#1 Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020: Adoption von Nharun 15.04.2020 23:01

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Wenn ihr auch genug von den ganzen Pandemienachrichten habt, gönnt euch eine Auszeit, kommt ab 20 Uhr in den Chat oder wartet bis um 20:30 Uhr das Thema verkündet wird, um eine Stunde euren Geist auf andere Dinge zu fokussieren!

#2 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Elatan 17.04.2020 20:29

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Das Thema lautet: Adoption!

#3 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Nharun 17.04.2020 21:14

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Beidrachinge

Die Beidrachinge bezeichnet die Annahme eines Kindes durch einen Horger. Obwohl diese Praxis seit Jahrhunderten üblich war, ist die Beidrachinge in Arbeskire erst seit knapp 70 Jahren gesetzlich geregelt: Ein Horger muss mindestens 30 Jahre alt sein und von seinem eigenen Horger kumbe Feinna (~mit Auszeichnung) entlassen worden sein. Das Kind darf nicht jünger als 6 und nicht älter als 12 Jahre alt sein und muss dasselbe Geschlecht wie der Horger haben. Ohne Rechers Zellinge („richterliches Urteil“) muss die Beidrachinge im Einverständnis mit den leiblichen Eltern (oder dem bisherigen Horger) erfolgen. Die Beidrachinge kann vor Gericht besiegelt werden, es zählt jedoch auch die Irminge („Urarmung“) in Anwesenheit von mindestens einem anderen Horger und einem leiblichen Elternteil. Obwohl es gesellschaftlich nicht sonderlich geachtet ist, ist es einem Horger erlaubt sein eigenes leibliches Kind durch die Beidrachinge als Tiner anzunehmen.


Durch die Beidrachinge erhält der Horger die Erziehungsgewalt (Tüchtreng) über das Kind, während die Erziehungsgewalt der leiblichen Eltern erlischt; die Verwandtschaft zwischen dem Kind und seinen leiblichen Eltern spielt ab diesem Zeitpunkt (rechtlich und größtenteils auch sozial) keine Rolle mehr. Das nun zum Tiner gewordene Kind besitzt einen Anspruch auf Unterkunft, Versorgung und Ausbildung – wobei die Mindeststandards für diese Punkte jeweils durch eigene Erlässe des arbeskirischen Königs gesetzt sind.


Ein Tiner kann frühestens mit 24 aus der erzieherischen Obhut seines Horgers entlassen werden und hat Anspruch auf ein Gitücht (~Abschlusszeugnis). Eine Ausnahme besteht in der Kastautinge („Wegstoßen“), durch die ein Horger einen mindestens 16 Jährigen Tiner vorzeitig und ohne Gitücht aus seiner Obhut entlassen kann, wodurch der Tiner jedoch alle Ansprüche gegen den Horger verliert und ohne Gitücht in der arbischen Gesellschaft einen schweren Stand hat; sie ist im Prinzip das Gegenstück zur Beidrachinge.


Obwohl ein Tiner durch die Beidrachinge die Rechte auf Unterkunft, Verpflegung und Ausbildung erhält, ist rein rechtlich beinahe so gestellt wie ein Traller, da die Erziehungsgewalt (Tüchtreng) des Horgers so umfassend ist, wie die Verfügungsgewalt (Nütreng) eines Ucher (Status eines freien Arben, der Treller besitzt). Der Unterschied zwischen Traller und Tiner besteht vor allem darin, dass andere Mindeststandards für Verpflegung und Unterkunft bestehen und Traller keinen Anspruch auf eine Ausbildung besitzen. Ein Asger (freier Arbe) kann nur dann zu einem Traller werden, wenn er nicht unter der Obhut eines Horgers steht oder kein Getücht vorweisen kann; womit vor allem durch die Kastautinge Verstoßene sich manchmal freiwillig dazu entschließen Traller eines Ucher zu werden.

