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Elatan
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    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Der Imaginariums Gabentisch 2020" geschrieben. 28.11.2021

      Zitat von Nharun im Beitrag #6
      @Elatan Deine Geschichte ist toll: Ich hab mir wirklich den Kopf an ihr zerbrochen. Die Elemente, die in der Geschichte vorkommen, wirken so vertraut, die sagenhafte Erzählung so bekannt, dass ich wirklich dachte, ich wüsste worauf du am Ende anspielst. Aber ich weiß es nicht, erleuchte mich! *lu

      Meine flotte Antwort darauf: Die Geschichte ist von einer Sage aus Nordfriesland inspiriert.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "[Toraja] Verschiedenes" geschrieben. 19.11.2021

      Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel du über solche "Nebensächlichkeiten" schreiben kannst, die deine Welt dann aber wirklich sehr lebendig machen. Ich kann mir vorstellen, dass daran vor allem deine Rollenspielrunden schuld sein könnten, oder? Ich merke es nämlich immer beim Schreiben von Geschichten, dass ich mir dann auch über so etwas Gedanken machen muss.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Zeitung" geschrieben. 13.11.2021

      Ich hatte auch schon öfter die Idee und das zumindest artikelweise auch für Speedbastelbeiträge mal umgesetzt. Ich finde die Idee ziemlich gut! Eine ganze Ausgabe ist vielleicht etwas viel, aber eine Titelseite mit hübschen Layout (und dann vielleicht Auszüge anderer Seiten) wäre eine feine Sache. Da sich dann vielleicht ein normaler Beitrag im Forum weniger eignet, um das ganze so zu präsentieren, wie es aussehen soll, könntest du das dann ja als PDF hier verlinken. Ich wäre auf jeden Fall gespannt und glaube, dass eine Zeitung für interessante Einblicke sorgen würde und bei Verständnisproblemen könntest du ja getrennt von der eigentlichen Zeitung einen kleinen Anmerkungsapparat beifügen.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft" geschrieben. 31.10.2021

      @Nharun: Ein schauriger Einblick in diese Zeit, da möchte man kein Kolonist sein! Was sind Calisthenic-Influencer?

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Halloween - Das Imaginarium des Grauens III: Jetzt wird's grauenhaft" geschrieben. 31.10.2021

      @DrZalmat: Uh, die kleinen Kerlchen kennen wir doch! Der arme Händler ...




      Hoffnung


      Schmutzig graue Wolken verdunkelten den Himmel und nur ein schwacher Lichtfleck ließ erahnen, dass es noch eine Sonne gab. Tag und Nacht wechselten sich ab, ohne dass es noch einen großen Unterschied machte. Einst hatte man kleine Kinder mit Geschichten von den Kreaturen der Finsternis geängstigt, die des Nachts kämen, um jene zu fressen, die ihre Häuser verließen. Nun kamen die Geister und Unholde, wann es ihnen beliebte, und die meisten Häuser waren zerstört.
      Vínhlur wusste nicht, wie lange es nun bereits her war, dass Tadastara von den tosenden Fluten des brennenden Meeres zerschmettert worden war. König Koron hatte ihn an jenem Tag mit auf einen Jagdausflug in die Hügel mitgenommen und so war er selbst dem Tod entkommen, den seine Famile ereilt hatte. Nun aber suchten ihre Geister ihn unablässig heim, wenn er einmal den Schlaf fand, und fragten ihn, warum er nicht bei ihnen war und sie nicht gerettet hatte. Er sagte ihnen dann, dass er nichts hätte tun können, doch sie sagten ihm, er hätte zumindest mit ihnen sterben können.
      War das alles schon ein Jahr her? Er wusste es nicht. Als Tadastara zerstört worden war, war dies auch das Ende von Belcasgar und mit einem Schlag war auch König Koron nur einer von einer immer kleiner werdenden Zahl Überlebender gewesen. Vínhlur wusste nicht, wo der König nun war und es interessierte ihn auch nicht. Hätte ein besserer König das, was von seinem Volk noch übrig geblieben war, zusammenhalten und ihm Hoffnung geben können?
      Die Menschen klammerten sich nun an Anführer, die ihnen sagen konnten, was zu tun war und Vínhlur war einer von denen gewesen, dem sie folgen wollten. Doch wusste er, dass dies alles nur eine Farce war. Sie streiften durch das kalte und verdörrte Land wie Tiere.
      Sie hatten in den Norden gehen wollen, über die Berge, doch hatten sie dieses Vorhaben rasch aufgeben müssen. Orks waren nicht das Schlimmste, was im Hochland auf sie gelauert hatte. Große Wölfe mit schwarzem Fell und Augen wie brennenden Smaragden hatten sie verfolgt und viele aus Vínhlurs Truppe waren ihnen zum Opfer gefallen. Nur die Werwölfe speisten in diesen dunklen Tagen fürstlich.

      Sie rasteten in der dachlosen Ruine eines Gutshauses inmitten eines verdorrten Olivenhaines. Das Dach musste einem Feuer zum Opfer gefallen sein, doch hielten die Wände zumindest den Wind ab und boten den Anschein von ein wenig Sicherheit. Vínhlur saß mit den anderen in einer Reihe an einer der kalten Wände. Sie hatten es nicht gewagt, ein Feuer anzuzünden, obwohl der Gedanke an Licht und Wärme verführerisch war und die vertrockneten Olivenbäume sie in Versuchung führten. Doch hatten sie erst in der vergangenen Nacht wieder das Heulen von Wölfen vernommen. Diese Bestien waren keine normalen Tiere.

