#1 Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020: Missverstandene Persönlichkeiten von Elatan 12.10.2020 21:14

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Doch dieses Schicksal akzeptieren wir und Speedbasteln am Donnerstag wieder! Kommt um 20:00 Uhr in den Chat zur Vorbesprechung! Das Thema wird hier um 20:30 Uhr bekannt gegeben!

#2 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Nharun 15.10.2020 20:32

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Das Thema heute lautet Elatan ... äh ... Missverstandene Persönlichkeiten

#3 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Nharun 15.10.2020 21:04

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Asirankles Elmilosas

Heprylertas Asiranakles, der neunte dieses Namens, genannt Elmilosas, „der Barmherzige“, war einer der Priesterfürsten des arvelischen Mittelalters, die seit der späten Renaissance eine ganz schlechte Presse erhielten – bis auf ihn. Während seine Vorgänger, Nachfolger und Amtskollegen durch die Bank als verderbte Korrumpierer und Menschenfeinde dargestellt werden, gilt Elmilosas noch heute als guter Herrscher, als strahlendes Vorbild inmitten einer dunklen Zeit.

Während man den anderen Priesterfürsten der Dritten Kirche jegliches Verbrechen zuschreibt, das nur denkbar ist, wird Elmilosas stets als Beispiel für einen idealen Fürsten ins Feld geführt. Woran das liegt? Im Gegensatz zu den anderen Priesterfürsten kümmerte er sich nicht nur um sich und einen Klüngel aus Speichelleckern, sondern sorgte für das einfache Volk: Er gab ihnen Arbeit, Nahrung und Bildung. Während seiner Regentschaft wurden keine Magier (oder Menschen, die man für solche hielt) hingerichtet und es gab keine Säuberungen aufgrund vermeintlicher Verderbnis.

Doch die herausragende Eigenschaft Elmilosas war nicht seine Barmherzigkeit, sondern seine Fähigkeit zur Propaganda. Tatsächlich war Elmilosas wohl einer der schlimmsten Priesterfürsten der Dritten Kirche. Ja, er ließ das einfache Volk mit Nahrungsmitteln versorgen, doch die Nahrungsmittel wurden in Gebieten geplündert, die er mit Sternenkriegen überzog. Ja, er gab dem einfachen Volk Arbeit, aber es handelte sich größtenteils um Frondienste und wer sich weigerte, wurde als Fußsoldat in die Sternenkriege gezwungen. Die Bildung, die er dem Volk zugutekommen ließ, war in erster Linie eine Ausbildung für den Krieg und in zweiter Linie Leibesertüchtigung, da er ein unersättliches Verlangen nach Gespielen hatte, die seinen körperlichen Idealvorstellungen genügen sollten. Magier und Verderbte und jene, die als solche bezichtigt wurden, wurden ebenso wie andere „Verbrecher“ in den Sternenkriegen verheizt – sie alle fanden den Tod, auch wenn sie den Soldatentod starben und nicht offiziell hingerichtet wurden.

Elmilosas war so machthungrig, dass er sogar andere Priesterfürstentümer Arveliens mit Sternenkriegen überzog und nach 25 Jahren seiner Herrschaft den Tod durch die verbündeten Armeen seiner Amtskollegen fand.

Doch mit seinem Ende endeten auch alle vom Volk als Wohltat wahrgenommenen Taten. Hungernöte suchten sein Fürstentum heim und die siegreichen Priesterfürsten gingen mit Säuberungen gegen die Eliten Elmilosas‘ vor: In ihrer Wahrnehmung waren die anderen Priesterfürsten das personifizierte Übel und so wurde die Propaganda noch nach Elmilosas Tod befeuert.
Wenn heute Gruppierungen nach einer Rückkehr zu den Traditionen der Dritten Kirche aufrufen, tun sie dies häufig unter Berufung auf Elmilosas – und werden dementsprechend „Elmisosertes“ genannt.

#4 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von DrZalmat 15.10.2020 21:17

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Der heilige Ormuzid

Ormuzid war ein Rissling (Tiefling) aus Leton der sein Leben lang mit den Vorurteilen gegen seine Art kämpfen musste. Risslinge sind chaotisch, egoistisch, bringen Pech und sind generell böse, darüber war sich die Bevölkerung seiner Heimat klar, und er konnte deshalb nicht besser sein. Auch wenn gewisse Tendenzen dazu in Risslingen sichtbar sind, lässt sich streiten ob das daran liegt dass sie so geboren werden oder daran dass sie wohin sie auch gehen Anfeindungen ausgeliefert sind.

