#1 Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020: Ahnenverehrung von Elatan 09.10.2020 11:26

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Es geht endlich wieder los, aber:



Seid am Samstag um 19:00 Uhr im Chat zur Vorbesprechung! Das Thema wird dann hier um 19:30 Uhr bekannt gegeben und ihr habt eine Stunde Zeit zum Basteln. Wer es nicht schafft, muss Nachreichen, sonst wird noch mehr enttäuscht mit den Köpfen geschüttelt!

#2 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Nharun 10.10.2020 19:35

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Mach' deine Vorfahren stolz, das heutige Thema lautet: Ahnenverehrung

#3 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Nharun 10.10.2020 20:04

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Ahnenbeschwörung

Mutter der Verstorbenen, durch den Nebel rufe ich zu dir, ich bitte dich: Höre mich!

Mutter der Verstorbenen, ich bitte dich: Lass die Ahnen meine Einladung hören.

Mutter der Verstorbenen, gestatte mir durch den Nebel zu rufen und stärke meine Stimme:

Ihr Ahnen, höret mich: Vom Brot gebe ich euch und von der guten Milch, kommt zu mir.

Ihr Ahnen, höret mich: Von den Steinfrüchten gebe ich euch und vom süßen Honig, kommt zu mir.

Ihr Ahnen, hörte mich: Von den Rüben gebe ich euch und den würzigen Pilzen, kommt zu mir.

Sehet, Ahnen, ich bereite euch das Mahl der Lebenden, auf dass ihr euch Stärken möget.

Verschleierte Mutter, siehe, ich gebe dir von meinem Blut: Lass die Blutahnen mich besuchen.

Verschleierte Mutter, siehe, ich gebe dir von meinem Haar den geflochtenen Zopf: Lass die Horgerahnen mich besuchen.

Verschleierte Mutter, lüfte den Schleier und weise meinen Ahnen den Weg.

Schicke, oh Graumutter, mir die Ahnen von Blutvater und von Blutmutter.

Schicke, oh Graumutter, mir die Ahnen von Horgervater.

Ihr Ahnen, höret meine Stimme durch den Nebel schallen: Kommt zu mir, denn ich begehre euren Rat.

Ihr Ahnen, höret meine Stimme durch den Nebel schallen: Ich bin es, der euch beim Namen nennt und eure Taten erinnert.

Mutter der Verstorbenen, höre, ich habe jene, die vor mir waren, nicht vergessen:

Lass sie, oh Graumutter, zu mir kommen.

#4 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Elatan 10.10.2020 20:09

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Ahnenverehrung bei den Zwergen


Wenn es um Ahnenverehrung geht, dann sind die Zwerge die ersten, die einem in den Sinn kommen, obwohl sie keineswegs die einzigen sind, die sie praktizieren. Gerade in den Gebieten um das Högrykken-Gebirge – und damit den Regionen, die von den Zwergen besonders stark beeinflusst wurden –, war die Ahnenverehrung in früheren Zeiten häufig anzutreffen, wurde allerdings vom Sentarismus verdrängt. Dies heißt nicht zwingend, dass die Ahnen nicht mehr geehrt werden, denn auch im Sentarismus geht man davon aus, dass die Ahnen (im Jenseits) weiterleben, doch schwand der Glauben, dass die Ahnen noch tatsächlich Einfluss nehmen können.

Bei den Zwergen ist dies anders: Dort geht man davon aus, dass die besonders herausragenden Ahnen einen Platz bei den Göttern haben und so als Fürsprecher dienen können. Die Zwerge beten also nicht direkt zu ihren Göttern, sondern zu ihren Ahnen und bitten sie darum, ihre Wünsche und Sorgen weiterzuleiten. Das wichtigste bei der Verehrung der Ahnen ist, so banal es klingen mag, sie nicht zu vergessen. So werden Bücher geführt, in denen Namen, Taten, Charaktereigenschaften, Anekdoten etc. der Ahnen aufgelistet werden, um sie möglichst lebhaft in Erinnerung zu behalten. Ein weiterer Grund hierfür ist allerdings auch, dass die Zwerge fest an die Wiedergeburt glauben und mithilfe dieser Bücher herausgefunden werden soll, ob in einem Zwergenbaby ein anderer Zwerg wiedergeboren wurde; dies muss allerdings nicht zwingend innerhalb einer Familie geschehen, wenngleich dies der häufigste Fall ist. So soll einst ein Krieg zwischen zwei Sippen beendet worden sein, als der älteste Sohn des einen Sippenführers als Vater des Anführers der anderen Sippe erkannt wurde. Hinter vorgehaltener Hand wurde allerdings von einigen behauptet, dies sei lediglich ein Trick einiger unter dem Zwist leidender Außenstehender gewesen, um endlich für Ruhe zu sorgen.

