#1 Der Imaginariums Gabentisch 2021 von Elatan 29.11.2021 10:59

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Hohoho, Jungs und Mädels! Nicht mehr lang dauert's, dann kommt ein
dicker, alter Mann mit einem prallen Sack, um uns alle zu beglücken!

Ja, Weihnachten steht vor der Tür und das heißt, dass auch wir hier im
Imaginarium wieder für etwas Stimmung und Freude sorgen wollen. Und was
außer Plätzchen, Tannenbäume, Adventskranz, Zuckerstangen, Elfen,
Weihnachtsmännern, Schokolade, Geschenken, Krippen, Weihnachtsliedern,
Schnee, Lebkuchenhäusern und Drei Haselnüssen für Aschenbrödel könnte
für mehr Weihnachtsstimmung sorgen als ein Gabentisch hier im
Imaginarium, auf dem ihr für die anderen kleine, aber feine Dinge
platziert, um sie zu erfreuen?

Wie schon letztes Jahr wäre es sehr schön, wenn ihr daher zwischen dem 24. und 26. Dezember hier an dieser Stelle
eure Geschichten oder Gedichte präsentiert, die zu Weihnachten passen.
Natürlich gibt es vermutlich in den wenigsten eurer Welten Weihnachten,
aber das, um was es für für viele bei Weihnachten wirklich geht, ist,
denke ich, universell. Euch fällt nicht ein, was ihr schreiben könntet?
Kein Problem! Auch Bilder sind immer gerne gesehen oder vielleicht
komponiert ihr sogar ein kleines Liedchen und ladet es hier hoch. Auch
Tutorials oder Tools zum Weltenbau wären großartige Geschenke!

Also denkt euch etwas aus und zeigt es uns zu Weihnachten!

#2 RE: Der Imaginariums Gabentisch 2021 von Elatan 24.12.2021 10:57

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Der Winterstern


Einst lebte am Ufer des Pinendyn ein Fischer, dessen Vorväter einst dorthin geflohen waren, um ihre Freiheit gegen den Schutz einzutauschen, den die Elben von Vimear einem jeden Menschen boten, der sich ihnen beugte. Der Fischer aber wurde in einer Zeit geboren, in der es selbst dem Schönen Volk immer schwerer fiel, sein Versprechen von Frieden und Obhut zu erfüllen. Jenseits der Wälder und Berge bekriegten sich die Menschen und warfen das kostbare Geschenk des ohnehin so kurzen Lebens weg für sinnloses Streben nach vergängliche Macht und wertlosen Reichtum.

Und in Zeiten der Dunkelheit wird das Böse genährt und wächst und so kam es, dass die eklen Knechte Cevarins, die sich nach seinem Sturz in die Eingeweide der Erde gegraben hatten, um dem gerechten Zorn ihrer Feinde zu entgehen, nun hervorkamen, um die Länder zu verheeren. Orks kamen von den Bergen herab und überall dort, wohin sie kamen, hinterließen sie nur Tod und Zerstörung. Die Elben ritten aus, sich ihnen zu stellen, doch manch Recke fiel der Tücke der Orks zum Opfer, die nicht viel hielten vom Zweikampf von Angesicht zu Angesicht, sondern feige aus dem Hinterhalt und immer in Überzahl über die Edlen kamen, die den Kampf suchten.

Daher begannen die Menschen Vimears zu klagen und zu murren und der Fischer war derjenige unter ihnen, der seine Stimme am lautesten erhob.

„Unsere Freiheit gaben wir Menschen auf, damit die Elben uns schützen, doch während wir noch immer auf ihren Feldern arbeiten und in ihren Seen fischen, damit sie eine gut gedeckte Tafel haben, die wir ihnen schnitzen, halten sie ihren Teil der Abmachung nicht ein!“, sagte er. „Aber lassen sie uns deswegen gehen? Nein! Sie schränken unsere Freiheit zu unserem angeblichen Schutze noch weiter ein, doch ist alles vergeblich und nun überreden sie bereits die tapfersten und stärksten von uns, sich ihnen im Kampf anzuschließen!“

Den Elben aber gefielen die Worte des Fischers nicht, denn die Wahrheit, die in ihnen lag, verletzte sie und sie nannten ihn in ihrer Sprache Ulriemor, den Unruhigen, und der Fischer fand Gefallen an diesem Namen und bald schon trug er ihn mit stolz. Sein Herr Elintur aber sah mit Sorge und wachsendem Zorn zu, wie der Fischer die Menschen in seinem Dorf aufwiegelte, und so ließ er ihn zu sich kommen.

