#1 Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Elatan 01.10.2021 09:51

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Hast du gerade diese eisige Kälte gespürt? Nur ein Windhauch? Haha! Und was ist das dann für eine weiße, semitransparente Hand da auf deiner Schulter?

Die Nächte werden wieder deutlich länger und so haben Geister, Zombies, Vampire und alle möglichen Kreaturen der Finsternis wieder mehr Zeit, ihren düsteren Machenschaften nachzugehen. Wie in den letzten Jahren auch wollen wir daher zu Halloween am 31. Oktober wieder von euch in Angst und Schrecken versetzt werden. Malt uns Bilder, schreibt Geschichten, nehmt ein Lied auf - euch sind keine Grenzen gesetzt!



Falls ihr noch ein wenig Inspiration braucht oder euch nochmal in Stimmung versetzen wollt, schaut gerne nochmal in die letzten Ausgaben:



#2 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von DrZalmat 31.10.2021 01:40

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Keine Augen



Die folgenden Zeilen wurden im Rucksack eines Leichnams gefunden der zu seinen Lebzeiten ein cormischer Händler war. Er ist auf die Reise gegangen im einen Vertrag in Zweierlen, einem kleinen Dorf am Rande der Zivilisation, zu unterzeichnen. Er ist jedoch nie dort eingetroffen…

183 - 10.3.1
Diese Reise geht mir auf die Nerven. Ich hätte nie mein Handelshaus verlassen sollen nur weil so ein Hinterwäldler am Arsch der Welt seine Verträge lieber persönlich unterzeichnet haben will. Aber was soll man machen, es ist ein gutes Geschäft… zum Glück wissen diese Primitivlinge nicht was ihre Waren wert sind.

183 - 10.3.2
Ich hätte nicht im Dunkeln reisen sollen. Irgendwann in der Nacht bin ich vom Pfad abgekommen und musste mich durch den Wald schlagen. Ganz schön unheimlich hier so alleine im Dunkeln, man fühlt sich irgendwie beobachtet und jeder zweite Baum sieht gleich aus, als würde ich im Kreis laufen.

Es wird langsam wieder hell und ich fühle mich immer noch beobachtet. Irgendetwas ist hier, aber ich kann es nicht sehen. Aus dem Augenwinkel sehe ich immer wieder Schatten, aber wenn ich hinsehe, sind sie weg. Drehe ich langsam durch?

Es ist Abends und ich habe immer noch nicht den Weg wieder gefunden. Langsam habe ich wirklich das Gefühl im Kreis zu gehen, mir kommen einige Bäume so bekannt vor. Ich werde erst einmal rasten und am Morgen weiter gehen.

183 - 10.3.3
Ich laufe im Kreis! Ich laufe wirklich im Kreis! Ich habe eine Markierung an einem Baum angebracht und bin heute viermal an demselben Baum vorbei gekommen! Und immer dieses nagende Gefühl beobachtet zu werden! Wie Augen die einen Anstarren. Aber hier ist niemand! Ich bin definitiv alleine in diesen von den Göttern verlassenen Wald!

Ich habe etwas gesehen! Die Schatten im Augenwinkeln kommen näher und immer näher und ich konnte einen flüchtigen Blick auf etwas im Gebüsch erhaschen ehe es verschwand. Es starrte mich an, aber hatte keine Augen. Es hatte keine Augen aber starrte mich an! Ich konnte nur dunkle, leere Höhlen erkennen wo Augen sein sollten. Es war nur ein Sekundenbruchteil, aber... etwas beobachtet mich! Starrt mich an! Wartet... wartet auf was?

183 - 10.3.4
Ich bin immer noch im Wald, immer wieder komme ich an derselben Stelle vorbei und... jedes Mal wenn ich das tue, werden die starrenden Schemen mehr! Mir geht mein Proviant aus, ich muss hier raus!

183 - 10.3.5
Ich muss hier raus, ich muss hier raus! Keine Augen! Und doch starren sie! Lassen mich nicht rasten, nicht schlafen, lassen mich nicht in Ruhe! Was wollt ihr! Ich habe sie angefhelt zu sagen was sie wollen, aber sie starren nur und schweigen! Sie machen nichtmal mehr Anstalten zu verschwinden wenn ich in ihre Richtung sehe. Sie sind überall! In den Bäumen, den Büschen, überall wo ein dunkler Fleck im Wald ist starren mich leere Augenhöhlen aus deformierten Köpfen an, fahle Haut mit schwarzen, leeren Höhlen! WAS WOLLT IHR!