Während andere Länder immer wieder den Vorwurf erheben, dass Horger über ihre Schützlinge auch sexuell verfügen, ist dies im Gesetz zur Beidrachinge ausdrücklich verboten, wie auch durch das allgemeine Nideralum-Gesetz („Kinderschild“, ~Kindesschutzgesetz). Nährboden für diese Vorwürfe sind vor allem Berichte über antike Praktiken, die bei den Arbaren jedoch bereits in der Klassik abgeschafft wurden, und zum Teil auch Annahmen aufgrund des sklavenähnlichen Status der Kinder (Denn während in Arbeskire der Nideralum auch für Kinder-Treller gilt, gibt es entsprechende Schutzgesetze nicht in allen modernen Staaten).

#4 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Teja 17.04.2020 21:18

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Adoption bei den Zoveri


Zoveri bevorzugen kleine Gemeinschaften, die auf engem Raum zusammenleben und wenig Einfluss auf ihre Umgebung haben. Natürlich hat jeder einzelne Bau einen ernormen Einfluss auf die Umgebung, da die Zoveri Terraformer sind und ihre Umwelt ständig verändern. Der Gedanke fußt eher darauf, dass sie in der Zukunft, sobald ihre Biosphäre sich selbst regulieren kann, möglichst wenig Einfluss auf sie nehmen möchten.

Eine Konsequenz aus dieser Lebensweise ist, dass junge Zoveri recht abgeschottet aufwachsen. Natürlich habe sie trotzdem Zugriff auf Datenbanken, Nachrichten und Kommunikation mit der Außenwelt. Aber es kommt nur äußerst selten vor, dass junge Leute vor der Volljährigkeit die unmittelbare Umgebung ihres Baus verlassen. Ihre Welt bleibt damit zwangsweise auf ein Dorf beschränkt.

Ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens ist jedoch die Orientierungsreise. Dabei wird von den jungen Leuten erwartet, dass sie ihren Bau verlassen und ihre Nachbarn besuchen. Da es vielerorts auch keine befestigten Wege oder nur sehr wenige Fahrzeuge gibt, legen die jungen Zoveri viele Strecke zu Fuß zurück und müssen in der noch jungen Biosphäre überleben können.

Sind sie erst einmal bei den Nachbarn angekommen, wird dort groß gefeiert. Besucher sind selten und Gäste sind – wie fast überall im Universum – eine gern gesehen Abwechslung vom Alltag. Dabei bringen die jungen Leute für gewöhnlich auch Nachrichten und kleine Geschenke mit.

Wie viele fremde Baue ein junger Zoveri besucht, bevor er nach Hause zurückkehrt, bleibt ihm selbst überlassen. Manchmal reisen die jungen Leute in Gruppen, manchmal allein. Manchmal treffen sich mehrere solcher Gruppen und mischen sich neu. Allen gemeinsam ist, dass die jungen Leute eine Weile umherziehen und neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln, bevor sie nach Hause zurückkehren oder sich andernorts niederlassen.

Die zweite Möglichkeit ist jedoch mit ein paar Hürden verbunden. Normalerweise begrüßen die Zoveri den Austausch, doch wenn es darum geht, dass jemand sein Leben in ihrem Bau verbringen möchte, sind sie ein wenig vorsichtiger. Die Gemeinschaft lebt auf engem Raum zusammen und alle müssen miteinander auskommen. Mehr noch, sie müssen sich im Notfall absolut aufeinander verlassen können, denn Hilfe ist oft sehr weit weg.
Durch ihre Abgeschiedenheit entwickeln die einzelnen Baue auch noch ganz eigene Traditionen, die auf den ersten Blick of undurchsichtig sind. Ein junger Mensch, der sich einem Bau anschließen will, muss also erst einmal beweisen, dass er dazu passt.

Wie genau sich die Aufnahmezeremonie gestaltet, ist von Bau zu Bau verschieden. Einige Elemente sind jedoch fast überall gleich. Zunächst einmal muss der Neuzugang zeigen, dass er es wirklich ernst meint und eine Weile im neuen Bau leben. Dabei teilen ihm die Einheimischen meist ungeliebte Aufgaben des täglichen Lebens zu, die trotzdem erledigt werden müssen. Als nächstes erzählt man ihm über die Geschichte es Baus – wichtige Persönlichkeiten und Errungenschaften, wie der Bau seine Landschaft pflegt und einiges mehr. Außerdem muss sich der Neuling in den oft labyrinthartigen Gängen des Baus zurechtfinden können.

