#1 Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Nharun 25.05.2020 23:40

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Okay, magische Miesmuschel: dann Mittwoch ab 20.30 um Forum bzw ab 20.00 zur Themenbesprechung im Chat!

#2 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Teja 27.05.2020 20:30

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Es wird Zeit für Ungezieferbekämpfung!

#3 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Nharun 27.05.2020 21:22

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Nekker

Wer im Arbischen einmal einen Streifzug durch die Plantagen der Steinfruchtbäume gemacht hat, dem sind mit Sicherheit die kleinen Holztotems aufgefallen, die von den Ästen der Bäume herabhängen. Diese Totem sind sogenannte „Nekker“ und sie dienen nicht etwa der Zierde, sondern haben einen ganz praktischen Verwendungszweck. In die holen Totems wird im Frühjahr eine Mischung aus Honig und getrockneten Rotkappenpilzen gegeben, um einen Befall der Steinfruchtbäume mit den Raupen des Vielaugenkäfers zu verhindern. Obwohl die Raupen sich normalerweise über die Blüten des Steinfruchtbaumes hermachen, werden sie von der Honig-Pilzmischung wie magisch angezogen – und verenden dann in den Totems, da die Rotkappenpilze für sie giftig sind.
Die Tradition dieser Nekker ist so alt, dass „Nekker“ auch im Sprachgebrauch der Arben verwurzelt ist. Er bezeichnet umgangssprachlich einen gutaussehenden jungen Mann oder eine gutaussehende Frau, die Ärger bedeutet, wenn man sich mit ihr einlässt. Das von Nekker abgeleitete Verb „nekken“ bedeutet auch „jemanden in die Irre führen“, „ginekkd“ werden auf etwas hereingefallen zu sein.
Für den Ursprung des Wortes nimmt man man, dass es ein Kompositum aus „njek“ (Honig) und „kir“ (Mann) ist.

#4 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Teja 27.05.2020 21:23

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Die Klangrohrschläger von Dzagot


In der Provinz Hochfels, ganz im Norden von Mitka, liegt die Stadt Dzagot. Dort gibt es einen Brauch, der für die Südländer äußerst seltsam anmutet. Überall in der Stadt sind lange Rohre im Boden vergraben, manche aus Holz, in den reicheren Viertel auch aus Metall. Die Rohre senkrecht vergraben und werden während der kalten Jahreszeit oder bei schlechtem Wetter sorgfältig zugedeckt.

Zwischen der Frühlings- und der Herbstintermisse ziehen viele Wanderarbeiter in die Stadt, um dort einer Tätigkeit nachzugehen, wie man sie nirgends sonst findet. Diese Wanderarbeiter sind Klangrohrschläger. Sie stellen sich allein oder zu zweit neben die Rohre und schlagen mit großen Holzhämmern darauf ein. Passanten werfen ihnen dafür Münzen zu oder geben ihnen zu Essen und zu Trinken. Gerade während der heißen Jahreszeit sitzen oft mehrere Klangrohrschläger um ein einziges Rohr herum, da es für einen einzelnen Mann zu anstrengend wäre, Tag und Nacht den Hammer zu schwingen. Und sie schwingen ihn Tag und Nacht! Die Kakophonie ist kaum zu ertragen! Die Einheimischen stopfen sich wohl die Ohren zu, um schlafen zu können bei diesem Lärm.

Trotzdem beschwert sich niemals jemand über die Klangrohrschläger, obwohl die Schläge keinem erkennbaren Rhythmus folgen und die Töne der Rohre nicht aufeinander abgestimmt sind, so dass es oft zu Missklängen kommt. Jeder Einheimische weiß, dass dieser Lärm absolut notwendig ist für die Stadt.

In grauer Vorzeit, so wird erzählt, soll einst ein einsamer Wanderer zum Fürsten von Dzagot gekommen sein und diesen um Almosen gebeten haben. Der Fürst jedoch war ein kaltherziger Mann und ließ den Wanderer hinauswerfen. Doch war dies kein gewöhnlicher Mann. Er griff in seinen Mantel und zog eine Handvoll Samenkörner hervor, die er in die Stadt warf. „Dein Hochmut soll dein Untergang sein!“ rief er, bevor er von dannen zog. Der Fürst lachte, den was sollten ein paar Körner seiner mächtigen Stadt schon anhaben?