      Neben dem Wind war lediglich das Schluchzen einer Frau zu hören, die ihr Kind verloren hatte und obwohl er, der seine ganze Familie selbst verloren hatte, ihren Schmerz nachempfinden konnte, begann er, die Frau zu hassen. Sie machte alles nur noch schlimmer. Konnte sie nicht vielleicht sogar froh sein, dass ihr Kind nicht in dieser sterbenden Welt aufwachsen musste? Vínhlur stand auf und verließ die Ruine, so als wolle er draußen frische Luft schnappen, obwohl es keinerlei Unterschied machte, ob er dafür vor die ohnehin zersplitterte Tür ging, oder innerhalb der Mauern blieb. Er schaute gen Norden zu den Bergen. Waren hinter ihnen wirklich die Länder der Elben, in denen es Hoffnung gab? Oder waren die Elben bei ihrem Feldzug gegen ihre einstigen Meister vernichtet worden? Vínhlur wusste nicht, wie lange er dort stand, als er irgendwann ganz leise ein altbekanntes Geräusch hörte, dass er jedoch lange nicht mehr vernommen hatte: Hufe.

      Vínhlur griff nach seinem Schwert, aber als er den Reiter in einiger Entfernung sah, ließ er es in der Scheide stecken, ohne jedoch vorsichtig zu bleiben. Es war ein kleiner Mann mit einem überaus breitkrempigen Hut auf einem Esel, und als er näher kam, sah Vínhlur, dass der Mann nicht nur einen gewaltigen Hut trug, sondern auch einen imposanten Schnauzbart und nicht viel weniger buschige Augenbrauen hatte. Der Mann trug einen Mantel, der vermutlich einmal rot gewesen war, inzwischen aber so viele bunte Flicken hatte, dass es schwer war, die ursprüngliche Farbe mit Sicherheit festzustellen. Er hob die Hand und winkte Vínhlur, der zögernd ebenfalls die Hand hob.

      »Ich hätte nicht erwartet, hier einem Menschen zu begegnen!«, rief der Alte. »Daher freut es mich umso mehr.«
      Hinter Vínhlur lugten nun einige andere Überlebende aus der Ruine hervor wie Mäuse aus einem Loch, die nach der Katze Ausschau hielten.
      »Malornos ist mein Name!« Er zog seinen Hut in einer schwungvollen Bewegung und verneigte sein blitzblankes Haupt.
      »Ich bin Vínhlur, einstiger Paladin König Korons«, erwiderte er. Einst hatte er es mit Stolz sagen können, nur schämte er sich hierfür fast.
      »Welch Ehre!«, sagte Malornos und es klang keinerlei Sarkasmus in seiner Stimme mit. »Sagt, was macht Ihr hier in diesen verfluchten Landen?«
      »Wir wollten in den Norden gehen«, sagte Vínhlur, dem kein Grund einfiel, es dem Alten nicht ehrlich zu beantworten. »Es heißt, die Länder der Elben seien verschont worden von der Zerstörung der Welt. Im Gebirge wimmelt es jedoch von Orks und so konnten wir nicht weiterziehen.«
      »Ach, wenn es doch nur so wäre und gäbe Orte, die nicht in Mitleidenschaft gezogen worden wären«, sagte Malornos und schüttelte traurig den Kopf.
      »Was macht Ihr aber hier ganz allein?«, fragte Vínhlur. »Selbst in einer Gruppe wie der unseren ist es nicht sicher, dieser Tage zu reisen.«
      »Ich bin doch nicht allein«, sagte der Alte und klopfte dann zärtlich auf den Hals seines Esels. Dann grinste er. »Sollen die Bestien Cevarins nur kommen, dann sehen sie, dass es falsch ist, sich mit Malornos dem Zauberer anzulegen!«
      Einige der anderen begannen, aufgeregt zu tuscheln.
      »Ein Zauberer seid Ihr?«, fragte Vínhlur.
      »Das bin ich«, sagte Malornos und richtete sich stolz in seinem Sattel auf, »und ich wurde ausgesandt, Überlebende zu finden und mit in unsere Stadt zu bringen. Allein ist der Mensch nichts, doch zusammen sind wir stark und können diesen finsteren Zeiten trotzen.«
      Malornos stieg von seinem Esel und erzählte ihnen von der Stadt, in der er lebte. Wánet war ihr Name – Hoffnung – und ihre Bewohner halfen einander, wo sie nur konnten. Sie hatten es geschafft, in dieser üblen Zeit einen Ort zu erschaffen, der zumindest ein wenig an die Städte vor der Dunkelheit erinnerte. »In Wánet essen wir das beste Fleisch!«, sagte Malornos und lachte. Dann deutete er auf seinen Esel und zwinkerte. »Wir haben es gar nicht nötig, den alten Grauen dort zu rösten.«
      Vínhlur musste bei diesen Worten an sein Pferd denken. Es hatte ihm immer gute Dienste geleistet und war ihm sogar auf eine gewisse Art ein Freund gewesen, doch schließlich hatte er es töten müssen, damit seine Leute etwas zu essen hatten. Nachdem Malornos seine Geschichte beendet hatte, lag es an Vínhlur zu entscheiden, ob sie Malornos folgen sollten oder nicht. Vínhlur wusste jedoch, dass es völlig egal war, wie er entschied. Hätte er nein gesagt, so hätten die anderen ihn als Führer infrage gestellt und verlassen. Und was hatten sie schon zu verlieren? Würde Malornos sie zu Banditen führen, die sie ausrauben würden? Sie hatten ohnehin nichts mehr als die Lumpen an ihren Leibern. Also stimmte er zu und sie machten sich gemeinsam auf den Weg nach Wánet.

      Der Marsch dauerte zwei Tage und führte sie wieder in die Nähe der Berge, doch als in einer Nacht wieder einmal die Wölfe gefährlich nahe an sie herankamen und sie schon die glühenden Augen sahen, rief Malornos mit donnernder Stimme einen Zauberspruch und vertrieb sie. Die Wölfe waren die einzigen Lebewesen, die ihnen auf ihrer Reise begegneten. Malornos half auch denen, die zu schwach waren, weiterzugehen, indem er ihnen etwas aus einer Phiole gab, die er in seiner Umhängetasche trug, und sie auf seinem Esel reiten ließ. Recht schnell nannten einige den Alten Veren und benannten ihn damit nach dem edlen Merohim, der einst den Menschen geholfen und sie vor Cevarin geschützt hatte. Vínhlur wollte nicht so weit gehen, doch konnte auch er nicht leugnen, dass Malornos ein Licht in der Finsternis war, das ihnen Hoffnung spendete.

