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#1 Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019: Tugenden von Teja 10.03.2019 11:41

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Ist es schon soweit???
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Ab 20:30 im #imaginarium! Und Themen werden gewählt ab 20:00 im #weltenbastler!!! Seid dabei!

#2 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Elatan 11.03.2019 20:29

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Das Thema lautet: Tugenden! Zeit ist bis 21:30 Uhr!

#3 Kallesinische Ethik von Elatan 11.03.2019 21:13

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Als im 3. Jahrhundert VZ Kallesin von Mene in Dendemar seine Ethik entwickelte, hatte er dabei nur das Beste im Sinn und sagte dies auch ganz deutlich: Seine Ethik sollte dazu führen, den Menschen und die Menschheit in ihrer Gesamtheit zu verbessern. Hierfür beschäftigte er sich mit dem Konzept der Tugenden, welches bereits aus Atamerés bekannt war. Er hinterfragte allerdings die damals klassischen Tugenden wie Mut, Gerechtigkeit, Mäßigung oder Gnade und ersetzte sie mitunter durch neue Tugenden oder strich sich komplett, wenn er die Meinung vertrat, sie wären keine sinnvollen Tugenden. Außerdem verstand er manch eine Tugend anders als traditionellerweise.

Eine unnötige Tugend sah Kallesin beispielsweise in der Gnade. So war er ein Verfechter der Ansicht, ein Verbrecher sei ein von Grund auf böser Mensch, dem man nicht mit Gnade begegnen dürfte, da er sonst nicht richtig erzogen werden könne: Es ist daher in Kallesins Augen falsch, einen Dieb beispielsweise nicht auszupeitschen, da dieser durch das Entgehen einer angemessenen Strafe nur dazu ermutigt werden würde, weiterhin Verbrechen zu begehen. Fragwürdig erscheint hierbei, dass Kallesin auch ein Befürworter der Todesstrafe in bestimmten Fällen war. Dies ist allerdings kein Widerspruch, da durch das Töte eines Schwerverbrechers andere abgeschreckt werden würden und es daher durchaus einen Lerneffekt hätte – nur eben nicht für den Hingerichteten, der ohnehin ein hoffnungsloser Fall war.
Für Kallesin war es auch Gerechtigkeit (eine weitere Tugend), keine Gnade walten zu lassen. Denn wenn man einen Verbrecher hinrichten, den anderen aber begnadigen würde, weil dieser zum Beispiel gut nachvollziehbare Gründe hätte (die es für Kallesin ohnehin nicht gibt), so wäre dies ungerecht, da es sich später herausstellen könnte, dass auch der Hingerichtete möglicherweise „gute“ Gründe hatte. Kritiker sehen dies eher als einen Grund, eben überhaupt nicht hinzurichten, aber grade das war wiederum für Kallesin ausschlaggebend dafür, Gnade nicht mehr als Tugend anzusehen und weiterhin hinzurichten, denn ob nun etwas nachvollziehbar ist oder nicht, ist in solchen Fällen – wenn denn die Tat an sich bewiesen ist – zumeist zu subjektiv, um wirklich noch gerecht (und damit tugendhaft) handeln zu können.

Eine Tugend im Sinne Kallesin ist also eine tatsächliche Verhaltensweise, der dafür sorgt, dass die Menschen ideal miteinander leben können. Hierbei ist es auch völlig unerheblich, wie der Mensch in seinem tiefsten Inneren wirklich fühlt, auch wenn Kallesin in seinen späteren Lebensjahren Überlegungen darüber anstellte, wie er eine innere Überzeugung noch mit seiner Tugendlehre verbinden könnte. So aber kein ein durch und durch bösartiger Mensch ein überaus tugendhaftes Wesen sein, sofern er eben seine bösen Triebe unterdrückt und sich tugendhaft und damit gut verhält.

#4 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Chrontheon 11.03.2019 21:15

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Der folgende Beitrag kann Spuren von Platzhaltern enthalten.