Ormuzid jedoch war, wenn es nach der Kirche der Semala geht, anders. Nachdem er aus seiner Heimat floh wurde er in ein Kloster der Semala aufgenommen und fand dort tatsächlich den Glauben. Er wurde ein aufrechter Mönch der silbernen Göttin und tat alles daran, ihren Idealen zu folgen. Als solches gründete er ein Waisenhaus das explizit nur ausgetroßene Kinder aufnahm um sie ordentlich zu erziehen. Dieses Waisenhaus voller "Höllenbrut" war der benachbarten Bevölkerung jedoch ein Dorn im Auge und es verbreiteten sich Gerüchte das Ganze sei nur ein Deckmantel um eine ihm loyale Armee von Monstern aufzubauen um ein Kriegsfürst zu werden. Denn wie könnte es anders sein? Ein Rissling der ein Mönch war, war bereits ein Ding der Unmöglichkeit und dann scharte er noch andere Höllenbrut um sich herum? Das konnte doch nur böse enden.

Also rottete sich ein Mob zusammen um das Waisenhaus zu stürmen. Es wurde ein Gemetzel, denn weder Ormuzid noch eines seiner Kinder, Verfechter des Pazifismus, wehrten sich gegen die Angriffe, er hielt den Mob an einer Engstelle nur so lange auf wie er konnte ohne jemanden zu verletzen um möglichst vielen Kindern die Flucht zu ermöglichen. Das Waisenhaus selbst brannte nieder und Ormuzid sowie 16 Kinder wurden in den Trümmern begraben.

Erst danach realisierten die Leute was sie taten als ihnen auffiel dass von ihnen keiner verletzt war und tatsächlich einige aus dem Mob berichteten dass Ormuzid sie zur Seite stieß um sie vor herunterfallenden brennenden Balken zu retten. Viele leugneten Teil des Ganzen zu sein, einige wenige jedoch wandten sich an die Kirche der Semala und beichteten. Diese sprach Ormuzid daraufhin heilig und eröffnete an der Stelle des alten Waisenhauses ein Neues, das dieses Mal weitgehend unterirdisch lag um besser verteidigt zu sein. Der heutige Vorsteher des Hauses, das auch St. Ormuzid heißt, ist eines der Kinder das damals entkommen konnte.

Leider ist auch heute das Haus gelegentlichen Anfeindungen ausgesetzt, diese beschränken sich aber auf gelegentlichen Vandalismus wie Graffiti. In der Ortsgemeinschaft sind die Ormuziden zwar nicht gerne gesehen, aber geduldet und werden zumindest dafür respektiert dass sie versuchen sich zu integrieren.

#5 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Nharun 15.10.2020 21:31

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Und die Stunde ist um: Ab jetzt wird nachgereicht!