      Sie entdeckten Wánet, als die Sonne gerade unterging. So etwas hatten sie wegen der bleiernen Wolken lange nicht gesehen und so war der blutrote Himmel für sie ein Zeichen, dass die Sentarim ihnen gewogen waren. Malornos holte ein weißes Horn hervor, in das er dreimal hineinstieß. Aus einiger Entfernung kam aus der Stadt die Antwort und Malornos lachte. Es war eine alte Stadt, die vermutlich schon lange vor der Katastrophe verlassen und nun wieder besiedelt worden war. Hinter ihren steinernen Mauern ragten Türme wie zertrümmerte Zähne auf und Lichter brannten in ihren Fenstern. Vor den Mauern der Stadt waren keine Felder, auf denen Landwirtschaft betrieben wurde und auch keine Weiden für Vieh.

      »Heute wird fürstlich gepeist!«, sagte Malornos und legte einem Kind einen Arm um die Schulter. »Gutes Fleisch aus der Zeit vor dem Untergang!«
      Vínhlur ließ sich ein wenig zurückfallen, um einer Fraz aufzuhelfen, die gestolpert war. Er blieb einen Moment stehen und sah seinen Leuten zu, wie sie Wánet durch das mächtige Tor betraten. Oben standen Wachen, deren Gesichter von Tüchern bedeckt waren.

      Heute würde in Wánet fürstlich gespeist werden.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Weltennews" geschrieben. 24.10.2021

      Zitat von Elatan im Beitrag #169

      Mir fiel gerade ein, dass es zu der Zeit, in welcher der Roman spielt, an dem ich gerade arbeite, noch gar keine Pferde in Aren gab.

      Und ich hatte die Eingebung, dass man sich, als die Amnúrer dann mit ihren Pferden auftauchten, in Atamerés, wenn man sie noch nicht persönlich erlebt hatte, spöttisch als Eselsreiter bezeichnet hat und sich auch über Soldaten, die eingeschüchtert über die kennengelernte amnúrische Reiterei berichtet haben, deshalb lustig machte. Normalerweise ritten Kämpfer nämlich Elanantilopen und niemand konnte sich so recht vorstellen, dass diese „Esel“, von denen berichtet wurde, tatsächlich so effektiv waren.

      Ich glaube, dass ich das doch ändere und es bereits vor den Amnúrern Pferde in Aren und Ilranuh gab.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Lebenserwartung - Durchschnittlich/Höchstwerte und einiges mehr..." geschrieben. 23.10.2021

      @Nharun: Das ist mal Abwechslung, dass Magier eine geringere Lebenserwartung haben als normale Menschen. Wie groß ist denn das Problem mit den Krebserkrankungen der Magier noch in der Jetztzeit?
      @Aguran: Ich finde die Idee cool, dass bei deinen Orks die Heilfähigkeit zu so negativen Auswirkungen führt. Wie kommt es aber, dass das Durchschnittsalter der Elben so drastisch im Verlauf der Zeitalter sinkt?

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Lebenserwartung - Durchschnittlich/Höchstwerte und einiges mehr..." geschrieben. 22.10.2021

      Zitat von Aguran im Beitrag #1
      Wie sieht es auf Euren Welten mit der Lebenserwartung aus, sowohl die Durchscchnittliche als auch das Höchstalter?
      Wie sind die Sterblichkeitsraten bei den Heranwachsenden?
      Sterblichkeitsraten bei Geburten?


      Oh ja, die Unterschiede sind bei alle dem mitunter beträchtlich. und gerade Dinge wie z.B. Säuglingssterblichkeit können die durchschnittliche Lebenserwartung ziemlich runterziehen und so den Eindruck entstehen lassen, die Menschen (bei denen ich jetzt erstmal bleibe) würden nicht besonders alt werden - was auch im Großen und Ganzen stimmt, wenn man es mit der Lebenserwartung heutzutage bei uns vergleicht. Mit 40 Jahren galt man aber als Mensch nie als Greis oder wenigstens alt. Ort und Zeit sind auch immer besondere Faktoren; die durchschnittliche Lebenserwartung eines Atamerers im 12. Jahrhundert AZ dürfte die eines Überlebenden aus Belcasgar direkt nach dem großen Kataklysmus, der die Alte Welt viele Jahrtausende zuvor erschütterte, stark übertreffen, auch wenn gerade einmal wenige Jahrzehnte zuvor die Menschen aus eben diesem Reich eine der höchsten Lebenserwartungen von allen gehabt haben dürften, die sie durch Wissenschaft und Magie Krankheiten heilen oder ihre Landwirtschaft verbessern konnten. Magie spielt oft eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Menschen vor dem Tod zu bewahren. Eine Blinddarmentzündung ist oft ein Todesurteil, wenn kein (magiekundigen) Heiler zur Stelle ist, der weiß, wie vorzugehen ist. Ähnlich verhält es sich auch mit Wundbrand und allen möglichen anderen Dingen, wobei Magie niemals ein Allheilmittel ist, mit dem jeder Feld- und Wiesenzauberer einfach jede Krankheit weghexen kann. Magier gibt es darüberhinaus nicht besonders viele, weswegen dann Regionen, in denen ein Heiler sitzt, schon die Lebenserwartung steigt; auch weil die Kindersterblichkeit dort dann eher gesenkt werden kann.