Der Test am Ent - Teil 2

Eladin stieg mit Neds Hilfe vom Pferd. Sein Gesicht war leicht gerötet und verschwitzt. El Danis trat auf ihn zu. "Das war ganz gut. Nun zum nächsten Teil." Sie gingen näher an den Fluss, Ela und Mando entfernten sich.

"Ich habe dich in den letzten Jahren vieles gelehrt. Alles davon ist relevant für dein Leben als Ritter, noch mehr, wenn du eine höhere Position einnimmst."

"So wie mein Vater?"

"Ja, so wie dein Vater. Du bist sein Erstgeborener, und sofern du dich nicht besonders blöd anstellst und enterbt wirst, bist du eines Tages der Baron von Ovalon. Doch um zu beweisen, dass du würdig bist, die Ehre dieses Amtes zu tragen, musst du gewisse Tugenden leben. Nenne mir drei verschiedene!"

"Ein Edelmann hat ein Versprechen, das er einem Edelmann, oder einem Landsmann gab, zu halten. Ein Edelmann hat sich einer Dame gegenüber respektvoll und zuvorkommend sein, unabhängig ihres Standes oder ihrer Herkunft. Ein Edelmann hat seinen Landsmännern Schutz zu bieten."

"Sehr gut. Erkläre mir die erste Tugend!"

"Die Ehre eines Edelmannes wird an seinem Wort gemessen. Spricht er Wahrheit, ist seine Ehre gehoben, züngelt er falsch, ist sie beschmutzt. Ein Versprechen zu geben, doch vorstätzlich nicht einzuhalten, gleicht einer Lüge, die die Ehre des Edelmannes und seines Stammes beschmutzt."

"Gut. Erkläre mir die zweite Tugend!"

"Frauen sind die Verbindung zwischen den Generationen. Damen sind edle, ehrenvolle Frauen. Sie nicht gemäß ihrer Würde zu behandeln, gleicht einem gebrochenen Versprechen."

"Warum?"

"Weil wir gelobten, Damen würdevoll zu behandeln."

"Genau. Erkläre mir die dritte Tugend!"

"Landsmänner sind die Säulen des Reiches. Sie versorgen uns mit Nahrung und Rohstoffen, und dienen uns tapfer im Kampf. Es ist daher unsere Pflicht, zur Aufrechterhaltung des Reiches und unseres eigenen Lebens, ihnen das Land und den Schutz zu geben, den sie brauchen, um uns zu versorgen und zu dienen."

"Das ist richtig. Trink etwas, dann machen wir weiter."

Eladin ging zum Lagerplatz, wo er auf Ned und Ela traf. Mando gesellte sich zu Danis. "Hat Ela die Fragen zu Eurer Zufriedenheit beantwortet?" "Ja. Ich kann mir keinen geeigneteren Nachfolger für mich vorstellen. Einfacher Ritter zu sein wäre zu wenig für ihn. Er sollte zumindest Baron werden, wenn nicht gar Graf." "Da bin ich Eurer Meinung. Nach dem, was sein Vater mir über ihn erzählt hat, kann ich mir vorstellen, dass er einmal ein Herzogtum führen könnte!"

(Der Test am Ent, Abschlussprüfung der Ritterlehre Elas und Eladins, am ersten Tag der zweiten Woche im fünften Monat des Jahres 398nZ; am Ent, Süd-Ost, Lyz, LBW - 5. Zeitlinie)

Mando dachte nach. Ela Dan von Alenad, der ihm wie ein Sohn war, als Herzog in Ost. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln. Der Sohn eines Veranstaltungsplaners, als Herr über große Gebiete von Ost! Es klang lächerlich, doch ein großer Traum würde ihm wahr werden. Wenn seine Linie vielleicht sogar in die Onois einheiraten würde ...?

°'°'°'°'°'°'°'°'°'°'

Die Genden von Tu

"Die Genden. Niemand spricht über sie. Nicht laut. Nicht direkt. Man umschreibt sie. Aber weiß man auch, was man da umschreibt? Manche sprechen von Tagen, andere von Personen, einige von Ereignissen. Doch niemand kann einem sagen, was die Genden eigentlich sind. Oder? Die Bewohner Tus müssten doch am besten darüber bescheid wissen. Denn nach ihrem Gebiet sind sie benannt. Die Tu-Genden. Fragen wir doch einen Tuer.

