#1 Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 02.03.2019 22:23

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Nachdem ja viele der Mitglieder hier auch das andere Forum kennen und somit auch über Silaris soweit Bescheid wissen, weiß ich nicht so genauo, ob es nötig ist, die Welt hier noch einmal komplett neu vorzustellen.
Ich denke aber, diese Geschichte eignet sich ganz gut, um einen Überblick zu bekommen, mehr wird sicherlich noch Folgen.


Die 111. Pan-Silarisch Chemiewaffenkonferenz


Abena war stolz und zugleich aufgeregt. Zum ersten Mal durfte sie die Delegation ihres Landes zu einem der großen Treffen der Gesellschaft für den ethischen Umgang mit Chemie und Elementarmagie begleiten. Zu dieser Konferenz schickte jedes Mitgliedsland eine Delegation aus hochrangingen Politikern und Elementarmagiern und in diesem Jahr war Abena eine von ihnen.
Sie wusste, dass es noch nicht zu ihren Aufgaben gehören würde, selbst für ihr Land zu sprechen, sie war dabei, um zuzuhören und sich einen Eindruck von diesen Konferenzen und den Positionen der verschiedenen Länder zu verschaffen.
Für Abena war dies die erste Reise ins Ausland. Dageyranische Elementarmagier durften ihr Land erst dann verlassen, wenn sie ihre Ausbildung beendet hatten und als vertrauenswürdig galten. Die junge Kohlenstoffmagierin war stolz darauf, dass ihr nicht nur dieses Vertrauen entgegengebracht wurde, sondern dass sie sogar auserwählt worden war, sich am Kampf gegen die Anwendung von Chemiewaffen zu beteiligen.

Die Konferenz fand in der ruarischen Stadt Elkmar statt. Hier herrschte Winter und Abena war froh, dass ihre Freundin und Mentorin Risha ihr rechtzeitig erklärt hatte, welche Kleidung sie für die hiesigen Wetterbedingungen brauchte. Trotz des warmen Mantels fror sie im kalten Nieselregen von Elkmar.

Das Hotel, in dem die Tagungsgäste untergebracht waren, das Kongresszentrum und der Park dazwischen waren von der ruarischen Polizei weiträumig abgesperrt worden, offenbar fürchteten sie Anschläge auf die versammelten Besucher.
„Unter den Teilnehmern sind viele Minister“, erklärte Risha. „Da gelten natürlich strenge Sicherheitsvorkehrungen. Außerdem haben einige der teilnehmenden Elementarmagier jede Menge Feinde, untereinander und von außen.“
Abena verstand, dass die Behörden versuchten die Minister so gut wie möglich zu schützen. Warum die Elementarmagier hier so viele Feinde hatten, war ihr aber nicht klar. Rishas Worte machten sie etwas nervös, denn sie fragte sich, ob sie hier auch Feinde hatten. Für ihr Unwohlsein gab es jedoch noch einen anderen Grund. Im regennassen Boden unter ihren Füßen lauerte etwas, was nicht menschlich war, aber von Menschen gemacht. Nur winzige Spuren, aber die Verbindung war so giftig und so widernatürlich, dass Abenas feine Sinne sie trotzdem wahrnehmen konnten. Wegen dieses Gespürs war sie schließlich als zukünftige dageyranische Vertreterin der Organisation mit dem langen Namen ausgesucht worden.
„Merkst du das auch, was da im Boden ist?“, wollte sie von Risha wissen.
„Ich bin Phosphormagierin, natürlich tu ich das. Es ist eine Beleidigung für mein Element und all seine rechtschaffenen Magier. Das sind die Überreste einer chemischen Waffe aus dem Krieg zwischen Arunien und Ruaris. Luclossin haben sie es genannt, nach der Wahnsinnigen, die es gemacht hat.“
„Aber dieser Krieg ist doch schon über hundert Jahre her? Warum haben sie das nicht längst vernichtet?“
„Die Mengen sind so klein, dass sie wohl niemanden mehr krank machen“, sagte Risha. „Das Zeug zu vernichten ist nicht einfach, dafür werden Magier unterschiedlicher Elemente gebraucht, wenn am Ende nichts Schädliches übrigbleiben soll Du darfst nicht vergessen, dass die Gaben hier deutlich seltener sind als bei uns. Deswegen ist es so geblieben und weil auf diesem Land niemand bauen wollte, haben sie einen Park daraus gemacht.“
Abena verstand die Ruarier nicht, aber es war nicht ihre Aufgabe darüber zu urteilen. Sie hätte am liebsten sofort damit angefangen die Verunreinigung aus dem Boden zu entfernen, doch sie wusste, dass dies hier nicht zu ihren Aufgaben gehörte. Die Menschen in Ruaris und auch in Tessmar und Elavien, was sie vorher durchquert hatten, schienen daran gewöhnt zu sein, dass sich in Boden, Wasser und Pflanzen Substanzen befanden, die dort nicht hingehörten. Hier war es schließlich auch üblich unerwünschte Insekten und Pflanzen mit unnatürlichen Mitteln zu bekämpfen, die nie wieder abgebaut wurden. In Dageyra wurde so etwas nicht angewendet, aber Regen und Wind brachten trotzdem Spuren davon in ihr Land, die von Abena und ihren Kollegen gefunden und vernichtet wurden.

Die beiden erreichten den Empfangsbereich des Kongresszentrums. An der Tür wurden sie von einer Dame in Empfang genommen, ein vornehm gekleideter, aber trotzdem recht furchteinflößender Herr stand daneben. Die beiden kontrollieren die Teilnehmerausweise und Pässe der beiden Dageyranerinnen, Abena entging nicht, dass die Frau leicht beunruhigt aussah, als sie in ihren Pässen las, welche Elemente sie hatten.
Sie fand die beiden jedoch in ihrer Liste und sie durften das Kongresszentrum betreten. Dort befanden sich bereits Angehörige anderer Delegationen, Abena hörte Wortfetzen auf Elavisch, Temiranisch und Arunisch.
Ein dunkelhaariger Herr im schwarzen Maßanzug kam auf die beiden Frauen zu und grüßte sie höflich, aber auf Arunisch. Abena hatte diese Sprache jedoch gelernt, schließlich war Arunisch die Amtssprache der Konferenz und die Sprache, die in Silaris die meisten Menschen beherrschten.