#6 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Elatan 15.10.2020 21:46

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Menesander

„Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, Menesander auf der Stelle zu töten“, murmelte Arales auf dem Weg in den Kerker.
„Es ist des Kaisers Wunsch, ihn öffentlich hinzurichten“, erwiderte der Großinquisitor. „Das Volk soll sehen, dass wir in der Lage sind, es zu beschützen. Es reicht nicht, immer nur Geschichten zu hören.“
„Ich hätte dennoch lieber eine Geschichte mitgebracht und keinen lebendigen Magierfürsten“, sagte Arales und seufzte dann. „Nadaros, ich habe gesehen, zu was dieser Mann fähig ist. Wenn etwas schiefgehen sollte ...“
„Du vergisst, dass auch ich weiß, zu was ein Magierfürst in der Lage ist“, sagte Nadaros. „Menesander war keineswegs einer der stärksten von ihnen. Er war ein Kämpfer, ein Meister des Schwertes, der sich mehr von der Magie leiten ließ als umgekehrt. Glaube mir, er wird keine Bedrohung mehr darstellen. Du sollst es dir selbst ansehen.“
Arales runzelte die Stirn, erwiderte jedoch nichts. Wenn der Großinquisitor dies wirklich so einschätzte, dann würde er vermutlich recht haben. Nadaros war bekannt dafür, nach der erfolgreichen Rebellion etliche Magier erledigt zu haben und unter diesen waren auch einige der wichtigsten Mitglieder der Gilde gewesen.
Sie gingen weiter und je näher sie den untersten Gewölben kamen, in denen der Magierfürst festgehlten wurde, desto lauter wurden die Geräusche: Eisen wurde aufeinandergeschlagen und in Flöten hineingeblasen ohne auch nur zu versuchen, eine harmonische Melodie zu erzeugen.
Schließlich kamen sie zu einer schweren Eisentür, vor der zwei Wachen, die deutlich unter dem Lärm zu leiden hatten, Haltung annahmen.
Arales lächelte sie mitleidig an, musste dann aber daran denken, dass Menesander dort hinter dem Tor diesen Lärm Tag und Nacht ertragen musste und nicht wie die Wachen nur eine halbe Schicht.
Nadaros holte den Schlüssel zum Verließ hervor und schloss die Tür auf, wodurch der Lärm noch ohrenbetäubender wurde. Arales trat ein und Nadaros folgte ihm.
Im Verließ saß in einem viel zu kleinen Käfig der einstige Magierfürst. Als Arales ihn mit seinen Männern gestellt hatte, sah er schon nicht mehr aus wie ein Herrscher und Kriegsherr, doch hatte er dort noch die Ausstrahlung eines entschlossenen und stolzen Kriegers gehabt, der wusste, dass seine Zeit abgelaufen war. Nun war er erbärmlicher anzuschauen als der niederste Bettler, wie er dort in seinem kleinen Käfig setzte, auf dessen Stäbe immer wieder zwei taube Kerkermeister mit eisernen Stangen einschlugen, um zu verhindern, dass der Magier sich konzentrieren konnte, um seine Macht einzusetzen. Menesander schaute nicht einmal auf, als die beiden Inquisitoren sich vor ihm aufbauten.
Nadaros hob die Hand und gab den tauben Wächtern ein Zeichen, mit dem Lärm, den sie veranstalteten, aufzuhören. Arales schaute sich die Wächtertruppe an und fragte sich, wie man auf die Schnelle wohl so viele taube Männer für diese Arbeit gefunden hatte. Oder waren sie doch diesen Krach erst taub geworden?
„Kaiser Teredias entsendet seine Grüße, Menesander“, sagte Nadaros und einen Moment glaubte Arales, dass der Magierfürst gar nicht reagieren würde. Dann aber schaute er mit seinen tief in den Höhlen liegenden Augen auf und er fixierte Arales.
„Bist du stolz auf das, was du getan hast?“, fragte Menesander mit Stimme, der anzuhören war, dass die Kehle, welcher sie entsprang, schon eine geraume Zeit nicht mehr benetzt worden war. Der Magierfürst lächelte und es ähnelte dem Zähnefletschen eines tollwütigen Hundes.
„Ich tat meine Pflicht“, sagte Arales.
„Ah, deine Pflicht. Möchtest du wissen, was ich alles tat, weil es meine Pflicht war?“
Arales sagte nichts.
„Alles“, sagte Menesander. „Ich lebte für meine Pflicht.“
„Die Pflicht, etliche Unschuldige zu versklaven und Krieg gegen andere Völker zu führen, nur um deinen Reichtum und den der anderen Gildenmeister zu mehren?“, fragte Arales.
„Die meisten von uns haben versagt“, gab Menesander zu, „doch ich blieb meiner Aufgabe treu und ich war nicht der einzige. Weißt du denn nichts von dem Reich Kishatu jenseits des Meeres? Die Magier dort gieren danach, für ihre Dämonengötter ganz Aren zu unterwerfen.“
„Ah, ich verstehe“, sagte Arales spottend. „Wir sollten uns lieber euch unterwerfen und nicht den anderen Magiern.“
„Es wäre klüger gewesen“, sagte Menesander. „Unsere Herrschaft war nicht perfekt, doch sie hätte verbessert werden können, um ein Bollwerk nicht nur gegen die Gefahren dieser Welt zu bilden, doch ihr dummen Kinder habt sie stattdessen hinweggefegt in einem Moment unserer Schwäche ohne zu wissen, welch Schaden ihr nehmen werdet.“ Er schaute nun zu Nadaros, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte. „Sag mir, o Großinquisitor, wie gedenkst du, gegen die Armeen Kishatus zu bestehen? Gegen wie viele mit Kräften, welche die meinen übersteigen, wirst du im Kampfe bestehen können, wenn dazu noch Heerscharen treuer Fanatiker zwischen dir und ihnen liegen?“ Er schüttelte den Kopf und lachte dann, was eher wie ein Husten klang. „Und sag mir, wie willst du gegen die Herren dieser Magierpriester bestehen, die nicht von dieser Welt sind?“ Er schüttelte erneut den Kopf. „Ihr habt nicht verstanden, welch Wohltat und Notwendigkeit unsere Herrschaft war. Doch ihr werdet es noch erkennen. Ich muss es zum Glück nicht mehr erleben.“
Damit senkte Menesander wieder seinen Blick.
Als Arales und Nadaros den Kerker verließen, begannen die tauben Musiker wieder ihr Spiel. Erst als sie wieder oben die Sonne auf ihrer Haut spürten, wandte sich Nadaros an Arales.
„Und bist du dir nun sicher, dass Menesander keine Bedrohung mehr darstellt und die Hinrichtung morgen sicher ist?“
Arales schluckte.
„Ja“, sagte er. „Menesander ist keine Gefahr mehr. Er nicht.“

