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#1 RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 15.11.2019 22:36

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Archäoastronomie enthüllt: Daher kamen die Ersten Menschen
Sensationeller Fund offenbart uns die Heimat der Ersten Menschen

Qochem - In der Nähe des dimmerischen Ortes Gainap (etwa 80 km von Qochem, der Hauptstadt der Provinz Kandir, entfernt) haben Archäologen bei Ausgrabungen eine Reihe seltsamer Stelen entdeckt, über deren Sinn und Zweck in ihrer Zunft noch spekuliert wird, während Autor Herechas Nekides (Verfasser von "Erinnerungen an die Ferne Heimat" oder "Die Götter kamen von einem anderen Planeten") sich sicher ist: Die "Stelen von Gainap" stellten eine astronomische Markierung des Heimatsterns der Ersten Menschen dar und dieser liege, die historische Sternenbewegung eingerechnet, im Sternbild des Bullen.

Bei den Stelen von Gainap handelt es sich um ursprünglich wohl 24 etwas über einen Meter hohe, quaderförmige Stelen, die auf einer Höhe von knapp 90 Zentimetern einen kreisrunden Durchbruch von etwa 5 Zentimetern Durchmesser aufweisen. Obgleich die Stelen unverziert sind, weisen sie noch Spuren einer Bemalung auf, welche die Stelen eins optisch in drei Bereiche teilte. Die einzelnen Stelen, von denen nur noch 11 komplett erhalten sind, sind in gleichmäßigem Abstand auf einer 120 Meter langen Geraden angeordnet, wobei ihre Löcher so angeordnet sind, dass man genau hindurch blicken kann. Während die Archäologen vermuten, es handle sich bei den Stelen möglicherweise um eine Art Führung für ein Tau, das für einen bislang unbekannt Zweck benötigt wurde, vertritt Nekides in seinem neusten Buch, "Hinterlassenschaften einer fernen Zukunft", die These, dass diese Stelen den Heimatstern der Ersten Menschen markieren. Nekides berechnete, dass wenn man am östlichen Ende der Stelen knieend am ersten Tag des Dunkeljahres vor etwa 8000 Jahren durch diese Stelen geblickt hätte, so wäre genau um Mitternacht der hellste Stern des Sternbildes Bulle erkennbar gewesen. Diese Stelen, so Nekides, seien als Markierung zur Erinnerung an die alte Heimat errichtet worden.

Chefarchäologe Iha Vassihar von der dimmerischen Altertumsbehörde betont, dass erst weitere Aufgrabungen in Gainap den Sinn und Zweck der Stelen enthüllen könnten, gibt aber zu: "Das Material aus dem diese Stelen errichtet wurden erinnert an unseren modernen Gussstein und weist keinerlei Zeichen magischer Steinschmelze auf. Wie die antiken Demarer so etwas hergestellt haben könnten - da bin ich überfragt."
(la)

Quelle: Phelestrische Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 15/11/1980

#2 RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 16.11.2019 19:54

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Hydrokultur: Die Pumpu

Für die Völker des Nordens bildete der Ackerbau über Jahrhunderte die Lebensgrundlage, doch für die Ama, ein Volk in den Dschungeln des heutigen Sambaheti brachte nicht die Bestellung eines erdigen Ackers das tägliche Brot hervor, sondern die Bestellung des Wassers.

Die Amba kultivierten bereits früh die Pumpu, die wir auch Brotfrucht nennen, weshalb sie von den benachbarten Heti-Völkern auch „Pumpidi“ - „die Brotfruchtesser“ - genannt wurden. Die Pumpu ist die Kulturform eines Knollengewächses, das auf Dschungeltümpeln wächst. Während drei große Blätter die Pflanze auf der Oberfläche halten, bildet sich in ihrem Zentrum eine Knolle, die vergleichbar den nördlichen Sproßknollengewächsen mit einer stärkehaltigen, zähflüssigen, weißen Substanz gefüllt ist; ihre Wurzeln schwimmen im Wasser nehmen dort Nährstoffe auf, die sie vor allem aus kleinen Fischen gewinnen, die durch das an ihren Wurzeln befindliche Pumpizin getötet werden.