Hallo? Hallo, können - ja, Sie, können Sie mir eine Frage beantworten?"

Der Tuer schüttelt den Kopf und geht weiter.

"Der war beschäftigt. Doch hier ist einer, der wird es wissen! Hey, Sie, hallo! Können Sie mir eine Frage beantworten?"

"Ni lokari!" Der Tuer geht weiter.

"Ok, der verstand uns nicht. Aber der hier, der auf der Bank sitzt, der da liest, der wird es wissen. Hallo, können wir Sie kurz stören?"

"Ich darf hier sitzen!"

"Natürlich, wir wollen Ihnen nur eine Frage stellen!"

"Können Sie die Kamera ausschalten?"

"Klar doch!"

Niwat nickt dem Kameramann zu.

"Sind Sie Tuer?"

"Ja."

"Kennen Sie die Genden?"

"Ja."

"Wissen Sie was es damit auf sich hat?"

"Ja."

Niwat wird aufgeregt.

"Können Sie uns sagen, was Genden sind?"

"Ja."

"Bitte sagen Sie es uns!" An den Kameramann gerichtet: "Dreh dich nicht weg, so ist er nicht im Bild!"

"Sie haben gesagt, Sie schalten die Kamera aus!"

Cut.

("Über die Genden - dem Geheimnis auf der Spur": eine Dokumentation von 1979; Zweitwelt)

#5 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Teja 11.03.2019 21:19

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Tugendschnellkurs


Marisu verstößt regelmäßig ihre Untertanen, wenn sie sich zu sehr an diese Welt gewöhnt haben. Die Verstoßenen haben nach und nach die Stadt gebaut, die sich heute am Fuß der Zitadelle befindet. Neue Verstoßene kommen immer wieder zu uns. Nun sind das aber meistens Menschen, die schon seit ein oder zwei Generationen in der Zitadelle gelebt haben, bevor sie Marisu zu degeneriert waren.

Das Leben in der Zitadelle ist leicht – es gibt gutes Essen, genug Platz und wenig zu tun, außer Marisu zu unterhalten. Ein leichtes Leben tut einem Menschen aber nicht gut. Wer niemals Leid erlebt, kann auch niemals wachsen. Entsprechend sind die Verstoßenen wie Kinder. Sie können nicht für sich sorgen, sie schreien bei jeder Kleinigkeit und sie sind oft sehr dumm.

Wenn so ein Verstoßener also zu uns nach unten kommt, besteht die erste Aufgabe der Dolmetscher meist darin, ihm die simpelsten Dinge beizubringen. Manchmal lassen Verstoßene mit sich reden und lernen freiwillig. Aber oftmals muss man es ihnen auf eine Weise beibringen, die auf Uneingeweihte grausam wirkt. Aber Leiden stärkt Charakter.

Kinder haben Zeit, um Tugend zu lernen. Erwachsene haben diesen Luxus nicht. Wir bemühen uns darum, den Verstoßenen möglichst schnell beizubringen, wie das Leben hier unten funktioniert – besser sie lernen es hart und schnell. Außerdem will niemand einen Verstoßenen um sich haben, der immer noch glaubt, er könnten sich benehmen, als wäre er noch in der Zitadelle. Diese Leute mögen Marisus Spielzeuge gewesen sein, aber hier bei uns müssen sie etwas beitragen. Wer das nicht kann, wird auch aus unserer Gesellschaft ausgestoßen. Und draußen im Ungeformten Land kann niemand lange Überleben.

Selten verstößt sie mal einen, den sie selbst erst aus einer anderen Welt geholt hat. Ich habe mal einen getroffen, der mir erklärte, dass man den Tugendschnellkurs in seiner Welt „Gehirnwäsche“ nennen würde. Klingt eigentlich gar nicht schlecht. Bei der Wäsche kommt der ganze Dreck raus und hinterher ist die ganze Kleidung sauber und riecht auch noch gut.