„In wahrhaft dunklen Zeiten leben wir“, sagte der Elbenfürst zum Fischer, „und durch deine Reden machst du sie nicht leichter. Du sagst den deinen, sie wären ohne die schützende Hand der Elben nicht schlechter dran; dass sie ohne die Schwüre, die sie an uns binden, ihr Glück finden könnten. Doch was ist dort hinter unseren Grenzen für eine Welt, in der die Menschen einander töten? Ist dies das Glück, von denen du ihnen erzählst?“

Und Elintur beschloss, Ulriemor mit sich zu nehmen, wenn er in den Kampf ritt, sodass er nicht weiter Unruhe in die Herzen der Menschen in der Heimat pflanzen würde.

Der Fischer ging mit dem Elbenfürsten und folgte ihm in manchen Kampf mit Orks und grausigeren Kreaturen und Elintur lernte den Fischer zu schätzen und als ein gewaltiges Heer aus den Bergen hinab nach Vimear marschierte und der Himmel sich dunkel färbte vom Rauch ihrer stinkenden Lagerfeuer, da kamen die Anführer der Elben zusammen und versuchten sich Mut zu machen mit Geschichten alter Heldentaten.

„Ach, hätten wir doch noch Helden wie Fiyelcaron unter uns, der in den alten Tagen Furcht über die Diener des Bösen brachte, wenn er mit seinem Schwert Sirilfear gegen sie ritt! Niemand wagte es mehr, sich ihm zu stellen und Sirilfear wurde das Verhängnis unzähliger Orks, die sich, so heißt es, noch heute an seinen Silberglanz erinnern und das Wissen über es weitergeben von Vater zu Sohn.“

„Doch wenn sie von Fiyelcaron und seiner Klinge sprechen, dann tun sie es nicht, um einen geachteten Feind zu ehren“, sagte da ein anderer Krieger, „denn die Geschichte, die sie sich am liebsten erzählen, ist, wie Fiyelcaron auf dem gefrorenen Pinendyn gegen Cachtermor focht und obwohl er den Hauptmann Cevarins niederrang, so riss dieser den Helden doch mit in die Tiefen des Sees, wo sie beide ein eisiges Ende fanden.“

Und als die Elben so über das Ende eines Großen unter ihnen klagten, da erinnerte sich Ulriemor an die Geschichte, die sein Großvater ihm immer erzählt hatte: In kalten Winternächten, wenn die Tage am kürzesten waren, dann stand der Winterstern am Himmel und sein Großvater deutete auf jenes glänzende Licht am Firmament und dann auf den See, auf welchem sich die Sterne spiegelte. Denn auch Ulriemor, wenn auch nicht gebildet wie die Elbenfürsten, hatte von Fiyelcaron gehört, den er unter dem Namen Faelheort kannte. Und die Geschichte seines Großvaters endete nicht in Trauer und Klage über das Ende des Helden, sondern in der Erzählung, dass der Sentar Peiarur an seine Ruhmestat erinnern wollte und daher den Winterstern hell erstrahlen und sich im See an jener Stelle spiegeln ließ, an welcher der letzte Kampf stattgefunden hatte.

Und wie als habe ihm ein Freund einen sanften Stoß gegeben, um ihn zum Handeln zu bewegen, kniete Ulriemor vor Elintur nieder, nahm dessen Hand und küsste sie.

„Fürst, die Elben in ihrer Weisheit mögen keine Hoffnung sehen, doch ein närrischer Mensch glaubt doch, sie selbst in dieser dunklen Stunde zu erkennen“, sagte er. „Ich bitte dich, Herr, lass mich gehen und sehen, ob ich nicht meinen Teil dazu beitragen kann, das Unglück abzuwenden.“

„So geh denn“, sagte der Elbenfürst und nahm die Hände seines Dieners in die seinen. „Warne jene, die daheim zurückblieben, wenn es dies ist, was du verlangst.“