Die Amba legten für ihren Wasserbau Teiche an, auf denen sie die kultivierten Pumpu anbauten und versorgten diese Wasserfelder mit Fischen. Zwar gibt es Berichte darüber, dass sie auch Gefangene opferten, um ihre Felder zu versorgen, doch die moderne Biologie hat erwiesen, dass derartige Nahrung von den Pumpu nicht richtig aufgenommen werden kann und Verwesungsprodukte menschlicher (oder anderer Säugetiere) Leichen den Pflanzen sogar schaden könne.

#3 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 17.11.2019 18:52

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Blut - Eine kulturhistorische Betrachtung

„Ein Opfer, gegeben von Tivrit, der Königspriesterin der Menschen, an Emura, die Strahlende Mutter, in Anwesenheit aller Götter des Himmels und der Erde, genommen von ihrem Fleisch und genommen von ihrem Blut, genommen vom Fleisch der Ziege und genommen vom Blut der Ziege, genommen vom Fleisch des Fisches und genommen vom Blut des Fisches, genommen vom Fleisch des Vogels und genommen vom Blut des Vogels, genommen vom Fleisch der Schlange und genommen vom Blut der Schlange. Große Emura, große Mutter, fünffach erhältst du das Fleisch und fünffach erhältst du das Blut, die gesamte Schöpfung verneigt sich vor dir in der Darbringung des Opfers.“
- Inschrift am Tempel der Emura in Nerchen, II. Dynastie (Demar)

Die zitierten Worte sind beinahe dreitausend Jahre alt. Sie bilden somit eines der ältesten auf uns gekommenen Schriftzeugnisse der Blutopferpaxis. Doch die Fünflingsopfer der antiken Demarer waren nichts Außergewöhnliches: Das Blut wurde in den meisten Kulturen der Vergangenheit als Träger der Lebenskraft gesehen oder zumindest in vergleichbar bedeutender Stellung. Neben dem Lebensopfer, bei dem ein tierisches oder menschliches Wesen für eine Gottheit getötet wurde, besaß das Blutopfer daher für die allermeisten Völker die höchste Bedeutung.

Oft wird behauptet, die Bedeutung des Blutopfers gehe auf verschwommene Erinnerungen an die Zeit der Altvorderen zurück, als Menschen zu Tausenden ihr Blut auf den Altären Rabot-Ka‘als lassen mussten. Doch wahrscheinlicher ist, dass die Signifikanz des Blutes auf die von jedem beobachtbare Entkräftung eines Menschen bei Blutverlust zurückgeht.

„Gott, der mir zürnt, verzeihe mir. Ich weiß nicht, was meine Verfehlung war, unbekannter Gott verzeihe mir! Fehlte ich daran, die Heiligkeit eines Ortes zu erkennen, Gottheit vom unbekannten Orte verzeihe mir! Ich gieße mein Blut für Euch aus, unbekannte Mächte, nehmt meine Gabe an und seid nicht länger erbost mir gegenüber!“
- Phanechisches Gebet, Bleitafel aus dem Hafen von Mires, ca. 700 VOR

Die Blutgabe an die Gottheiten mag aber auch einen magischen Aspekt beinhaltet haben, denn wie wir heute wissen, besitzen alle Zellen eines Organismus neben den profan-medizinischen Verbindungen auch eine metaphysische Bindung zueinander, die sogenannte Sympathie. Die Auslieferung des eigenen Blutes an höhere Mächte bedeutet somit, sich selbst der Wirkmacht dieser Wesen auszuliefern – nicht umsonst wird davor gewarnt den Anderunkelentitäten Blut, Haare oder sonst etwas vom eigenen Körper als Gabe darzubringen.

Gehen wir davon aus, dass manche der „Alten Götter“ tatsächlich Anderdunkelentitäten waren, könnte im Blutopfer sogar ein faktischer Effekt jenseits des reinen Glaubens möglich gewesen sein, selbst wenn es sich dabei nur um Magie handelte. Wir müssen schließlich bedenken, dass die Alten noch zu keiner Unterscheidung zwischen Magie und Wunder in der Lage waren, da das Verständnis der Magie als metaphysikalisches, kontrollierbares Phänomen noch nicht ausgereift war.