#6 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Nharun 11.03.2019 21:22

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Rede des Arelbas Kais Masson, 7. König von Karra, vor dem Weltkongress (01.03.1972) [Auszug]


Am 1. Phasphyrion des Jahres 1972 hielt Arelbas Kais Masson, 7. König des Königreichs Karra, eine flammende, sechsstündige1 Rede vor der Vollversammlung des Weltkongresses in Nynexea, an deren Ende er die Welt mit dem Austritt seines Landes aus dem Weltkongress schockierte. Der folgende Auszug, das "Tugendreferat", bildete den Auftakt zum schließenden Höhepunkt seiner Rede.




[…] Das Wort Rubea ist abgeleitet von ruberaye, einem ersevischen Lehnwort, dessen Grundbedeutung das gewünschte oder bevorzugte Verhalten einer Person umschreibt und den wir am ehesten mit „Anspruch“ oder „Erwartung“ übersetzen können. Allgemein verstehen wir unter Rubea die hervorragenden Eigenschaft oder vorbildliche Haltung einer Person bzw. eine von der Gesellschaft als erstrebenswert erachtete Charaktereigenschaft.
Sie ist heute ein Oberbegriff für eine Reihe konkurrierender Konzepte aus verschiedenen Zeitaltern und kulturellen Bereichen. Die älteren Konzepte kennen wir teils nur durch die streiterischen Auseinandersetzungen antiker Philosphen mit ihnen, wie u.a. bei Assanos Toras, Elas Atanos und Zeros Supnomanos. Inwieweit diese Konzepte in Antike und Frühklassik wirklich den Alltag beeinflussten, lässt sich heute bestenfalls indirekt belegen.
Zu den älteren Konzepten gehören Agonea und Pyretrea, die „Männliche Tugend“ und die „weibliche Tugend“. Die Agonea weist Sportlichkeit, Wehrhaftigkeit, Mut und Loyalität Männern als Tugend aus, während die Pyretrea Ehrlichkeit, Fruchtbarkeit, Sauberkeit und Sanftmut als Tugenden der Frauen darstellen. Schon antike Gelehrte erkannten die Tugenden des einen Geschlechts als auch für das andere erstrebenswert, wodurch sich das Konzept der Entrea, der „Menschlichen Tugend“, entwickelte, das zumindest dem Namen nach von Philosophen aller Zeitalter erweitert oder erneuert wurde, heute jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch, die „Menschenwürde“ bezeichnet.
Mit Elas Atanos und den Asiranisten gewann auch die Nysea an Bedeutung, die „religiöse Tugend“; mit dem Aufstieg des Asiranimus verengte sich ihre Bedeutung auf die Einhaltung der Gebote des Asiranas und später auch anderer Kirchendogmen, sich umgangssprachlich aber auf „Friedfertigkeit“, „Ehrlichkeit“, „Nüchternheit“ und „Redlichkeit“ bezieht.
Seit der frühen Neuzeit suchen Philosophen nach der Schaffung einer Toraea, einer „Welttugend“, jenen Charaktereigenschaften, die für das Gemeinwohl aller erstrebenswert seien. Obgleich bislang nicht die eine Toraea gefunden wurde, gründet auf dem Geist einer, zumindest damals verbeiteten, Form von ihnen der Weltkongress, dessen Gründungscharta „Hilfsbereitschaft“, „guten Willen“, „Gerechtigkeit“ und „Menschlichkeit“ als erstrebenswert festlegt und in ihnen den „gedeihlichen Boden der Zusammenkunft der Völker“ erkennt. Es ist traurig, dass sie mit „gutem Willen“ geschrieben wurde, doch bislang unversucht blieb, diese Werte zu erstreben, die von einer Satzung nicht definiert wurden und von jeder Nation dieses Planeten gemäß eigener Vorstellungen und politischer Pläne mal so und mal so ausgelegt werden. Statt ein gedeihlicher Boden für den Frieden zu sein, haben sich die Welttugenden zu einem rankenden Ungetüm ausgewachsenen, in dem die großen Nationen ganz willkürlich die Tugenden zu Ungunsten der kleineren Völker biegen und wenden, so wie es ihnen gerade passt. [...]