„Ich werde es tun“, sagte Ulriemor, „wenn es auch nicht das einzige ist, zu was mein Herz mich drängt.“
Und der Elbenfürst ließ dem Fischer eines seiner schnellsten Pferde geben, mit dem er ohne zu rasten und zu ruhen zurück in sein Heimatdorf ritt und Mensch und Elb warnte vor der Gefahr, die ihnen drohte, doch sagte er auch, dass es vielleicht noch Hoffnung gab. Ehe sie ihn noch fragen konnten, welche Hoffnung es denn noch geben könnte, machte Ulriemor sich noch in der Nacht auf zu seinem Boot und er ruderte hinaus auf den See, der noch nicht ganz gefroren war. Bis zu jener Stelle, an der sich der Winterstern auf seiner schwarzen Oberfläche spiegelte, fuhr der Fischer hinaus. Es drohte ihn, der Mut zu verlassen, doch überwand er Furcht und Zweifel und sprang in das eisige Wasser.

Für einen Augenblick drohte er zu versagen, doch plötzlich war ihm, als erfüllte ihn eine Wärme und er tauchte hinab und am Grunde des Sees, wo es kein Licht geben konnte, sah er einen Glanz, der immer stärker wurde, je näher er ihm kam und dort auf dem Grund steckte das Schwert der Legende, das Veren selbst einst geschmiedet haben sollte. Er griff nach der noch immer tadellosen Klinge und als seine Hand den Griff umschloss, schöpfte er neue Kraft und mit ihr schwamm er wieder hinauf, wo es schien, als leuchteten die Sterne heller als je zuvor.

Ulriemor stieg zurück in sein Boot und er achtete nicht auf die Kälte, die ihn nun zu übermannen drohte. Er ruderte zurück ans Ufer und ließ sich nicht von seinen besorgten Liebsten aufhalten, als er wieder auf das Pferd stieg.

Als Ulriemor im Heerlager seines Fürsten ankam, war er fast erfroren und das Pferd brach vor Erschöpfung zusammen, als man ihm aber sagte, Elintur habe bereits Stellung auf den Hügeln bezogen, lief Ulriemor mit dem Schwert in der Hand zu ihm, während er bereits das Geschrei und Gekeife der Orks hörte, die auf misstönenden Hörnern zum Angriff bliesen. Vor seinem Fürsten brach Ulriemor zusammen und er konnte seine Finger kaum noch vom Griff der schönen Waffe lösen, als er sie zitternd Elintur überreichte. Und der Elbenfürst war ergriffen von dem Opfer, dass der Mensch gebracht hatte und er schwor ihm, ihm jeden Wunsch zu erfüllen.

Da sagte Ulriemor:
„Herr, lass von den Menschen gehen, wer will, doch schütze die, welche bleiben.“
Und nachdem der Fischer die Augen geschlossen hatte, küsste der Elbenfürst ihm die Stirn und ließ ihn in seinen eigenen Mantel wickeln und fortbringen, ehe er selbst sich erhob und sich vor seine Soldaten stellte, als die Feinde voranstürmten. In der Hand des Elbenfürsten erstrahlte Sirilfear im Glanze der Morgensonne und die Feinde wurden geblendet. Manch einer stolperte noch vorwärts, ehe einige zu schreien begannen:
„Der Weißdorn! Des großen Hauptmannes Verderbnis!“ und andere jammerten: „Der verfluchte Elbenkönig ist seinem eisigen Grab entstiegen! Was tot ist, kann nicht sterben!“

Und Panik überkam die Orks und sie begannen zu fliehen und jene unter ihnen, die zu tapfer oder zu einfältig waren, sich von ihrem entschlossenen Angriff abbringen zu lassen, wurden von den eigenen Kameraden niedergetrampelt, und jene, die auch diesem Schicksal entgingen, fanden ihr Ende durch die weißbefiederten Pfeile der Vimeari und die Lanzen ihrer Reiter.

So wurde denn das Heer der Orks geschlagen und für viele Jahre trauten sie sich nicht mehr aus ihren finsteren Höhlen hinaus. Eine Zeit des Friedens und Wohlstandes folgte, in welcher jedes Jahr zur Wintersonnenwende, wenn der Winterstern erstrahlte, nicht mehr nur dem Kampfe Fiyelcarons mit dem Dämonenhauptmann gedacht wurde, sondern auch des Fischers, dem sein eigenes Leben nicht so teuer war, wie die Leben der Menschen und Elben Vimears und selbst Jahrhunderte später noch nannten die Elben ihn einen der Großen unter den Menschen. Elintur hielt sein Versprechen und ließ jeden gehen, der ihm nicht mehr dienen wollte, doch waren es nur noch wenige, die ihn nun verlassen wollten.