In der Nacht jedoch schlüpften Maden aus den Samenkörnern und fraßen sich in den festen Stein hinein. Mit jeden Tag fraßen sie sich tiefer und der feste Stein wurde brüchig und brach schließlich wie altes Laub, das man in der Hand zerreiben kann. Mauern verloren ihren Halt und ganze Häuser sanken einfach in sich zusammen. Der Fürst schickte Boten nach nah und fern, um den Wanderer zu finden, doch der war längst spurlos verschwunden. Dann schickte der Fürst seine Boten aus, um Hilfe zu suchen, doch auch die weisesten Gelehrten fanden kein Mittel, dass die Steinmaden vertreiben konnte.

Der Fürst sah bereits den Untergang seiner schönen Stadt vor sich, bis ihm schließlich jemand erzählt, dass es ein Haus in der Stadt gab, in dem keine Maden ihr Unwesen getrieben hatten: Es war das Haus eines Musikers, eines Trommlers, um genauer zu sein. Der Trommler war nicht gerade beliebt bei seinen Nachbarn, da in seinem Haus Tag und Nacht getrommelt wurde, doch als der Fürst ihn besuchen ging, erkannte er schnell, das es eben dieser Lärm war, der die Maden fern hielt.

Der Fürst befahl sodann, in der ganzen Stadt Trommeln zu verteilen und ständig zu spielen, damit die Maden wohl vertrieben würden.

So erzählt man zumindest. Fakt ist, dass diese besonderen Maden im Winter ruhen und nur im Sommer ihr Unwesen treiben. Lärm hält sie jedoch tatsächlich fern und so kommen die Klangrohrschläger in die Stadt um genau diesen Lärm zu erzeugen.

#5 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Elatan 27.05.2020 21:30

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Sieg und Ende


Kushnuk jubelte. Nach drei Jahren des Krieges hatten sie es endlich geschafft, die Feinde vom Himmel zu besiegen. Das letzte ihrer Eisenschiffe hob nun vom Boden ab und flog zurück zu den Sternen, von wo es gekommen war. Kushnuks Volk hatte die Fremden, als sie kamen, freundlich empfangen. Viele von ihnen, unter ihnen auch Kushnuk und seine Verlobte Ipnik hatten geglaubt, sie wären Götter, doch es hatte sich rasch gezeigt, dass dies nicht stimmen konnte. Hätten Götter ihre eigenen heiligen Stätten so geschändet, mit ihren Eisenmonstern den Boden aufgerissen, auf dem der Prophet dereinst erleuchtet wurde? Die Kataka hatten die Fremden lange beobachtet und gesehen, dass die Fremden, die Bluten und Sterben konnten wie jedes Lebewesen, keine Götter sein konnten. Und schließlich hatte das Volk sich erhoben und versucht, die Fremden zu vertreiben. Es waren harte und verlustreiche Kämpfe. Steinschleudern gegen Blitzschleudern. Doch letztendlich waren die Kataka siegreich gewesen, denn sie hatten nie aufgegeben und sie kannten ihre Heimat. Sie griffen immer wieder aus Hinterhalten an und flohen dann wieder in die Schluchten und Tunnel. Und nun waren die Fremden fort. Kushnuk ergriff Ipniks Pfote und schaute in ihre großen, gelben Augen. Ihr Rüssel zuckte vor Glück.
»Ipnik«, sagte Kushnuk. »Nun ist der Krieg vor bei. Nun haben wir eine Zukunft.«
Ipnik trillerte und umarmte Kushnuk dann.
»Das haben wir in der Tat«, sagte sie, nahm seine Pfote und legte sie auf ihren Bauch. Kushnuk brauchte einen Moment, um zu verstehen, doch als er es tat, konnte er nicht anders als Ipnik hochzuheben und im Kreis zu wirbeln und sie beide trillerten, so wie es überall ihre Stammesbrüder und -schwestern taten.