„Athis, bleicher Herr in dunkler Halle, Gebieter der Toten! Siehe ich schneide mein Fleisch, siehe ich Blute für Lysenthros, meinen Geliebten, erblicke mein Leid und lass ab von ihm, der deine Hallen viel zu früh betreten musste!“
- Oisylos: Yasion und Lysenthros (Epilog), klassisches echyrisches Drama, etwa 400 VOR

#4 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Teja 17.11.2019 19:33

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Zitat von Nharun im Beitrag #3
Wir müssen schließlich bedenken, dass die Alten noch zu keiner Unterscheidung zwischen Magie und Wunder in der Lage waren, da das Verständnis der Magie als metaphysikalisches, kontrollierbares Phänomen noch nicht ausgereift war.

Da muss ich jetzt doch mal fragen, was ist denn der Unterschied zwischen Magie und Wunder? Und ist das nur im Verständnis des Autors so, oder tatsächlich?

#5 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 17.11.2019 19:37

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Nun @Teja mit "Wundern" ist es auf der Toraja so, wie bei uns auch: Man glaubt daran, dass es sie gibt, oder man tut es nicht. Magie ist, vor allem nach der Renaissance etwas Wissenschaftliches, etwas Reproduzierbares, was festen Regeln folgt und keinen "Glauben" an die Wirkung erfordert. Wer in moderneren Zeiten einfache Zauberwirkungen für Wunder hält, stellt unter Beweis, dass seine Bildung nicht sehr hoch ist, und wird belächelt oder verspottet, so wie wir jemanden belächeln würden, der in einem Wasserkocher erhitztes Wasser für ein Wunder hält.

#6 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Amanita 17.11.2019 19:59

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Ich weiß, das hat jetzt nur sehr am Rand mit dem aktuellen Thema zu tun, aber ist mir doch irgendwie so aufgefallen.
In dieser Beschreibung lesen sich die Andersdunkelentitäten doch sehr wie klassische Dämonen, vielleicht noch mit dem einen oder anderen Lovecraft-Einschlag. Entspricht das auch tatsächlich dem Bild, dass du von ihnen hast, oder geht das "in Wirklichkeit" so wie viele andere Aspekte der Welt doch in eine andere Richtung.

#7 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 17.11.2019 21:32

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Zitat von Amanita im Beitrag #6
Ich weiß, das hat jetzt nur sehr am Rand mit dem aktuellen Thema zu tun, aber ist mir doch irgendwie so aufgefallen.
In dieser Beschreibung lesen sich die Andersdunkelentitäten doch sehr wie klassische Dämonen, vielleicht noch mit dem einen oder anderen Lovecraft-Einschlag. Entspricht das auch tatsächlich dem Bild, dass du von ihnen hast, oder geht das "in Wirklichkeit" so wie viele andere Aspekte der Welt doch in eine andere Richtung.


Das ist gar nicht schlimm @Amanita ich glaube dieser Thread ist für solche Fragen sehr gut geeignet! Meine Anderdunkelentitäten sind tatsächlich "klassische" Dämonen mit Lovecraft-Einschlag, das einzige, was sie von "klassischen" Dämonen unterscheidet, ist, dass sie nicht mit irgendeiner religiösen Mythologie verknüpft sind, sondern Bewohner einer anderen Existenzdimension; dieses "Anderdunkel" ist für Menschen (also auch für mich) aber nur eingeschränkt verstehbar, so dass Konzepte wie "Hölle" darauf durchaus anwendbar sind. Es geht meinen "Dämonen" aber nicht um Seelen, denn deren Existenz ist für die Toraja auch eine Frage der Religion und nicht der Wissenschaft.

#8 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Chrontheon 17.11.2019 23:19

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Zitat von Nharun im Beitrag #5
so wie wir jemanden belächeln würden, der in einem Wasserkocher erhitztes Wasser für ein Wunder hält

Hey, das ist ein Wunder! :O

#9 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 19.11.2019 16:36

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Das Anderdunkel: Versuch einer Annäherung

von Erephailas Gaphylybamas

"Schreite in das Dunkel hinein. Geh immer tiefer, bis dass du sein Herz erreichst. Umfasse es, ergreife es, zerreiße es und schreite weiter, weiter in das andere Dunkel, welches dahinter verborgen ist."
- Aus dem Buch des Teforus

Das Anderdunkel war Jahrtausende lang eines der großen, düsteren Mysterien – und bei allem Verständnis, das die letzten Jahrhunderte aufgebracht haben, es wurden nur wenige dieser Mysterien offenbart.