„Abena Kiral, sie ist Kohlenstoffmagierin und wird unsere Elementarmagierschaft in Zukunft bei der Organisation mitvertreten“, sagte Risha. „Septimius Lebetinus, Vorstandsvorsitzender der Ultiria-AG, den Namen dieses Unternehmens hast du vielleicht schon gehört.“
Das hatte Abena allerdings. Ultiria versuchte immer wieder die dageyranischen Behörden davon zu überzeugen ihre künstlichen Pestizide zuzulassen. Dabei waren sich die Vertreter des Unternehmens nicht zu schade Politikern Geld anzubieten, damit die in ihrem Sinne entschieden. In Elavien oder Tessmar kam man damit vielleicht durch, in Dageyra aber nicht, die Vertreter waren davongejagt worden.
Als Vorstandsvorsitzender war Lebetinus also für all diese Dinge verantwortlich, sodass Abena sich schon ein Urteil bildete, bevor er mehr gesagt hatte als ein paar Höflichkeitsformeln. Tatsächlich versuchte er nach den Höflichkeitsfloskeln direkt Risha davon zu überzeugen, dass seine Pestizide doch vollkommen harmlos und biologisch abbaubar waren.
„Gerade Sie als Phosphormagierin können das doch sicher einschätzen.“
„Ja, gerade ich als Phosphormagierin finde es abstoßend wie sich einige Leute hier im Süden ständig neue Möglichkeiten ausdenken, mein lebenspendendes Element zur Grundlage lebensfeindlicher Verbindungen zu machen“, sagte Risha. „So etwas werden Sie in Dageyra nicht verkaufen können, gewöhnen Sie sich an den Gedanken. Wir werden unsere Gesetze ihretwegen nicht ändern. Wenn Sie bei uns etwas vermarkten wollen, dann Substanzen, die damit vereinbar sind. Da können Sie fragen so oft Sie wollen, etwas anderes werden Sie nie zu hören bekommen.“
„Wenn das Ihre Meinung ist, muss ich das akzeptieren“, sagte Lebetinus. Abena bekam aber trotzdem mit, wie er gegenüber eines anderen Mitglieds seiner Delegation einen Kommentar darüber abgab, warum „Phosphormagier immer so emotional sein mussten“.
„Ich könnte jetzt sagen „typisch Arunier“, aber ich möchte ja keine Vorurteile verbreiten“, sagte Risha auf Dageyranisch. „Dieser Mensch vertritt aber leider alles, was es an fragwürdigen Moralvorstellungen bei diesem Volk gibt. In gewisser Weise wird das dort auch von einem Fluormagier erwartet. Die Arunier glauben, dass er sich wegen der Stellung seines Elements im Periodensystem Unverschämtheiten herausnehmen darf.“
Das konnte Abena nicht verstehen, aber sie wusste bereits, dass unterschiedliche Völker völlig unterschiede Vorstellungen über solche Dinge hatten. In Dageyra wurde von den Fluormagiern dasselbe Benehmen erwartet wie von allen anderen auch und Abena hatte noch nie unangenehme Erfahrungen mit ihnen gemacht. Sie hatte bisher auch noch nie jemanden kennengelernt, der sein Benehmen durch die Stellung seines Elements im Periodensystem entschuldigen wollte, aber sie wusste, dass Feindseligkeiten und Verachtung zwischen den Magiern verschiedener Elemente in Arunien an der Tagesordnung waren.

Die beiden Frauen betraten nach einem letzten Toilettenbesuch den Konferenzraum. Dort befand sich ein großer ringförmiger Tisch, an dem die verschiedenen Delegationen angeordnet waren, kleine Fähnchen zeigten an, wer wo saß, zusätzlich gab es auch noch Schilder. Die Dageyraner saßen zwischen Elaviern und Sarilern, zwei verfeindeten Völkern. Abena ging aber nicht davon aus, dass sie während der Konferenz mit handfesten Auseinandersetzungen zu rechnen haben würden.
Angeführt wurde die dageyranische Delegation von Außenminister Kerio Maru, außerdem waren noch zwei weitere Elementarmagier dabei. Chlormagier Zamani teilte sich mit Risha den dauerhaften Sitz von Dageyra bei der Gesellschaft, Sauerstoffmagier Taresu war genau wie Abena noch relativ neu, allerdings war dies bereits seine zweite Konferenz.
„Die Sariler wollen gleich allen klarmachen, was sie von dieser Veranstaltung halten“, bemerkte Zamani. „Zu spät zu einem Termin zu kommen ist bei ihnen ein großer Fauxpas und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Zufall ist.“
Abena fand es nicht so schlimm, dass sie noch ein wenig warten musste, es gab schließlich einiges zu sehen. Alle elf Völker von Silaris nahmen an dieser Konferenz teil. Tayek, Meraki und Avechai aus den Wüsten des Nordens, die Südmächte Arunien, Ruaris und Temira, Roviniel, dessen Bewohner größtenteils in den Wäldern lebten und sich von dem ernährten, was diese ihnen schenkten, das umkämpfte Tessmar und das totalitäre Sarilien, das sich fest im Griff seiner einen Partei befand und das einst stolze, heute unter Armut und Korruption leidende Elavien. Soweit Abena informiert war, hatten Tayek und Roviniel überhaupt keine Möglichkeit Chemiewaffen herzustellen, waren aber trotzdem oder vielleicht deswegen dagegen.