1 Sein Weltkongress-Minister hatte zuvor alle Register gezogen und seinem Herrscher durch Ausnutzung aller Paragraphen, Leerstellen und Präzedenzen diese unerhört lange Redezeit verschafft; dieses "Karrische Abschiedsgeschenk" ist sprichwörtlich geworden, ebenso wie "Reden wie karrische König".

#7 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Chrontheon 11.03.2019 21:52

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*Lobsbeeren verteil*

@Elatan: Eine fragwürdige Ethik ist das!

@Teja: Ja ... dieser Tugendschnellkurs ist wie eine gute Reinigung ...
Nein, im Ernst, da behalt ich meine Tugenden und helf so mit!

@Nharun: Eine tolle Rede! Ich stimme ihm durchaus zu, dass sein Land nicht mehr Teil des Weltkongresses sein sollte!

#8 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Nharun 12.03.2019 11:28

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@Elatan Kallesins Einstellung klingt erstmal recht hart und tyrannisch; gab es einen bestimmten Grund, aus dem er so handelte? War seine Herrschaft von allen Seiten bedroht oder sah er eine vermeintliche Bedrohung, vor der er sich durch hartes Druchgreifen und unerbittliche Strafen zu schützen versuchte? Wirkte seine Haltung nach oder gab es nach seinem Tod/seiner Absetzung (was auch immer davon zutrifft) eine radikale Abkehr?

@Chrontheon Ein schönes Format, um die Tugenden deiner Ritter zu präsentieren!

@Teja Die Einstellung der Stadtbewohner klingt auch ziemlich hart, es läuft ja auf "Pass dich an oder stirb" hinaus; allerdings auch eine durchaus verständliche Notwendigkeit. Mir gefällt diese Einstellung (in einem weltenbastlerischen Sinne), da sie der dunklen Seite von Marisus Welt unterschwellig zuarbeitet und ihren pragmatischen Schrecken erst beim drüber Nachdenken entfaltet

#9 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Elatan 12.03.2019 12:46

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Lobse
@Chrontheon: Zwei schöne Texte, der zweite war lustig. Eine Frage zum ersten habe ich allerdings: Ist das Enterben in der LBW so einfach?
@Teja: Das klingt tatsächlich mal ganz okay und nach dem, was ich über die Fee weiß, klingt eine Verbannung richtig toll, aber ich ahne, dass ich da falsch liege und die Verbannten nicht einfach zurück in ihre Heimatwelten verfrachtet werden, oder?
@Nharun: Diese Suche nach einer universal gültigen Ethik bzw. Tugenden, die für eine solche anwendbar sind, ist keine einfache Sache und ich kann mir vorstellen, dass die Philosophen deiner Welt da oft streiten. Ich finde es außerdem sehr schlüssig, dass nach dieser Tugend erst relativ spät und nicht bereits in der Antike gesucht wird. Gefällt mir!

Zitat von Nharun im Beitrag #8
@Elatan Kallesins Einstellung klingt erstmal recht hart und tyrannisch; gab es einen bestimmten Grund, aus dem er so handelte? War seine Herrschaft von allen Seiten bedroht oder sah er eine vermeintliche Bedrohung, vor der er sich durch hartes Druchgreifen und unerbittliche Strafen zu schützen versuchte? Wirkte seine Haltung nach oder gab es nach seinem Tod/seiner Absetzung (was auch immer davon zutrifft) eine radikale Abkehr?

Ja, es gibt Gründe. Beispielsweise willkürliche Herrscher, die ihren Lieblingen alles durchgehen lassen und andere, deren Nase ihnen nicht passt, übel bestrafen. Bedrohungen sah er darin, dass die Menschen durch schlechtes Verhalten einander fremd wurden und es keinen Zusammenhalt gab. So war sein Heimatland Dendemar oft Ziel feindlicher Angriffe und Raubzüge, doch die Fürsten hielten nicht zusammen, um diese abzuwehren; viel mehr freuten sie sich darüber, wenn die Nachbarstadt gebrandschatz wurde, weil sie dadurch einen Konkurrenten weniger hatten. Seine Haltung wirkte auch nach und Kallesin gilt immer noch als einer der größten Philosophen Nordilranuhs. Was du aber vermutlich falsch verstanden hast: Kallesin war kein Herrscher, sondern wirklich nur ein Lehrer und Philosoph.