Nach einer Weile, wenn die Ältesten der Meinung sind, dass er genug Schabernack ertragen hat, wird der Neuling zu einer Versammlung gerufen. Dort muss er noch einmal vor dem gesamte Bau bekräftigen, dass er wirklich sein Leben dort verbringen möchte. Dann muss er über den Bau, seine Bewohner und seine Geschichte sprechen und Fragen beantworten, um zu zeigen, dass er alles wichtige gelernt hat. Darauf folgen einige Rituale, in denen der Neue zeigt, dass er sich an die Gepflogenheiten des Baus angepasst hat. Dazu gehören oft Essen, Trinken und allerlei Späße, die im Verlauf einer langen Feier mit immer weniger Ernst einhergehen.

Übersteht der Neuling all diese Dinge, gilt er offiziell als adoptiert in seinem neuen Bau.

#5 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Elatan 17.04.2020 21:25

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Vorschlag zur Stärkung der königlichen Familie


»Erlauchte Herren des kleinen Rates unseres geliebten Königs Korodulin,

wie ich hörte und ahnte, ist nun die Zeit gekommen, dass unser junger Herr den Bund der Ehe eingeht, auf dass aus diesem Nachfolger entspringen werden, welche dereinst unser Reich schützen und regieren werden. Es ist keine große Überraschung für mich gewesen, als ich vernahm, dass des Königs ältere Schwester als die geeignetste Kandidatin angesehen wird. Das Blut des Königshauses muss natürlich rein gehalten werden – niemand, der Ladorien liebt, wird etwas anderes behaupten. Doch hoffe ich, dass Ihr mir verzeiht und meine Worte nicht als Frevel anseht, wenn ich darum bitte, von dieser Idee Abstand zu nehmen. Kein Volk Arens erlaubt Ehen zwischen derart engen Verwandten, wie es unserem König geboten wird, da es sich gezeigt hat, dass die Kinder, welche aus solchen Verbindungen hervorgehen, zu oft klägliche und kränkelnde Kreaturen sind, die nicht selten, wenn sie denn wenigstens körperlich gesund erscheinen, so doch geistig verkümmert sind. Ich will nicht behaupten, dass dies auch in der Linie unserer Könige zu sehen sei, denn sie waren allesamt auf ihre Weise großartige Herrscher mit Hilfe ihres Rates. Doch wenngleich unser König in direkter Linie vom Sentar Pejarur abstammt, so wurde doch zu häufig schon dieses Blut durch das einfacher Menschen in der Vergangenheit verwässert, sodass für unsere Königsfamilie nahezu die gleichen Regeln gelten wie für einfache Sterbliche. Hätten wir bereits vor Jahrhunderten so gehandelt, wie jetzt, und nur innerhalb der Königsfamilie heiraten gelassen, so wäre es uns nun auch möglich, weiterhin dies zu tun und wir würden wahrlich die größten Herrscher dieser Welt hervorbringen; überlegen sogar den Elbenkönigen und Acatur.

Doch gibt es vielleicht eine Möglichkeit, die alle zufriedenstellen könnte: Die Adoption einer edlen Jungfrau aus hohem Hause durch unseren König, sodass diese seine Tochter sei, wäre natürlich völlig sinnlos, wenngleich es tatsächlich Völker gibt, welche adoptierte Kinder mit leiblichen auf eine Stufe stellen. Doch gibt es eine Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen sollten, und auf die ich stieß, als ich mich mit einem Händler aus Estanyor unterhielt. Der Mann sagte mir, er stamme aus einfachsten Verhältnissen, sei aber in jungen Jahren bei einem erfolgreichen Fernkaufmann in die Lehre gegangen, der selbst Zeit seines Lebens kinderlos blieb und ihn aufzog, wie einen eigenen Sohn. So kam es, dass er seinen Schützling, als sicher war, dass seine Frau ihm nie eigene Kinder schenken würde, adoptierte. Doch eine solche Adoption verläuft in Estanyor anders, als es hier in Ladorien der Fall ist. So schneiden sich in Estanyor diejenigen, welche als Eltern angenommen werden sollen, und jene, welche adoptiert werden, mit geweihten Messern in die Hände und vermischen ihr Blut miteinander, auf dass sie wahrlich sagen können, dasselbe Blut fließe durch ihre Adern.

