist jedoch die Leitung der Schulung von dageyranischen Elementarmagiern als Kontrolleure der OECE. Unter diesen sind viele Dageyraner zu finden, da die Umweltbedingungen in Dageyra zu vielen Elementarmagiern führen und ihnen wegen der neutralen Position und des tadellosen Rufes ihres Landes auch besonders viel Vertrauen entgegengebracht wird.
Genau wie Brajana erkennt Risha Gariks Gabe und plant, ihn bei der nächsten passenden Gelegenheit diskret darauf anzusprechen.


Elavien
Myrina Dagomir, die elavische Botschafterin, ist Angehörige eines geheimen Elementarmagierprojekts des elavischen Militärs. Auf den ersten Blick scheint dies den Statuten der OECE zu widersprechen, doch die Tätigkeitsbereiche dieser Gruppe sind damit vollkommen in Einklang. Geheim ist sie nur deshalb, weil die Elavier der Elementarmagie nach wie vor ablehnend gegenüberstehen.
Nach Ansicht von Militär und Regierung ist es im modernen Silaris jedoch dringend erforderlich, Elementarmagier zu Verteidigungszwecken zu beschäftigen, um entsprechende Bedrohungen von außen und innen abwehren zu können. Myrina und ihre Kollegen sind jedoch rein defensiv tätig und suchen außerdem in Elavien nach latenten Elementarmagiern, die sie ausbilden, bevor sie durch ihre Gaben Schaden anrichten, gelyncht werden, oder in die Hände illegaler Organisationen fallen.

Meraka
Sharem Rishou ist der OECE-Vertreter Merakas. Er ist wie Myrina Sauerstoffmagier und neben seiner OECE-Tätigkeit für das Wassermanagement im äußerst trockenen Meraka mitverantwortlich. Er ist ein sehr höflicher und diplomatischer Mensch, was jedoch nicht über seine festen Prinzipien hinwegtäuschen darf.
Interne hat er immer wieder mit politischen Gruppierungen zu kämpfen, die einen Austritt von Meraka aus dem Chemiewaffenvertrag fordern, da das benachbarte und verfeindete Avechain diesen ebenfalls nicht unterschrieben hat. Diese Weigerung Avechains ist aus merakischer Sicht ein stetiges Ärgernis und sorgt bei den Konferenzen ebenfalls häufig für Auseinandersetzungen.

Sarilien
Die sarilische Botschafterin Rijuna sira Laria ist inzwischen die einzige Vertreterin ihres Landes bei der OECE und darf diese Position nur aufgrund einer Sondergenehmigung durch die Staatslenkerin ausüben.
Rijuna ist eine Wasserstoffmagierin, die als Zwölfjährige ihre Gabe zum ersten Mal nutzte, um sich, ihre Geschwister und andere Menschen und Pflanzen vor einem arunischen Luftangriff mit dem giftigen Herbizid Alldarin zu schützen. Durch diese für eine so junge Magierin außerordentliche Leistung wurde sie in Sarilien sehr bekannt und respektiert, die Geschichte schaffte es jedoch auch bis in die arunischen Medien, wo der Einsatz von Alldarin sowieso schon sehr kritisch betrachtet wurde.
Weniger Begeisterung bei den Sarilern, aber umso mehr bei den Aruniern weckte Rijuna ein Jahr später, indem sie den verletzten und in den Fluss Aretusa gestürzten arunischen Kampfpiloten Adrian Venatus vor dem Ertrinken rettete und heimlich versorge. Dies kam bald heraus, Venatus kam in Kriegsgefangenschaft und Rijuna blieb nur wegen ihres jugendlichen Alters ein Verfahren wegen Landesverrats erspart, sie wurde jedoch ins abgelegene Zentrum Alinasak gebracht und einer extrem strikten Ausbildung unterzogen.
Das änderte jedoch nichts daran, dass Rijuna nach diesem Erlebnis davon überzeugt war, dass es richtig war sich für internationale Zusammenarbeit einzusetzen. Daher lernte sie Arunisch und Elavisch und schloss sie sich der OECE an, als die Staatslenkerin Sarilien in diese Organisation führte. Besonders zu bemerkten ist auch ihr großer Einsatz bei der von Brajana organisierten Versorgung der Opfer des Chemieunglücks im grenznahen elavischen Enes Tall.