      Zwerge haben eine höhere Lebenserwartung als Menschen und so gibt es absolute Extremfälle, die um die 350 Jahre alt werden. Hier ist dann aber vielleicht auch Magie im Spiel, die auch bei Menschen für eine höhere Lebenserwartung sorgen kann, auch wenn diese sich eventuell gar nicht darüber im Klaren sind, dass sie eine Magieaffinität besitzen. Normalerweise werden Zwerge jedoch nicht älter als 250-300 Jahre, wobei sie erst relativ spät „ausgewachsen“ sind (was bei Menschen 18 ist dürfte bei Zwergen 30 sein). Danach altern sie sehr lange Zeit scheinbar gar nicht, ehe sie dann die letzten zwei, drei Jahrzehnte dann relativ schnell abbauen. Die Kindersterblichkeit bei Zwergen ist niedriger als bei Menschen, was aber vor allem auch an in der Regel besseren Lebensumständen liegt. Selbst die ärmsten Zwerge leben nicht in Bretterhütten oder gar auf offener Straße, sondern werden von der Gemeinschaft aufgefangen. Darüberhinaus sind Zwerge resistenter gegen viele Krankheiten und robuster, sodass Verletzungen oftmals weniger schlimm sind.

      Die Elben sind im Prinzip unsterblich, gegen Krankheiten immun und wenn sie auch nicht robuster als Zwerge sind und ebenso leicht verletzt werden können wie ein normaler Mensch auch, so überstehen sie solche Verletzungen doch, sofern sie nicht tödlich sind, wesentlich besser. Da Krankheiten eben kein Problem darstellen, sind sie auch kein Faktor, der die Kindersterblichkeit in die Höhe treiben würde – Elbenkinder sterben also eigentlich nur aufgrund von Unfällen oder weil sie getötet werden. Die Geburt und Schwangerschaft kann hingegen für Elbenfrauen durchaus eine Gefahr darstellen, da beides überaus kräftezehrend ist, weswegen viele Elben es auch bei einem einzigen Kind belassen. Man kann vielleicht sogar sagen, dass das Kinderkriegen die Haupttodesursache für elbische Frauen ist, allerdings muss man hier eben auch im Hinterkopf behalten, dass es ansonsten eben auch nicht viele andere Möglichkeiten gibt, zu sterben.

      Wenn man von Elben und Lebenserwartung redet, dann sind Halbelben auch eine Erwähnung wert. Die meisten Halbelben entstammen der Verbindung zwischen einem Menschenmann und einer Elbenfrau. Den Grund habe ich bereits angeschnitten: Ein Elbenkind auszutragen ist kräftezehrender als es bei einem Menschenkind der Fall wäre und daher sollten die Umstände in solchen Fällen wirklich ideal sein, um die Mutter (und das Kind) nicht zu gefährden. Halbelben altern in etwa so wie Elben. Ihre Kindheit ist nicht wesentlich länger als von Menschenkindern und sie sind von diesen eigentlich auch nicht wirklich zu unterscheiden. Die Jugend dauert dann allerdings mehrere Jahrzehnte an. Obwohl sie wie ihr elbischer Elternteil unsterblich sind (also nicht an Altersschwäche sterben), sind sie nicht völlig vor Krankheiten gefeit, überstehen diese aber wesentlich besser als Menschen, weswegen ihre Sterblichkeit sich nicht besonders von der der Elben unterscheidet.

      Interessant wird es nun tatsächlich bei „Viertelelben“ und hier scheint völlige Willkür zu herrschen, ob sie nach ihrem (halb-)elbischen Elternteil kommen oder ihrem menschlichen – inklusive fehlender Unsterblichkeit und lediglich einer höheren Lebenserwartung. Bei „Achtel- oder Sechszehntelelben“ steigt die Wahrscheinlichkeit hierfür immer weiter, was Halbelben dazu bewegt, auch eher andere Halbelben oder vollblütige Elben als Partner zu wählen.

      Zitat von Aguran im Beitrag #1
      Welche Folgen hat dies für Eure Gesellschaften?/Wie spiegelt sich das in Euren Gesellschaften wieder?

      Elbische und zwergische Gesellschaften sind wohl etwas konservativer als die der Menschen, da ältere Individuen länger an der Macht bleiben und die jüngeren dann bei einer Machtübernahme dann selbst schon wieder ein paar Jährchen auf dem Buckel und sich ihren Vorgängern angepasst haben. Bei den Elben ist es darüberhinaus in der Regel der Fall, dass nicht der älteste Sohn seinem Vater als Herrscher folgt, sondern das älteste männliche (unter besonderen Umständen auch weibliche) Familienmitglied.

      Ein interessanter Fall sind vermutlich nochmal die Amnúrer, also die Nachfahren der ins Exil gegangenen Getreuen Kaiser Essiaros‘ aus Atamerés. Nirgendwo sonst kam es nach dem Untergang der Alten Welt zu so vielen Verbindungen zwischen Elben und Menschen und dadurch zu Halbelben. Da die Zahl der Elben relativ gering war, „verwässerte“ ihr Blut jedoch zusehends und daher hatten zwar recht viele Amnúrer elbische Vorfahren, waren aber selbst nicht unsterblich. Jedoch waren die Amnúrer, als sie schließlich nach Aren zurückkamen, den dort lebenden „normalen“ Menschen doch überlegen, da sie eben doch länger lebten (es war keine Seltenheit, dass sie über 100 wurden) und Krankheiten ihnen weniger anhaben konnten. Die Nachfahren der Amnúrer konnten sich so also durchaus als „etwas besseres“ sehen und wurden auch von den Völkern, mit denen sie sich verbündeten und vermischten, hochangesehen.