Die moderne Lehrmeinung besagt: Das sogenannte Anderdunkel ist eine Parallelwelt, deren Naturgesetzmäßigkeiten auf der Kleinstelebene mit der Naturgesetzmäßigkeit unserer Welt verschränkt ist.

Das ist eine schöne Erklärung, vor allem weil sie die Unvorsehrbarkeit konkreter Kleinstelmessungen bei generell berechenbarer Wahrscheinlichkeit erklärt. Aber bedeutet sie, dass wir das Anderdunkel wirklich verstanden haben?

Selbst wenn wir den Kanon der Verbotenen Schriften – was eine schöne Bezeichnung! - ignorieren und die Abhandlungen des verrückten Dimmers Ahasrettin beiseite lassen, finden wir in den Schriften historischer Magiologen Schilderungen des Anderdunkels, die so individuell und zahlreich sind, wie seine Autoren. Unter ihnen finden wir immer wieder Schilderungen, die den Unterwelten und jenseitigen Straforten verschiedener Religionen ähneln. Beweist das, dass das Anderdunkel ein jenseitiger Straftort für unsere Seelen ist? Oder fügt es sich in das sich aufdrängende Bild ein, dass das Anderdunkel uns individuell zeigt?

Stellen wir uns einmal vor, wir lägen auf einer grünen Wiesen und betrachteten den Himmel und das in einer Dunklen Nacht. Wir sähen einige Wolken und eine Vielzahl von Sternen an diesem Himmel und während wir da lägen, würden wir beginnen zu sagen: Diese Wolke sieht aus wie Hund und jene dort wie Schloss und die Sterne da vorne hätten die Gestalt eines Ungeheuers, das von dem Sternenkrieger dort drüben bekämpft wird. All unsere Beobachtungen entsprechen nicht der Wahrheit. Die Wolken sind unförmige Gebilde, deren Ähnlichkeit zu Bekanntem sich uns nur aus unserem Betrachtungswinkel ergibt. Und die Sterne, die wir so schön als Himmelszeichen gruppieren, sind in Wahrheit Äonen voneinander entfernt und ganz und gar nicht gruppiert. Und dennoch: Wir sehen darin das Bekannte, denn unser Verstand spielt uns diesen Streich.

In den älteren Schriften wird immer betont, dass das Anderdunkel sich unserem Verstehen entzieht. Das entspricht, so ist zumindest meine Meinung, genau den Tatsachen. Unser Verstand ist in unserer Welt entstanden und für diese gemacht, eigentlich reicht er schon nicht immer für unser Weltall aus! Wenn wir nun die Gelegenheit haben ins Anderdunkel zu blicken – und das empfehle ich beim besten Willen nicht! - dann verzweifelt unser Verstand beim Versuch darin Bekanntes vorzufinden, denn jene Parallelwelt folgt so ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Doch, wie bei den Wolken oder Sternen, erblicken wir hier und dort Bekanntes. Nicht etwa, weil es dort wäre, sondern weil es uns, aus unserem Blickwinkel, so erscheint und weil es für unseren Verstand das Naheliegendste in jenem Moment ist.

Wenn das Anderdunkel uns als die Unterwelt des antiken Athis erscheint, dann weil wir kulturell darauf geprägt sind, vielleicht auch, weil wir dieses Erscheinungsbild erwarten. Und weil ich glaube, dass unsere Erwartung so elementar in die Gestalt des Anderdunkels hineinspielt, ist es so wichtig, dass wir die Verbotenen Schriften mit all ihrem Wahnsinn und Horror ungelesen belassen. Wir finden dort keine verborgenen Einsichten, sondern verstellen uns nur den Blick auf diese faszinierende Welt.