#5 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Elatan 10.10.2020 20:34

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HAAALT STOP! Jetzt wird gelobst und nachgereicht!

#6 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Elatan 10.10.2020 20:39

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@Nharun: Die Beschwörung macht neugierig; wer ist die Graumutter?

#7 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Nharun 10.10.2020 22:06

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@Elatan Ein interessanter Beitrag! Ich würde gerne mehr darüber wissen, wie die Zwerge die Wiedergeburt feststellen




"Veliu muder" (Mutter der Verstorbenen), "Fâlmuder" (Graumutter) und "Gîhelja muder" (Verschleierte Mutter) sind Titel der Totengöttin Erkisa

#8 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Elatan 11.10.2020 23:20

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Zitat von Nharun im Beitrag #7
Ich würde gerne mehr darüber wissen, wie die Zwerge die Wiedergeburt feststellen

Wenn z.B. die Vermutung besteht, der Sohn eines Zwerges könnte die Reinkarnation von dessem Großonkel sein, dann wird geschaut, ob es wirklich große Ähnlichkeiten gibt (damit sind nur untergeordnet körperliche gemeint). Der Junge hat das gleiche Lieblingsessen? Er zeigt genauso großes Geschick im Schnitzen? Er ist ebenso tapfer? Wenn es genügend Übereinstimmung gibt und nichts dagegen spricht, dann wird unter Umständen die Wiedergeburt anerkannt und gefeiert, wobei der Zwerg dann "seinen" alten Namen und auch die Identität annimmt. Dies aber nicht völlig uneingeschränkt; ein Zwerg, der als die Reinkarnation seines Vaters angesehen wird, würde z.B. nicht einfach mit seiner Mutter, die dann auch seine Frau wäre, in die Kiste steigen.

#9 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Aguran 12.10.2020 00:10

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Ahnenglaube und verbotene Blutmagie



Bei meinen Reisen durch den Süden unseres Kontinents stieß ich auf eine gar gotteslästerliche Sünde im Umgang mit den Toten! Die Barbaren aus den Sümpfen haben ihren Ahnenglauben bis ins Tiefste pervertiert indem sie und ihre Druiden sich erdreisten die Seelen ihrer Ahnen, mittels Blutmagie auf unserer Welt zu binden, ja ihnen den Gang ins Totenreich, oder die Wiedergeburt versagen.

Ich sah, wie sie den Toten Blut stahlen um es in Talismane zu binden, welche dann an den direkten Nachkommen weiter gegeben werden. Nun könnte man einwenden, das ein solcher Aberglaube nicht schädlich ist, und dass ich mit meinen vorherigen Worten stark übertreibe. Doch wäre es nur ein Akt reinen Aberglaubens, so seit euch sicher, würde ich mich nicht derart erbosen.
Denn genau hier kamen die Druiden ins Spiel, welche ein magisches Ritual vollführten, welches die Seele das Verstorbenen an Blut und Fleisch bindet, und dies alles wohlgemerkt nur, weil sich diese Barabren von dieser Störung der Totenruhe, einen dauerhaftne Kontakt zum Verstorbenen erwünschen. Sie beten zu den Talismanen um ihre Hälser oder Handgelenke und behaupten die Gedanken ihrer verstorbenen Ahnen darüber hören zu können.
Selbstredend ist jede gefangen gehaltene gequälte Seele absolut nicht im Stande irgendwelche sinnvollen Gedanken zu formulieren, viel mehr bereitet das ewige Festhalten den Seelen, wie wir alle wissen starkes Leid. Eben deshalb fordere ich dass diesem Irrglauben bei der nächsten Invasion gen Süden mit entschlossener Härte begegnet wird. Vernichtet jeden Talisman dessen ihr habhaft werden könnt, befreit die leidenden Seelen auf dass sie in Frieden in die Ewigkeit einkehren können!