183 - 10.3.8
Ich kann nicht mehr! Ich bin jetzt drei Tage durchgerannt, oder waren es vier? Ich bin immer noch im Wald, immer noch an denselben Stellen. Bewege ich mich überhaupt? Diese... DINGER! Ich habe ihnen alle meine Sünden gebeichtet, habe ihnen alles versprochen, meinen ganzen Reichtum, mein Land, meine Firma, aber sie reagieren nicht, sie starren nur ohne Augen. Und sie kommen näher... langsam kommen sie näher... ich kann sie fast berühren, kann ihre weiße Haut mit den leeren Höhlen und vernähten Mündern fast berühren, kann sie riechen! Sie riechen nach Erde und Verwesung... nach Tod? Sind sie der Tod der gekommen ist um mich zu holen?

183 - Ich weiß es nicht
Ich habe seit vier oder fünf Tagen nichts mehr gegessen und getrunken und ich kann einfach nicht mehr. Der Baum mit meiner Markierung dran soll mein Grab werden. Ich habe mich in seinem Schatten niedergelassen und schreibe diese Zeilen als meine letzten Worte und mein Testament, all das während diese Dinger sogar auf mir drauf sitzen... kleine, kalte, nasse Hände, kalte... Haut und der Geruch nach Graberde. Ich weiß dass ich hier sterben werde. Deshalb: Wenn jemand dieses Buch findet:Sagt meiner Frau es tut mir leid dass ich immer so viel gearbeitet habe. Sagt meinem Sohn er darf Musik studieren auch wenn ich es ihm verboten habe und verteilt mein Vermögen unter meinen Arbeitern... ich weiß nicht für welche Sünde ich hier sterben muss, für welche Untat der Tod seine augenlosen Helfer geschickt hat, aber so kann ich hoffentlich noch ein wenig wieder gut machen ehe ich über den großen Fluss ins Jenseits gehe...
...
Ich bin müde... kommt und holt mich!

#3 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Elatan 31.10.2021 09:33

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@DrZalmat: Uh, die kleinen Kerlchen kennen wir doch! Der arme Händler ...




Hoffnung


Schmutzig graue Wolken verdunkelten den Himmel und nur ein schwacher Lichtfleck ließ erahnen, dass es noch eine Sonne gab. Tag und Nacht wechselten sich ab, ohne dass es noch einen großen Unterschied machte. Einst hatte man kleine Kinder mit Geschichten von den Kreaturen der Finsternis geängstigt, die des Nachts kämen, um jene zu fressen, die ihre Häuser verließen. Nun kamen die Geister und Unholde, wann es ihnen beliebte, und die meisten Häuser waren zerstört.
Vínhlur wusste nicht, wie lange es nun bereits her war, dass Tadastara von den tosenden Fluten des brennenden Meeres zerschmettert worden war. König Koron hatte ihn an jenem Tag mit auf einen Jagdausflug in die Hügel mitgenommen und so war er selbst dem Tod entkommen, den seine Famile ereilt hatte. Nun aber suchten ihre Geister ihn unablässig heim, wenn er einmal den Schlaf fand, und fragten ihn, warum er nicht bei ihnen war und sie nicht gerettet hatte. Er sagte ihnen dann, dass er nichts hätte tun können, doch sie sagten ihm, er hätte zumindest mit ihnen sterben können.
War das alles schon ein Jahr her? Er wusste es nicht. Als Tadastara zerstört worden war, war dies auch das Ende von Belcasgar und mit einem Schlag war auch König Koron nur einer von einer immer kleiner werdenden Zahl Überlebender gewesen. Vínhlur wusste nicht, wo der König nun war und es interessierte ihn auch nicht. Hätte ein besserer König das, was von seinem Volk noch übrig geblieben war, zusammenhalten und ihm Hoffnung geben können?
Die Menschen klammerten sich nun an Anführer, die ihnen sagen konnten, was zu tun war und Vínhlur war einer von denen gewesen, dem sie folgen wollten. Doch wusste er, dass dies alles nur eine Farce war. Sie streiften durch das kalte und verdörrte Land wie Tiere.
Sie hatten in den Norden gehen wollen, über die Berge, doch hatten sie dieses Vorhaben rasch aufgeben müssen. Orks waren nicht das Schlimmste, was im Hochland auf sie gelauert hatte. Große Wölfe mit schwarzem Fell und Augen wie brennenden Smaragden hatten sie verfolgt und viele aus Vínhlurs Truppe waren ihnen zum Opfer gefallen. Nur die Werwölfe speisten in diesen dunklen Tagen fürstlich.