Die Tage des Fischers aber hatten an jenem Tag nach der Wintersonnenwende ein Ende gefunden, denn Ulriemor fuhr nie wieder hinaus auf den See, weil er dort fischen musste. Nachdem die Tochter des Elbenfürsten ihn gesund gepflegt hatte, war er bis zu seinem Tod in einem ungewöhnlich hohen Alter der engste Vertraute und treueste Freund Elinturs, den man bald schon in ganz Vimear Anaremedh, Menschenfreund, nannte.

#3 RE: Der Imaginariums Gabentisch 2021 von Nharun 25.12.2021 15:21

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Der lange Weg nach Hause



Lange Zeit vor Übermorgen hatte der Schneevater die ganze Nacht und den ganzen Vormittag Schnee über dem Land ausgeschüttet und war davon erst nach dem Mittag müde geworden.

Hoch lag der Schnee zwischen den Häusern und auf den Dächern, auf den Feldern, Wiesen und Bäumen, zaghaft glitzernd im schüchtern zwischen dicken Wolken hervorbrechenden Sonnenlicht. Niemand hatte Lust an diesem Tag das Haus weit zu verlassen und auch die Kindern, die im Schnee herumtollten wurden schnell müde und wärmten sich drinnen am Feuer - so anstrengend war es durch den hohen Schnee zu stapfen.

In einem Waldstück zwischen den Dörfern stapfte aber ein einsamer Wanderer durch den Schnee. Er war im nächsten Dorf zu Besuch gewesen und wollte wollte noch vor den Rauchnächten wieder Heim kehren. Auch er war müde, denn auf den Schnee war er nicht vorbereitet gewesen, als er am Abend zuvor aufgebrochen war. Doch er eilte sich, sagte sich selbst, dass er vor der Müdigkeit davonrannte, als von ihr gefangen zu werden um im Schnee zu erfrieren.

Doch auf einmal bemerkte er etwas ganz Erstaunliches. In einiger Entfernung erblickte er einen Trampelpfad durch den Schnee, den sich Tiere getreten hatten. Das allein war noch nicht Erstaunlich, dergleichen hatte er schon oft im Winter gesehen. Außergewöhnlich war, dass hier verschiedene Tiere eins hinter dem anderen durch den Schnee gingen, große Tiere und kleine. Der Wanderer konnte nicht erkennen wohin dieser Pfad führte, denn er verschwand hinter der nächsten Hügelkuppe, aber er sah eine Gruppe Tiere diesen Pfad beschreiten, unterschiedlichste Tiere, unterschiedlicher Größe, einen Hirsch, eine Wildgans, ein Wildschwein und noch viele andere.

Doch als wäre das noch nicht sonderbar genug gewesen, geschah etwas noch Merkwürdigeres: Die seltsame Prozession der Tiere bliebt unvermittelt stehen und er konnte nicht erkennen warum. Als er sich anstrengte und genauer herüber spähte, erkannte er, dass nicht der Hirsch, den er für den Anführer dieser Prozession gehalten hatte, die Truppe anführte, sondern noch vor ihm ein kleines graues Mäuschen gegangen war, das nun auf dem Pfad verharrte.

Der Wanderer konnte beim besten Willen nicht erkennen, warum das kleine Mäuschen nicht weiterging und wunderte sich, dass der Hirsch und auch all die anderen Tiere nach ihm einfach stehen geblieben waren. Der Hirsch war um so viel größer als das Mäuschen und hätte einfach einen gewandten Schritt darüber machen können, um seinen Weg fortzusetzen, die Gans ihre Flügel ausbreiten und voranfliegen können, selbst das Wildschwein hätte einfach einen Schritt darüber machen können. Aber alle standen nur da und warteten geduldig worauf auch immer das kleine Mäuschen wohl warten konnte.

Nach einer dem Wanderer schier ewig erscheinenden Zeit setzte sich die Prozession der Tiere wieder in Gang, als wäre nichts gewesen.