Rijuna hat nach wie vor regelmäßig Kontakt mit Venatus, der inzwischen Fluormagier und Professor für anorganische Chemie an der Universität von Ergalla geworden ist und sich ebenfalls für die OECE engagiert. Dort spricht sie regelmäßig vor Studenten und anderen Interessierten.
Auch wenn ihre Tat von den Sarilern als Verrat betrachtet wurde, leistete Rijuna ohne es zu wollen einen erheblichen Beitrag zum wenig später folgenden Waffenstillstand, denn die Geschichte, des kleinen Mädchens, das unter Einsatz seines Lebens einen verletzten Arunier gerettet hatte, wurde in allen arunischen Medien erzählt. Sie berührte viele Arunier sehr und brachte sie dazu die Propaganda von den hemmungslos grausamen Sarilern, wo schon die Kinder versuchten, mit Stöcken und Steinen arunische Soldaten zu töten, zu hinterfragen. Dies leistete einen erheblichen Beitrag dazu, dass die studentische Kritik am Krieg breitere Bevölkerungsgruppen erreichte.

Temira
Kasharo Samani ist Kohlenstoffmagier und vertritt Temira bei der OECE. Ihn verbindet eine Freundschaft mit dem Arunier Lepistus, da beide Männer zur selben Zeit bei der OECE angefangen haben und häufig gemeinsam auf Missionen unterwegs waren.
Er bemüht sich sehr darum, die OECE-Compliance bei der heimischen Elementarmagierausbildung zu erreichen. Der temiranische Alchimistenzirkel ist nämlich sehr elitär und nimmt nur Sprösslinge angesehener und/oder besonders wohlhabender Familien auf. Die sonstige Elementarmagierausbildung in Temira ist wenig reguliert und entspricht teilweise nicht den internationalen Qualitätsstandards, sodass es für Elementarmagier aus einfachen Verhältnissen häufig Glückssache ist, ob sie eine adäquate Ausbildung erhalten. Entsprechend ist die Sterblichkeitsrate bei den Chlor- und Alkalimetallmagiern für ein Industrieland sehr hoch, wogegen er Lobbyarbeit leistet.

Tessmar
Valeo Sereti stammt aus einer der angesehenen Dergom-Tessmari-Familien und somit zur Oberschicht seines Landes. Im Gegensatz zu einigen seiner Standesgenossen denkt er jedoch nicht nur bis zur Grenze der eigenen Gruppe, sondern ist sich der Bedeutung des sozialen Zusammenhalts im Land bewusst. Die Elementarmagierausbildung ist (wie böse Zungen sagen neben dem Sexgewerbe) eines der wenigen Bereiche, die in der tessmarischen Gesellschaft gut funktionieren und tatsächlich Chancengleichheit für alle bieten, was Valeo intern entschieden verteidigt. Das Ausbildungsthema liegt ihm auch im Ausland besonders am Herzen und er organisiert häufig Kontrollen der Ausbildungscharta. Er ist selbst kein Elementarmagier.

#9 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 22.12.2020 08:24

avatar

Passend zum Jahr 2020 habe ich mich ein bisschen ans Pandemie-Basteln gemacht.

Ilram-Fieber

2839 und in den Folgejahren wurde Silaris von einer Pandemie heimgesucht, die zahlreiche Menschenleben forderte, die aufstrebende Industrialisierung zumindest zeitweise ausbremste und Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern stärker hervortreten ließ. Die Krankheit war und ist bis heute unter dem Namen Ilram-Fieber bekannt.