Wäre dies nicht auch die Lösung für unser Problem? Unser Königtum könnte hierdurch grundlegend gestärkt werden. Wir müssen den Mut haben, die alten Wege zu verlassen, um mutig in die Zukunft voranschreiten zu können. Ist nicht das von den Kindern Pejarurs beherrschte Ladorien das Land, welches dazu bestimmt ist, an der Spitze Arens zu stehen?«

Dieser Brief des Gelehrten Istarun von Dizarudas sorgte für seine Festnahmen und Hinrichtung aufgrund von Gotteslästerung, Majestätsbeleidigung und Hochverrat. Er erlebte somit die Hochzeit König Korodulins VII. mit seiner Schwester Selante nicht mehr mit.

#6 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Nharun 17.04.2020 21:31

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Die Speedbastelstunde ist für heute um, aber Beiträge werden natürlich immer noch adoptiert!

#7 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Teja 17.04.2020 21:32

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Hier sind meine Lobsbeeren: Ganz frisch und zur Adoption freigegeben!

@Nharun n Sehr schön, jetzt kenne wir auch den rechtlichen Hintergrund für die Horger – Tiner – Beziehung. Leben die leiblichen Eltern denn zusammen, bis das Kind dem Horger übergeben wird? Ist es Tinern gestattet, selbst Kinder zu haben oder dürfen die das erst, wenn sie ihr Gitücht erhalten haben? Interessant ist ja auch, dass Tiner hier rechtlich eher mit Trallern gleichgesetzt werden. In unserer Gesellschaft haben Eltern ihren Kindern gegenüber ja auch gewisse Recht, auch wenn hier niemand das mit Sklaverei vergleichen würde.
@Elatan atan Die hätten mal lieber auf Istarun hören sollen, Geschwisterehen führen auf Dauer nie zu was gutem! Andererseits verständlich, wie kann er nur den edlen König mit einem gewöhnlichen Fernhändler vergleichen. Wie erging es denn der Linie von Korodulin? Da er schon Nummer 7 ist, kann es ja so schlecht nicht gelaufen sein mit seinen Vorfahren.

#8 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Nharun 17.04.2020 21:36

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@Teja Mit gefällt dein Beitrag, vor allem weil er durch seine Lockerheit und die Lebensfreude, die im Adoptionsritual der Zoveri zum Ausdruck kommt, meinem trocknen, nur beschreibenden und viel auf Gesetz und Begrifflichkeiten herumreiten Beitrag so entgegengesetzt ist. Dieses kleine Detail in der Zoverikultur macht sie sehr sympathisch!
@Elatan Adoptivkönige ... das kann doch nicht funktionieren Ein sehr schöner Brief - hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich die Namensgebung deiner Welt total toll finde? - der unter dem Thema viele subtile Einblicke in die Kultur erlaubt!

#9 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Elatan 18.04.2020 12:28

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@Nharun: Wurde durch dieses Gesetz gängige Praxis eigentlich nur nochmal verschriftlicht, oder brachte es auch Änderungen mit sich; wurde also (in den Augen des Gesetzgebers) notwendig, um Missstände zu beseitigen? Ist diese Auszeichnung etwas, das eigentlich "jeder" bekommt oder schon etwas besonderes?
@Teja: Dieser Beitrag über die Zoveri hat mich jetzt wirklich nochmal richtig neugierig auf sie gemacht und ich hoffe, in Zukunft noch mehr über sie zu erfahren. Z.B. wie die Baue denn genau aussehen. Vielleicht könntest du auch mal eine Alltagsgeschichte über einen Zoveri (vielleicht so einen wandernden Jugendlichen) schreiben.