      Jetzt habe ich mal wieder Gnome, Orks oder einige andere „Randerscheinungen“ ganz vergessen. Da kann ich vielleicht nochmal was nachliefern.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Körperkraft bei euren Völkern" geschrieben. 18.10.2021

      Zitat von DrZalmat im Beitrag #5
      Gibt es einen biologischen Grund bei euch beiden dass die Elfen/Elben den Menschen überlegen sind? Tendentiell sind Elfen/Elben ja eher zierlich gebaut, da wundert es schon dass sie den Menschen überlegen sind.


      Naja, wie auch bei Aguran sind die Elben meiner Welt keineswegs klein und zierlich, sondern im Durchschnitt größer als Menschen. Eine richtige wissenschaftliche Erklärung habe ich nicht; ich habe sie ein wenig mit Schimpansen verglichen und dementsprechend sind ihre Muskeln wohl auch ein wenig anders als die von Menschen. Mit Magie hat das bei ihnen wohl eher wenig bis gar nichts zu tun.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Körperkraft bei euren Völkern" geschrieben. 18.10.2021

      Zitat von Aguran im Beitrag #1
      Welche Rolle spielt sie bei euch?


      Eine relativ wichtige, da meine Leutchen technologisch noch nicht so weit fortgeschritten sind, dass ihnen Maschinen im großen Stile die Arbeit abnehmen würden. Wenn es also nicht die eigene Körperkraft ist, dann ist es oft die Körperkraft von Tieren wie Ochsen oder Eseln, die man sich zunutze macht.

      Zitat von Aguran im Beitrag #1
      Gibt es Unterschiede zwischen Euren Völkern?

      Es gibt Unterschiede, die aber, was Menschen, Zwerge und Elben angeht (und damit die meistverbreiteten Völker oder Rassen) nicht unüberwindbar sind. Elben sind im Grunde z.B. Menschen körperlich überlegen. Wenn man also einen untrainierten elbischen Töpfer gegen einen menschlichen im Armdrücken oder Ringen antreten lassen würde, dann würde der Elb wohl als Sieger vom Platz gehen. Ein Zwerg wäre mit einem Menschen wohl mehr oder weniger gleichauf, ist aber ausdauernder. Wenn der elbische Töpfer nun aber gegen einen Menschen- oder Zwergenkrieger antreten würde, würde er verlieren. Die Körperkraft ist es allerdings oftmals gar nicht, die die Elben als wichtig empfinden; wer Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lebt, kann auf viel mehr Erfahrung und Training setzen und hat dadurch schon einen gewaltigen Vorteil. Aber auch unter den Menschenvölkern gibt es Unterschiede: Ein Mensch aus z.B. Kulus ist einem Atamerer tendentiell körperlich überlegen. Aber Körpergröße und Kraft ist eben nicht immer alles.

      Zitat von Aguran im Beitrag #1
      Geht Körperkraft bei Euren Völkern mit ihrer Physiognomie (Körpergröße Muskelgröße) Hand in Hand? Oder eben grade nicht?

      In gewissen Maßen schon, allerdings tanzen hier Elben wieder einmal aus der Reihe. Sie sind nämlich zwar im Durchschnitt größer als Menschen, sehen aber nicht besonders muskulös aus. Ein Elbenkrieger sieht zwar durchaus nicht wie ein Schwächling mit dürren Ärmchen aus, aber wirklich muskelbepackt wirkt er auch nicht. Das ist dann auch der Punkt, an dem so ein Elb gerne von besonders kräftigen Menschen unterschätzt wird: Ich könnte Elben hier jetzt ganz frech mit Schimpansen vergleichen, die auch ungeheure Kräfte haben, ohne dass man es ihnen so wirklich ansieht.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag ""In das Land hinein schauen"- Die Kantonshauptstädte stellen sich vor!" geschrieben. 09.10.2021

      Klingt auf jeden Fall so, als sei es eine Reise wert! Wie kommt es eigentlich, dass die älteste Stadt nicht am Meer liegt? Ich hätte das für eigentlich recht naheliegend gehalten. Oder ist es nur die älteste noch existierende Stadt und die anderen wurden zerstört/verlassen?

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "[Eruon] Karten, Landschaften, Raumpläne usw." geschrieben. 06.10.2021

      Zitat von M.Huber im Beitrag #58
      Sieht sehr schön aus. Was genau ist mit der Insel denn geschehen wenn ich so als Unwissender fragen darf ?


      Was genau meinst du? Früher wurde sie vom Grafen der Stadt benutzt, später dann von der Gilde.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "[Eruon] Karten, Landschaften, Raumpläne usw." geschrieben. 05.10.2021

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      Die Grafeninsel vor der Küste Pînors war im 12. Jahrhundert AZ schon seit einer ganzen Weile nicht mehr Rückzugsort für die gewählten Grafen der Republik, sondern Sitz der Gilde der Kartographen. Das Gildengebäude selbst durfte ausschließlich von ihnen betreten werden, doch auf der Insel lebten daneben auch noch Angehörige und Soldaten - und einige Zwergschafe und Hühner. Die Karten, die in der Gilde angefertigt und gelagert wurden, waren für die Pînorer von unschätzbaren Wert. Es hieß, sie kannten mehr Wege und Strömungen als jedes andere Volk und überall in der Welt hatten die Pînorer ihre Agenten und Spione, deren Wissen direkt der Gilde zugute kam und von den Navigatoren und Händlern genutzt werden konnte.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Alltagsgeschichten" geschrieben. 04.10.2021

      Zitat von Nharun im Beitrag #90
      @Elatan Das ist eine schön erzählte Geschichte mit interessanten Einblicken; ich bin schon gespannt auf den Roman!


      Sowas zu lesen motiviert mich!

