Seite 1 von 2
#1 Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020: Illusionen & Holodecks von Elatan 21.01.2020 16:37

avatar

Mit Vollgas zum Speedbasteln!

Wir lassen uns nicht aufhalten!


Morgen ab um 20:00 Uhr im Chat, um 20:30 Uhr gehts los! Seid wieder alle mit dabei!

#2 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Teja 22.01.2020 20:29

avatar

Am heutigen Abend tauchen wir ein in die Wunderbare Welt der Illusionen! Manche nennen sie auch Holodecks!

#3 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Nharun 22.01.2020 20:52

avatar

Rabelpea Sampradamanea – Kondensierte Erinnerungen

„Kondensierte Erinnerungen“ sind eine moderne Kunstform, die ihren Ausdruck in der Produktion von Publikum erlebbarer Erinnerungen finden, die mittels Magie aufgezeichnet und übertragen werden. In der Regel werden die „Rabelparyntes“ („Gedankenpaläste“) durch einen einfachen Zauber auf ein Publikum übertragen, das in bequemen Sitzen in einem Theater Platz genommen hat. Durch den übertragenen Gedankenpalast erlebt das Publikum hierbei ein bestimmtes Schauspiel, selten auch tatsächliche Erinnerungen, aus unmittelbarer Perspektive eines Beobachters oder einer, manchmal auch mehrerer Perspektivfiguren wahr. So kann das Publikum neben Bildern auch Gerüche und Geschmäcker und andere Sinneswahrnehmungen nachempfinden, als würde es diese selbst erleben.
Den Rabelpea Sampradamanea, kurz Samprea, kommen im wesentlichen drei Bedeutungen zu: Als Massenmedium zur Information und Bewusstseinsbildung; als wirtschaftlicher Faktor und drittens als Kunstgattung mit eigenen, unverwechselbaren Aspekten. Gerade letzteres war lange Zeit strittig, da Samprea zunächst als reines Unterhaltungsmedium angesehen wurden.
Fiktive Erinnerungsfiguren, typische Verhaltensweisen, Klischees und Stereotype, aber auch die Auslotung neuer Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume sind zu einem festen Bestandteil der Populärkultur geworden.
Neben den massentauglichen, primär unterhaltenden Samprea gibt es auch künstlerische Experimente, die aus Selbstzweck entstehen oder an ein kleines, spezialisiertes Publikum gerichtet sind.
In der Moderne haben sich verschiedene Genres der Samprea entwickelt, wie Kriminalgeschichte, Komödien, Science-Fiction, Fantasy, Horror, Kriegsgeschichten und Liebes- oder Pornographieerinnerungen. In den meisten Staaten dienen Samprea als Mittel der kulturellen Identität Ausdruck zu verleihen.
Ihren Ursprung haben die Samprea in den „Berichten aus erster Hand“ während des Entdeckungszeitalters, als Forscher und Entdecker ihre Erinnerungen magisch kondensierten, um sie einem Fachpublikum vorzuführen, doch diese Methode wurde schnell von den mundanen Schauspielern übernommen, die seit der Renaissance ihre Stücke mit Hilfe magischer Trugbilder auf der Bühne effektvoller gestalteten.

#4 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Teja 22.01.2020 21:04

avatar

Rildrar


In der Wüste Arnak muss man sich vor allem vor Erscheinungen in Acht nehmen. Ungeübte Reisende nehmen hierfür oft die offensichtliche Erklärung an: Die Gefahr, von simplen Luftspiegelungen in die Irre geführt zu werden. Diese Gefahr ist durchaus real und auch in der Arnak nicht zu verachten. Sie sind allerdings nicht der wahre Grund, warum die Ureinwohner der Arnak ihren Augen nicht trauen.

Die wahre Gefahr in dieser Wüste ist die Rildrar, auch Sandwespe genannt. Sandwespen sind doch eigentlich harmlose, kleine Insekten, denkt ihr vielleicht. Nicht die Rildrar.

