#1 Frank Herberts Dune von Elatan 16.11.2020 19:24

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Ich habe vor einigen Jahren schon mal den ersten Band von Frank Herberts Dune gelesen und nun vor einiger Zeit nochmal das Hörbuch angehört, um nochmal mein Gedächtnis für den jetzt verschobenen Kinofilm aufzufrischen, aber auch, um mir mal die Folgebände anzuschauen (bzw. in dem Fall anzuhören). Heute beendete ich den vierten Band, Der Gottkaiser des Wüstenplaneten, und ich muss gestehen, dass ich entgegen meiner Erwartungen irgendwie enttäuscht bin; auch gerade in weltenschöpfender Hinsicht. Ich will keineswegs sagen, dass die Geschichte oder die Welt schlecht wären, aber ich glaube, dass ich mehr erwartet habe, da immer nur in den allerhöchsten Tönen von dieser Saga geredet wird. Interessant finde ich aber viele der Ansätze, wie z.B. das Verbot von künstlicher Intelligenz und die Konsequenzen daraus oder das Einsetzen von Religion zur Manipulation und Steuerung der Bevölkerung, aber auch dieses genetische Bewusstsein, bei dem einige Charaktere dazu in der Lage sind, die Erinnerungen ihrer Vorfahren abzurufen; sowas ähnliches kann ich mir schon seit langer Zeit in etwas anderer Form auch in meiner Welt vorstellen (auch wenn meine Inspiration davon ursprünglich vom ersten Assassin's Creed-Teil herrührt). Habt ihr die Bücher gelesen, den Film oder die Serien geschaut oder euch anderweitig mal mit Dune beschäftigt? Was sagt ihr dazu und konntet ihr etwas für eure Welten vielleicht daraus mitnehmen?

#2 RE: Frank Herberts Dune von DrZalmat 16.11.2020 22:26

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Also ich hab die Bücher gelesen und fand sie ganz ok, aber ich muss dir zustimmen. Sie sind ganz nett, aber nicht die Meisterwerke zu denen sie gerne gemacht werden.

Ich hab sie als Kind gelesen und fand sie schon damals hochgradig unlogisch an manchen Stellen und das Weltenbasteln ergibt weitgehend auch keinen Sinn. Eine hoch entwickelte Kultur die zwischen den Sternen reisen kann und es gibt "Gerüchte" über fruchtbare Gegenden im Norden? Ehm... da sind Raumschiffe und Satteliten im Orbit. Wenn es die gibt, dann wären die aus dem Weltall sichtbar.
Das Ganze ist halt wie ein Fantasyroman geschrieben der mehr oder weniger "durch Zufall" in der Zukunft spielt und nicht einbezieht dass sich dadurch vieles ändert. Die Romane würden meiner Meinung nach viel mehr Sinn ergeben wenn es um einen Krieg auf einem eher primitiven Fantasywüstenplaneten gehen würde, nicht um einen Krieg in einer technisch hoch entwickelten interstellaren Gesellschaft.

#3 RE: Frank Herberts Dune von Elatan 17.11.2020 11:15

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #2
Das Ganze ist halt wie ein Fantasyroman geschrieben der mehr oder weniger "durch Zufall" in der Zukunft spielt und nicht einbezieht dass sich dadurch vieles ändert. Die Romane würden meiner Meinung nach viel mehr Sinn ergeben wenn es um einen Krieg auf einem eher primitiven Fantasywüstenplaneten gehen würde, nicht um einen Krieg in einer technisch hoch entwickelten interstellaren Gesellschaft.