      Eine kleine Sache wollte ich eigentlich noch in dieser Alltagsgeschichte unterbringen, vergaß es dann aber, weil es irgendwie nicht mehr so recht passte. Es zeigt aber auch nochmal, dass das Leben von Sklaven nicht so rosig ist, wie man hier schon fast glauben könnte:

      Tenia als Tochter eines Magiers hat nämlich tatsächlich ziemliches Glück, dass Sklaven erst ab einem bestimmten Alter (ich glaube vielleicht mit 10 oder spätestens 12) ihre Brandmarkierung bekommen und zu der Zeit dann auch gerade wieder die Praxis abgeschafft worden war, Abkömmlinge von Magiern nochmal extra zu markieren und erkennbar zu machen. Es wurden nämlich in der Zeit nach der Rebellion unzähliger dieser Menschen Opfer von Lynchmorden, da man sie eben als direkte Nachkommen der Tyrannen sah und mitunter glaubte, sie könnten selbst Magier sein/werden (obwohl eine Vererbarkeit dieser Fähigkeit nicht wirklich nachzuweisen war). Es gab daher auch Überlegungen, sie direkt hinzurichten, was aber dann doch nicht durchgesetzt wurde. Aufgrund der erwähnten Morde wurde dann schon einige Jahre nach der Rebellion beschlossen, die Nachkommen von Magiern nicht mehr besonders zu markieren, sondern lediglich in den Akten ihre Herkunft zu vermerken. Außerdem wurden die Kinder in Heime gesteckt, die außerhalb der Städte lagen, sodass sie in dem Falle, dass sie tatsächlich magische Fähigkeiten aufwiesen, nicht zu einer Gefahr werden konnten. Wenn bei einem Kind dann ein magisches Talent entdeckt wurde, war das ein Todesurteil.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Alltagsgeschichten" geschrieben. 03.10.2021

      Zitat von Teja im Beitrag #88
      Eine schöne Geschichte, aber ich habe so einige Probleme mit deinen Sklaven. Sie sind mir zu gebildet (damit meine ich nicht das Elbisch, sondern den geschichtlichen Abriss gerade am Anfang), zu selbstständig und zu keck. Ich würde erwarten, dass man ihnen solche Eigenschaften austreiben, va wenn sie schon als Kinder versklavt wurden.

      Das mit der Bildung kann ich nicht so ganz nachvollziehen, aber vielleicht habe ich hier einiges auch nicht deutlich genug gemacht: Tenia und Nelye sprechen ja von ihren Eltern, die den Krieg und damit die Magierherrschaft noch persönlich erlebt haben und zu jener Zeit auch keine Sklaven waren. Ich habe mich hier bewusst etwas vage gehalten und keine konkrete Zahl genannt, aber das Ende der Rebellion dürfte ca. 17 Jahre zurückliegen. Nelye erzählt Dinge, die sie von ihrem Vater wusste und die auch kein besonderes historisches Fachwissen sind, sondern Allgemeinwissen, das jeder Atamerer, ob nun frei oder Sklave, nicht nur aufschnappt, sondern mit dem er auch immer wieder konfrontiert wird. Ein Sklave weiß, dass er Sklave ist, weil er oder seine Eltern (später dann Großeltern etc.) den Magierfürsten treu ergeben waren – auch die 400 Jahre Herrschaft der Magier oder grobes Wissen über die Elben ist nichts besonderes, da von diesen Sachen immer wieder erzählt wird, so wie man sich im antiken Rom Geschichten über z.B. Romulus und Remus oder im Mittelalter über Begebenheiten aus der Bibel erzählte.

      Was das kecke und selbstständige angeht, kann ich dir in diesem Fall schon in gewisser Weise recht geben. Weder Tenia noch Nelye sind wirklich Paradebeispiele, da sie bei ihren vorigen Herren ungewöhnlich gute und angenehme Leben führten – anderen ergeht es hier nicht ansatzweise so gut, wie das Ulga-Beispiel zeigt. Es ist aber zu sagen, dass Sklaven in Atamerés tatsächlich mitunter wesentlich besser behandelt werden als andernorts oder auch in einigen realen Kulturen und Epochen. Viele Atamerer sehen in Sklaven trotzdem immer noch Menschen und vor allem Mit-Atamerer und behandeln sie daher nicht wie Dreck, obwohl sie das durchaus dürften, solange sie die Sklaven nicht gleich umbringen oder „nutzlos“ machen.