Die Krankheit selbst

Das Ilram-Fieber wird durch ein Virus ausgelöst, das bei Kontakt mit den Körperflüssigkeiten Infizierter auf jeglichen Schleimhäuten sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die Krankheit selbst kann dann drei unterschiedliche Verlaufsformen annehmen.

Asymptomatisch
Wie der Name schon sagt leiden die Patienten nicht unter Krankheitssymptomen, oder zumindest nicht unter welchen, die sie als solche wahrnehmen. Trotzdem können asymptomatische Virusträger in einem Zeitraum, der zwischen drei und sieben Tagen beträgt, andere Menschen anstecken.

Leichter Verlauf
Leichte Verläufe gehen mit erhöhter Temperatur oder leichtem Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Beschwerden der oberen Atemwege einher. Sie heilen innerhalb einer Woche wieder vollständig aus.

Schwerer Verlauf
Der schwere Verlauf erinnert zunächst an den leichten, allerdings steigt das Fieber ab dem dritten Tag stark an, die Schmerzen werden deutlich schlimmer und zusätzlich treten auch noch Husten und Atemnot aus. Besonders charakteristisch ist jedoch eine extreme Müdigkeit, die wochenlang anhalten kann.
Wenn der Patient auf seinen Körper hört, sich ausruht und Zugang zu ausreichend gesunder und leichtverdaulicher Nahrung sowie sauberem Wasser hat, führt auch dieser Verlauf nur extrem selten (0,01%) zum Tod.
Strengt er sich jedoch trotz der Erkrankung körperlich an, kommt es sehr häufig zu schweren Komplikationen, wobei Herz und/oder Lunge des Patienten versagen. Ist der Patient durch mangelhafte Ernährung zusätzlich geschwächt, kann dies ebenfalls zum Tode führen.

Allgemein treten asymptomatische Verläufe lediglich bei Menschen mit einer bestimmten Genvariante anstelle von leichten Verläufen auf, statt der schweren bricht bei diesen Personen die Krankheit in leichter Form aus.
Ansonsten hängt die Schwere des Verlaufs neben der Immunkompetenz vor allem von der Anzahl an aufgenommenen Viren ab. Das Virus verkraftet Sonnenlicht und Temperaturen über 30 Grad nur sehr schlecht, sodass schwere Verläufe im Sommer wesentlich seltener vorkommen. Außerdem kann die aufgenommene Viruslast durch Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Abstand und das Tragen von Mund-Nasen-Masken wesentlich verringert werden, sodass konsequente Einhaltung dieser Maßnahmen die schweren Verläufe ebenfalls massiv reduziert.
Nach einer durchgemachten Infektion sind die Betroffenen im Normalfall immun.

Spätfolgen
Nach überstandenen schweren Verläufen des Ilram-Fiebers kann es zu verschiedenen Spätfolgen kommen. Meistens sind diese neurologischer Natur, beispielsweise Funktionsstörungen von Gliedmaßen oder ein immer wieder auftauchendes Wiederaufflammen der starken Kopf und Gliederschmerzen. Eine weitere relativ häufig Spätfolge sind Störungen der männlichen Sexualfunktion, die sogar nach leichten Verläufen auftreten können.