Naja, irgendwie nicht so wirklich. Ein ganz wichtiges Element ist ja, dass die Spice Melange das Reisen durch den Weltraum ohne Maschinen erst ermöglicht (auch wenn es noch weiteren Nutzen hat). Leto II. begrenzt den Zugang zum Gewürz dann so sehr, dass das interstellare Reisen fast erliegt und nach seinem Tod können die Menschen dann endlich diesem "Gefängnis" entfliehen und sich verteilen, wodurch ihre Auslöschung verhindert werden soll. Ich bin mir nicht sicher, wie man gerade diesen so wichtigen Aspekt auf eine Fantasy-Welt ummünzen könnte. Es ist sicherlich nicht unmöglich, aber einfacher wäre es meiner Meinung nach, wenn einfach solche Probleme wie die Gerüchte über furchtbare Gegenden im Norden, die du erwähnt hast, gestrichen werden und hier und da kleine Änderungen gemacht werden. Die Erklärung, dass die Fremen der Gilde einfach Unsummen zahlen, damit sie keine Satelliten dort zulässt, halte ich auch für irgendwie nicht so ganz glaubwürdig.

#4 RE: Frank Herberts Dune von DrZalmat 17.11.2020 20:22

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Zitat von Elatan im Beitrag #3
Die Erklärung, dass die Fremen der Gilde einfach Unsummen zahlen, damit sie keine Satelliten dort zulässt, halte ich auch für irgendwie nicht so ganz glaubwürdig.

Richtig, allein schon weil jeder der im Raumschiff den Planeten anfliegt einfach nur aus dem Fenster kucken muss um die Gebiete zu sehen und man sich ein klein wenig die Frage stellen muss warum die ersten Siedler nicht dort gesiedelt haben. Wenn ich einen Planeten anfliege und ich sehe nur lebensfeindliche Wüste und an einer Stelle weite Grünflächen und Wasser, dann werde ich wohl da landen und siedeln und nicht mitten in der Wüste

#5 RE: Frank Herberts Dune von Elatan 17.11.2020 20:41

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #4
warum die ersten Siedler nicht dort gesiedelt haben. Wenn ich einen Planeten anfliege und ich sehe nur lebensfeindliche Wüste und an einer Stelle weite Grünflächen und Wasser, dann werde ich wohl da landen und siedeln und nicht mitten in der Wüste

Das wird aber tatsächlich im Anhang des ersten Bandes erklärt: Der Planet war bis "kurz" vor Handlungsbeginn wirklich nur eine Wüstenei. Erst der Vater von Liet Kynes hat dann so richtig den Anstoß gegeben, dass das Terraforming dort beginnen konnte. Und darüber hinaus waren ja die Fremen die ersten Siedler, die sich die besten Plätze gesucht hatten (die halt immer noch ziemlich wüst waren).

#6 RE: Frank Herberts Dune von Reineke 18.11.2020 14:13

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Wenn ich Leuten Dune empfehle, dann sage ich immer ausdrücklich, dass es eigentlich philosophische Exploration ist, die sich als Science Fiction tarnt.

(Bis auf einige der aus Herberts Nachlass generierten Bücher habe ich alles gelesen und gesehen)

Weltenschöpferisch ist der Planet natürlich überhaupt keine Nummer. Wenn man mal von einigen unwichtigen Spezies absieht (ob nun eine Maus mehr oder weniger durch die Wüste springt, ist ja egal), hat man ja nur Wüste, Sandplankton, Sandforellen und Sandwürmer. Aber die Romane zielen auf eine ganz andere Tiefe ab. Ich finde den Wikipediaartikel als Einstieg super: https://de.wikipedia.org/wiki/Dune_–_die_erste_Trilogie

#7 RE: Frank Herberts Dune von Elatan 18.11.2020 15:08

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Zitat von Reineke im Beitrag #6
Wenn ich Leuten Dune empfehle, dann sage ich immer ausdrücklich, dass es eigentlich philosophische Exploration ist, die sich als Science Fiction tarnt.

Und das war eigentlich auch einer der Gründe, aus denen ich mir die Hörbücher mal angehört habe, aber so richtig vom Hocker gehauen hat mich auch die Philosophie dort nicht so wirklich und sie war dann auch plumper, als ich vermutet habe. Als der Wurm Leto mit seinem Auto durch die Gegend raste und Feinde plattfuhr, war das irgendwie nochmal die Bestätigung, dass die Dune-Saga weder ein Meisterwerk der Literatur, noch eines der Philosophie ist; grade beim letzteren hätte ich da wirklich mehr erhofft, weil die Bücher eben auch so etwas bieten könnten mit der ganzen Ghola-Sache z.B.. Das hier soll jetzt aber von mir aus kein totales Dune-Gebashe sein, denn man kann durchaus Spaß an den Büchern haben und gerade den ersten Band würde ich eigentlich schon Fans von Science-Fiction und Fantasy empfehlen, aber die Sequels konnten da, meiner Meinung nach, nicht wirklich anknüpfen.