Während der Wanderer die Kälte aus seinen Gliedern schüttelte, die sich beim Warten und Beobachten hineingeschlichen hatte, wunderte er sich und fragte sich, wie das wohl sein könne, dass alle Tiere in dieser Prozession so geduldig und wohlgefällig gewartet hatten. Doch als das Gefühl in seine Fingerspitzen zurückkehrten, kam ihm die Antwort auf seine Frage in den Sinn: Alle sollten am Ziel ankommen, es kam überhaupt nicht auf die Zeit an.

So setzte er seinen Weg fort und kam nach Mitternacht im heimatlichen Dorf an, wo er sich am Feuer wärmte und von seinem seltsamen Erlebnis das erste Mal berichtete.

#4 RE: Der Imaginariums Gabentisch 2021 von Harbut 26.12.2021 13:15

Wie der Stammbaum von Brima Rabenauge aus dem Clan der Rabenjäger entstand - Von Herite Papierschneider aus dem Clan der Grünbauer.

Wir haben nur sehr wenige Informationen über Birma Rabenauges Vorfahren. Was aber sicher ist, dass ihr Urahne Hamar Raubein durch eine glückliche Fügung vom Clan der Rabenjäger adoptiert wurde und so diese Clans zu einem wurden. Im Clan der Rabenjäger ist dies als ihre Ahnengeschichte bekannt. Hierbei berufen sie sich immer wieder auf das Tagebuch ihres großen Clanführers Hamar Raubein.
Wie wir alle wissen, ist der Ahnentag (Der sieben Tage lang dauert) einer der wichtigsten Feste. Er wird genau zur Wintersonnenwende gefeiert, damit die Ahnen uns ihren Segen für das neue Jahr geben. Laut den Aufzeichnungen von Hamar Raubein, sollte der Ahnentag im Jahr 250 n.H. der letzte für den Clan der Vorhämmer sein. Er wurde es, aber anders als gedacht.

Tagebuch von Hamar Raubein aus dem Clan der Vorhämmer
30ziger Tag des 12ten Monats, 250 nach Hirat.

Unsere Wehrstadt liegt nun seit 14 Jahren unter Belagerung dieser stinkenden Orkse. Belagerung kann man es nicht nennen, sie lassen uns einfach nicht raus. Sie greifen nicht an, sie haben einfach eine Holzmauer gebaut und dahinter ihr Lager. Was sollen wir tun? Morgen ist Ahnentag und wir haben nicht mal mehr genug Essen für uns. Wir sind zu wenige… Wie sollen wir da unseren Ahnen gedenken, feiern und uns über das Leben freuen? Wir haben nicht einmal mehr genug Kohle und andere Brennmaterialien um uns warm zu halten. Wir sterben.

Meine Großmutter sagte mir, dass sie in ihren 278 Jahren noch nie erlebt hätte, dass Zwergenbälger mit gerade einmal 17 Jahren schon mit Rüstung und Schild herumlaufen, es an Essen oder Brennstoff mangelt. Sogar unser weniges Zwarium ist leer. Es macht das Wasser nur noch lauwarm.
Wir haben eine schwere Zeit. Seit Jahren kamen keine anderen Zwerge mehr bei uns an. Seit zwei Generationen, seit der Schlacht kamen keine Zwerge mehr zu uns. Was haben wir getan? Großmutter sagte mir immer, ich sei zu jung um alles zu verstehen. Aber ich verstehe gut. Wir sind allein. Morgen sollten wir feiern, morgen sollten wir ehren, morgen sollte ich endlich meine Technikerausbildung beginnen dürfen, morgen sind wir tot. Warum soll ich das alles aufschreiben? Großmutter sagt immer, es ist wichtig zu sein, zu beschreiben und seinen Weg aufzuzeichen, aber wozu? Die Orkse werden immer mehr und sie haben angefangen große Türme zu bauen, Rammböcke, so groß wie unser Tor und viele viele Holzmauern die sie langsam…

Von hier an sind die nächsten Seiten von Hamar nicht mehr leserlich. Der nächste leserliche Eintrag ist der 6te Tag des 1ten Monats, 251 nach Hirat.