Sie rasteten in der dachlosen Ruine eines Gutshauses inmitten eines verdorrten Olivenhaines. Das Dach musste einem Feuer zum Opfer gefallen sein, doch hielten die Wände zumindest den Wind ab und boten den Anschein von ein wenig Sicherheit. Vínhlur saß mit den anderen in einer Reihe an einer der kalten Wände. Sie hatten es nicht gewagt, ein Feuer anzuzünden, obwohl der Gedanke an Licht und Wärme verführerisch war und die vertrockneten Olivenbäume sie in Versuchung führten. Doch hatten sie erst in der vergangenen Nacht wieder das Heulen von Wölfen vernommen. Diese Bestien waren keine normalen Tiere.

Neben dem Wind war lediglich das Schluchzen einer Frau zu hören, die ihr Kind verloren hatte und obwohl er, der seine ganze Familie selbst verloren hatte, ihren Schmerz nachempfinden konnte, begann er, die Frau zu hassen. Sie machte alles nur noch schlimmer. Konnte sie nicht vielleicht sogar froh sein, dass ihr Kind nicht in dieser sterbenden Welt aufwachsen musste? Vínhlur stand auf und verließ die Ruine, so als wolle er draußen frische Luft schnappen, obwohl es keinerlei Unterschied machte, ob er dafür vor die ohnehin zersplitterte Tür ging, oder innerhalb der Mauern blieb. Er schaute gen Norden zu den Bergen. Waren hinter ihnen wirklich die Länder der Elben, in denen es Hoffnung gab? Oder waren die Elben bei ihrem Feldzug gegen ihre einstigen Meister vernichtet worden? Vínhlur wusste nicht, wie lange er dort stand, als er irgendwann ganz leise ein altbekanntes Geräusch hörte, dass er jedoch lange nicht mehr vernommen hatte: Hufe.

Vínhlur griff nach seinem Schwert, aber als er den Reiter in einiger Entfernung sah, ließ er es in der Scheide stecken, ohne jedoch vorsichtig zu bleiben. Es war ein kleiner Mann mit einem überaus breitkrempigen Hut auf einem Esel, und als er näher kam, sah Vínhlur, dass der Mann nicht nur einen gewaltigen Hut trug, sondern auch einen imposanten Schnauzbart und nicht viel weniger buschige Augenbrauen hatte. Der Mann trug einen Mantel, der vermutlich einmal rot gewesen war, inzwischen aber so viele bunte Flicken hatte, dass es schwer war, die ursprüngliche Farbe mit Sicherheit festzustellen. Er hob die Hand und winkte Vínhlur, der zögernd ebenfalls die Hand hob.