(Auszug aus den Reden des Hochpriesters Aradan, aus der frühen Periode des göttlichen Reiches Vhol)



Tririan war aufgreget, lange schon hatten die Druiden die Heimkehr seines Vaters angekündigt, endlich sei er stark genug Genesen dass er an der Schwertleite seines Enkels teilnehmen könne, ein großer Tag, für die gesamte Familie, ach was für das gesamte Dorf!
Später am Abend eröffnete Tirian den Schwerttanz, dem dann die Schwertweihe der Dorfjugend folgen würde. Ein rauschendes Fest, veranstaltete das gesamte Dorf, viele tanzten sich, auch mit Hilfe von Rauschkräutern in Trance, während die Druiden geschäftig damit begannen Kisten an die Tische der Familien zu tragen.
Gerade noch tanzend und ein wenig im Rausch, fand sich Tirian am Arm geführt von einem der Druiden vor der durch das Moor geschwärzten Kiste am Kopfende seines Tisches. Dann hatte er auch schon einen kristallenen Dolch in seiner linken und sprach die Worte nache welche der Druide ihm zuflüsterte : "Blut meines Blutes, Vater des Sohnes, sei willkommen. Tanze feire und freu dich mit uns!"und schnitt sich bie diesen Worten die linke Handfläche auf, um sein Blut über die Truhe zu träufeln. Dann riss der Druide die Truhe auf, und Tirian blickte an die verhärmten schlafenden Züge seines Vaters, dessen Haut sich tiefschwarz gefärbt hatte udn sich wie zähes leder über dem Skelett spannte.
Der Druide flüsterte ihm erneut zu was zu tun ist, so ergriff Tirian mit der blutenden Handfläche den Talisman seines Vaters und knotete diesen der Leiche seines Vaters ans Rever, bevor er dem Toten die Stirn küsste und mit dem eigenen Blut einen Kreis auf die Stirn zeichnete.
"Sei willkommen Vater!" flüsterte er erneut bevor die Moormumie die Augen öffnete und seinem Sohn groteks lächelnd die knochenlederne Hand reichte, auf dass sein Sohn ihm aufhalf.
Zusammen mit Tirinsa Vater hatten sich nun bereits 15 weitere Moormumien erhoben, und mit jeder sich bewegenden und zum Mitfeiern bereiten Mumie erschallte der Jubel der Lebenden immer lauter.
Das rauschende Fest sollte nun seinen Höhepunkt finden, die Ahnen selbst nahmen die Schwertweihe der jungen Leute ab, eien mehr als große Ehre, bevor sie sich wieder vom Tod erholen werden müssen...



@Nharun
Wenn du dir die Beschwörumg gran im Moment so ausgedacht hast, meine Hochachtimg dafür, ich war dazu nicjt fähog innerhalb von ner halben Stunde.
Aber aehr interessant in jedem Fall.

Machen sich die Ahnen bei dieser Beschwörumg bemerkbar, oder ist es vor allem ein folkloristisches Opferritual? 🙂


@Elatan
Zwerge umd Wiedergeburt hat was. Wäre mir so nie in den Sinm gekommen das dass passen könnte, tut es bei dir aber ganz hervorragend wie es scheint. 🙂

Haben die Zwergensippen dann eine große gemeinsame Bibliothek wo diese Schriften aufbewahrt werden? Oder wie kommen unterschiedlicje Sippen dann auf die Wiedergeburt in anderen Sippen?

#10 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Elatan 12.10.2020 16:24

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@Aguran: Diesen Brauch finde ich ziemlich spannend und interessant; werden die Toten nur bei Bedarf so erweckt oder immer (und von jeder Tote)? Dass du zwei verschiedene Sichtweisen hier präsentierst, rundet das ganze nochmal zusätzlich ab und ich frage mich, ob das Lächeln des toten Vaters wirklich ein Lächeln war, oder nur als ein solches interpretiert wird.

Zitat von Aguran im Beitrag #9
Haben die Zwergensippen dann eine große gemeinsame Bibliothek wo diese Schriften aufbewahrt werden? Oder wie kommen unterschiedlicje Sippen dann auf die Wiedergeburt in anderen Sippen?