Wie ich diese Welt faszinierend nennen kann, obwohl ich doch so sehr davon abrate sie zu betrachten? Weil das Anderdunkel nun einmal da ist und immer noch unbekannt und wir Menschen werden angetrieben von der Neugier auf das Unbekannte.

Doch ich glaube auch, wir werden das Anderdunkel niemals verstehen.

#10 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Teja 19.11.2019 20:45

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@Nharun Da schließe ich mich uneingeschränkt an, ich finde das Anderdunkel ebenfalls faszinierend und freue mich über jeden neuen Artikel, den du dazu herausbringst!

#11 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 19.11.2019 21:12

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Zitat von Teja im Beitrag #10
Da schließe ich mich uneingeschränkt an, ich finde das Anderdunkel ebenfalls faszinierend und freue mich über jeden neuen Artikel, den du dazu herausbringst!L


Oh Danke!

#12 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 21.11.2019 22:06

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"Magie und Gesetz" - Vorlesung am Arechaireon Pellas (1978)
Erster Teil

Die Magie und das Gesetz – was eine spannende Kombination! Nicht nur gegenwärtig, sondern auch im historischen Rückblick! Leider zu viel, um es in einer Vorlesung unterbringen zu können, aber als Auftakt unserer Veranstaltung möchte ich versuchen ihnen in dieser Vorlesung einen kleinen Überblick – einen kurzen Rundumschlag sozusagen – zu vermitteln.

Allgemein gesprochen können wir die Epochen der Menschheitsgeschichte in zwei Typen klassifizieren: Erstens Phasen der Magieächtung, Mygikonalerde, und zweitens Phasen der Magieregulierung, Mygisestiserde. Die hypothetische dritte Phase der Magiefreiheit, Mygilepharde, hat es – soweit wir wissen – nie gegeben und auch wenn wir uns heute in einer Welt großer Freiheiten bewegen, bleibt die Magie einer Menge juristischer und sozialer Regulierungen unterworfen.

Chronologisch betrachtet beginnt unsere Geschichte mit einer Phase der Mygikonalerde: Die prähistorischen Völker und jene des Altertums fürchteten sich vor der Magie und jenen, die sie ausübten. Magiepraktizierer wurden verfolgt und getötet oder mussten sich am Rande der Zivilisation bewegen. Da das Altertum von den Großen Verderbnissen geprägt war und Magie kaum verstanden wurde, sind diese in Gewalt umschlagenden Ängste nur allzu nachvollziehbar.

Der Übergang in eine Phase der Mygisestiserde während der Klassik war fließend. Es begann wohl damit, dass sich neben der verbotenen „Altvorderen-Magie“, eine priesterliche „Wunder-Magie“ etablierte. Da man den Priestern die Macht zubilligte, die Götter um Wunder zu bitten, konnte sich unter dem religiösen Deckmantel eine gewisse magiologische Forschung entwickeln. Schließlich fand man heraus, dass diese „Wunder“ auch ganz ohne den Glauben an die Götter und doch ohne die Hilfe altvorderer Dämonen vollbracht werden konnten.

Das erste Mal, dass wir mit Sicherheit von einer Mygisestiserde sprechen können, ist das frühe Drunum Iderusum. In den frühen Gesetzeswerken des Bundes, den sogenannten Bundestafeln, die sich auf jedem Forum befanden, gab es eine Reihe von Gesetzen, die sich mit der Magie befassten. Zunächst einmal definierten bestimmte Gesetze, was verboten war – und das war zunächst noch sehr viel! So war es verboten mit Hilfe von Magie „in einen besseren oder schlechteren Zustand zu verändern“. Das ist fast alles was Magie macht! Allerdings unter Einschränkung, dass es durch einen Dämonen oder auf Weisung eines Dämons erfolgte, oder – und das ist sehr interessant – von jemandem, der die Existenz von Dämonen leugnete. Was erfahren wir also aus diesen Gesetzen? Wir erfahren, dass es „gute“ und „böse“ Magie gab und dass Magiepraktizierer sich der möglichen Beeinflussung durch Dämonen bewusst sein mussten. In jüngeren Gesetzen wird Magie bereits mit Werkzeugen gleichgesetzt und ein noch heute gültiges Prinzip geboren: Wird Magie im Zusammenhang mit einer beliebigen anderen Strafttat angewandt, so handelt es sich immer um eine vorsätzliche Tat.