Rildrar treten gewöhnlich in Schwärmen von einigen Dutzend Tieren auf. In dieser Größenordnung werden sie Mäusen, Eidechsen und Wüstenskorpionen gefährlich. Es kann jedoch auch geschehen, dass sich mehrere Schwärme vereinigen und dann Hunderte oder sogar Tausende Rildrar gemeinsam jagen. Besonders schlimm ist es, wenn sich diese Riesenschwärme in die Nähe von Wegen oder, Ahai behüte uns, sogar Ansiedlungen wagen. Ein Schwarm Rildrar kann einen ausgewachsenen Mann anfallen und wegschleppen, nachdem sie ihn mit ihren Stichen betäubt haben. Man hört das Opfer dabei noch nicht einmal schreien.

Die Sandwespen sind so gefährlich, weil sie zu den wenigen Tieren gehören, die Magie ausüben können, genauer gesagt, Illusionsmagie. Ein durchreisender Magier erklärte mir einmal, dass sie noch nicht einmal richtige Illusionen erzeugen, nur Scheinillusionen, was auch immer er damit sagen wollte. Fest steht: Der Schwarm kann sein eigenes Erscheinungsbild verschleiern. Die Insekten tun sich zusammen und erzeugen Bilder, mit der sie ihre Beute anlocken. Das kann eine Wasserpfütze sein, ein verletztes Tier, oder, wenn sie es auf dumme Menschen abgesehen haben, sogar eine schöne Frau. Die Illusion selbst ist dabei nur so groß, wie der Schwarm.

Woher sie wissen, welche Bilder ein Opfer anlocken? Tja, wer weiß? Vielleicht können sie sogar Gedanken lesen!

Wehren kann man sich gegen die Biester kaum. Ist man einmal nahe genug an den Schwarm gekommen, stürzen sie sich alle auf einmal auf ihr Opfer und stechen es so lange, bis es gelähmt ist. Dann schleppen sie es weg und vergraben es irgendwo, bevor der Schwarm seine Brut hineinlegt, die es dann langsam aufrisst. Angeblich soll man dabei sogar bei Bewusstsein bleiben, ohne sich bewegen zu können. Ein scheußlicher Tod.

Es bleibt einem nur, den Schwärmen rechtzeitig auszuweichen. Die Augen können sie austricksen, aber nicht die anderen Sinne. Überlebende berichten, dass man sie daran erkennen kann, dass sie völlig still sind, bis auf ein hohes, unangenehmes Summen in der Luft. Außerdem sollen sie einen ganz besonderen Geruch verströmen, süßlich und staubig, wie altes Aas in heißem Sand.

#5 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Elatan 22.01.2020 21:16

avatar

Illusionen

Die Kunst der Illusionen ist wohl ein der verbreitetsten Arten der Magie und dies nicht ohne Grund: Statt tatsächlich etwas herauszubeschwören oder zu verändern, nimmt der Illusionist lediglich Einfluss auf die Sinne seiner Zielpersonen oder sich selbst und lässt auf diese Weise allerlei Bilder und Eindrücke entstehen. Die Illusionsmagie ist relativ einfach, doch sie wahrhaft zu meistern ist wiederum eine hohe Kunst, die dem Magier eine überaus große Vorstellungskraft und Kreativität abverlangt.

Illusionisten kennt man vielleicht von Jahrmärkten, auf denen sie Mantikoren, Drachen und Satyrn präsentieren. Die Menschen sehen das, was der Magier wünscht und da sie oft von dem, was sie sehen, begeistert sind, und nicht daran zweifeln, dass das, was ihnen gezeigt wird, real ist, weil sie ihren Augen trauen, werden sie getäuscht; wenn sie sich jedoch konzentrieren und Zweifel geweckt werden, zerfällt das Trugbild: Aus dem Mantikor wird ein kranker, alter Löwe, aus dem Drachen eine Eidechse und aus dem Satyr ein zerlauster Affe.