Schließlich trafen auch die Sariler ein. Angeführt wurde die Delegation von Chemieministerin Brajana. Dieses Amt gab es nur in Sarilien, überall sonst waren weder die chemische Industrie und Forschung noch die Elementarmagier direkt dem Staat unterstellt. Auch der sarilische Verteidigungsminister, ein älterer Herr mit grauen Haaren und entschlossenem Blick war mitgekommen.
Risha begrüßte die sarilische Wasserstoffmagierin Rijuna, mit der sie schon öfter gemeinsam im Auftrag der Organisation nach Spuren von Chemiewaffen gesucht hatte, jedenfalls als Rijuna noch Brajanas Vorgänger unterstellt gewesen war, der erlaubt hatte, dass sich sarilische Elementarmagier für die Organisation engagierten. Brajana lehnte dies strikt ab, ihrer Meinung nach ging es dort nicht darum Silaris zu einem sichereren Ort zu machen, sondern die gesamte Organisation war von Arunien aus gesteuert, um andere Länder auszuspionieren. Bedauerlicherweise war es gelegentlich tatsächlich schon zu entsprechenden Vorfällen gekommen, allerdings war die Organisation dabei selbst betrogen worden.
Ministerin Brajana gab sich jedenfalls keine Mühe durch ihr Auftreten die Sorgen der anderen zu zerstreuen. Statt festlicher Kleidung ihrer Kultur trug sie eine militärische Uniform, kombiniert mit ihrem Elementsymbol auf der Stirn. Auch in Dageyra gab es Elementsymbole, diese wurden allerdings nur zu festlichen Anlässen getragen und eine solche Konferenz gehörte nicht dazu. Die traditionellen Symbole waren von Land zu Land verschieden, aber Abena wusste von Risha, dass Brajana ebenfalls eine Phosphormagierin war.

Garik Lendriss, der ruarische Leiter der Organisation erhob, sich um die Konferenz zu eröffnen. Die Gespräche verklangen und die Aufmerksamkeit richtete sich auf Lendriss, der alle Anwesenden willkommen hieß und seine Hoffnung auf konstruktive Gespräche, die endlich zu einem Chemiewaffensperrvertrag führen würden, den alle Länder von Silaris unterzeichnet hatten. Soweit Abena wusste war Sarilien das einzige Land, das sich nach wie vor weigerte den Vertrag zu unterzeichnen und auch die internationalen Kontrollen, denen es unter der vorherigen Ministerin zugestimmt hatte, inzwischen kategorisch ablehnte.
Der erste Redner war der arunische Verteidigungsminister, der inhaltlich mehr oder weniger wiederholte, was Lendriss auch schon gesagt hatte. Abena entging jedoch nicht, dass ihm diese Worte deutlich weniger ernst waren als dem ruarischen Leiter der Konferenz. Als Kohlenstoffmagierin hatte sie mehr Möglichkeiten als Mimik und Tonfall, um beurteilen zu können, ob jemand aufrichtig war oder nicht.
Der dageyranische Außenminister durfte als nächster sprechen. Abena kannte ihn nicht persönlich, doch sie wusste, welche Meinung er vertrat und hatte keinen Grund dem zu misstrauen, was er in seiner Rede sagte.
„Leid und Tod unter der Zivilbevölkerung sind leider Bestandteil eines jeden Krieges, selbst dann, wenn die Beteiligten dies so weit wie möglich vermeiden wollen. Ideal wäre es deswegen, wenn es uns gelingen würde einen Vertrag zu schließen, der dauerhaften Frieden für ganz Silaris bringt. Leider kommt es jedoch immer wieder zu bewaffneten Konflikten und deswegen sollten wir zumindest damit anfangen tragfähige internationale Vereinbarungen darüber zu treffen, auf welche Mittel wir verzichten sollten. Bei chemischen Waffen steht das für mich völlig außer Frage, denn sie töten wahllos Feinde wie Unbeteiligte, Soldaten wie hilflose Frauen und Kinder. Anders als andere Waffengattungen vernichten sie dabei keine feindlichen Waffenfabriken oder die Prunkbauten verbrecherischer Herrscher, sondern sind zu nichts anderem gedacht als dazu Leben zu vernichten. Dafür gibt es keine Rechtfertigung, das kann kein Mensch mit funktionierendem Gewissen gutheißen. Meine Damen und Herren, es ist an der Zeit, dass wir alle klar dagegen Position beziehen und denjenigen entschlossen entgegentreten, die aus blindem Machtstreben oder elementarmagischem Größenwahn dafür werben. Menschen, denen die Vorstellung, andere Menschen wie Ungeziefer zu vernichten, Freude bereitet, haben nichts in hohen politischen Positionen zu suchen.“
Minister Maru bekam viel Applaus, auch Rijuna fing zunächst an zu klatschen, hörte jedoch mit leicht betretenem Blick wieder damit auf, als sie sah, dass ihre Ministerin keine Zustimmung kundtat.

#2 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 02.03.2019 22:29

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Als der Applaus verklungen war, ergriff Brajana selbst das Wort.
„Drei Reden durften wir nun hören, drei Reden, in denen inhaltlich fast dasselbe gesagt wurde, drei Reden, von denen manche ernstgemeint waren und manche nicht. Ihre Ausführungen zu den verschiedenen Waffengattung sind ohne Zweifel richtig, Herr Minister Maru. Nicht erwähnt haben Sie dabei allerdings, was die Absicht hinter der Nutzung chemischer Waffen ist.“
Abena bezweifelte, dass er sich darüber ernsthafte Gedanken gemacht hatte. Brajana hatte dies aber ganz offensichtlich getan.
„Sie sind hervorragend dazu geeignet, den Widerstandswillen und die Entschlossenheit eines Volkes zu brechen, selbst bei einem Volk, bei dem dies sonst nur mit Mühe oder überhaupt nicht gelingen kann.“
Sie sagte dies in einem Tonfall, als ob sie über das Wetter sprechen würde und zwar nicht über einen Flutregen oder Orkan, sondern über das ganz normale Alltagswetter.
„Ein Beispiel hierfür ist das Schicksal der Ruarier, die nach den massiven Chemiewaffeneinsätzen der Arunier in jenem Krieg zwar heute wieder reich an Geld sind und genügend zu essen haben, aber der Wille ihres Volkes wurde gebrochen, vielleicht für immer. Nur so konnten die Arunier als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen.“
„Darf ich hierzu etwas sagen?“, erkundigte sich der arunische Verteidigungsminister.
Lendriss machte eine Handbewegung, die als „ja“ interpretiert werden konnte.
„Frau Ministerin, ich kann verstehen, dass Sie mit der Geschichte des Südens nicht so vertraut sind, aber ich möchte Sie doch darum bitten, unter diesen Umständen auf das Verbreiten von Unwahrheiten und haltlosen Unterstellungen zu verzichten. Es ist leider wahr, dass im Arunisch-Ruarischen Krieg immer wieder Massenvernichtungswaffen zum Einsatz gebracht wurden, von beiden Kriegsparteien. Zu unterstellen, dass dies von Arunien ausging und wir diesen Krieg nur deswegen gewinnen konnten, ist aber eine konterfaktische Unverschämtheit. Ruaris wurde zu jener Zeit von einem mörderischen Regime regiert, das auch das eigene Volk brutal unterdrückte. Sie mögen das vielleicht nicht gerne hören, aber kein Volk wird ein solches Regime auf Dauer akzeptieren, erstrecht, wenn es dadurch in sinnlose Kriege geführt wird. Wie Sie dazu kommen können, die Tatsache, dass sich die Ruarier nach diesem Krieg für die Prinzipien der freiheitlich demokratischen Rechtsordnung entschieden haben, als „gebrochenen Willen“ zu bezeichnen, kann ich nicht begreifen.“