Herkunft der Krankheit und Suszeptibilität verschiedener ethnischer Gruppen

Wie bereits an der Benennung nach der tessmarischen Hauptstadt zu erkennen ist, war man während der Pandemie der Auffassung, dass die Krankheit ihren Ursprung in Tessmar hat und sie wurde im Rahmen anti-tessmarischer Ressentiments mit dem hemmungslosen Sexleben der Tessmari in Verbindung gebracht.
Moderne Forschungen zeigen jedoch, dass das Ilram-Fieber in Wirklichkeit aus Elavien stammt und dort bereits seit Jahrhunderten endemisch ist. Die Krankheit kommt ursprünglich bei Ratten vor und konnte sich in Elavien leicht auf den Menschen übertragen, da angesichts der dortigen Moralvorstellungen die Bekämpfung von Ratten kaum stattfand und es stattdessen eine Koexistenz zwischen diesen Spezies gab.
Wie aber bereits daran zu erkennen ist, dass die Herkunft der Krankheit erst so spät entdeckt wurde, stellte sie in Elavien nie ein auffälliges Problem dar. Dafür gibt es mehrere Gründe. In Elavien ist die Genvariante, die vor schweren Verläufen schützt, weit verbreitet, außerdem ist es dort meistens sehr warm, häufig sonnig und das soziale Leben findet vorrangig im Freien statt. Superreiche heiraten beispielsweise im luxuriösen Privatpark und Kleinbauern auf dem Dorfplatz oder auf der Wiese, aber immer draußen Die Urbanisierung in Elavien war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht weit fortgeschritten und die meisten Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt.

Verlauf der Pandemie

Im Frühjahr des Jahres 2839 konnte das Ilram-Fieber jedoch Elavien verlassen. Im Rahmen der Industrialisierung begannen Konzerne aus Arunien und Temira die elavischen Erdölvorkommen zu fördern. Dafür konnten sie jedoch nicht ausreichend elavische Arbeitskräfte finden, da die Elavier Erdöl für eine verfluchte Substanz hielten, von der man sich fernhalten musste. Durch das rasante Bevölkerungswachstum in Tessmar gab es dort jedoch sehr viele Arbeitskräfte, die sich auch für die Ölförderung anwerben ließen. Auf diese Weise kamen Tessmari in größeren Zahlen mit der Krankheit in Kontakt und brachten sie bei Heimatbesuchen mit nach Tessmar, wo sie sich in den überbevölkerten Städten rasant ausbreiten konnte.
Da noch Sommer war und außerdem auch relativ viele Tessmari über die schützende Genvariante verfügen, war die Krankheit dort jedoch nicht so dramatisch, dass sie ausländischen Investoren auffiel. So konnte sie nach Arunien, Temira und Ruaris eingeschleppt werden, wobei die ersten beiden Ländern auch Fälle hatten, die von Elavienrückkehrern mitgebracht wurden.

Die Bevölkerung dieser drei Länder war zuvor jedoch noch nie mit der Seuche in Kontakt gekommen und es gab kaum geschützte Personen. Dazu kamen die prekären Wohnumstände der Arbeiter und der nun nahende Winter. Die Krankheit traf Arme wie Reiche, allerdings konnten letztere zuhause bleiben und teilweise auch elementarmagische Ärzte in Anspruch nehmen.
Sozialsysteme gab es bis dato in keinem der betroffenen Länder, sodass sich die Menschen krank zur Arbeit schleppten, dort noch mehr Menschen ansteckten und häufig direkt am Arbeitsplatz starben.
Allen drei Regierungen war klar, dass es zwingend notwendig war zu handeln und sie erließen umfangreiche Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen. Die Umsetzung selbiger verlief jedoch sehr unterschiedlich.

In Temira war die Bedeutung von Hygiene schon lange im Bewusstsein verankert und alle Bewohner hatten Zugang zu sauberem, fließendem Wasser. Dazu kam eine Kultur strikter Hierarchien und der Rücksichtnahme auf die Gemeinschaft. Als Folge hiervon gelang es den Temiranern, die Krankheit bis zum Frühjahr erfolgreich einzudämmen. Strikte Reisebeschränkungen wurden verhängt, um ein Wiedereinschleppen zu verhindern.
In Arunien und Ruaris lief die Umsetzung der Hygienemaßnahmen jedoch nur mäßig. Teilweise fehlte es an Akzeptanz, teilweise waren sie praktisch nicht umsetzbar.