Ähnliche Vorschriften finden sich auch bald in Kaphtenu, wo sie noch bedeutend lockerer waren, aber eben nicht frei. Hier waren es aber weniger Gesetze, als die Regulierung durch akzeptierte Gilden, die ähnliche wie die Gilden der Kaufleute oder Handwerker ihre jeweils eigenen, mal mehr, mal weniger restriktiven Regularien schufen.

Im Verlauf der Klassik übernahmen, im Zuge der sich verbreitenden Kodifizierung von Recht, fast alle Reiche der Bekannten Welt die eine oder andere Form der Magiegesetze; wobei sich in Arrovelosia eine Mischform etablierte: Hier gab es eine Reihe von reichsweiten Magiegesetzen, die letztlich Kopien des iderusischen Rechts waren, wie auch in anderen Bereichen, und eigene Regularien der großen Achairea, die eine Lehrbefugnis für Magie besaßen – mit Pellas als restriktivster und Doreon als liberalster Lehranstalt.

Das mygikyraklische Zaphyre wird gerne als mygilephardisch bezeichnet, wurde es doch von den „sich befreienden“ Magiern Arrovelosias, Gisuvatas und Iderusas gegründet. Doch auch hier müssen wir beachten, dass dieses „Sonderreich“ letztlich von einem Konsens bestimmt wurde, welche Magie erlaubt und welche verboten war. Somit unterscheidet es sich bei aller Liberalität nicht sonderlich vom kaphtenischen System der Gildengesetze.

In der Klassik finden wir auch die Entwicklung einer eigenen „Magiepolizei“, die aus den alten Organisationen entstand, deren erteilte oder gewählte Aufgabe in der Bekämpfung von Magie und Verderbnis begründet lag. Die Cecutores Versis oder der Orden vom weißen Greifen, die sogenannten Pelandine, wurde im Drunum respektive in Arrovelosia zur „Aufsichtsbehörde“ der Magier und ermittelten in Fällen von möglicherweise illegalem Magieeinsatz. Spätestens zum Ende der Klassik hin besaßen in den beiden Reichen auch nur jene Organisationen die juristische Gewalt gegenüber Magiern. Dass sich die Pelandine in Arrovelosia immer mehr von der magiefeindlichen Kyrakeia einspannen ließen, war ein düsterer Schatten, den die Zukunft vorauszuwerfen schien; was damals natürlich niemand wusste.

Die Große Katastrophe, die unsere Zeitenwende markiert, läutete nicht nur das Dunkle Zeitalter ein, sondern auch eine erneute Phase der Mygikonelarde. Wir sehen hier, dass die Menschheit anscheinend vor allem in Epochen großer Verderbnis dazu neigt, sich von der Magie abzuwenden. Die regulierten Freiheiten der Klassik gingen fast überall verloren und Magie wurde verboten, Magier verfolgt. Ein besonders schreckliches Kapitel in dieser Geschichte war die Kyrakeia, die im Zuge ihrer Bysselea, Reinigung, nicht nur Menschen mit Zeichen der Verderbnis erbittert verfolgte, sondern auch alle, denen nachgesagt wurde, Magier zu sein.

Fortsetzung folgt

#13 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 22.11.2019 17:14

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"Magie und Gesetz" - Vorlesung am Arechaireon Pellas (1978)
Zweiter Teil