Zitat von Teja im Beitrag #7
Wie erging es denn der Linie von Korodulin? Da er schon Nummer 7 ist, kann es ja so schlecht nicht gelaufen sein mit seinen Vorfahren.

Das ging mal besser und mal schlechter. Manchmal starb eine Linie auch schon aus und dann wurde es notwendig nachzuverfolgen, wer jetzt nach seiner Abstammung die Königswürde erhalten sollte. Manche Könige nahmen es mit dem "Blut reinhalten" auch nicht so ernst, wofür ihnen ihre Nachfahren schon dankbar sein können. Dass hier Korodulin VII. erwähnt wird, bedeutet übrigens nicht zwingend, dass er direkt von Korodulin I. abstammt. Verwandt wird er wohl sein, aber das kann auch bedeuten, dass sie einen gemeinsamen Vorfahren haben.

#10 RE: Einhundertdreiunddreißigstes Speedbasteln am 17. April 2020 von Nharun 18.04.2020 13:39

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Zitat von Teja im Beitrag #7
Leben die leiblichen Eltern denn zusammen, bis das Kind dem Horger übergeben wird?


Die Mirne (~"Ehe") ist im modernen Arbeskire eine Fortpflanzungsgemeinschaft, die normalerweise damit endet, dass das gezeugte Kind in die Obhut eines Horgers übergeht. Mit der rechtsgültigen Mirne ist der Anspruch auf Unterkunft in einem Mirnhûs (das ist quasi eine Art Stundenhotel für Paare) an einer bestimmte Anzahl von Tagen im Monat verbunden; die Eltern können aber, wenn sie es wünschen und sich leisten können auch während dieser Zeit zusammen wohnen, das ist gesellschaftlich akzeptiert, auch wenn es manchmal ein wenig argwöhnisch beäugt wird (quasi so wie Alleinerziehende Mütter im Deutschland der 60er oder 70er Jahre als etwas fremd betrachtet wurden). Der Vater ist jedenfalls unterhaltsverpflichtet, sowohl gegenüber dem Kind als auch der Frau, die ihrem Beruf in der Zeit nicht nachgehen kann; es gibt auch staatliche Förderungen.
Was ich in meinem Text oben vergessen habe ist das Mirngalla, die staatliche Geldprämie, welche die Eltern erhalten, wenn sie ihr Kind einem Horger gegeben haben. Mit dem Erhalt des Mirngalla wird die Mirne auch formell beendet (wenn nicht wieder ein neues Kind im Spiel ist).
Die meisten Arben leben nicht zusammen, wenn das erste Kind im Spiel ist. Nur wenn sich ein Paar sich fürs Brüdling (also das Kinderkriegen in kürzeren Abständen, so dass die Mutter schon wieder mindestens ein Kind <6 Jahre hat, wenn ein Kind dem Horger übergeben wird) entscheidet, ziehen Mann und Frau für gewöhnlich zusammen; meist mit dem Mirngalla des ersten Kindes.

Zitat von Teja im Beitrag #7
Ist es Tinern gestattet, selbst Kinder zu haben oder dürfen die das erst, wenn sie ihr Gitücht erhalten haben?


Dass Tiner Kinder bekommen ist eigentlich nicht erwünscht, in Anbetracht der Tatsache, dass sich dieser Status aber über unsere Teenager-Zeit bis hinein ins junge Erwachsenenalter erstreckt, kommt es durchaus vor. Die Arben haben ja eine sehr freizügige Gesellschaft, in der Sex nicht so tabuisiert ist, und obwohl es Verhütungsmittel gibt, kommt es so immer wieder mal zu Tiner-Schwangerschaften. Das Problem hier ist, dass Tiner aufgrund des Nideralum nicht die Mirne eingehen dürfen; d.h. es gibt hier keinen Anspruch auf gemeinsame Elternzeit. Das Kind verbleibt, da Abtreibungen bei den Arben im Allgemeinen verboten sind, mit der Mutter im Haushalt ihres Horgers und dieser besitzt die Tüchtreng für das Kind. Eine Horger ist verpflichtet, wenn eine ihrer Tiner schwanger ist und ein Kind zur Welt bringt besonders für beide zu sorgen; der Horger des Vaters ist vom Gesetz her zu nichts verpflichtet, aber es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass der Horger des Vaters die Horger der Mutter finanziell unterstützt.