»Sind sämtliche Minenarbeiter evakuiert?«
»Jawohl, Admiral.«
Admiral Pierre Cailot nickte und schaute aus einem der großen Fenster der Brücke. Der Planet, von dem sich gerade die letzten Fähren näherten, war ein größtenteils öder Felsbrocken und die Eingeborenen waren nicht mehr als Tiere – aggressive, wilde Tiere, die mehrere Arbeiter getötet hatten. Es wurden einige von ihnen eingefangen und Forschungseinrichtungen überlassen und es hatte sich gezeigt, dass sie recht zutraulich werden konnten. Aber bei einzelnen Individuen war es eben etwas anderes als bei einer ganzen Spezies, die in Rudeln von mehreren hundert Tieren lebten. Es würde ewig dauern und diese Zeit hatte das Unternehmen, welches den Planeten gekauft hatte, nicht. Daher war der Planet das ideale erste Ziel für das neue Schlachtschiff. Cailot drehte sich zu den Vertretern der Trappist Flottenwerften und einigen Mitgliedern der Admiralität um. Er war kein Mann großer Worte, aber irgendwas musste er nun sagen.
»Meine Herren, heute werden wir uns von der versprochenen Feuerkraft der neuen Salvator-Klasse ein Bild machen. Ich muss Ihnen nicht erzählen, dass diese Schlachtschiffe mit einer Länge von 1.900 Metern die größten der Flotte sein werden, wenn Sie heute von ihnen überzeugt werden. Nun denn.« Er drehte sich wieder zum Planeten um und gab den Feuerbefehl.

Das ganze Spektakel würde mehrere Stunden dauern, doch das, was innerhalb der wenigen Minuten geschehen war, in denen die Admiralität sich das Schauspiel ansah, reichten aus, um sie davon zu überzeugen, dass diese neuen Kriegsschiffe die Flotte immens stärken würden. Aufsässige Gegner würden gar nicht erst versuchen, sich gegen die Union zu wenden, wenn sie die Bilder der Zerstörung sahen, die ein einzelnes Schiff der Salvator-Klasse bringen konnte. Die komplette Oberfläche die Planeten würde zerstört sein und jedes Leben ausgelöscht. Das Bergbauunternehmen würde die wertvollen Erze und Edelsteine quasi nur noch aufsammeln müssen.

#6 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Teja 27.05.2020 21:31

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Und damit endet das heutige Speedbasteln. Alles Ungeziefer, dass nicht bekämpft wurde, frisst jetzt die Lobsbeeren!

#7 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Elatan 27.05.2020 21:44

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@Nharun: Eine schöne Erklärung für die Herkunft dieses Begriffs, gefällt mir! :D
@Teja: Das ist mal eine sehr coole Idee! Sind Steinmaden denn nur dort ein Problem?

#8 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Teja 27.05.2020 21:52

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@Nharun Das gute alte Mittel, die Schädlinge anzulocken und dann zu vergiften. Und dann verbindest du das auch noch mit Umgangssprache. Gefällt mir!
@Elatan Wie gemein! Die armen Kataka! Ich hasse deine Menschen!




@Elatan Steinmaden essen gerne bestimmte Gesteinssorten und sind durchaus überall im Eiszackgebirge verbreitet. Die Ereignisse in Dzagot, auf die die Sage sich bezieht, sind vermutlich eine Jahrhundertplage, die man so schnell nicht wiedersehen wird. Die Einwohner wollen aber verständlicherweise kein Risiko eingehen und sorgen daher lieber vor. Bei kleineren Siedlungen wäre ein Befall meist weniger verheerend, weil die selten mit Gestein bauen, sondern eher mit Holz, was einerseits leichter ist und andererseits auch keine Maden anzieht.

#9 RE: Einhundertachtunddreißigstes Speedbasteln am 27. Mai 2020 von Nharun 27.05.2020 22:52

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@Teja Das ist eine schöne Ursprungsgeschichte für diese Schädlingsbekämpfung und die Schädlingsart ist auch sehr interessant; Schädlinge, die Steinbauten gefährden sind bei uns ja nicht so alltäglich, sehr fantastisch

@Elatan Das ist ja furchtbar! So, nach dem Anschwall der Entrüstung: Ich mag deinen Beitrag, vor allem aufgrund seiner Zweiteilung. Und als Stellaris-Spieler kann ich die Strategie der Union durchaus nachvollziehen

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