    • Elatan hat einen neuen Beitrag "Alltagsgeschichten" geschrieben. 02.10.2021

      Ein Tag im Leben von Tenia Selil, Sklavin in Egemenoi


      »Aufstehen!«
      Die gebieterische Stimme der Sklavenvorsteherin Hena war nicht gerade die angenehmste Weise, geweckt zu werden, aber Tenia wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass es noch schlechtere gab. Sie richtete sich sogleich in ihrer Pritsche auf, um der Müdigkeit gar nicht erst für einen kurzen Moment nachzugeben. Die Sklavenvorsteherin war eine grässliche alte Vettel, die an ihren ›Schützlingen‹ wohl all den Frust ausließ, den sie seit dem Sturz der Magierfürsten, deren glühende Anhängerin sie gewesen war, aufgestaut hatte.
      »Das gilt auch für dich, Nelye!«
      Ein Mädchen am anderen Ende des kleinen Schlafsaales – eines von vielen im Sklavenhaus von Egemenoi – quittierte dies nur mit einem schläfrigen Grunzen, wofür die Vorsteherin sie an den Haaren packte und von ihrer Pritsche auf den kalten Steinfußboden zerrte. Nelye war erst seit gestern hier im Sklavenhaus, weil ihr Meister in einer Schlacht im Norden gefallen war und seine Erben sie nicht brauchten.
      »Was glotzt du so?«, fragte die Vorsteherin Tenia, die ganz schnell aufstand und begann, sich mit dem Wasser aus dem großen Eimer am Fenster zu waschen und anzuziehen, während die anderen aus ihrem Saal mit verschränkten Armen warteten.
      »Tenia, dir fällt es zu, Nelye alles zu zeigen und zu erklären«, sagte Hena, während sich die junge Frau, die etwas Nachhilfe beim Aufstehen gebraucht, fertigmachte und ihr dabei einen bösen Blick zuwarf. Zu ihrem Glück war Tenia die Einzige, die dies sah, denn hätte die Vorsteherin es bemerkt, so hätte Nelye sich wohl noch auf eine Tracht Prügel mit dem Rohrstock, den die Vorsteher immer bei sich trugen, eingehandelt.
      »Natürlich«, sagte Tenia und schaute dann zu Nelye, nachdem die Vorsteherin den Saal verlassen hatte.
      »Wenn diese Alte noch einmal so mit mir umspringt …«, begann Nelye, aber Tenia schnitt ihr sofort das Wort ab.
      »Was dann? Ziehst du dann auch an ihren Haaren oder verpasst ihr einen Hieb?«
      »Meinst du, das könnte ich nicht?«, fragte Nelye und tatsächlich glaubte Tenia nicht, dass Nelye der Vorsteherin einen guten Kampf geliefert hätte. »Sie ist auch nur eine Sklavin.«
      »Es gibt Sklaven und Sklaven«, sagte Tenia mit einem Schulterzucken.
      »Genau«, sagte Nelye, »und wenn du mich fragst, dann sollte ihre Art uns unterstehen und nicht andersherum. Sie war doch selbst treue Dienerin der Magier. Wir haben hingegen zu der Zeit noch nicht einmal gelebt und müssen nur ausbaden, was unsere Eltern verbrochen haben.« Sie lachte. »Allerdings stimmt das nicht einmal! Mein Vater war insgeheim ein Spitzel der Rebellen. Er konnte das nur später nicht beweisen.«
      »Ja, meiner auch«, sagte eine andere Frau und begann dann mit den anderen zu lachen.
      »Natürlich«, sagte Tenia zu Nelye und konnte sich ein Grinsen auch nur mühsam verkneifen. Solche Geschichten hörte sie andauernd. Wenn man dieses Gerede jedem Sklaven glaubte, dann war jeder einzelne Soldat in den Heeren der Magierfürsten eigentlich ein Widerstandskämpfer, der sich fügen musste, um nicht aufzufliegen, der aber im Verborgenen den Sieg gegen die Magier erst möglich machte.
      »Glaubst du mir nicht?«, fragte Nelye und stemmte die Fäuste in die Hüfte. Sie war ein Stück größer als Tenia, und ihr war anzusehen, dass sie bei ihrem letzten Herrn gut behandelt worden war und im Gegensatz zu den Bewohnern des Sklavenhauses wohl nie hungrig zu Bett gegangen sein musste.
      »Doch doch«, sagte Tenia. »Aber jetzt sollten wir uns beeilen.«
      Sie führte Nelye aus ihrem Schlafsaal hinaus auf den Korridor, wo sich bereits andere Sklavinnen beeilten, zu ihrer Arbeit zu kommen. Es war in der letzten Zeit ziemlich voll geworden. Im Krieg im fernen Norden waren viele Männer umgekommen und ihre Frauen hatten daraufhin oft ihre Verträge mit den Sklavenmeistern aufgehoben, da sie nun sparen mussten und nicht mehr das Geld hatten, um permanent Sklaven bei sich zu haben.
      »Zu allererst werden wir hinausgehen und die Pflanzen im Garten bewässern«, sagte Tenia zu Nelye, die ihr lustlos folgte. »Das müssen wir machen, bevor die Sonne so herunterknallt.«
      »Ich bin nicht diese Art von Sklavin«, sagte Nelye.
      »Was?«
      »Meine Aufgabe ist es, meiner Herrin Gesellschaft zu leisten und ihr zum Beispiel zu helfen, die richtigen Kleider auszuwählen.«
      Tenia musste sich ein Lachen verkneifen.
      »Willst du mal zur Vorsteherin gehen und sie fragen, ob du ihr Gesellschaft leisten und Kleider heraussuchen darfst?«
      Nelye wurde rot, sagte aber nichts mehr.
      Der große Garten befand sich von hohen Mauern umgeben vor dem Gebäudekomplex des Sklavenhauses, der aus dem Flügel der Männer und dem der Frauen bestand, die das Verwaltungsgebäude in der Mitte flankierten. Gegenüber und in der Nähe des Tores befanden sich Stallungen für Esel und Elande, die, wie die Sklaven selbst auch, an Bürger Egemenois vermietet wurden, und Hühnerställe. In einer Kolonne marschierten Sklaven aus dem Tor heraus, um in der Stadt bei Bauarbeiten oder am Hafen zu helfen, während die Frauen sich den Pflanzen im Garten widmeten, so wie es nun auch Tenia und Nelye taten. Das Wasser schöpften sie aus dem Brunnen vor dem Hauptgebäude und füllten es dann in Gießkannen ab, die sie zu den Beten schleppten.
      »Wir hätten zuerst frühstücken sollen«, sagte Nelye nach kurzer Zeit und wischte sich Schweiß von der Stirn. »So kann man nicht arbeiten.«
      »Am besten sprechen wir das nachher einmal an«, sagte Tenia. »Länger schlafen, gut frühstücken und nach dem Mittag Freizeit, um in der Stadt zu bummeln.«
      »Du hast eine furchtbare gehässige Art«, sagte Nelye. »Hat dir das einmal jemand gesagt?«
      »Nicht nur einmal.«