Erst mit dem Gitücht werden Arben "ehefähig", also berechtigt die Mirne einzugehen. Daher können "Verstoßene", die es schon schwer genug haben einen Job zu finden, sich auch nicht so einfach als Brüder ein Leben aufbauen.

Zitat von Teja im Beitrag #7
Interessant ist ja auch, dass Tiner hier rechtlich eher mit Trallern gleichgesetzt werden. In unserer Gesellschaft haben Eltern ihren Kindern gegenüber ja auch gewisse Recht, auch wenn hier niemand das mit Sklaverei vergleichen würde.


Diese Gleichsetzung klingt ersteinmal schlimmer, als sie für die Arben ist. Von den modernen Sklavenhaltern haben die Arben mit ihren Trellern noch die "angenehmste" Form der Sklaverei, zumindest insoweit man Sklaverei natürlich überhaupt als "angenehmer" bezeichnen kann. Aber während einige moderne Staaten in ihren Sklaven noch immer Objekte, Besitztümer oder etwas wie Haustiere (wie bspw. die Arvelier) sehen, ist es bei den Arben so, dass Sklaven eher als "Kinder" angesehen werden: Sie dürfen Entscheidungen nur in dem Rahmen treffen, den ihr Ucher ihnen gestattet, aber ihnen wird ein eigener Wille durchaus zugestanden; wie bei Eltern gibt es auch unter den Üchern strengere und weniger strenge. Aber ein Traller darf nicht einfach so getötet, gefoltert oder Zucht eingesetzt werden, darf selbst entscheiden ob er Sex mit jemandem haben möchte und hat, wie erwähnt, einen Anspruch darauf versorgt und untergebracht zu werden. Treller sind, gerade in der Moderne, in erster Linie "von einer anderen Person abhängige" und daher liegt es für die Arben nah, das Kinder, Tiner und Treller in etwa den gleichen Rechtsstatus haben.



Zitat von Elatan im Beitrag #9
Wurde durch dieses Gesetz gängige Praxis eigentlich nur nochmal verschriftlicht, oder brachte es auch Änderungen mit sich; wurde also (in den Augen des Gesetzgebers) notwendig, um Missstände zu beseitigen?

Hier wurde im Großen und Ganzen die gängige Praxis verschriftlicht, aber dadurch auch einige "Kann-muss-aber-nicht" in verbindliche "Muss" geändert. Während des oben beschriebene System so in etwa schon 200 Jahre funktionierte, hat das Gesetz verbindlich festgelegt, dass nur Arben, die ihre Ausbildung mit Auszeichnung bestanden haben, selbst ausbilden dürfen; oder das Mindestalter für Horger, aber auch für anzunehmende Kinder. Da wurde manchmal eben Schmu betrieben.


Zitat von Elatan im Beitrag #9
Ist diese Auszeichnung etwas, das eigentlich "jeder" bekommt oder schon etwas besonderes?

Das kumbe Feinna ist schon etwas Besonderes und hat etwa den Stellenwert eines Meister-Titels. Horger sind ja in der Regel auf eine bestimmte Ausbildungsrichtung spezialisiert und mit anderen Horgern ihrer Ausbildungsrichtung in einer Art Gilde oder Innung verbunden, die jeweils Regeln dafür aufstellt, wann das kumbe Feinna verliehen werden kann. Wie ich oben schrieb, kann ein Tiner frühestens mit 24 die Obhut seines Horgers verlassen, um das kumbe Feinna zu erreichen, bleiben manche aber noch länger in der Obhut. Ein guter Horger kann seine Tiner ja einschätzen und erahnen, aus wem mal ein guter Horger werden könnte und aus wem eher nicht, so dass üblich ist, dass ein Horger die meisten seiner Tiner ohne das kumbe Feinna entlässt und nur einzelnen anbietet, weiter da zu bleiben, um diesen Abschluss mitzunehmen.

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