#1 Ehrenkodex von Chrontheon 09.03.2019 15:34

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Vor langer Zeit habe ich mir mal darüber Gedanken gemacht, und überlegt, wie ich das in meiner Welt einbauen könnte:

1. Gibt es Ehrenkodizes auf euren Welten? Wenn ja, wer hält sich daran (oder sollte es)? Wie ist Ehre auf euren Welten/in Bezug auf den Kodex definiert?

2. Warum hält sich eine bestimmte Gruppe von Weltenbewohnern an ihren Kodex? Warum gibt es ihn?

3. Was sind die Folgen für besagte Bewohner, die den Kodex nicht einhalten?

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LBW:

1. Gibt es Ehrenkodizes? Wie ist Ehre definiert?
Definition Ehre: Ehre, bzw ein ehrvolles Leben, ist ein schwammiger Begriff, was zu einigen Grauzonen im Kodex führt. Das liegt jedoch an den kulturellen hintergründen der einzelnen Adelsdynastien. Allgemein anerkannt ist jedoch, dass man seine Ehre bewahrt, wenn Grauzonen meidet. Adelige sind die Regenten von Lyz, die Bewahrer von Gerechtigkeit und Ordnung, und haben eine Vorbildfunktion - durch ihr Verhalten sollen die Bürger von Lyz erfahren, wie man sich benehmen sollte. Im Idealfall (abgesehen von Gesetzen über Steuern, Wehrpflicht und dergleichen) sollte ein Bürger, der nach dem Vorbild eines ehrenvollen Adeligen lebt, keine Gesetze mehr brauchen. Es sind auch jene Bürger, die die wenigen waren, die in den Adelsstand erhoben wurden.

      Ein Ausschnitt des Ehrenkodex des Adels von Lyz:
    • Ein Adeliger soll ein zivilisiertes Leben führen und seinen Untertanen gebieten, es ihm gleichzutun.
    • Ein Adeliger soll seine Untertanen schützen, wie auch ihr Hab und Gut, auf dass sie seine Ländereien pflegen.
    • Ein Adeliger soll Frauen achten, ungeachtet ihres Standes oder ihrer Herkunft. Er soll sich Angehörigen des Adels (hier: Männer) respektvoll verhalten und sein Wort wahren. (D.h., Versprechen und dergleichen einhalten.)
    • Ein Adeliger soll sich Bildung und Weisheit aneignen, und diese an seine Kinder weitergeben.
    • Ein Adeliger soll seine Ehre, die Ehre seiner Dynastie und die Ehre seiner Untertanen schützen.
    • Ein Adeliger soll seine Kultur und sein Land ehren (und dafür im Kampf sterben, wenns sein muss).
    • Ein Adeliger soll seine Ahnen, seine Frau und Kinder ehren! (In Bezug auf Frauen erwähnt der Satz im Original den Gatten.)
    • Ein Adeliger soll für Gerechtigkeit und Ordnung sorgen.

2. Warum hält man sich dran? Warum der Kodex?
Der Adel steht in Lyz über dem Gesetz. Das Gesetz ist bürgerlich, daher für den Adel irrelevant. Damit der Adel jedoch nicht einfach macht, was er will, gibt es den Ehrenkodex.

3. Was sind die Folgen, wenn man den Kodex nicht einhält?
Schlimmstenfalls Verlust des Adelstitels, politischer Positionen und Macht, Verbannung.

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Also, wie schauts auf euren Welten damit aus?

#2 RE: Ehrenkodex von Nharun 09.03.2019 15:37

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #1
Kodex des Adels von Lyz


Was beinhaltet dieser Kodex denn? Diese Frage fehlt in deinem Katalog oben auch, denn "Ehre" ist kulturell bedingt anders zu verstehen und ich finde es recht sinnfrei nur eine Bestandsaufnahme zu machen, aber nicht zusagen was denn in der jeweiligen Vorstellung "Ehre" überhaupt ist.

#3 RE: Ehrenkodex von Chrontheon 09.03.2019 15:38

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Zitat von Nharun im Beitrag #2
Was beinhaltet dieser Kodex denn? Diese Frage fehlt in deinem Katalog oben auch, denn "Ehre" ist kulturell bedingt anders zu verstehen und ich finde es recht sinnfrei nur eine Bestandsaufnahme zu machen, aber nicht zusagen was denn in der jeweiligen Vorstellung "Ehre" überhaupt ist.

Stimmt! *einfüg*

#4 RE: Ehrenkodex von Teja 09.03.2019 15:42

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #3
Zitat von Nharun im Beitrag #2
Was beinhaltet dieser Kodex denn? Diese Frage fehlt in deinem Katalog oben auch, denn "Ehre" ist kulturell bedingt anders zu verstehen und ich finde es recht sinnfrei nur eine Bestandsaufnahme zu machen, aber nicht zusagen was denn in der jeweiligen Vorstellung "Ehre" überhaupt ist.

Stimmt! *einfüg*

Verrätst du uns auch, woraus der Kodex besteht?

#5 RE: Ehrenkodex von Chrontheon 09.03.2019 15:45

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Zitat von Teja im Beitrag #4
Verrätst du uns auch, woraus der Kodex besteht?

Das editiere ich auch grad in meine Antwort darauf hinein.

#6 RE: Ehrenkodex von Nharun 14.03.2019 12:39

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Zitat von Chrontheon im Beitrag #1
1. Gibt es Ehrenkodizes auf euren Welten? Wenn ja, wer hält sich daran (oder sollte es)? Wie ist Ehre auf euren Welten/in Bezug auf den Kodex definiert?
2. Warum hält sich eine bestimmte Gruppe von Weltenbewohnern an ihren Kodex? Warum gibt es ihn?
3. Was sind die Folgen für besagte Bewohner, die den Kodex nicht einhalten?