»Ich hätte nicht erwartet, hier einem Menschen zu begegnen!«, rief der Alte. »Daher freut es mich umso mehr.«
Hinter Vínhlur lugten nun einige andere Überlebende aus der Ruine hervor wie Mäuse aus einem Loch, die nach der Katze Ausschau hielten.
»Malornos ist mein Name!« Er zog seinen Hut in einer schwungvollen Bewegung und verneigte sein blitzblankes Haupt.
»Ich bin Vínhlur, einstiger Paladin König Korons«, erwiderte er. Einst hatte er es mit Stolz sagen können, nur schämte er sich hierfür fast.
»Welch Ehre!«, sagte Malornos und es klang keinerlei Sarkasmus in seiner Stimme mit. »Sagt, was macht Ihr hier in diesen verfluchten Landen?«
»Wir wollten in den Norden gehen«, sagte Vínhlur, dem kein Grund einfiel, es dem Alten nicht ehrlich zu beantworten. »Es heißt, die Länder der Elben seien verschont worden von der Zerstörung der Welt. Im Gebirge wimmelt es jedoch von Orks und so konnten wir nicht weiterziehen.«
»Ach, wenn es doch nur so wäre und gäbe Orte, die nicht in Mitleidenschaft gezogen worden wären«, sagte Malornos und schüttelte traurig den Kopf.
»Was macht Ihr aber hier ganz allein?«, fragte Vínhlur. »Selbst in einer Gruppe wie der unseren ist es nicht sicher, dieser Tage zu reisen.«
»Ich bin doch nicht allein«, sagte der Alte und klopfte dann zärtlich auf den Hals seines Esels. Dann grinste er. »Sollen die Bestien Cevarins nur kommen, dann sehen sie, dass es falsch ist, sich mit Malornos dem Zauberer anzulegen!«
Einige der anderen begannen, aufgeregt zu tuscheln.
»Ein Zauberer seid Ihr?«, fragte Vínhlur.
»Das bin ich«, sagte Malornos und richtete sich stolz in seinem Sattel auf, »und ich wurde ausgesandt, Überlebende zu finden und mit in unsere Stadt zu bringen. Allein ist der Mensch nichts, doch zusammen sind wir stark und können diesen finsteren Zeiten trotzen.«
Malornos stieg von seinem Esel und erzählte ihnen von der Stadt, in der er lebte. Wánet war ihr Name – Hoffnung – und ihre Bewohner halfen einander, wo sie nur konnten. Sie hatten es geschafft, in dieser üblen Zeit einen Ort zu erschaffen, der zumindest ein wenig an die Städte vor der Dunkelheit erinnerte. »In Wánet essen wir das beste Fleisch!«, sagte Malornos und lachte. Dann deutete er auf seinen Esel und zwinkerte. »Wir haben es gar nicht nötig, den alten Grauen dort zu rösten.«
Vínhlur musste bei diesen Worten an sein Pferd denken. Es hatte ihm immer gute Dienste geleistet und war ihm sogar auf eine gewisse Art ein Freund gewesen, doch schließlich hatte er es töten müssen, damit seine Leute etwas zu essen hatten. Nachdem Malornos seine Geschichte beendet hatte, lag es an Vínhlur zu entscheiden, ob sie Malornos folgen sollten oder nicht. Vínhlur wusste jedoch, dass es völlig egal war, wie er entschied. Hätte er nein gesagt, so hätten die anderen ihn als Führer infrage gestellt und verlassen. Und was hatten sie schon zu verlieren? Würde Malornos sie zu Banditen führen, die sie ausrauben würden? Sie hatten ohnehin nichts mehr als die Lumpen an ihren Leibern. Also stimmte er zu und sie machten sich gemeinsam auf den Weg nach Wánet.

Der Marsch dauerte zwei Tage und führte sie wieder in die Nähe der Berge, doch als in einer Nacht wieder einmal die Wölfe gefährlich nahe an sie herankamen und sie schon die glühenden Augen sahen, rief Malornos mit donnernder Stimme einen Zauberspruch und vertrieb sie. Die Wölfe waren die einzigen Lebewesen, die ihnen auf ihrer Reise begegneten. Malornos half auch denen, die zu schwach waren, weiterzugehen, indem er ihnen etwas aus einer Phiole gab, die er in seiner Umhängetasche trug, und sie auf seinem Esel reiten ließ. Recht schnell nannten einige den Alten Veren und benannten ihn damit nach dem edlen Merohim, der einst den Menschen geholfen und sie vor Cevarin geschützt hatte. Vínhlur wollte nicht so weit gehen, doch konnte auch er nicht leugnen, dass Malornos ein Licht in der Finsternis war, das ihnen Hoffnung spendete.

Sie entdeckten Wánet, als die Sonne gerade unterging. So etwas hatten sie wegen der bleiernen Wolken lange nicht gesehen und so war der blutrote Himmel für sie ein Zeichen, dass die Sentarim ihnen gewogen waren. Malornos holte ein weißes Horn hervor, in das er dreimal hineinstieß. Aus einiger Entfernung kam aus der Stadt die Antwort und Malornos lachte. Es war eine alte Stadt, die vermutlich schon lange vor der Katastrophe verlassen und nun wieder besiedelt worden war. Hinter ihren steinernen Mauern ragten Türme wie zertrümmerte Zähne auf und Lichter brannten in ihren Fenstern. Vor den Mauern der Stadt waren keine Felder, auf denen Landwirtschaft betrieben wurde und auch keine Weiden für Vieh.

»Heute wird fürstlich gepeist!«, sagte Malornos und legte einem Kind einen Arm um die Schulter. »Gutes Fleisch aus der Zeit vor dem Untergang!«
Vínhlur ließ sich ein wenig zurückfallen, um einer Fraz aufzuhelfen, die gestolpert war. Er blieb einen Moment stehen und sah seinen Leuten zu, wie sie Wánet durch das mächtige Tor betraten. Oben standen Wachen, deren Gesichter von Tüchern bedeckt waren.

Heute würde in Wánet fürstlich gespeist werden.