#10 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Chrontheon 12.03.2019 13:04

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Zitat von Nharun im Beitrag #8
@Chrontheon Ein schönes Format, um die Tugenden deiner Ritter zu präsentieren!

Danke! Dein Text war auch schön!

Zitat von Elatan im Beitrag #9
@Chrontheon: Zwei schöne Texte, der zweite war lustig. Eine Frage zum ersten habe ich allerdings: Ist das Enterben in der LBW so einfach?

:D

Wie einfach Enterben geht, kommt drauf an, wie mächtig der Alte ist! Es soll in West-Ost (oder war es Ost-West?) einen Grafen gegeben haben, der stark von seinem Sohn enttäuscht wurde und ihn enterben wollte. Warum der Sohn trotzdem der nächste Graf wurde? Weil seine Mutter das durchgesetzt hat. Enterben geht nämlich in der Regel nur, wenn alle lebenden Elternteile damit einverstanden sind, da das Erbe eine Familiensache ist. Der umgekehrte Fall (Mutter will enterben, Vater aber nicht) soll im zweiten Zeitalter mal in Syd behandelt worden sein. Angeblich sind die Eltern an den Hof des Großkönigs gegangen, damit dieser entscheiden sollte (der Großkönig entschied gegen die Enterbung, weil sein Sohn den Sohn der Grafen kannte).

Abgesehen davon vermittelt eine Enterbung auch ein gewisses Bild über die Eltern: Sie haben in den Augen der Gesellschaft versagt, ihr Kind zu einem anständigen Erwachsenen zu erziehen. Damit bleibt die Enterbung wirklich der letzte Weg, um zu verhindern, dass ein Unfähiger auf dem Thron sitzt. Wirklich enterben wird niemand, der mit den gesellschaftlichen Folgen nicht klar kommt.

#11 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Teja 12.03.2019 20:01

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Und hier sind meine gut gereiften Lobsbeeren:

@Elatan In manchen Punkten stimme ich Kallesin zu, in anderen nicht. Aber das Schlusswort, dass man seine bösen Triebe unterdrücken und trotzdem tugendhaft leben kann, ist eine gute Idee.

@Chrontheon Wird man in dieser Welt in Adelsränge befördert wie in der normalenArbeitswelt?

@Nharun Was für eine schöne Idee und wie schade, dass damit so viel Schindluder getrieben wird!

Zitat von Nharun im Beitrag #8
@Teja Die Einstellung der Stadtbewohner klingt auch ziemlich hart, es läuft ja auf "Pass dich an oder stirb" hinaus; allerdings auch eine durchaus verständliche Notwendigkeit. Mir gefällt diese Einstellung (in einem weltenbastlerischen Sinne), da sie der dunklen Seite von Marisus Welt unterschwellig zuarbeitet und ihren pragmatischen Schrecken erst beim drüber Nachdenken entfaltet *i


Ich mag den Ausdruck "pragmatischer Schrecken".

Zitat von Elatan im Beitrag #9
@Teja: Das klingt tatsächlich mal ganz okay und nach dem, was ich über die Fee weiß, klingt eine Verbannung richtig toll, aber ich ahne, dass ich da falsch liege und die Verbannten nicht einfach zurück in ihre Heimatwelten verfrachtet werden, oder?

Verbannung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Person nicht in der Stadt leben darf, sondern außerhalb davon selbst zurechtkommen muss. Zurück in die Heimatwelt geht es nicht.

#12 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Nharun 12.03.2019 20:43

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@Elatan Oh da habe ich das mistverstanden!


Zitat von Teja im Beitrag #11
Ich mag den Ausdruck "pragmatischer Schrecken".

Ich auch, er wird nur viel zu selten benutzt!

#13 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Chrontheon 12.03.2019 22:49

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Zitat von Teja im Beitrag #11
@Chrontheon Wird man in dieser Welt in Adelsränge befördert wie in der normalenArbeitswelt?