Ich weiß nicht wie ich unsere Situation beschreiben soll. Am Ahnentag, wie durch ein Wunder, kamen zwei Zwerge bei uns an. Sie sind einfach durch das Holztor der Orkse gelaufen und haben bei uns an der Tor geklopft. Ich weiß nicht was sie mit Großmutter besprochen haben, aber ich habe sie in meinen kurzen 17 Jahren noch nie so glücklich gesehen. Die Zwerge waren nur sehr kurz da und verschwanden wieder in das Lager der Orkse. Kurz vor Einbruch der Nacht kamen 10 Wagen, gezogen von Ribhorns, ich hatte bis dahin noch nie einen gesehen, und 100 schwer gerüsteten Zwergenkrieger die auf Ribhorns ritten zu unserem Tor. Die Orkse waren in einer großen Unruhe und schienen noch aggressiver als sonst zu sein.
Auf jeden Fall brachten 5 der Wagen Nahrung und Bier, 3 brachten Munition und 2 waren voll mit Zwarium. Dieser Reichtum war unbegreiflich. Meine Großmutter sagte mir, dass die Minen geschlossen sein und es kein Zwarium mehr gebe. Es klopft. Ich muss aufhören zu schreiben.

14ter Tag des 1ten Monats, 251 n.H.

Ich realisiere heute erst, dass ich Techniker werden. Ich soll sogar Ingenieur werden. Als sie es mir am Ahnentag sagten, habe ich es nicht geglaubt oder begriffen. Das muss der glücklichste Tag meines Lebens gewesen sein. Als Geschenk bekam ich eine Kristallschutzbrille mit Vergrößerungsglas. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Großmutter sagte, es gibt nicht mehr viele Techniker und Ingenieure. Noch weniger Technik. Ich beginne die Ausbildung zum Techniker und dann soll ich Ingenieur werden.

Seit dem Ahnentag hat sich viel bei uns verändert, es sind erst 15 Tage vergangen, aber… es ist anders. Großmutter ist den ganzen Tag in Beratungen, eine große sehr weiße Zwergin mit stechend roten Haaren begleitet sie die ganze Zeit. Sie trägt keine Rüstung, nur ein Ledergewand und eine Art Rohr mit Holzstück am Ende. Die Zwerge die uns gerettet haben, sind vom Clan der Rabenjäger, ich erkenne ihr Wappen. Ein Rabe der auf einem blauen Schild sitzt, das linke Auge verbunden, im rechten Flügel ein Bolzen. Warum hat ein Clan solch ein negatives und herabwürdigendes Wappen? Egal, sie haben uns gerettet. Die Orkse sind weg. Sie haben alles stehen und liegen gelassen und sind weg. Unsere Späher haben ca. 40 tote Orkse in ihrem Lager entdeckt, scheinbar getötet von ihresgleichen. Unsere Ahnen müssen kurz vor unserem Ende noch Erbarmen gehabt haben.

Ich glaube, dieser Ahnentag wird uns verändern. Ich weiß nicht wie und warum, aber wir werden den Ahnen danken, dass wir weiter sein dürfen. Wir werden diesen Tag nicht mehr als ein selbstverständliches Fest betrachten, wir werden dankbar und stolz sein, wir werden die Ahnen ehren.


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@Elatan Wow, ich habe mich sehr gefreut die Geschichte zu lesen. Erst einmal, weil sie ebenso eine nicht typische Weihnachtsgeschichte ist. Finde vor allem die Wendung schön, wo der "grummlige" Fischer, merkt, dass auch er helfen kann.
@Nharun Ich habe deine Geschichte nun zweimal gelesen und glaube das ich sie immer noch nicht verstanden habe. Das mit dem Weg und Ziel und gemeinsam ankommen ist klar, aber warum die verschiedenen Tiere und wieso laufen die zusammen?

#5 RE: Der Imaginariums Gabentisch 2021 von Nharun 29.12.2021 00:02

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@Harbut Ich gebe zu, die Geschichte ist nicht das Gelbe vom Ei; sie basiert auf den zugegebener Maßen schwammigen Erinnerungen an eine Geschichte für Kinder, die ich vor einiger Zeit hörte; im Original kamen außer einer Maus aber auch Tiere wie Elefanten vor ... in meiner Version der Geschichte handelt es sich bei den genannten Tieren um die Göttertiere der antiken Arbaren, die in dieser späteren Geschichte nur noch als verblasste Erinnerung eine Rolle spielen; für die asiranistisch geprägte Zuhörerschaft verbirgt sich hinter dieser seltsamen Tierprozession vermutlich nichts und sie wirft ähnliche Fragen auf, wie du sie dir stelltest - in einem vermuteten, älteren Kern der Geschichte hatte sie bestimmt eine religiöse Bedeutung.

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