Das Heraufbeschwören solcher Trugbilder wurde schon immer auch für mehr als nur Vergnügungen genutzt. So gibt es einige Berichte von Magiern, die ihre Feinde mit solchen Illusionen in die Flucht schlugen oder in Fallen lockten. Auch manch ein falscher Prophet nutzte diese Zauberkunst dafür, Anhänger um sich zu scharen und einige Priester tun es immer noch; mitunter streiten sie es nicht einmal ab, denn sie sind der Meinung, die Bilder, die sie beschwören, hätten ihre Götter ihnen eingegeben und es läge an ihnen, sie mit den Gläubigen zu teilen.

Darüber hinaus wird die Illusionsmagie aber auch von Heilern eingesetzt, die einen Patienten so glauben lassen können, dass eine Wunde nicht mehr schmerzen würde. Auch ist es ihnen möglich, Narben und andere Entstellungen zu verschleiern, doch sind hier auch Grenzen gesetzt und oft wirkt die Magie für den Versehrten selbst nicht und er sieht sich immer noch so, wie er wirklich ist, wenngleich andere die Narben nicht mehr erkennen. Ferner ist es möglich, dass ein Illusionist jemandem ein verlorenes Bein oder eine fehlende Hand scheinbar wiedergibt, doch spätestens beim Aufstehen oder dem Greifen nach einem Krug zeigt sich, dass Illusionen eben nicht real sind.

#6 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von DrZalmat 22.01.2020 21:28

avatar

Die Illusion von Leben


Anhelm von Zinnen ist ein Name der weit bekannt ist, so bekannt dass "ein echter Von Zinnen" auf dem normalen Markt kaum gekauft werden kann und wenn denn jemand mal eines seiner Werke verkauft sie für Unmengen an Geld ihren Besitzer wechseln.

Doch Von Zinnen war kein Künstler, oder eher... er war kein klassischer Künstler. Er war der beste Uhrwerkbauer seiner Zeit und auch heute, etwa 50 Jahre nach seinem Tod, können seine komplexesten technomantischen Spielereien nicht wirklich repliziert werden.
Seine Uhrwerke sind so lebensecht, bewegen sich so flüssig und sind so intelligent, wenn sie nicht sichtbar aus Metall und Holz wären, könnte man sie für lebendig halten. Sein Meisterwerk war ein Uhwerk, dessen mechanisches Gehirn so fortschrittlich war dass er tatsächlich die Illusion von Leben so perfekt erzeugt hat, dass sich in ihm eine Seele eingenistet hatte. Doch die Geschichte dieses Uhrwerks war traurig. Von Zinnen wurde im zunehmenden Alter immer paranoider und zog sich in ein Labor unter der Erde zurück das nur durch einen magischen Spiegel erreichbar war, der aktiviert werden konnte und dann als Portal fungierte. Jedoch verstarb er im Schlaf und ließ sein Meisterwerk alleine in dem Labor zurück, zusammen mit primitiveren, wenn auch immer noch meisterlichen Uhrwerken. Dort vegetierte er über Jahrzehnte vor sich hin, las jedes Buch der Bibliothek wieder und wieder und konnte nichts anderes machen als alleine über sein Dasein zu sinnieren.

Eines Tages tauchten in dem Labor einige Leute auf und fanden ihn und er konnte zum ersten Mal in 50 Jahren eine Unterhaltung führen. Seine Bitte an die Leute war nur eine: er möchte gerne sterben. Sein Schöpfer hat ihm keinen Ausschalter gegeben und er kann sich nicht selber einfach aus schalten, da es Teil des Lebens ist sich selbst zu erhalten und er nicht in der Lage ist auf Wunsch einfach zu sterben genauso wenig wie es für einen Menschen möglich ist die Luft anzuhalten um zu sterben. Sein letzter Wunsch war es nur, das Labor zu verlassen und die echte Welt zumindest einmal zu sehen ehe er stirbt, doch er konnte den Spiegel nicht aktivieren weil sein mechanisches Gehirn zu unterschiedlich von organischen Gehirnen war.

