Alles verändert sich unter dem Einfluss dieses Ortes. Menschen verwandeln sich in Fabelwesen, Pflanzen bringen Früchte hervor, die man nie erwartet hätte und Tiere sind ebenfalls betroffen.
Es ist mehr als befremdlich, wenn man über einen Markt geht und die dort feil gebotenen Geschöpfe betrachtet: Hühner mit Schuppen und Zähnen in den Schnäbeln, Einhörner oder Schlangen mit Stummelflügeln. Wer nach einer exotischen Mahlzeit sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.
Es geht jedoch noch besser: Vor einer Weile soll der Anführer der Rotzacken Zwerge einen seiner Berater geschickt haben, um eine Ziege für ein Opfer zu erstehen. Nun stammte diese Ziege aus dem Stall eines der Konkurrenten der Rotzacken und hatte dort so einiges mitbekommen. Unter anderem, dass eben jener Berater die Rotzacken gegen ihre Konkurrenten auszuspielen gedachte.
Die Ziege war nicht dumm und tat so, als wäre sie eine Ziege, bis der Älteste der Rotzacken mit dem Opfermesser vor ihr stand. Dann erst machte sie das Maul auf und erzählte ihm haarklein alles, was sie in ihrem Heimatstall gehört hatte. Der Rotzacken Zwerg lauschte ihr aufmerksam und schnitt anschließend seinem Berater die Kehle durch. Seither nimmt die Ziege den Platz des Beraters ein und die Rotzacken sind erfolgreicher denn je.
Die Moral aus der Geschicht: Trau niemandem. Auch keiner Ziege.
Die diesjährige Kleintierbörse auf Palgo IV war wieder einmal ein Erfolg in jeglicher Hinsicht. Die 37. Börse dieser Art stellte die des Jahres 2219, die bis dahin die größte war, noch in den Schatten. Austeller aus über 50 Systemen brachten Tiere mit, welche die kleinen und großen Besucher begeisterten; vom Abahatenischen Grimmelhusch bis zum Zatakischen Lavalurch waren Exemplare hunderter Arten zugegen, um ihren Besitzer zu wechseln.
Besondere Aufmerksamkeiten erregten allerdings die genmanipulierten Tiere, welche die Palgoer selbst präsentierten: So konnten die Kunden auf der Börse nicht nur Kleintiere im herkömmlichen Sinne, sondern auch kleine Versionen eigentlich wesentlich größerer Kreaturen erstehen. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich hier vor allem Afrikanische Elefanten, welche nicht größer werden als Shetland-Ponys.
Zu einem Eklat kam es, als ein Händler versuchte, Robotertiere als echte zu verkaufen, was den Tierschützern, welche diese Börse kritisierten, allerdings recht gewesen wäre: Einige von ihnen konnten daran gehindert werden, auf das Messegelände zu gelangen, um die Tiere zu befreien. Gemäßigtere Tierschützer beließen es dabei, die genetische Modifikation einer Tiere anzuprangern und bekamen hierbei Unterstützung vieler traditioneller Züchter.
Da die Besucher allerdings gerade von diesen Wesen begeistert waren, ist es mehr als fraglich, ob die Palgoer in den nächsten Jahren auf sie verzichten werden.
„Der kann einem Arbaren ein Huhn verkaufen“ – Das ist ein kurioses Zitat, besonders wenn man bedenkt, dass dieses mehr als 2000 Jahre alte Zitat aus dem antiken Kaphtenu stammt und der Überlieferung nach in Sor ein geflügeltes Wort war, das jemanden bezeichnet, der Unmögliches vermag. Warum galt es DEM Händlervolk der Antike, die von allen anderen Völkern der Bekannten Welt als silberzüngige Wortverdreher und Feilschermeister betrachtet wurden, als so unmöglich, einem barbarischen Volk wie den antiken Arbaren so etwas simples wie ein Huhn zu verkaufen? Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach: Hühner galten den meisten Stämmen als heilige Tiere der Sturma Muder, der großen Mutter. Wurden sie deshalb nicht verzehrt? Die Arbaren sahen in vielen Tieren die Erscheinungsform ihrer Gottheiten oder sahen sie als göttliche Boten, aber wirkliche Speisetabus erwuchsen daraus nur wenige. Archäologische Funde bezeugen sogar, dass Hühner vielerorts die häufigste Fleischquelle darstellten. Die Antwort hängt allerdings mit der Verbindung des Huhn mit der Großen Mutter zusammen: Hühner galten nicht als individueller Besitz, sondern als Geschenk der Großen Mutter an die Gemeinschaft. Da Hühner Gemeinschaftseigentum waren, konnten sie nicht einfach ge- und verkauft werden; und nur die Eingeweihten der Großen Mutter durften Hühner an andere Gemeinschaften verschenken, was als Zeichen von Großzügigikeit gesehen wurden. Das Konzept ein Huhn zu kaufen oder gar zu verkaufen, war den antiken Arbaren einfach fremd und unvorstellbar.
@Teja Ein Beitrag, der auch zu Halloween gepasst hätte, mit einem tollen Twist :-) @Ela Toller Beitrag. Was kostet denn ein kleiner Pottwal fürs heimische Aquarium?
@Teja: Also so eine sprechende Ziege wäre schon was! Sehr schön Beitrag und passend für Marisu. @Nharun: Eine sehr schöne Idee, die sich in eine ganze Reihe derer einreiht, die deine Welt so lebendig machen. Gefällt mir!
Zitat von Nharun im Beitrag #7@Ela Toller Beitrag. Was kostet denn ein kleiner Pottwal fürs heimische Aquarium?
@Elatan Ich möchte auch so einen Minifant! @Nharun Ein interessantes Konzept, dass Hühner allen gehören. Gibt es da keine Probleme ,wenn jemand zu viele schlachtet?
Es git ja die Priesterinnen der Großen Mutter, die sich darum kümmern. Allerdings ja: Das ist natürlich ein Quell dörfischer Streitereien - aber ohne wäre ja auch langweilig Dieses antike Prinzip wird wohl die Bildung größerer Siedung bis in die Klassik hinein auch nicht überlebt haben, außer vielleicht in kleinen, entlegenen Gemeinschaften.
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