#4 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Nharun 31.10.2021 14:15

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Die Kolonie-1B3 Fragmente




Private Video Message, PF-103/05/23/21:34:23, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1A2.CHEVAL.MAXIME
Jo Padre! Heute gab es in der Kolonie wieder Stromausfälle, der längste hat fast 30 Sekunden gedauert. Keine Ahnung, warum der Notstrom so lange gebraucht hat. Ich dachte schon, es ist ein Anschlag der Harmonists; die Sec hat ja vorgestern drei von diesen Fanatikern festgenommen, ich glaube sie sollten heute – oder morgen? – nach One gebracht werden, damit JUDGE über sie richtet. Aber Artiom - du erinnerst dich doch an ihn, oder? -hat gesagt, dass es eine ungewöhnliche Häufung von Energiespitzen und Subquantenelisionen im Reaktor gab. Er muss es ja wissen, er arbeitet ja schließlich am Reaktor. Tjoma hat mir zwar genauer erklärt, was da vor sich gegangen ist, aber ich hab‘ nicht mal die Hälfte verstanden. Du erinnerst dich bestimmt noch an meine Noten in Physik. Wolltest du mich nicht bald mal hier besuchen kommen? Du würdest dich bestimmt gut mit Tjoma verstehen, ihr könntet bestimmt stundenlang fachsimpeln.
Die Stimmung der Kolonie ist jedenfalls nicht die Beste. Auch ohne die die ständigen Stromausfälle. Das heute war übrigens der erste Stromausfall, der meine Arbeit nicht gefährdet hat. Weil ich frei hatte. Die Purists beharren darauf, dass unsere Technologie verfällt und wir uns technologisch, aber auch moralisch so sehr von der Alten Erde entfernen, dass morgen die Apokalypse droht. Würden die wie bei euch ein Terra Center eröffnen in dem man die ganzen alten Filme und VRs genießen könnte, wäre sie mir ja vielleicht noch sympathisch; aber letztens hat mir einer das Armband abgerissen, das Tjoma mir geschenkt hat, weil ich die ehrwürdige Uniform mit einem Gegenstand aus Alienpflanzen besudelt hätte. Ich frag mich, ob diese Spinner sich tatsächlich nur von den Konserven ernähren, die die Gründer vor knapp 100 Jahren mit hierhergebracht haben. Ich bin da eher bei den Progs, es liegt einfach daran, dass wir das, was wir haben, nicht richtig upgraden. Immerhin haben ja schon die Gründer erkannt, dass es diese Energiespitzen gibt und die Subquantenelisionen sind glaub ich auch von ihnen bereits entdeckt worden. Genug Zeit also. Apropos Zeit, ich hab mich ganz schön verquatscht. Padre, ich schick dir bald ein neues Video. Es sei denn, die Techniker kriegen es hin, dass wir wieder vernünftig streamen können. Aber ich glaube die Harmonists haben unsere Kommunikationsanlage nachhaltig geschrottet. Ciao, Padre, bis bald.

Private Audio Message, PF-103/05/30/08:03:40, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1B3.CLARK.FAHIMA
Tjoma hat heute Nacht so unruhig geschlafen, dass ich nicht schlafen konnte. Hat sich hin und her gewälzt und ließ sich durch nichts wecken. Jedenfalls nichts was ich ausprobiert hatte, ich wollte ihm nicht einfach einen Stim reinjagen. Der DOC wollte mir dann heute morgen einen Stim für mich autorisieren, damit ich arbeiten kann. Aber ich hab das Schlupfloch genutzt, dass die Symgenetics vor einem halben Jahr erstritten haben und habe das Stim aus „religiösen Gründen“ abgelehnt; jetzt bin ich zumindest für heute beurlaubt und kann ausschlafen, während Tjoma wieder im Reaktor arbeitet; der Mistkerl ist quietschfidel wie ein junger Calisthenic-Influencer und hat von seinem nächtlichen Workout gar nichts mitbekommen.

Private Audio Message, PF-103/06/16/12:31:34, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1A2.CHEVAL.MAXIME
Unfassbar! Unsere Vorfahren konnten durchs Weltall auf einen fremden Planeten reisen und wir haben jetzt aufgrund der ständigen Probleme mit dem Reaktor Sperrstunden für unseren Strom! Ganze Bereiche der Kolonie werden täglich für einige Stunden alternierend vom Netz genommen. Als ob wir im finsteren Zwanzigsten leben würden. Padre! Du hast doch Connections nach One, die sollen uns mal ordentliche Techniker schicken!