Die Leute erfüllten ihm den Wunsch und nahmen ihn mit in die Welt, auf eine Lichtung wo das Uhrwerk zum ersten Mal Tiere und Pflanzen sah, Sachen von denen er bisher immer nur gelesen hat. Das bestätigte ihn in seiner Meinung sein Leben zu beenden, weil es ihm zeigte wie sehr anders er tatsächlich ist. Also öffneten die Leute seine Brust und stoppten die Mechaniken, stoppten das einzige Wesen das so nah an der Realität von Leben war, dass es trotz seines mechanischen Ursprungs eine Seele hatte.
Wenn man weiß wo, kann man ihn besuchen. Eine Statue aus Metall auf einer Waldlichtung, umgeben von Moos und Ranken, und wahrscheinlich mehr wert als ein ganzes Land, doch es ist da wo es hin gehört. Umgeben von echtem Leben beherbergt er heute immer noch Leben in sich, nicht mehr illusionäres Leben, sondern echtes... in der Form eines Vogelnestes in seinem Brustkorb, an der Stelle wo einst seine Energiequelle saß...

#7 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Nharun 22.01.2020 21:30

avatar

Wenn ihr euch in euren Illusionen so verstrickt habt, dass ihr noch nicht fertig seid, müsst ihr nachreichen, denn die Stunde ist vorbei!

#8 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Nharun 22.01.2020 21:33

avatar

@Teja Uhh, diese Wespen sind fies. Ich mag ja die normalen irdischen Wespen schon nicht. Die Sandwespen sind Alptraummaterial!

@Elatan Mir gefällt deine Übersicht über die Illusionsmagie deiner Welt, vor allem aber die Anspielung auf das letzte Einhorn!

@DrZalmat Eine schöne Interpretation des Themas, auch wenn "schön" bei dieser tragischen Geschichte vielleicht das falsche Adjektiv ist.

#9 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von DrZalmat 22.01.2020 21:36

avatar

@Nharun Die Dinger wären toll, damit könnte man Sachen die in zig Leben passen würden erleben, das hätte schon was... wo kann man die kaufen?
Sind diese Erinnerungen IRL genauso lang wie im Kopf? Also... Wenn die Erinnerung 10 Minuten lang ist muss ich dann 10 Minuten das Ding benutzen? Oder ist das eher wie in Träumen und so dass man in einer Minute ein halbes Leben erleben könnte...

@Teja Äh... denen will ich bitteschön niemals begegnen! Reingelegt werden und dann halb tot gestochen werden nur um begraben zu werden und langsam krepieren? Nopenopenopenope NOPE!


@Elatan Wo ist denn die Grenze zwischen Illusion und Geistesbeeinflussung? Oder ist das ein großer Mischmasch

#10 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Chrontheon 22.01.2020 21:37

avatar

Der folgende Beitrag kann Spuren von Namensplatzhaltern enthalten.

Der Illusionist

„Meine Damen und Herren, was Sie gleich sehen werden, werden Sie noch Ihren Enkelkindern erzählen! Ein Ereignis, so unglaublich wie die Entstehung einer neuen Welt – in der unsrigen! Doch genau das ist es! Verehrtes Publikum, ich öffne Ihnen hiermit ein Portal zu einer anderen Welt!“

Mit einer weiten Handbewegung verließ er die Mitte der Bühne, wo sich eine Kugel reinsten Lichts einfand. Die Kugel wuchs, bis sie Jhon mehrfach an Höhe überstieg, und wurde dann durchsichtig. Doch es war nicht der Rückvorhang der Bühne, den das Publikum nun sah – nein, es war eine weite Landschaft: Grüne Weiden, hohe Berge, dichte Wälder, tiefe Schluchten - Tiere und Pflanzen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte!

„Meine Damen und Herren, sehen und staunen Sie, wie die Kreaturen dieser Welt in unsere treten!“

Nach und nach kamen die unterschiedlichsten Wesen durch das Portal getreten.