Brajana hörte sich die Gegenrede mit leicht belustigter Miene an.
„Ich bin mit der Geschichte besser vertraut als sie glauben, Herr Minister“, entgegnete Brajana. „Es überrascht mich nicht, dass Sie es jetzt gerne so darstellen würden, als ob der Einsatz von chemischen Waffen im Arunisch-Ruarischen Krieg von beiden Seiten gleichermaßen ausging, aber Sie wissen sicherlich so gut wie ich, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. War es nicht der Arunier Rabanus Ostreatus, der überhaupt erst auf die Idee gekommen ist durchzusetzen, dass solche Waffen zum Einsatz kommen sollten? Es ist wahr, dass auch in Arunien nicht jeder von dieser Idee begeistert war, doch am Ende konnte er sich durchsetzen. Und war es nicht die Arunierin Lucasta Clossiana, die ganz gezielt mehrere bis dato völlig unbekannter Gifte entwickelt hat, um damit in diesen Krieg zu ziehen? Tragen diese Gifte nicht sogar bis heute ihren Namen? Und da wollen Sie ernsthaft behaupten, dass dies nicht von der arunischen Seite ausging, dass es nicht die Strategie Ihres Landes war, dass es keinen Beitrag zum arunischen Sieg geleistet hat?“
Risha seufzte und schüttelte den Kopf. „Was spielt das alles heute noch für eine Rolle“, sagte sie leise zu ihren Sitznachbarn. „Wie können jetzt ewig die schmutzige Wäsche der letzten Jahrhunderte waschen, aber dadurch kommt auch kein Vertrag zustande.“
Genau das schien aber der Plan der Sariler und Arunier zu sein.

„Es ist sicher wahr, dass die genannten Personen in dieser Form in Erscheinung getreten sind“, gab der arunische Verteidigungsminister zu. „Sie waren aber beileibe nicht die einzigen und ihre Dämonisierung als angebliche Erfinder der chemischen Kriegsführung hat mit der Realität nur wenig zu tun. Lucasta Clossiana hatte nie vor die von ihr entwickelten Substanzen als Waffe zu verwenden. Sie plante die Entwicklung neuer Insektizide und entdeckte die elementarmagieförderne Wirkung ihrer Verbindungen, die sie zu diesem Zweck nutzen wollte. Nur die Gräueltaten der ruarischen Seite haben sie schließlich dazu bewogen ihre Meinung zu ändern. Wenn die ruarische Armee nicht die Stadt Varnelor mit weißem Phosphor niedergebrannt und mit zahllose Menschen verbrannt und vergiftet hätte, hätte sie ihre Meinung vermutlich nie geändert.“
„Eine interessante Argumentation, Herr Minister“, sagte Brajana. „Darf ich Sie an den Angriff auf die Stadt Deraja während des so genannten Arisaja-Krieges erinnern? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wäre das Ihrer Meinung nach eine Rechtfertigung für einen chemischen Vergeltungsschlag gegen Arunien gewesen.“
„Diese beiden Situationen sind keiner Weise zu vergleichen“, behauptete der arunische Verteidigungsminister. „Der Angriff der Ruarier richtete sich gezielt gegen die unbeteiligte Zivilbevölkerung, der arunische Angriff damals vor 21 Jahren präzise gegen Einrichtungen von Armee und Regierung. Dass diese dabei Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht ist wohl kaum der arunischen Armee anzulasten. Da sollten Sie sich bei den damals verantwortlichen Kadern Ihrer Partei beschweren.“

Abena zweifelte nicht daran, dass Brajana das bestimmt ganz anders sah. Genau wie Risha hatte aber auch Garik Lendriss, der Leiter der Organisation und damit auch der Konferenz langsam genug von diesen wechselseitigen Anschuldigungen.
„Meine Damen und Herren, ich kann verstehen, dass dieses Thema sehr polarisiert, aber dies hier ist nicht der Ort, um die Ereignisse der vergangenen Kriege aufzuarbeiten und die Schuldfragen zu klären. Wir sind hier zusammengekommen, um dafür zu sorgen, dass Silaris in Zukunft ein sicherer Ort sein wird. Und da habe ich von Ihrer Seite Frau Ministerin Brajana noch kein schlüssiges Argument gehört, warum Sie sich so vehement gegen den Beitritt Ihres Landes zum Vertrag wehren.“
„Gut, dann noch einmal kurz und knapp“, sagte Brajana. „Ganz zu Beginn habe ich aufgeführt, zu welchem Zwecke Chemiewaffen eingesetzt wurden und immer noch eingesetzt wurden. Die Verlockung dies zu tun ist natürlich umso größer, je sicherer es für den Gegner ist. Deswegen halte ich es für die Sicherheit unseres Landes für unabdingbar, dass wir uns nicht vertraglich dazu verpflichten darauf zu verzichten. Das Wort eines Sarilers gilt unter allen Umständen, aber leider ist diese Einstellung nicht in allen Ländern verbreitet. Wir würden uns dadurch nur unnötig verletzlich machen.“
„Möchten Sie damit andeuten, dass Sie daran zweifeln, dass alle Unterzeichnerstaaten dem Vertrag auch tatsächlich folgen?“, fragte Lendriss.
„Genau das“, sagte Brajana. „Das fängt bereits damit an, dass manche Länder vehement die Position vertreten, dass Herbizide, unabhängig von ihrer Humantoxizität nicht als chemische Waffen gelten und deswegen trotz des Vertrags im Krieg verwendet werden dürfen.“
„Das ist nach den Statuten des Vertrags auch so“, erklärte der arunische Verteidigungsminister. „Schließlich sind Sie nicht dazu gedacht, Menschen zu töten, sondern erleichtern lediglich das Vorrücken der Armee.“