Private Audio Message, PF-103/07/04/21:43:26, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1B3.CLARK.FAHIMA
Alta, du kannst dir nicht vorstellen, was heute abgegangen ist. Tjoma hatte ja anders Schicht als ich und als ich nach Hause kam, da saß Tjoma auf unserem Bett, hatte das Kissen aufgerissen und kaute genüsslich auf dem Füllmaterial herum. Und im ganzen Zimmer lagen angefressene Konserven herum, ich glaube er hat sogar auf meiner Ersatzuniform rumgekaut. Weil er nicht auf mich reagiert hat, habe ich ihm einen Chillout-Stim reingejagt, als er dann nach Stunden wieder wach wurde, hat er sich an nichts erinnert. Hab gefragt ob er nen Fresskick hatte, was genommen habe, aber meinte, wenn wäre das Somnambulanz gewesen, weil die Arbeit im Reaktor derzeit so stressig wäre. Glaubst du das?

Private Audio Message, PF-103/07/11/07:21:53, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1B3.CLARK.FAHIMA
Tjoma spricht im Schlaf. Ich habe das heute Nacht aufgenommen. Unverständliches Zeug, keine Übereinstimmung mit irgendeiner Sprache in der Datenbank.

1B3.OmniDrive/CHEVAL.JEAN/Personal/Logs/Audio/unknown.aud/PF-103/07/11/03:33:33
Ummuya ama Tugath ushu Ummuya bhyx Ummuya blatha

Private Audio Message, PF-103/07/15/19:37:34, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1B3.CLARK.FAHIMA
Tjoma wurde heute beurlaubt. Er hat mir nicht gesagt, warum. Aber in seinem Kalender ist ein großes Checkup für morgen vermerkt; keine biometrische Untersuchung durch DOC, sondern eine richtige Untersuchung auf der Med.

Private Audio Message, PF-103/07/16/14:52:54, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1B3.CLARK.FAHIMA
Tja. Tjoma ist topfit. Er wurde sechs Stunden auf der Med auseinandergenommen. Außer den Stressparametern sind alle Werte im Normalbereich. Aber wegen der Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden, wird unser Zimmer jetzt videoakustisch überwacht. Wir werden denen jedenfalls ordentlich was zum Anschauen bieten.

Private Audio Message, PF-103/08/03/10:07:21, From: 1B3.CHEVAL.JEAN, To: 1A2.CHEVAL.MAXIME
Padre, es ist … Scheiße. Ich wurde heute aus der Med entlassen; ich kann mich selbst kaum erinnern was geschehen ist. Aber die Sec hat recht, die Videos zeigen eindeutig wie Tjoma versucht hat mich im Schlaf zu ersticken. Das biosynth-Ohr juckt noch ein wenig. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass die Liebe meines Lebens mich so zum Fressen gern hat. Die Energiespitzen sind wieder aus das normale Maß zurückgegangen, seit sie Tjoma in der Zelle haben. Anscheinend hat er wirklich Sabotage am Reaktor durchgeführt. Wenn die Sec mich nicht mehr braucht, mache ich mich auf den Weg zu dir.

1B3.SecLog.Classified, PF-103/08/01/02:05:41, SecOp Audio
Der Inhaftierte, Nandez, Artjom, wurde heute 0.43 von einem Sec-Officer im Rahmen der Notwehr erschossen. Der Inhaftierte hatte den Zellengenossen, den bekennenden Symgenetic und mutmaßlichen Harmonist Julian Hayce, mit einem selbstgefertigten Messer mit einem Schnitt die Bauchdecke geöffnet und war dabei in dessen Innereien zu wühlen, während das Opfer, mutmaßlich unter Schock, jubilierend schrie „Die Ankunft ist nah“. Als zwei Sec-Officer in die Zelle kamen, stürzte Nandez auf diese zu und Sec-Officer Xi Mandela feuerte zwei Schuss mit der Dienstwaffe auf ihn.
DOC und FREUD müssen dringend überprüft werden, ein derartiges Verhalten des Inhaftierten Nandez war von ihnen nicht prognostiziert worden.