„Stehen Sie auf, kommen Sie! Diese Kreaturen sind zahm, sie würden Ihnen kein Leid antun!“

Einige Zuschauer standen zögerlich auf und begannen, ziegenähnliche Wesen zu streicheln. Nach und nach trauten sich immer mehr heraus.

„Nur zu, nur zu! Lassen Sie diesen Abend etwas besonderes sein!“

In dem Moment sah Jhon, wie ein kleiner Junge durch das Portal auf die weite Weide lief. Ohne zu zögern rannte er ihm nach, um ihn zurückzuholen.

„Na sowas, junger Mann! Du kannst diese große Welt doch nicht alleine erkunden! Komm doch zurück – die Erkundung machen wir das nächste Mal!“

Nachdem er den jungen Zuschauer zurück zu seinen Eltern gebracht hatte, kündigte er die Rückkehr der fremden Wesen an. Einige der Kinder konnten sich nur schwer von den Tieren trennen, doch schließlich waren alle auf der anderen Seite und Jhon schloss das Portal.

„Kommen Sie auch das nächste Mal wieder, wenn wir in kleinen Gruppen diese wunderbare Welt erkunden!“

*~*~*~* *~*~*~* *~*~*~*


Nachdem Jhon seine Requisiten im Arbeitskoffer verstaut und sich umgezogen hatte, verließ er das Theater durch den Seiteneingang. Wider erwarten wurde er von einem Mann, der im Publikum gesessen hatte, angesprochen.

„Sehr nette Vorstellung, wirklich sehr nett!“

„Danke!“

„Nach den ersten Kunststücken dachte ich wirklich, sie seien ein gewöhnlicher Illusionist. Doch dass Sie auch die Beschwörung beherrschen, und Portale zu anderen Welten öffnen können, das hätte ich nun wirklich nicht gedacht.“

„Nun, eigentlich..“

„Nein, unterbrechen Sie mich nicht. Ich verstehe schon, ein Zauberer verrät nie sein Geheimnis und der ganze Quatsch. Ich bin selbst Magier, Sie können mir vertrauen. Ich bin hier, um Sie zu rekrutieren.“

„Ach, ich bin ganz zufrieden mit meiner Arbeit.“

„Das war keine Wahl, die ich Ihnen gab. Entweder Sie arbeiten für uns, oder Sie werden sterben. So oder so müssen Sie Ihre Vorstellung morgen absagen.“

„Das klingt jetzt aber schon nach einer Wahl. Schließlich könnte ich mich auch für den Tod entscheiden!“

„Sie wissen, was ich meine!“

„Natürlich.“

„Was ist Ihre Antwort?“

„Nun, ich mag es nicht, mich immer zwischen zwei Zuständen entscheiden zu müssen. Das ist mir zu technisch.“

„Nur gebe ich Ihnen nicht mehr! Wie entscheiden Sie sich?“

„Ich würde sagen, ich nehme die dritte Option!“

„Was-“

Bevor der Fremde seine Frage aussprechen konnte, sah er sich einer silbernen Staubwolke gegenüber.

„Wo zum..?“

Flink umging er die Wolke und sah gerade noch, wie Jhon an der nächsten Kreuzung um die Ecke bog.

Jhon rannte so schnell, wie sein Gepäck es zuließ. Doch plötzlich stand der Fremde vor ihm. Abrupt blieb er stehen.

„Whoa! Wie kommen Sie nun hier her?“

„Ich nahm die vierte Option!“

„Das ist unfair!“

„Das war Ihre dritte auch!“

„Nur eine Lebend-Option ist unfair!“

„Da haben Sie recht, aber so ist das Leben!“

„Nun denn, Sie haben mich. Darf ich mir wenigstens meinen Hut aufsetzen?“

„Wenn Sie sich beeilen. Ich habe nicht soo viel Zeit!“

Im gleichen Moment bereute der Fremde seine Erlaubnis. Jhon bewegte den Hut in einer schwungvollen Bewegung, zu seinem Kopf, sodass des Fremdens Blick kurz verdeckt blieb – doch das reichte. Jhon war weg. Der Fremde war außer sich.