Meinst du die politischen Ämter? Die werden vom Vater an den (normalerweise) Erstgeborenen vererbt, von einer höheren Instanz verliehen, oder sich durch einen Putsch oder auf andere Weise genommen.

Der Adelstitel ("El"/"Ella") an sich wird vererbt. Selten wird einem Bürgerlichen ein Adelstitel verliehen, öfter aber verliert ein Adeliger diesen. Den Titel "Aristokrat" kann sich ein jeder Adeliger selbst verleihen, indem er politisch aktiv wird. Das ist, auch wenn man kein politisches Amt bekleidet oder Berater einer höheren Instanz ist, nicht schwer, da man als Adeliger grundsätzlich eine gewisse Menge an Untertanen hat (zB Dienstboten), und sich diesen gegenüber wie ein Regent anstatt als Vorgesetzter/Arbeitgeber benimmt, oder wenn man sich einfach politisch engagiert.

#14 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Teja 13.03.2019 11:20

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Ich meine speziell diese Formulierung:

Zitat
Einfacher Ritter zu sein wäre zu wenig für ihn. Er sollte zumindest Baron werden, wenn nicht gar Graf." "Da bin ich Eurer Meinung. Nach dem, was sein Vater mir über ihn erzählt hat, kann ich mir vorstellen, dass er einmal ein Herzogtum führen könnte!"


Das klingt nach Beförderung.

Dienstboten sind im allgemeinen Angestellte, keine Untertanen. Das entscheidende daran ist, wer die Gerichtsbarkeit inne hat, nicht wer sie beschäftigt. Oder hat ein adeliger Arbeitgeber allein dadurch schon die Gerichtsbarkeit? Dann wären die Dienstboten eher Sklaven als Angestellte.

#15 RE: Fünfundachzigstes Speedbasteln am 11. März 2019 von Chrontheon 13.03.2019 11:43

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Zitat von Teja im Beitrag #14
Ich meine speziell diese Formulierung:

Zitat
Einfacher Ritter zu sein wäre zu wenig für ihn. Er sollte zumindest Baron werden, wenn nicht gar Graf." "Da bin ich Eurer Meinung. Nach dem, was sein Vater mir über ihn erzählt hat, kann ich mir vorstellen, dass er einmal ein Herzogtum führen könnte!"

Das klingt nach Beförderung.

Dienstboten sind im allgemeinen Angestellte, keine Untertanen. Das entscheidende daran ist, wer die Gerichtsbarkeit inne hat, nicht wer sie beschäftigt. Oder hat ein adeliger Arbeitgeber allein dadurch schon die Gerichtsbarkeit? Dann wären die Dienstboten eher Sklaven als Angestellte.


Hm.. Naja, Dienstboten, die auf dem Grundstück eines Adeligen leben, sind zu einem gewissen Grad auch seine Untertanen (ein sehr sehr kleiner Grad, aber dennoch). Sklaven nennen kann man sie aber nicht, da ein Adeliger dem Kodex nach keinen freien Bürger (!= Sklave) zwingen kann, auf dem eigenen Grund und Boden zu leben. Festhalten während der Dienstzeiten geht auch nicht, und ein jeder Bürger hat das Recht auf eine gewisse Zeit zum Ruhen (und Flüchten, wenn Bedarf besteht). Sie sind nicht Unfreier als wir.

Zur Beförderung: Ja, so funktioniert das. Man kann "befördert" werden, indem eine höhere Instanz einen in eine höhere Position versetzt (die niedriger ist als die besagter Instanz). Das traf dann auch tatsächlich auf Ela Dan zu, der zuerst Ritter wurde, dann zum Truchsess des Seeherzogs, nach dessen Verschwinden zu seinem Nachfolger, und als Ivy Teil Osts unter GK Onoi war, auch der Graf oder Herzog dessen. Theoretisch hätte er den Truchsessteil auch überspringen können oder, wenn der Hochkönig noch gelebt hätte, von diesem zum "König" von Ost ernannt werden können.

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