1B3.SecLog.Classified, PF-103/08/01/00:41, Cell-A03 Audio
Zultid anagorel - Die Ankunft ist nah Zultid anagorel Bha adabys - Die Ankunft ist nah! - Kaltakmi Ummuya! Zultid anagorel Bha adabay - Erzittert ihr Menschen! Die Ankunft ist nah! -
JO ALTA, GEHEN SIE WEG VON IHM! HÄNDE HOCH WO ICH SIE SEHEN KANN. - Die Ankunft ist nah! - THYA - *Schüsse fallen* *Etwas schweres fällt zu Boden* SecOps! SecOps! Zwei Inhaftierte tot, keine Verletzten. - Bharacapas. Zultid anagorel [Audiorauschen]

#5 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Elatan 31.10.2021 21:34

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@Nharun: Ein schauriger Einblick in diese Zeit, da möchte man kein Kolonist sein! Was sind Calisthenic-Influencer?

#6 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Nharun 02.11.2021 19:20

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@Elatan & @DrZalmat das sind sehr schönige, stimmige Geschichten!

@Elatan Da fehlt ein -s; "Calisthenics" sind Eigengewichtsübungen, auch Street-Workout genannt (siehe Wiki)

#7 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Elatan 02.11.2021 20:25

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Zitat von Nharun im Beitrag #6
@Elatan Da fehlt ein -s; "Calisthenics" sind Eigengewichtsübungen, auch Street-Workout genannt (siehe Wiki)


Okay, das hätte ich mit dem s nicht gekannt.

#8 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Chrontheon 03.11.2021 00:49

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #2
Es starrte mich an, aber hatte keine Augen. Es hatte keine Augen aber starrte mich an!

Dementoren haben auch keine Augen.


@Elatan: Ich hab geahnt, dass es am Ende noch eine Wendung geben musste!


@Nharun: Hab ich das richtig verstanden, dass am 15.07.103 zwei Audio Nachrichten zur gleichen Zeit verschickt/empfangen wurden?

#9 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Nharun 03.11.2021 20:00

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@Chrontheon Das hast du richtig erkannt, es ist aber durch Copy-n-Paste entstandender Mumpitz, der keinen Sinn ergibt, da in dem ersten Beitrag ja steht, dass die Untersuchung "morgen" ist, der zweite Beitrag muss also einen Tag später sein. (Ich hab das zweite Datum in meinem Beitrag korrigiert)

#10 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Harbut 04.11.2021 23:04

@DrZalmat Ich werde die nächsten Tage nicht in den Wald gehen. Sehr schöne Geschichte.
@Elatan ich verzichte freiwillig aufs Essen. Ich vermute einfach mal, es gibt zartes junges Fleisch. :( Guten Appetit. Gefällt mir sehr! Nur der Titel passt nicht. ;)
@Nharun Muss zugeben, bin fasziniert. Ein Virus?

Na dann gibt es dieses Jahr wohl die Fortsetzung von Kasiopaia und ihren Zwergenspähern. Für den ersten Teil der Geschichte: https://www.das-imaginarium.de/t325f22-Halloween-Das-Imaginarium-des-Grauens-Das-Grauen-kehrt-zurueck.html#msg5048


Kasiopaia hörte ihre Kameraden und wollte schreien… sie wollte einfach aufspringen, zu ihnen laufen und sie warnen. Doch sie hatte zu viel Angst. Sie war eine gestandene Zwergin, die die als Kind immer gehänselt wurde, die die sich Beschimpfungen anhören musste, die die als Findelkind von einem Zwergenhändler von einer Sklavenkarawane gekauft wurde. Sie hatte es nicht so weit gebracht, um in einer stinkenden Höhle von einem mystischen und längst ausgestorbenen Unwesen gefressen und ausgespuckt zu werden.