„Nein! Irgendwo muss er doch sein!“

Nachdem er kurz hin und her geschaut hatte, sprach er fremdklingende Verse, und der gute Jhon war wieder sichtbar – an der nächsten Kreuzung! Doch eine Teleportation später hatte der Fremde ihn fest im Griff. Jhon fiel es schwer zu atmen.

„Ich hoffte, dass ich es nicht verwenden müsste..“

Der Illusionist zog mit einer schnellen Handbewegung ein Messer aus seiner Jackentasche und rammte es dem Fremden in dem Bauch. Dieser zuckte kurz und ließ ihn los. Jhon konnte einige Schritte weit laufen, doch der Fremde war ihm dicht auf den Fersen. Dieser hatte einen rot schimmernden Trank aus einer kleinen Fiole getrunken und schien wieder bei Kräften zu sein. Die Verfolgung ging erneut über ein paar Hausecken, bis sie wieder beim Haupteingang des Theaters waren. Dort oben, am Eingangstor, stand Jhon, schwer atmend, mit angespanntem Bogen, und zielte auf den Verfolger.

„Ich glaube nicht, dass es nötig ist, mich nach dem Stick auch noch zu erschießen! Ich muss zugeben, Sie werden immer interessanter für uns! Ein Illusionist und Beschwörer, der ein Waffenarsenal bei sich trägt oder in seiner Umgebung versteckt hält, und sich meinem Griff in Sekunden entwunden hat! Was ist Ihr Geheimnis?“

„Jetzt stelle ich die Fragen! Ich stehe über Ihnen!“

„Gut. Fragen Sie!“

„Für wen arbeiten Sie?“

„Meine Organisation. Wir sammeln Magier in aller Welt, die für unsere Ziele arbeiten. Illusionisten haben wir schon einige, ebenso Aufklärungs- und Kampfmagier wie mich, aber Beschwörer ... Ich bin in Ihre Vorstellung gegangen, weil es ein Plakat gab, dasBesuch aus einer fernen Welt versprach!“

„Warum ich?“

„Weil Sie Portale zu anderen Welten bilden können! Wer das kann, kann auch innerhalb der Welt Zugänge schaffen, wo keine möglich sind.“

„Woher wollen Sie wissen, dass es kein Trick war? Ich bin Illusionist, Schowmagier, Unterhaltungszauberer. Nennen Sie es, wie Sie wollen, aber ich kann keine Portale schaffen!“

„Und wie erklären Sie dann, was Sie vorgeführt haben? Die Tiere, die zu uns kamen, die wir angreifen konnten?“

„Sie sagten es doch selbst: Ein Zauberer verrät nie sein Geheimnis!“

Der Fremde ging einige Schritte nach oben.

„Keinen. Schritt. Weiter!“

Jhon spannte den Bogen noch weiter.

„Noch ein Schritt, und ich schieße!“

„Dann wird es wohl kein Schritt!“

Der Fremde teleportierte sich ein letztes Mal zu Jhon. Doch als er materialisierte, spürte er einen stechenden Schmerz in seinem Bauch. Der Pfeil konnte ihn doch nicht getroffen haben! Als er hinunter schaute, sah er die Metallstange, die ihn durchbohrte. Blut rannte aus der Wunde und er merkte, wie er langsam schwächer wurde. Das letzte Elixier hatte er schon aufgebraucht...

Jhon ließ den Fremden am Boden zurück, holte den unsichtbaren Koffer und eilte nach Hause. Wenn sie ihn so fanden, konnten sie ihn überall finden!

(Der Illusionist; Parallelwelt, Zweitwelt)

#11 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Teja 22.01.2020 21:41

avatar

@Nharun Sind das tatsächlich „nur“ Erinnerungen oder gibt es auch eine optische Komponente, wie man es sich meist bei Illusionen vorstellt?