Abena wusste wie vermutlich die meisten Bewohner von Silaris, dass die Arunier während des Arisaja-Krieges immer wieder Herbizide eingesetzt hatten, um den Sarilern die Deckung der Wälder zu nehmen und höchstwahrscheinlich auch zur Schwächung ihrer Moral wie Brajana dies in ihrer ersten Rede erwähnt hatte. Vielleicht hatte sie das sogar selbst miterlebt. Abena stellte es sich jedenfalls ziemlich schlimm vor mitansehen zu müssen, wie alle Pflanzen in den Wäldern ihrer Heimat abstarben. Hungersnöte gingen damit sicherlich auch einher und so wurden Menschen zumindest indirekt betroffen. Ihrer Meinung nach gehörte dies genauso verboten wie Chemiewaffen, die direkt gegen Menschen gerichtet waren und die dageyranische Seite vertrat diese Position auch schon länger, doch es war ihnen leider nicht gelungen sich durchzusetzen.
„Wer sagt uns dann, dass nicht als nächstes die These aufgestellt wird, dass Insektizide auch in Ordnung sind?“, entgegnete Brajana. „Schließlich geht es ja nur darum Fiebermücken zu bekämpfen. Wenn dabei auch noch ein paar Menschen zu Tode kommen, ist das bedauerlich, aber unvermeidbar.“

„Jetzt tun Sie doch nicht so, als ob es Ihnen um Abschreckung gehen würde“, sagte der arunische Verteidigungsminister. „Sie wollen doch lediglich eine Drohkulisse gegenüber Elavien aufbauen, um bei den Grenzstreitigkeiten in einer mächtigeren Position zu sein, schließlich wissen Sie genau, dass die Elavier keine Elementarmagier habe und einem chemischen Angriff völlig hilflos ausgesetzt wären. Ihr Rassismus gegenüber den Elaviern ist schließlich allgemein bekannt. Waren Sie während des Arisaja-Kriegs nicht persönlich an diversen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt?“
„Wenn dem so wäre, würde ich wohl kaum unbehelligt hier sitzen“, sagte Brajana. „Zum Thema Rassismus gegen die Elavier möchte ich nur anmerken, dass der bisher einzige Einsatz unseres von Ihrer Seite aus so heftig kritisierten, speziell für den Umgang mit Giften geschulten Elementarmagierteams darin bestand, die Opfer einer von einem arunischen Chemiekonzern in Elavien verursachten Katastrophe zu versorgen. Glücklicherweise konnten wir so einige Menschen retten, die sonst vermutlich keine Chance gehabt hätten, weil es in Elavien, wie von Ihnen richtig angemerkt, keine Elementarmagier gibt. Der betreffende arunische Konzern weigert sich übrigens bis heute Verantwortung für dieses Unglück zu übernehmen und Ihre Regierung stärkt ihm dabei den Rücken.“
„Ich weiß, dass dies in Ihrem System anders ist, aber in Arunien ist die Wirtschaft nicht in staatlicher Hand, sondern agiert unabhängig und ist dabei lediglich an arunisches Recht gebunden“, sagte der arunische Außenminister.

„Das ist wirklich eine Riesensauerei“, sagte Zamani zu den anderen Dageyranern. „Diese Leute von Ultiria haben das Unwissen und die schlechten Sicherheitsvorkehrungen in Elavien gnadenlos ausgenutzt um ihre Gewinne zu maximieren und jetzt wo es schiefgegangen ist, weigern sie sich Verantwortung zu übernehmen.“
„Und die Sariler haben damals wirklich ohne Zögern geholfen“, ergänzte Risha. „Ich halte es für Unsinn, dass Brajana einen chemischen Massenmord an den Elaviern plant, aber ganz ehrlich, sie ist eine hervorragende Phosphormagierin, aber diplomatisches Fingerspitzengefühl ist nicht gerade ihre Stärke. Da fällt es den Aruniern natürlich leicht sie als die böse Hexe darzustellen, die allein schuld daran ist, dass es mit dem Vertrag nicht klappt.“
Lendriss forderte die Parteien wieder einmal auf beim Thema zu bleiben und die Diskussion ging weiterhin hin und her. Der elavische Verteidigungsminister erklärte, dass er sich durchaus unwohl fühlte, wenn er wusste, dass die Sariler in der Nähe seiner Grenze Chemiewaffen lagerten, was Abena gut verstehen konnte, schon allein wegen eines potenziellen Unfalls.
Brajana versicherte, dass ein solcher ausgeschlossen war und sie alles im Griff hätte, was die arunische Seite nicht wirklich beruhigend fand und auch die Avechai äußerten ihr Unwohlsein wegen der sarilischen Chemiewaffen.

Abena merkte, wie ihr Aufmerksamkeit langsam wegdriftete. Am Anfang hatte sie das alles noch spannend gefunden, aber inzwischen hatte sie das Gefühl, dass keiner Beteiligten irgendein echtes Interesse an einer Lösung hatte. Der arunische Verteidigungsminister konnte doch nicht ernsthaft glauben, dass er Brajana zum Einlenken bewegen konnte, indem er erklärte, dass Arunien keine sarilischen Chemiewaffen dulden würde und mit der Faust auf den Tisch schlug, sodass der Orangensaft aus dem Glas spritzte.
„Nachdem es Ihnen nicht gelungen ist uns zu besiegen, obwohl Sie es mit allen Mitteln versucht haben, sind wir wohl kaum dazu verpflichtet, in Wariona um Erlaubnis zu fragen, wie wir unsere Landesverteidigung gestalten dürfen“, sagte Brajana.
Dem einen oder anderen war die Formulierung aufgefallen.
„Mit allen Mitteln?“, fragte der bisher eher schweigsame temiranische Außenminister. „Beziehen Sie sich damit auf weißen Phosphor und Herbizide, oder möchten Sie andeuten, dass es von arunischer Seite aus zu Chemiewaffeneinsätzen gegen Ihr Land gekommen ist?“
„Wenn ich sage „mit allen Mitteln“, dann meine ich das auch so.“
„Ich verbitte mir so eine unverschämte Unterstellung“, sagte der arunische Verteidigungsminister. „Sie wollen doch nur von sich selbst und den Plänen des Regimes, das sie vertreten, ablenken.“
„Soweit es mir bekannt ist, gibt es für diese Anschuldigungen von beiden Seiten und wir bewegen uns lediglich im Reich der Spekulationen“, sagte Lendriss.