Sie horchte in die Stille, Minutenlang. Vielleicht auch stundenlang. Der ätzende Geruch ihrer ausgespuckten Kameraden war noch immer allgegenwärtig. Milimeterweise bewegte sie sich aus ihrer kleinen Nische. Sie horchte, roch und versuchte jede noch so kleine Veränderungen des Luftdrucks zu spüren. Nichts. Es war einfach nichts zu hören oder spüren, nur der Gestank war da. Er war überall. Langsam verlies sie die Nische und bewegte sich auf allen vieren in Richtung Höhlenausgang. Als sie die große Höhle durchkroch merkte sie, wie ihre Lederhandschuhe und Knie langsam feucht wurden, aber sie kroch langsam und leise weiter. Es erschien ihr wie eine Ewigkeit, bis sie die andere Seite der Höhle erreichte. „Der Tunnel muss hier irgendwo weiter gehen. Mein Orientierungssinn verlässt mich nie.“ flüsterte Kasiopaia vor sich hin. Kaum das sie ihre Gedanken ausgesprochen hatte, ärgerte sie sich über ihre Dummheit. Aber nun bemerkte sie etwas. Jemand oder etwas war nicht weit neben ihr. Sie hielt den Atem und horchte. Wieder verging eine Ewigkeit und sie spürte etwas neben sich. Vorsichtig griff sie nach ihrem Dolch, alle anderen Waffen hatte sie verloren und zog ihn. „Pssst!“ kam es ganz leise an ihr Ohr als jemand in einer unglaublich schnellen Bewegung ihr den Mund zuhielt und ihre Dolchhand fixierte. „Pssst, ich bins Fronor. Folge mir ganz langsam und still.“ Kasiopaia nickte ganz langsam und fing an Fronor zu folgen. Zusammen krochen sie einige Minuten bis Kasiopaia einen ganz schwachen Lichtschein sehen konnte. Fronor drehte sich zu ihr um, nickte leicht und stand auf. Immer noch langsam, aber nun etwas schneller gingen sie gebückt Richtung Licht. Kurz darauf wurde der Lichtschein größer und sie konnten den Ausgang sehen. Sie wollten rennen, einfach nur losrennen und diese Höhle des Grauens verlassen, aber Fronor hielt sie zurück. Irgendwann erreichten sie endlich den Höhlenausgang. Er lag ca. 100m neben dem alten Ausgang und Fronor deutete Kasiopaia in Richtung Lager.



Fronor mit seinen 31 Jahren, war noch ein sehr sehr junger Zwerg und war nur auf Grund seine sehr guten Leistungen als Jäger ihrem Spähtrupp zugewiesen worden. Sie gingen still zum Lager und entdecke dort Jorin und Ward, zugedeckt in Decken an einem kleinen Feuer. Kasiopaia schaute zu Fronor, welcher aber nur leicht den Kopf schüttelte. „Ich habe sie so schon in dem anderen Höhleneingang gefunden. Beide riechen als wenn sie schon tot sind und atmen kaum noch.“ „Wir müssen sie sofort töten und ihre Leichen verbrennen. Komm hilf mir!“ flüsterte Kasiopaia zu Fronor. „Was? Das kann nicht dein Ernst sein… wir müssen Hilfe holen!“ schrie Fronor fast. Kasiopaia trat ganz nah an Fronor und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Fronor wurde blaß, sehr blaß und schaute Kasiopaia ungläubig an. „Madenwurm…“ war das einzige Wort was ihm über die Lippen kam. Dann bewegten sie sich langsam zu Jorin und Ward.
Sie waren fast bei ihnen, als Jorin anfing sich zu bewegen. Ruckartige Bewegungen, ein unkontrolliertes Zucken. Kasiopaia griff nach der Repetierarmbrust, welche neben dem Feuer lag und legte auf Jorin an. Sie wollte gerade feuern, als Ward sich aufrichtete, Fronor und Kasiopaia anschaute und sein Mund öffnete. Sie schwang herum und drückte ab. Fünf Bolzen trafen Ward und ein unglaubliches Quieken schien aus Ward rauszukommen. In der Zeit war Fronor mit einer Fackel da und zündete beide Zwerge an. Ward, zuckte kurz und eine grüne Flüssigkeit lief aus seinen Wunden und dem Mund. Jorin zucke noch ungefähr eine Minute und erschlaffte dann ebenfalls.


„Wir müssen das melden. Sofort! Wir brechen sofort auf, nimm deine Sachen und weg hier.“ sagte Kasiopaia zu Fronor.

#11 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Nharun 05.11.2021 21:14

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@Harbut Ich finde es toll, dass du eine Fortsetzung lieferst! Zu deiner Vermutung zu meinem Beitrag: Es handelt sich um einen klassischen Fall von Besessenheit

#12 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Teja 22.11.2021 08:42

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Ich mag alle eure Beiträge! Es ist schön, wie viele Geschichten zusammen gekommen sind! Ein dickes Lob an alle!

#13 RE: Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft von Efyriel 15.01.2022 13:09

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Oh, ich habe hier ja noch gar nicht hinein geschrieben, dabei habe ich alles schon vor einiger Zeit gelesen.
Mir gefallen eure Beiträge zum Thema gut.
Ich finde die Geschichten tatsächlich ziemlich unheimlich. Selbst bin ich ja nicht so gut in unheimlichen und gruseligen Geschichten.
Dabei habe ich gerade eine Geschichte (oder der Anfang von einer), die in dieser Kategorie gar nicht so verkehrt wäre.

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