@Elatan An so etwas Ähnliches, wie Schmerzen verschleiern, dachte ich auch im ersten Moment. Brauchen Illusionen in deiner Welt denn eine „Leinwand“ (den kranken Löwn zB) oder funktionieren sie auch ganz allein?

@Gerion Eine wirklich traurige Geschichte!

#12 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Nharun 22.01.2020 21:47

avatar

@Chrontheon Eine interessante Geschichte! Der Anwerber hat eine Augenklappe oder?



Zitat von DrZalmat im Beitrag #9
Die Dinger wären toll, damit könnte man Sachen die in zig Leben passen würden erleben, das hätte schon was... wo kann man die kaufen?
Sind diese Erinnerungen IRL genauso lang wie im Kopf? Also... Wenn die Erinnerung 10 Minuten lang ist muss ich dann 10 Minuten das Ding benutzen? Oder ist das eher wie in Träumen und so dass man in einer Minute ein halbes Leben erleben könnte...


Das kommt auf die Machart der Einnerung an, es gibt durchaus welche in denen man 1 zu 1 miterlebt, was gerade passiert (bspw. bei den meisten pornographischen Samprea) und dann "Zusammenschnitte", die unseren Filmen dann recht nahe kommen.

Zitat von Teja im Beitrag #11
Sind das tatsächlich „nur“ Erinnerungen oder gibt es auch eine optische Komponente, wie man es sich meist bei Illusionen vorstellt?


Es sind nur Erinnerungen, aber das erlebte wird oft durch Illusionen und technische Tricks aufgepeppt, während die Erinnerungen produziert werden. Dabei sind Illusionen oft das Mittel der Wahl, weil technische Tricks durch den Zuschauer leicht entlarvt werden können; allerdings findet man letzteres oft in den Pendants unserer B-Movies.

#13 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von DrZalmat 22.01.2020 21:54

avatar

@Chrontheon

Interessante Geschichte... ich bin neugierig ob das nun eine Illusion war oder wirklich ein Portal zu einer anderen Welt... aber ich denke mal das verrätst du nicht?

#14 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Elatan 22.01.2020 21:59

avatar

@Nharun: Das klingt wirklich toll. Wann wird sowas hier mal eröffnet? :D
@Teja: Urgh, miese Viecher, aber sehr interessant, gerade weil du die Frage offengelassen hast, woher sie denn wissen, was die Opfer lockt.
@DrZalmat: Du hast die Geschichte mal erwähnt, aber wie du sie hier nochmal so ausführlich erzählt hast, gefällt mir sehr gut. Ein trauriges und zum Nachdenken anregendes Ende, das jedoch nicht völlig bitter ist.
@Chrontheon: Ich mag deine Dialoge und den Humor in ihnen immer! Aber es wäre bei so langen Dialogen vielleicht mal besser, ab und zu ein ", sagte XYZ" ranzuhängen. Sehr schön! :D

---

Zitat von Teja im Beitrag #11
Brauchen Illusionen in deiner Welt denn eine „Leinwand“ (den kranken Löwn zB) oder funktionieren sie auch ganz allein?

Sie funktionieren auch allein, aber mit einer "Leinwand" geht es dann doch einfacher; ist ja auch leichter, sich vorzustellen, man habe ein Schwert in der Hand, wenn man nur mit einem Besenstil rumrennt.

Zitat von DrZalmat im Beitrag #9
Wo ist denn die Grenze zwischen Illusion und Geistesbeeinflussung? Oder ist das ein großer Mischmasch

Das kann man nicht so wirklich trennen.

#15 RE: Einhunderteinundzwangzigstes Speedbasteln am 22. Januar 2020 von Teja 22.01.2020 22:01

avatar

@Chrontheon Eine unheimliche Organisation. Das ging aber recht schnell von "Nette Vorstellung" zu "Komm mit uns oder stirb".

Xobor Forum Software von Xobor
Datenschutz