Minister Maru meldete sich noch einmal zu Wort. „Wie Sie sicherlich alle wissen, meine Damen und Herren setzen wir uns schon länger dafür ein, dass auch chemische Waffen, die gegen die Natur des gegnerischen Landes gerichtet sind, als Chemiewaffen klassifiziert und geächtet werden. Dieses Thema möchte ich jetzt gerne noch einmal auf den Tisch bringen, denn so könnten wir auch die von Ministerin Brajana befürchteten Schlupflöcher und Winkelzüge unterbinden.“
„Das ist doch völlig unrealistisch“, erwiderte der arunische Verteidigungsminister. „Nach so einem Vertrag wäre dann sogar schon ein Zeckenmittel für die Soldaten illegal. Das ist schlicht nicht umsetzbar.“
„Wirkstoffe, die direkt am Körper oder auf der Kleidung getragen werden, könnten wir natürlich außenvor lassen, deren Nutzung als Waffe ist ja eher ausgeschlossen, solange die Armee nicht aus Elementarmagiern besteht“, sagte Minister Maru. „Ich halte das jedenfalls für eine sehr sinnvolle Lösung. Und den Missbrauch reaktiver und giftiger Elemente als Waffe könnten wir ebenfalls miteinbeziehen, dann wäre das Thema mit dem weißen Phosphor, über das Sie vorher so erbittert gestritten haben, auch erledigt. Ministerin Brajana, wäre ein solcher Vertrag denn für Ihr Land akzeptabel?“
„Falls Verstöße tatsächlich wirksam geahndet werden und zwar unabhängig davon welche Seite sie begeht, könnte ich mir vorstellen, dass wir einem solchen Vertrag zustimmen könnten und ich denke die Staatslenkerin würde das ähnlich sehen“, sagte Brajana.

„Das mag sich auf den ersten Blick gut anhören“, meinte dagegen der arunische Verteidigungsminister. „Allerdings bin ich der Meinung, dass dieser Vorschlag einer näheren Überprüfung nicht standhält. Es geht hier um das Verbot von Chemiewaffen, nicht darin die Möglichkeiten einer modernen Kriegsführung insgesamt massiv einzuschränken. Die Dageyraner auf ihrer sicheren Insel empfinden dies vielleicht nicht als Problem, aber aus unserer Sicht stellt sich die Lage etwas anders dar.“
Abena hatte inzwischen den Verdacht, dass Brajana rechthatte und sich die Arunier genau die Schlupflöcher bewahren wollten, die sie vorhin angesprochen hatte. Wie zu erwarten gewesen war, wurde der Vorschlag des dageyranischen Außenministers nach dieser Aussage verworfen und die Diskussion ging weiter wie zuvor.
Abena war erleichtert als endlich angekündigt wurde, dass die Besprechungen für diesen Tag beendet werden sollten und es zum Abendessen ging.
„Irgendwie hat das doch alles überhaupt nichts gebracht“, sagte sie. „Ich habe ja den Eindruck, dass weder Arunier noch Sariler an einer Lösung interessiert sind.“

„Das Ganze ist sehr frustrierend, das gebe ich zu“, sagte Risha. „Auch wenn es sich noch so sinnlos anhört, darfst du aber nicht vergessen, dass es seit der Gründung der Organisation keinen Chemiewaffeneinsatz im großen Stil mehr gegeben hat. So nutzlos wie alle glauben ist es also nicht. Ich hoffe nur, dass der Konflikt zwischen Arunien und Sarilien nicht aus dem Ruder läuft. Der letzte Krieg zwischen diesen Ländern war schon äußerst brutal und wenn die Arunier wirklich vorhaben die Sache zu beenden und ihren Regimewechsel dort in die Wege zu leiten, wird das sicher nicht besser.“
„Aber dann hat Brajana vielleicht gar nicht so ganz Unrecht“, sagte Abena.
„Einerseits ja, andererseits provoziert sie ja momentan die Eskalation durch ihre Haltung“, sagte Risha. „Wir können nur das Beste hoffen, an die Vernunft appellieren und anbieten zu vermitteln.“
Abena seufzte. Sehr zufriedenstellend fand sie das nicht.

Zum Abendessen gab es ein opulentes Buffet, was Abena schon fast unangemessen fand. Dabei entging ihr nicht, dass Ministerin Brajana sich ausgerechnet mit dem arunischen Industriellen und Fluormagier Lebetinus unterhielt. Sie fragte sich, ob das ein gutes Zeichen war, oder ob sie damit rechnen musste, dass die beiden einander bald an die Gurgel gingen. Sie würde sich sicherlich genauso wenig auf irgendwelche Pestiziddeals einlassen wie Risha vorhin

#3 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von DrZalmat 02.03.2019 22:54

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wann geht's weiter? *neugier*

#4 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Chrontheon 03.03.2019 01:14

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Zitat von Amanita im Beitrag #1
In gewisser Weise wird das dort auch von einem Fluormagier erwartet. Die Arunier glauben, dass er sich wegen der Stellung seines Elements im Periodensystem Unverschämtheiten herausnehmen darf.

Was ist das besondere an Fluor(magiern)?

#5 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 03.03.2019 07:53

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #4
Zitat von Amanita im Beitrag #1
In gewisser Weise wird das dort auch von einem Fluormagier erwartet. Die Arunier glauben, dass er sich wegen der Stellung seines Elements im Periodensystem Unverschämtheiten herausnehmen darf.

Was ist das besondere an Fluor(magiern)?