In Arunien taten sich die Regierung und die wichtigsten Wirtschaftslenker zusammen, um ein Notprogramm zu entwickeln, das eine weitere Verbreitung erfolgreich eindämmte. Hierzu erklärten sich die Arbeitgeber bereit, kranke Mitarbeiter, die nicht zur Arbeit kommen konnten, trotzdem finanziell zu versorgen. In Fällen, wo dies nicht möglich war, sprang der Staat ein. So entstand das teils von der Wirtschaft und teils vom Staat getragene arunische Sozialsystem, das bis heute existiert. Nachdem diese Regelungen allen bekannt waren, sank die Zahl der Todesfälle rapide und ab dem Frühjahr konnte unter Einhaltung der Hygieneregeln wieder ein halbwegs normales Leben geführt werden.
Die Verantwortlichen wussten jedoch, dass es im nächsten Winter schlimmer kommen würde und nutzten den Sommer, um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung massiv auszubauen. Außerdem arbeiteten arunische Wissenschaftler bereits seit Bekanntwerden der neuen Krankheit angestrengt an einem Impfstoff, nachdem sie auf diese Weise zuvor die gefürchtete, häufig mit qualvollem Ersticken endende Kinderkrankheit Blaufieber in den Griff bekommen hatten.
Dieser Impfstoff stand bis zum Herbst zur Verfügung und im Lauf des Jahres 2841 konnten so viele Menschen geimpft werden, dass die Krankheit in Arunien besiegt war.

Ruaris versuchte, ähnlich gegen die Krankheit vorzugehen wie Arunien, allerdings mit deutlich weniger Erfolg. Das Land war wirtschaftlich noch nicht so weit entwickelt, sodass weniger Kapazitäten vorhanden waren, um mit der Seuche umzugehen. Dazu kam, dass die Unternehmer wesentlich weniger Bereitschaft zeigten, kranke Angestellte zu unterstützen, denn dank der bereits etablierten Zuwanderung aus Tessmar stand ein größerer Arbeitskräftepool zur Verfügung, von denen viele bereits gegen die Krankheit immun waren.
Der Umstand, dass immer wieder kranke, ruarische Arbeiter durch tessmarische ausgetauscht wurden, verstärkte die ruarischen Ressentiments gegen die Tessmari massiv. Diese waren sowieso schon vorhanden, da den Tessmari die Schuld an der Krankheit gegeben wurden und sie in früheren Zeiten immer wieder brutale Überfälle auf ruarisches Gebiet verübt hatten.

In der jungen Demokratie Ruaris hatte der machtgierige junge Politiker Cuno Lamkiss bereits vor Ausbruch der Krankheit eine Partei gegründet, deren Ziel darin bestand, Ruaris zur bedeutendsten Weltmacht in Silaris zu machen. Diese Partei war vor der Krankheit eher bedeutungslos gewesen, profitierte nun jedoch massiv. Sie heizte die anti-tessmarische Stimmung an und streuten diverse Gerüchte wie das, dass Viren eine reine Erfindung waren und die Tessmari und Arunier in Wirklichkeit Gift in Ruaris ausbrachten, um die Menschen zu schwächen und die ruarischen Männer unfruchtbar zu machen. Natürlich halfen hiergegen auch keine Hygienemaßnahmen, sondern diese waren nur ein Werkzeug der von den Aruniern gekauften Regierung, um die Ruarier zu unterdrücken und zu demütigen.