Nein, jede Sippe ist für ihre eigenen Bücher oder Schriftrollen zuständig, weswegen es auch eher selten der Fall ist, dass man zu dem Schluss kommt, dass ein Zwerg in einer anderen Sippe wiedergeboren wurde. Wenn der Verdacht allerdings besteht, dann kann die Sippe, die vermutet, ihr Ahne wäre in einer anderen wiedergeboren, rechtlich durchsetzen, dass unabhängige Priester dies überprüfen.

#11 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Nharun 12.10.2020 17:31

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@Aguran Es ist toll über eine kulturelle Besonderheit einmal aus der Fremd- und einmal aus der Eigensicht zu lesen, diese Präsentationsform gefällt mir sehr. Auch inhaltlich ein interessantes Phänomen! Elas Frage, ob das nur bei besonderen Gelegenheiten oder "immer" gemacht wird, schließe ich mich an.




Zitat von Aguran im Beitrag #9
Wenn du dir die Beschwörumg gran im Moment so ausgedacht hast, meine Hochachtimg dafür, ich war dazu nicjt fähog innerhalb von ner halben Stunde.
Aber aehr interessant in jedem Fall.

Machen sich die Ahnen bei dieser Beschwörumg bemerkbar, oder ist es vor allem ein folkloristisches Opferritual?


Ja, die Beschwörung habe ich mir im Moment des Speedbastelns aus den Fingern gezogen - so etwas könnte ich aber auch nicht für jede beliebige Religion in dieser Zeit bewerkstelligen. Hier kam mir zu gute, dass ich die arbarischen Vorstellungen zum Thema mit am besten kenne; hilfreich ist natürlich auch, dass ich mich mit irdisch-religiösen Texten in den letzten Jahren belesen habe und da auf bekannte Muster zurückgreifen kann (wenn auch manchmal eher unterbewusst).
Diese Ahnenbeschwörung ist folkloristisch, aber die Ahnen machen sich als Mäuse bemerkbar, die von den Opfergaben essen.


Zitat von Heiliger Bär und toter Gott
Die Veliu Muder, die durchaus milde und gnädig sein konnte, gestattete den Verstorbenen hin und wieder ihre noch lebenden Verwandten zu besuchen - in der Gestalt von Mäusen. Bis ins Mittelalter stellte man diesen "Ahnengeistern" kleine Schalen mit Speisen hin. Dieser Brauch wurde Peleblût ("Mäuseopfer") genannt;

#12 RE: Einhundertfünfzigstes Speedbasteln am 10. Oktober 2020 von Aguran 12.10.2020 21:18

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@Elatan @Nharun

Es gibt einige besondere Anlässe zu denen die Toten erweckt werden.
-In der ersten Nacht des Winters, welche als "Tag der Ahnen" ein hoher Feiertag ist. Hierbei werden dann sogar fast alle erhaltenen Mumien an die Tische gesetzt und auch die meisten von ihnen wiedererweckt.
-Dann gibt es noch Bindungsfeierlichkeiten (eine Art Hochzeit) bei denen die Toten nicjt vollständig erweckt werden sondern lediglich soweit dass sie sich aufricjtrn können um ihren Segen zu erteilen oder gar Widerspruch einzulegen.
-Es gibt den "Tag des Krieges" in der Mitte des Sommers, hier werden nur Kriegerhelden erweckt, um sie persönlich zu feiern.
- Dann noch der persönliche Jahrestodestag, des Toten. Zwingend nach dem ersten Todesjahr, damit das kùnftige Wiederbeleben möglich wird.

Ansonsten gibt es keine offiziellen Feierlichkeiten bei denem die Toten selbst zugegen sind.
Die Druiden achten auch darauf dass die Toten nicht zu häufig erweckt werden, um den Körpern nicjt zu sehr zu schaden.
So kommt zum Beispiel ab einem "Tag der Ahnen" die Mutter vorbei, während in den nächsten 5 Jahren eher mal andere Ahmen erweckt werden.

In manchen Familien ist es durchaus aber auch Sitte die unbelebten Mumien dennoch mit an die Familientafel zu setzen und zu "bewirten"

Und es gab 2 Notfälle in denen die Toten in Kriegen und zum Mitkämpfen erweckt wurden. Das allerdings jedesmal zu einem hohen Preis. Denn die hier belebten Toten vergingen danach für immer und zerfielen zu Staub.

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