RL-Part: Fluor ist das elektronegativste Element und reagiert mit fast allen anderen (außer Helium und Argon, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe), oft auch sehr heftig und unter sofortiger Feuererscheinung. Bilder sagen ja oft mehr als Worte.
Fluor-Video (auf Englisch)
Es ist sehr schwer als Element darzustellen und dann zu kontrollieren. Anders als bei vielen anderen ist es auch als Ion noch giftig, vor allem die zugehörige Säure.
Silaris-Part: Die Arunier glauben deswegen, dass Fluormagier gar nicht anders können als egoistisch und rücksichtslos ihrem eigenen Vorteil nachzujagen und ihren Ehrgeiz auszuleben und man ihnen daraus kaum einen Vorwurf machen kann.

#6 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von DrZalmat 03.03.2019 23:57

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Aber sollte man sie nicht genau wegen ihrer reaktiven und aggressiven Art unter Kontrolle halten?

Ich lasse ja auch nicht einfach Fluorgas ungesichert irgendwo rumstehen sondern halte es in Flaschen in Räumen mit Inertgas und ähnlichem damit bei einem Leck nichts passiert

#7 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 04.03.2019 07:51

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #6
Aber sollte man sie nicht genau wegen ihrer reaktiven und aggressiven Art unter Kontrolle halten?

Ich lasse ja auch nicht einfach Fluorgas ungesichert irgendwo rumstehen sondern halte es in Flaschen in Räumen mit Inertgas und ähnlichem damit bei einem Leck nichts passiert

Aus diesem Grund war es in Arunien früher üblich, dass sich nette Calcium-Natrium-oder dergleichen-Magierinnen als Partnerinnen für sie aufopfern, um das zu verhindern. Das ist aber heutzutage nicht mehr vermittelbar und sie lernen innerhalb ihrer Ausbildung schon auch einiges an Disziplin, gleichzeitig gilt aber die Überzegung, dass sie auch ein paar Möglichkeiten brauchen, um sich auszuleben, häufig dann eben im Rahmen anspruchsvoller Jobs, die mit viel Macht einhergehen, oder ihnen etwas liefern, was sie mit großer Leidenschaft verfolgen können, sodass sie nicht auf dumme Gedanken konne.

#8 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Nharun 04.03.2019 21:00

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Zitat von Amanita im Beitrag #7
Aus diesem Grund war es in Arunien früher üblich, dass sich nette Calcium-Natrium-oder dergleichen-Magierinnen als Partnerinnen für sie aufopfern, um das zu verhindern. Das ist aber heutzutage nicht mehr vermittelbar und sie lernen innerhalb ihrer Ausbildung schon auch einiges an Disziplin, gleichzeitig gilt aber die Überzegung, dass sie auch ein paar Möglichkeiten brauchen, um sich auszuleben, häufig dann eben im Rahmen anspruchsvoller Jobs, die mit viel Macht einhergehen, oder ihnen etwas liefern, was sie mit großer Leidenschaft verfolgen können, sodass sie nicht auf dumme Gedanken konne.


Dieses Detail finde ich durch und durch gut, also sowohl seinen Ursprung, als auch seine Entwicklung - hast du so etwas auch noch zu anderen Magiern?

#9 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Chrontheon 05.03.2019 00:17

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Zitat von Amanita im Beitrag #7
gleichzeitig gilt aber die Überzegung, dass sie auch ein paar Möglichkeiten brauchen, um sich auszuleben, häufig dann eben im Rahmen anspruchsvoller Jobs, die mit viel Macht einhergehen, oder ihnen etwas liefern, was sie mit großer Leidenschaft verfolgen können, sodass sie nicht auf dumme Gedanken konne.

In solch machtvollen Positionen kann man aber auch gut auf dumme Gedanken kommen!

#10 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 05.03.2019 07:46

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #9
In solch machtvollen Positionen kann man aber auch gut auf dumme Gedanken kommen!

Ja, deswegen finden ja auch nicht alle die arunische Vorgehensweise so optimal. Gerade für Führungspositionen in der freien Wirtschaft sind Fluormagier dort aber ziemlich begehrt, wobei man dazu sagen muss, dass sie relativ selten sind. Vor der Industrialisierung und dem Arunisch-Ruarischen Krieg waren sie aber in einer deutlich prekäreren Position und wurde vom restlichen Alchimistenzirkel gerne einfach ignoriert und somit häufig an der bei ihnen ziemlich heftig ausgeprägten Übergangskrankheit sterben gelassen.
Zugang zur Politik zu finden ist aber für Elementarmagier in Arunien allgemein ziemlich schwer, dassselbe gilt fürs Militär. Da hat ein Fluor-(oder Chlor-)magier kaum eine Chance angenommen zu werden, wenn er sein Element nicht verheimlicht. Das hängt aber unter anderem auch damit zusammen, dass sie dafür bekannt sind, ein gewisses Problem mit Autoritäten zu haben.
Grundsätzlich ist es aber so, dass die Einflüsse des Elements auf den Charakter eigentlich nicht so groß sind, dass die Betroffenen sich überhaupt nicht beherrschen können. Weil ihnen da aber mit recht viel Nachsicht begegnet wird, geben sich manche gar nicht erst viel Mühe in dieser Hinsicht.
Was sie vor allem ausmacht ist, dass sie sehr ehrgeizig sind und mit großer Leidenschaft und Einsatzbereitschaft ihre Sache verfolgen. Das muss aber nicht zwangsläufig eine sein, die als unmoralisch empfunden wird. Unter den anderen Fluoradepten in Arunien gibt es einen Professor für anorganische Chemie, der sich sehr für Frieden und Völkerverständigung engagiert und eine Koryphäe auf dem Gebiet der Zahnmedizin.
Zitat von Nharun im Beitrag #8
Dieses Detail finde ich durch und durch gut, also sowohl seinen Ursprung, als auch seine Entwicklung - hast du so etwas auch noch zu anderen Magiern?

Danke. Ja, aber vielleicht mach ich dazu mal noch einen eigenen Thread auf, weil es sonst hier ein bisschen arg vom Thema abführt.