Der Lamkiss-Front gelang es, die Akzeptanz der Maßnahmen erfolgreich zu unterminieren, sodass sich das Virus dort ungehemmt weiter ausbreiten konnte. Es kam weiterhin zu zahlreichen Todesfällen, teilweise auch durch folgenden Hunger ausgelöst. Temira erließ eine strikte Einreisesperre für Ruarier, während Arunien darauf verzichtete, da die dortige Bevölkerung inzwischen ja geimpft war.
Die arunischen Unternehmen, die den Impfstoff hergestellt hatten, produzierten nun auch für den internationalen Markt, allerdings hatte Ruaris keine ausreichenden, finanziellen Mittel zur Verfügung, um den Impfstoff in ausreichender Menge zu kaufen, sodass nur ausgewählte Angehörige der Oberschicht geimpft werden konnten, während ansonsten das Sterben weiterging.
Im Winter 42/43 war die Not im Nachbarland so groß, dass die Arunier sowohl aus Mitgefühl als auch aus Sorge um die wachsende politische Instabilität beschlossen, den Ruariern den Impfstoff im großen Umfang kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Die Lamkiss-Front machte sofort Propaganda gegen diese Maßnahme und unterstellte, dass die Arunier die Ruarier in Wirklichkeit vergiften wollten, weil es doch völlig unvorstellbar war, dass ein so geldgieriges Volk ihnen aus altruistischen Gründen helfen würde. Die Impfkampagne lief jedoch trotzdem an und endlich war eine Entspannung der Situation zu beobachten und immer mehr Menschen ignorierten die Vorbehalte und ließen sich impfen. Dieser Umstand war für die Lamkiss-Front nicht akzeptabel, da eine pro-arunische Einstellung der Bevölkerung mit ihrer Ideologie nicht kompatibel war.
Als Worte allein nicht mehr halfen, handelten die Anhänger der Lamkiss-Front. Mehrere Impfstoff-Chargen, insbesondere solche, die für Kinder bestimmt waren, wurden gezielt kontaminiert. In der Folge kam es zu mehreren dutzend Todesfällen und weiteren schweren Erkrankungen.
Die ruarischen Behörden unterstellten nun, dass die Arunier ihnen bereits verdorbenen Impfstoff lieferten und die Kampagne wurde eingestellt. Die Krankheit konnte sich weiter ausbreiten, bis im Spätsommer Parlamentswahlen stattfanden. Diese gewann die Lamkiss-Front mit einer absoluten Mehrheit, Cuno Lamkiss wurde ruarischer Regierungschef und die Partei machte sich daran, die Krankheit mit denselben Maßnahmen erfolgreich einzudämmen, die sie vorher massiv bekämpft hatte, und sich den Erfolg zuzuschreiben…
Sieben Jahre später führte sie ihr Land in einen verheerenden Krieg gegen Arunien und Tessmar, den es nach sechs Jahren Blutvergießen schließlich verlor…


Längerfristige Folgen

Heute ist die Impfung gegen das Ilram-Fieber in Silaris Teil des Standard-Impfprogramms. Die einzige Ausnahme sind die Sariler, welche die „arunische Impfung“ aus denselben Gründen ablehnen wie seinerzeit die Ruarier. Durch ihre Lebensweise und weil die schützende Genvariante recht verbreitet ist, war die Krankheit in Sarilien jedoch nie ein großes Problem. Während des Arisaja-Kriegs wurde von Seiten des arunischen Militärs erwogen, das Ilram-Fieber als Biowaffe gegen die Sariler einzusetzen, da es wegen seiner enorm schwächenden, aber bei angemessenem Verhalten nicht tödlichen Wirkung für diesen Zweck sehr effizient und gleichzeitig „humaner“ als der Einsatz von Chemiewaffen im großen Maßstab wäre. Dieser Plan wurde jedoch aus Angst, durch Mutationen die Kontrolle über das Virus zu verlieren, nicht umgesetzt.

In Temira hat sich einer Kultur der Einhaltung strikter Hygieneregeln bis heute gehalten. Das Bedecken von Mund und Nase in der Öffentlichkeit ist dort immer noch üblich, was für reisende Temiraner oft zu Konflikten mit anderswo geltenden Vermummungsverboten führt. Fremden Menschen auf die Pelle zu rücken, oder einfach in die Gegend zu niesen ist dort ein großer Fauxpas.

Trotz der zeitweisen Wirtschaftskrise sind die Arunier insgesamt gestärkt aus der Pandemie gegangen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat sich wesentlich verbessert und die soziale Ungleichheit hat sich verringert. Ebenfalls gestärkt wurde das Vertrauen in den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt.