Es gibt für die Toraja keine allgemein gültige Definition von "Ehre", da man an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten anderes Verhalten für achtungswürdig gehalten hat. D.h. ja, es gibt Ehrenkodizes, aber diese sind vielfältig - und ich habe mich noch nicht mit vielen davon beschäftigt

Neben wie auch immer ausgestalteten Adligen sind es bei mir vor allem die Zauberer, die Ehrenkodizes haben. Dazu muss ich noch erwähnen, dass Magie auf der Toraja theoretisch von jedem erlernt werden kann, aber als Ausnutzung der Kräfte des Anderdunkels auch über viele Zeitalter hinweg immer mit einem Stigma des Bösen und Unmenschlichen behaftet war, egal wie sehr die Magie zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt wurde. Obwohl sich in den Reichen der Antike und Klassik schon eine Magiegesetzgebung entwickelt, um die schlimmsten Auswirkungen von Magie einzudämmen, pflegen die magischen Subkulturen - sprich die Zaubererschulen oder zauberischen Traditionen - ihre eigenen, ungeschrieben Ehrenkodizes darüber was sie von ihren Mitgliedern erwarten. Auch wenn diese Kodizes sich unterscheiden, tritt das Element "Magie nicht zum Wohl deinerselbst, sondern zum Wohl der Allgemeinheit" einzusetzen durchaus häufig auf, was auch dazu führt, dass es in manchen magischen Traditionen verpönt war, dass Zauberer sich ihren Alltag mit kleinen Zaubertricks erleichtern. Sich nicht an den Ehrenkodex der eigenen Gruppe zu halten, hatte für die Zauberer vor allem eine gewisse Ächtung innerhalb der Gruppe und somit eine soziale Ausgrenzung zur Folge; in den großen Reichsakademien Arrovelosias oder Iderusas konnte das auch bedeuten, dass man keinen Zugang mehr zu höheren Posten erhielt. Rechtliche Folgen hatten hingegen nur Verstöße gegen Gesetze, deren Einhaltung aber, gerade an den Akademien, vorausgesetzt wurde und nicht Teil der Ehrenkodizes waren.
Aus den Ehrekodizes der einzelnen magischen Traditionen und Lehreinrichtungen entwickelt sich in der Frühen Neuzeit dann langsam eine philosophie "Magieethik", die bis in heute diskutiert und verändert wird, aber in den meisten Ländern der Welt als moralische Richtschnur für den Magieeinsatz herangezogen wird. [Diese Magieethik habe ich aber bislang ebenso wenig ausgearbeitet, wie konkrete Magieehrenkodizes]

Unter den Lautani (~Adel) des klassischen Iderusa gab es eine durchaus komplexe Ehrvorstellung, die teilweise an rechtlich definierten Konzepten anhing, sich aber insgesamt ungeschrieben als "sozialer Kit" der Adelsschicht ausformte.
Allen Lautani war das Raigurium zu eigen, das Recht und die Fähigkeit den Willen der Götter zu erfragen und zu deuten, daraus folgte die Erwartung, dass die Lautani die Götter auch ehren. Es galt daher als ehrenhaftes Verhalten, wenn ein Adliger, ungeachtet seiner eigenen persönlichen Glaubensvorstellung, den religiösen Kult der "heimischen Götter" (aiseres adridae) zelebrierte; was dann auch dazuführte, dass man im Vers-Kult eine Flamme (/vers/) anbetete, die ursprünglich wohl Symbol einer Gottheit war, deren Namen und Mythologie man aber nicht mehr erinnerte.
Was wir am ehesten direkt als "Ehre" erkennen würden waren Ubnitas (Würde) und Coctio (Ansehen). Die Ubnitas ist die einerseits angeborene, anderseits durch gutes Benehmen zur Schau gestellte Eignung (Ubnatio) für politische Ämter, d.h. es galt als ehrenwert sich diplomatisch, erhaben und autoritär zu präsentieren, um zu zeigen, dass man "stark" genug für ein Amt war. Die Ubnitas war ursprünglich den Lautana, den adligen Frauen, vorbehalten und bildete die Legitimation ihrer politischen Macht, erst seit dem Lavium Genetricis wurde sie auch (eingeschränkt) adligen Männern zugestanden. Während den Adligen gegenüber erwartet wurde, sich gemäß ihrer angeborenen Ubnitas zu verhalten, galten Niedere, die sich durch ihr Verhalten eine Ubnitas anmaßten, als empörend und unschicklich - was gerade in der mittleren und späteren Klassik zu Spannungen zwischen dem (Geburts-)Adel, den Lautani, und dem Geldadel, den Tamnites, führte.
Die Coctio war in erster Linie das durch Leistung im Amt bzw. Beruf erworbene Ansehen. Für die Iderusen war die Coctio aber auch die Einhaltung der Berufs- bzw. Amtsehre, d.h. das Leistungen nur anerkannt wurden, wenn sie mit den Ehrvorstellungen, die an das Amt oder den Beruf gerichtet waren, übereinstimmten. In dieser Auslegung als Amts-/Berufsehre war die Coctio durchaus vielfältig und letztlich fallen auch die Coctio Falipis ("Soldatenehre") und Cocito Initatoris ("Magierehre") darunter.
Der Ehrenkodex des iderusischen Adels bestand also daraus die zahlreichen sozialen Erwartungen zu erfüllen, die sich aus Raigurium, Ubnitas und Coctio ergaben - eine ganz schön anstrengende Sache

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