#11 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von DrZalmat 07.03.2019 22:52

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Ganz andere Frage:

Gibt es eigentlich Magier nur für natürlich vorkommende Elemente oder für theoretisch alle Elemente? Also einen Einsteiniummagier, einen Nihoniummagier und vielleicht sogar Undouniummagier, auch wenn wir das noch nicht entdeckt haben.

Und bei radioaktiven Elementen... Gibt es eine Verbindung zwischen der Halbwertszeit eines Elementes und der Lebensspanne der entsprechenden Magier? Also lebt ein Franciummagier nur sehr kurz während ein Uranmagier schon ne Weile lebt?

Bei der Gelegenheit: Gibt es für bestimmte Isotope auch Magier? Also gibt es nur eine Art von Kohlenstoffmagier oder gibt es auch Kohlenstoffmagier die besser mit dem radioaktiven C14 umgehen können und welche die besser mit dem stabilen C12 sind?

#12 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Chrontheon 07.03.2019 23:26

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #11
Gibt es eine Verbindung zwischen der Halbwertszeit eines Elementes und der Lebensspanne der entsprechenden Magier? Also lebt ein Franciummagier nur sehr kurz während ein Uranmagier schon ne Weile lebt?

Das ist DIE Frage!

#13 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 08.03.2019 01:57

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Zitat von DrZalmat im Beitrag #11
Gibt es eigentlich Magier nur für natürlich vorkommende Elemente oder für theoretisch alle Elemente? Also einen Einsteiniummagier, einen Nihoniummagier und vielleicht sogar Undouniummagier, auch wenn wir das noch nicht entdeckt haben.

Nur für natürlich vorkommende Elemente. Die Magie kann nur entstehen, wenn der Betroffene (meistens aber nicht immer schon als Kind) direkten Kontakt zum Element hat. Deswegen kommen auch hauptsächlich Elemente vor, die Teil des Körpers sind oder eben relativ gängige Gebrauchsmetalle bzw. welche, die in der Umwelt weit verbreitet sind wie Aluminium.
Zitat von DrZalmat im Beitrag #11
Und bei radioaktiven Elementen... Gibt es eine Verbindung zwischen der Halbwertszeit eines Elementes und der Lebensspanne der entsprechenden Magier? Also lebt ein Franciummagier nur sehr kurz während ein Uranmagier schon ne Weile lebt?

Eine solche Verbindung gibt es nicht. Wobei es wenn überhaupt auch nur extrem wenige Franciummagier gibt, sodass dies wohl kaum erforscht wäre.
Zitat von DrZalmat im Beitrag #11
Bei der Gelegenheit: Gibt es für bestimmte Isotope auch Magier? Also gibt es nur eine Art von Kohlenstoffmagier oder gibt es auch Kohlenstoffmagier die besser mit dem radioaktiven C14 umgehen können und welche die besser mit dem stabilen C12 sind?

Es gibt grundsätzlich nur eine Art von Kohlenstoffmagiern, aber die Fähigkeiten, was sie am besten können, sind unterschiedlich verteilt. Das bezieht sich aber nicht nur auf Isotope. Es gibt beispielsweise Kohlenstoffmagier, die besonders gut darin sind, Diamanten zu finden, oder herzustellen, während andere ein Talent dafür haben, organische Moleküle (auch in Lebewesen) zu manipulieren.

#14 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Teja 08.03.2019 09:39

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Hat schonmal jemand versucht, bestimmte Elementarmagier künstlich zu erzeugen, indem man Kinder den Elementen aussetzt? Kann man vorher schon erkennen, ob ein Kind dass Zeug zum Magier hat?

#15 RE: Die 111. Pan-Silarische Chemiewaffenkonferenz von Amanita 08.03.2019 19:32

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Zitat von Teja im Beitrag #14
Hat schonmal jemand versucht, bestimmte Elementarmagier künstlich zu erzeugen, indem man Kinder den Elementen aussetzt?

Ja, das kommt immer mal wieder vor. Wirklich vorhersehbar ist es aber nicht, ob das erfolgreich ist, das Kind muss auch immer noch zum jeweiligen Element passen. Es gibt aber durchaus Fälle, wo das geklappt hat.
In Elavien gibt es das umgekehrte Phänomen. Dort gilt Elementarmagie als böse und Kindern, die in den Verdacht geraten das Potenzial dafür zu haben, bekommen Stechapfel oder ähnliche Pflanzen verabreicht, weil die eine hemmende Wirkung darauf haben.

Ursprünglich hatte ich dafür eine erfundene Substanz aus einer erfundenen Pflanze, habe mir dann aber gedacht, dass eine echte besser wäre und bin über Scopolamin gestolpert, das so ziemlich genau die Nebenwirkungen hat, die ich mir da vorgestellt habe. Deswegen ist die Elementarmagie jetzt also an irgendeinem Punkt auf Acetylcholin-gesteuerte Nervenimpulse angewiesen. Gerade Stickstoffmagier, aber auch die mit Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff können aber auch eine Immunität entwickeln, wenn sie gut genug sind und die Anwesenheit der Subsanz rechtzeitig bemerken, bzw. die Dosis nicht so hoch ist, dass die Hemmung zu schnell eintritt.

Die elavischen Behörden warnen vor dieser Methode, aber es kommt immer wieder vor und viele Kinder erleiden dadurch Vergiftungen, teilweise mit tödlichem Ausgang.

Es kommt aber auch vor, dass sich Elementarmagier, die mit ihrem Element nicht einig werden Tollkirschentee und ähnliches kochen, was aber wenn überhaupt nur kurzfristig hilft und ihr Problem nicht löst, los wird man Elementarmagie nicht mehr.

Auf der anderen Seite gibt es auch Leute, die absichtlich Gifte zu sich nehmen oder anderen einflößen, in der Hoffnung dadurch Elementarmagier zu werden. Das klappt ab und zu, geht aber öfter schief. Wenn sich jemand seinem Wunschelement aussetzt, zu dem er tatsächlich eine Affinität hat, kann das aber funktionieren.

Zitat von Teja im Beitrag #14
Kann man vorher schon erkennen, ob ein Kind das Zeug zum Magier hat?

Schwierig. Das ist auch von Element zu Element sehr unterschiedlich und die "Erkennungszeichen" sind oft eher Klischees als wirklch realitätsbezogen.

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