#8 RE: Frank Herberts Dune von Eisenteddy 18.11.2020 17:24

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Zitat von Elatan im Beitrag #7
Als der Wurm Leto mit seinem Auto durch die Gegend raste und Feinde plattfuhr, war das irgendwie nochmal die Bestätigung, dass die Dune-Saga weder ein Meisterwerk der Literatur, noch eines der Philosophie ist;
Das wird wahrscheinlich wohl eher am Gottkaiser liegen, weil gerade dieses Buch der Teil ist, mit dem die meisten Leute Schwierigkeiten haben; was mitunter auch an Leto IIs endlosen Monologen liegt. Ich hatte bei dem Band damals die Lust verloren, habe aber schon oft gehört, dass die meisten das Buch nach dem zweiten Durchlesen viel besser fanden, nachdem sie letztlich wussten, was genau Leto II mit seinem Goldenen Pfad eigentlich erreichen will.

Das Hauptthema in Dune scheint neben dem ökologischen Szenario generell zu sein, dass unreflektierte und blinde Heldenverehrung furchtbar ist, was mitunter auch dadurch impliziert wird, dass Paul Atreides nicht der Protagonist der Geschichte ist, sondern ein schleichendes Grauen.

Es ist zu lange her, dass ich die Bücher gelesen habe, weshalb mir auch die nötigen Worte fehlen um das näher im Detail zu beschreiben. Also poste ich lieber ein Video von einem Typen, von dem ich denke, dass er das besser schafft als ich:
https://www.youtube.com/watch?v=yJAyPjX8r2Y

#9 RE: Frank Herberts Dune von Elatan 18.11.2020 17:52

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Zitat von Eisenteddy im Beitrag #8
Das Hauptthema in Dune scheint neben dem ökologischen Szenario generell zu sein, dass unreflektierte und blinde Heldenverehrung furchtbar ist, was mitunter auch dadurch impliziert wird, dass Paul Atreides nicht der Protagonist der Geschichte ist, sondern ein schleichendes Grauen.

Ja, und das finde ich schon wieder ziemlich gut rübergebracht, weswegen der erste Band auch mein Favorit ist. Interessant finde ich vor allem, wenn Paul nicht nur im Buch selbst als Held gesehen wird, sondern mitunter auch vom Publikum; dass dieses also vielleicht selbst in diese "Falle" tappt. Beim Lesen des Buches dürfte das weniger das Problem sein, beim Schauen des Filmes oder der Serie allerdings durchaus - mal gucken, wie es im neuen Film sein wird.

Zitat von Eisenteddy im Beitrag #8
Es ist zu lange her, dass ich die Bücher gelesen habe, weshalb mir auch die nötigen Worte fehlen um das näher im Detail zu beschreiben. Also poste ich lieber ein Video von einem Typen, von dem ich denke, dass er das besser schafft als ich:
https://www.youtube.com/watch?v=yJAyPjX8r2Y

Oh ja, die Videos von ihm sind wirklich gut; auch die zu A Song of Ice and Fire.

#10 RE: Frank Herberts Dune von Reineke 19.11.2020 07:09

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Ich habe schon länger vor die Bücher von Herbert mal durchzuanalysieren (ich habe für mein eigenes Schreiben eine Art Baukasten aus Mythologemen, Archetypen, Tropen usw.).

In einer Form oder der anderen werde ich das dann mal öffentlich machen. Ich glaube, Dune ist eher Literatur als Unterhaltung. Man kann den Mann ohne Eigenschaften oder einen Dostojewski schließlich auch nicht einfach herunterlesen (und verstehen).

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