#7 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Nharun 16.10.2020 18:01

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@DrZalmat Der arme Ormuzid! Aber eine tolle Geschichte. Wie weit verbreitet ist die Ordensgemeinschaft der Ormuziden denn "heute"?
@Elatan Du bekommst Pluspunkte für Inklusion. Der Text ließt sich sehr gut und macht lust auf mehr, die Möglichkeit Menesander so oder so oder doch dazwischen zu bewerten ist sehr gelungen!

#8 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von DrZalmat 16.10.2020 18:37

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@Elatan Interessante Geschichte, vor allem weil absolut nicht klar ist ob Menesander missverstanden ist oder nicht. Je nachdem wie man es liest ist er entweder ein Held der tut was getan werden muss oder ein Möchtegernheld der vollkommen fehlgeleitet ist. Ich muss sagen ich persönlich tendiere eher zu Zweiterem, denn in seinem Kopf scheint es keine Alternative zur Versklavung der "Normalos" zu geben, er sieht sich selber (bzw. nur seine Seite) als die Seite, bei der es besser ist versklavt zu werden und übersieht vollkommen dass es auch andere Wege gibt.

@Nharun Wunderbar auch die andere Richtung des Missverstanden zu lesen, normalerweise liest man immer das "ein guter Mensch würd als Böse gesehen", in deinem Fall ist es andersrum und zeigt welche Gefahr in Propaganda stecken kann. Er erinnert mich sehr an Hitler, über den heute noch manche alte Leute sagen "aber er hat uns Arbeit gegeben und die Autobahn gebaut"

Die Ormuziden sind nicht sehr weit verbreitet, es gibt nur dieses eine Kloster mit vielleicht 40 Leuten. Auch wenn er heilig gesprochen wurde und durchaus verehrt wird, gibt es nicht wirklich viele Leute die seinem Vorbild folgen möchten. Das übliche "nicht alle Risslinge sind schlecht" wenn über sie hergezogen wird ist das Höchste der Gefühle was das sich Einsetzen für solche Leute angeht. Der Tag an dem Risslinge auch nur annähernd gleichberechtigt gesehen wird ist noch eine sehr lange Zeit entfernt.
Ähnliche Probleme haben u.a. auch die Orks. Aber im Gegensatz zu Risslingen gibt es viele Orks, das heißt sie können sich zusammenrotten um etwas zu erreichen.

#9 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von Elatan 16.10.2020 20:07

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@Nharun: Yay, Star Wars! Ähem. Propaganda ist wirklich ein mächtiges Instrument. Ist man sich denn (heute) Elmilosas' Propagandafähigkeiten bewusst und sieht ihn in der Sache auch als Beispiel, oder ist gängige Meinung, dass er eben wirklich durch und durch gut war?
@DrZalmat: Es ist schön, dass Ormuzid wenigstens im Nachhinein als die gute Person gesehen wurde, die er war. Ist sein Nachfolger auch so erfolgreich damit, die Kinder zu erziehen,wie es Ormuzid war? Was wird aus den Kindern, wenn sie erwachsen werden? Werden sie auch alle Mönche?

#10 RE: Einhunderteinundfünfzigstes Speedbasteln am 15. Oktober 2020 von DrZalmat 16.10.2020 20:09

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Sein Nachfolger ist auch erfolgreich, aber die Wenigsten der Kinder werden Mönche. Es ist auch nicht Ziel des Waisenhauses Mönche zu bekommen, sondern die Kinder redlich zu erziehen.

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