Ruaris wurde nicht zuletzt durch den Umgang mit der Krankheit jedoch in eine zerstörerische Diktatur geführt. Der Krieg und danach erfahren zu müssen, wie sie von Lamkiss und seiner Partei betrogen wurden, waren für viele Ruarier eine sehr traumatisierende Erfahrung. Es gibt jedoch immer noch einzelne Gruppierungen, die nach wie vor die Version der Lamkiss-Front glauben und die Wahrheit für arunische Propaganda halten.
Besonders verbreitet ist diese These in Sarilien, wo Arunien das Feindbild schlechthin ist und man den Aruniern alles erdenkliche Schlechte zutraut, was aus moderner sarilischer Sicht auch nicht völlig unverständlich ist.

#10 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Elatan 22.12.2020 15:16

avatar

Das ist tatsächlich sehr passend. Zum Glück hatte die Krankheit in deiner Welt ja auch etwas Gutes, indem z.B. das arunische Sozialsystem konnte. Wie reagierte eigentlich die Bevölkerung in Ruaris darauf, dass Lamkiss die vorher so verhassten und verteufelten Maßnahmen durchsetzte? Wie hat er es überhaupt begründet?

#11 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Nharun 22.12.2020 20:00

avatar

Das ist ein toller Beitrag! Mir gefällt sehr, wie du ihn aufgebaut hast und wie viele Informationen und Details er enthält. Man könnte glatt denken, du hast ihn aus einem medizinischen Sachbuch rauskopiert!

#12 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von DrZalmat 23.12.2020 01:03

avatar

Kommt mir ein wenig SEHR bekannt vor...

Hab ich das richtig verstanden dass die Müdigkeit die über Wochen geht auch bedeutet dass man sich wochenlang ausruhen muss? Oder ist man irgendwann müde aber die Krankheit ist wieder weg. WEil das wäre echt krass wenn ein Kranker mehrere Wochen ausfällt nur weil sein Körper sagt: du bist noch müde und wenn du nicht schlafen gehst kommt ein schlimmer Ausbruch

#13 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Amanita 23.12.2020 07:32

avatar

Danke für eure Kommentare. Ähnlichkeiten mit real existierenden Krankheiten, Parteien, Gruppierungen etc. sind natürlich rein zufällig und von der Bastlerin nicht gewollt.
Aber Spaß beiseite, mir hat das Ganze in meiner Geschichtsschreibung wirklich noch einen wichtigen Baustein geliefert, warum die Ruarier diese Lamkiss-Front gewählt haben, mit allen Folgen, die das dann hatte.

Zitat von Elatan im Beitrag #10
Wie reagierte eigentlich die Bevölkerung in Ruaris darauf, dass Lamkiss die vorher so verhassten und verteufelten Maßnahmen durchsetzte? Wie hat er es überhaupt begründet?

Teilweise wurde es einfach nur anders beschrieben, man muss aber auch dazusagen, dass es dem neuen Regime gelungen ist durchzusetzen, dass Kranke weiterhin finanziell versorgt werden, was enorm geholfen hat, weil die Kranken in ihrem Zustand dann gerne freiwillig daheimbleiben, wenn sie dann keine Angst haben müssen zu verhungern. Außerdem wurden die Tessmari entlassen und ausgewiesen oder eingesperrt...

Zitat von DrZalmat im Beitrag #12
Hab ich das richtig verstanden dass die Müdigkeit die über Wochen geht auch bedeutet dass man sich wochenlang ausruhen muss?

Das ist nicht immer so, kann aber bei Patienten mit eher geschwächtem Immunsystem durchaus vorkommen. Wenn die Kranken die Möglichkeit haben, da wirklich auf ihren Körper zu hören, können sie eigentlich abschätzen, wann sie wieder mehr machen können, aber wenn man Geld verdienen muss, kann man natürlich schwer so lange im Bett bleiben...

#14 RE: [Silaris] Städte und andere Orte (Alijan) von Teja 23.12.2020 10:55

avatar

Ich mag die Spätfolgen, also aus bastlerischer Sicht.

Xobor Forum Software von Xobor
Datenschutz