Die Zeit der Dreiaste1 war wahrlich ein Schrecken, besonders aus unserer heutigen Perspektive. Denken Sie bitte einmal daran, wann sie zuletzt einen kleinen Zauber gewirkt haben, einen Zauberspeicher benutzt haben oder von etwas begünstigt wurden, das durch Magie hervorgerufen wurde! Wie ich meine Studenten kenne, haben sie sich mit Sicherheit gestern Abend das ein oder andere kühle Bierchen gegönnt, dessen Kühlung von einem Zauber hervorgerufen wurde. Während der Dreiaste hätten sie sich gerade der Nutzung „verderbter Artefakte und Zaubermittel“ schuldig gemacht und würden zum Tode verurteilt. Heute morgen haben sie vielleicht ein bisschen zu lange geschlafen, waren leicht verkatert und haben schnelle den aus der letzten Agonei Sanbame2 bekannten Zauber zur Schnellreinigung und Katerbeseitigung genutzt. Sie können sich denken: Sie haben gezaubert, also Todesurteil! Aber wenn sie bei ihrer Verhandlung erwähnt hätten, woher sie den Zauber beherrschen, hätten sie damit – aus sogenannten „Vorbeugenden Maßnahmen“ - nicht nur den Verkäufer der Zeitschrift, des „Schriftstücks verderbten Inhalts“, gleich mit zum Tode verurteilt, sondern auch ihre Mitbewohner, Freunde und Gäste, die sich seit ihrem nachweisbaren Erwerb der Schrift in ihren Räumlichkeiten aufgehalten und sich somit dem Vergehen des „möglichen Erwerbs verderbter Kenntnisse“ schuldig gemacht hatten – wie sie wissen galt ja auch damals schon der Rechtsgrundsatz „Die Unkenntnis eines Gesetzes ist kein Grund seiner Nichtbefolgung“. Sie hätten also – ich schätze mal ins Blaue hinein – knapp 30 Personen zum Tode veurteilt, inklusive sich selbst. Doch selbst wenn sie gestern Abend brav gelernt und nicht gefeiert hätten und heute morgen auf den kleinen Gayechreston-Zauber3 verzichtet: Sie wären immer noch des Todes! Selbst wenn sie nicht mit einem magotechnischen öffentlichen Fahrzeug hier gekommen wären oder mit dem Schachtzug die Etagen gewechselt hätten, sie alle machen sich gerade schuldig des „nichtwiderwilligen Nutzens verderbter Mittel“, da sie die magisch klimatisierte Umgebung hier genießen und vom konzentrationsfördernden Zauber profitieren, seit sie die Türschwelle zum Saal übertreten haben. Zumindest habe ich keinen von ihnen rufen hören, dass sie im Namen des Asiranas die verderbte Zauberei auf sie nicht dulden. Schon gar nicht dreimal, wie das Gesetz es es während der Dreiaste von ihnen verlangt hätte, um ihren „Widerwillen“ zweifelsfrei zum Ausdruck zu bringen.



1 Dreiaste - Verkürzung von „Kyrakeia Dreiaste“ („Dritte Kirche“), der (echyrischen) Organisationsform der asiranistischen Religion des Mittelalters.
2 Agonei Sanbame - „Männer-Gesundheit“, eine illustrierte Zeitschrift die sich mit Sport-, Ernährungs-, Liebes- und Freizeittipps an Jugendliche und junge Männer richtet und häufig Anleitungen für leichte, zu den Themen passende Zauber behinhaltet.
3 Gayechreston: sinngemäß „Lifestyle“


Forsetzung folgt

#14 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Teja 22.11.2019 17:42

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Also gleich 30 Personen zum Tode zu verurteilen, das ist schon heftig! Ist diese Zeitschrift so etwas wie Men's Health oder eher wie Brigitte?

#15 RE: RE:[Toraja] Verschiedenes von Nharun 22.11.2019 19:10

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Zitat von Teja im Beitrag #14
Also gleich 30 Personen zum Tode zu verurteilen, das ist schon heftig!

Ist ja nur eine Schätzung des Dozenten, die Wahrheit wäre vielleicht viel schlimmer. Die Dreiaste-Zeit stelle ich mir wie eine grausame Mischung aus Nazi-Zeit und Hexenwahn der frühen Neuzeit vor, mit einem Schuss Spanische Inquisition und Reformation-Anti-Reformation.

Zitat von Teja im Beitrag #14
Ist diese Zeitschrift so etwas wie Men\'s Health oder eher wie Brigitte?

Eher wie Men's Health (daher auch der Name), aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich die Brigitte (oder ähnliche Zeitschriften) nur sehr grob kenne (meist nur einzelne Seiten mit Rezepten). In der besagten torajanischen Zeitschrift sind halt keine Promi-News oder sowas drin (aber Brigitte -Promi-News +Fitnesstipps an Zielgruppe "Mann" wäre ja schon Men's Health )

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