      Nach der Arbeit im Garten begaben sie sich in die Stallungen, obwohl Tenia recht genau wusste, dass dort nicht viel Arbeit mehr für sie über sein würde. Die Männer hatten sich bereits um die Tiere gekümmert. Das Wichtigste war eigentlich nur, so zu tun, als habe man alle Hände voll zu tun, bevor die Vorsteherin bemerkte, dass dies nicht wirklich der Fall war. Nun, da so viele Sklaven zugegen waren, war die Arbeit für den Einzelnen recht überschaubar, aber einfach nur faul herumzusitzen und nichts zu tun, konnte schnell dafür sorgen, dass die Vorsteher dann doch noch eine äußerst unliebsame Beschäftigung für einen fanden. Tenia erinnerte sich daran, wie in der vergangenen Woche die Idee im Raum stand, einige der Sklaven nach Ulga zu schicken, wo Arbeit in den Minen wartete. »Unsere Männer brauchen wir hier in der Stadt, aber einige der Mädchen können durchaus auch unter Tage arbeiten – vor allem die kleineren. Besser als Kinder wären sie geeignet«, hatte der Sklavenmeister, ein hoher Beamter und freier Mann, zu den ihm untergebenen Vorstehern gesagt, und dass sein Blick gerade bei der letzten Bemerkung auf Tenia gefallen war, hatte ihr ganz und gar nicht gefallen und sie hatte daher viel Wert darauf gelegt, hier unentbehrlich zu erscheinen.
      So kam es, dass Tenia nun neben einem der Elande stand und dem großen Tier das kurze Fell bürstete, während Nelye sich vorsichtshalber lieber nur einem der kleinen Esel zuwandte.
      »Ich will doch nicht, dass der mich mit einem seiner Hörner aufspießt«, hatte sie nur gesagt, was Tenia und Almon, den alten Stallmeister, zum Lachen gebracht hatte.

      Als sich die Mittagszeit näherte, geleitete Tenia Nelye in die große Küche, die sich im Hauptgebäude befand, um dort den anderen Frauen unter den strengen Blicken der Vorsteherinnen bei der Zubereitung des Essens zu helfen. Die Küchenarbeit war nicht gerade Tenias Lieblingsbeschäftigung und sie merkte, dass es sie ärgerte, wie viel geschickter sich Nelye hier zeigte. Während Tenias Teig am Rollholz immerzu kleben blieb, waren die Fladen, die Nelye formte, makellos.
      »Mir läuft schon das Wasser im Munde zusammen«, sagte Nelye, als sie schließlich mit Tenia zu der heißen Steinplatte gingen, auf der die Fladen kurz gebacken wurden, und es bereitete Tenia ein gemeines Vergnügen, sie darauf hinzuweisen, dass sie aber noch nicht essen würden, da dies für die Männer in der Stadt sei. Nelyes Stimmung inzwischen recht gute Stimmung verschlechterte sich darauf wieder und sie füllte die Fladen lustlos mit Käse und Gemüse und rollte sie dann zusammen und legte sie in mit Leinentüchern ausgelegte Körbe. In einem Moment, in dem sie nicht beobachtet wurden, schob Tenia Nelye ein Stück des Käses zu, den sie eigentlich für sich allein stibitzt hatte.
      »Nicht, dass du mir bis zum Mittagessen verhungerst«, sagte sie und grinste.
      Tenia meldete sich jedes Mal freiwillig, um die Körbe mit dem Essen zu den Sklaven zu bringen, die an verschiedenen Orten in der Stadt und manchmal auch vor ihren Mauern die unterschiedlichsten Arbeiten verrichteten. Es war besser, als den ganzen Tag in den Mauern des Sklavenhauses eingesperrt zu sein.
      Als Tenia sich bei der Vorsteherin zur Auslieferung meldete, bestimmte diese, dass sie Nelye mitnehmen sollte. Tenia wusste nicht recht, was sie davon halten sollte, aber die Alternative wäre wohl gewesen, selbst auch im Sklavenhaus zu bleiben und Nelye zu zeigen, wie man am besten die Böden schrubbte.
      Sie gingen aus der Küche, ließen das Haus hinter sich und verließen das Grundstück durch das große Tor, an dem zwei Soldaten, die Tenia bereits kannte, Wache hielten. Die Soldaten beachteten sie gar nicht und ließen sie passieren, da ihnen ihr Gespräch über die Wettkämpfe in der Arena wichtiger waren.
      »Sie passen gar nicht richtig auf«, sagte Nelye und blickte über die Schulter zurück, als sie der Straße hinunter zum Hafen folgten.
      »Mich kennen sie schon und weglaufen können wir eh nicht«, sagte Tenia und zuckte mit den Schultern. »Uns erkennt jeder in ganz Atamerés als Sklaven.«
      Sie zeigte die Narbe auf dem Rücken ihrer rechten Hand, so als habe Nelye nicht auch eine solche. Tenia konnte sich immer noch ganz genau daran erinnern, wie man sie als Kind mit dem glühenden Eisen gebrandmarkt hatte. Das Symbol der Magier war einst ein geöffnetes Auge. Ihre Anhänger und deren Nachkommen trugen das geschlossene Auge; ein Oval, welches längs mit einem Strich durchzogen war.
      Nelye strich sich über die eigene Brandnarbe und Tenia wusste, dass auch sie sich noch ganz genau daran erinnerte, wie es sich anfühlte, Kind der falschen Eltern zu sein.

      Auf den Straßen von Egemenoi herrschte ein reges Treiben und je näher sie dem Hafen kamen, desto öfter mussten sie Reitern, Wagen und Bürgern ausweichen, die gar nicht daran dachten, Sklaven überhaupt zu beachten. Am Hafentor wurden ihre Plättchen etwas gründlicher beäugt. Als sie hindurchgegangen waren, beschwerte sich Nelye bei Tenia darüber, dass sie in Begleitung ihrer Herrin nie kontrolliert worden war, aber so war es nun einmal, wenn zwei Sklavinnen alleine unterwegs waren.
      Am Hafen stürzten sich die Männer geradezu auf sie, aber sie waren doch geduldig genug, darauf zu warten, dass die Frauen ihnen ihre Portionen aus den Körben gaben.
      »Hat jeder etwas bekommen?«, fragte Nelye schließlich, als alle dasaßen und sich die Münder vollstopften. »Gut.«
      »Ich würde noch einen zweiten nehmen!«, rief ein Mann und einige lachten.
      Nelye warf Tenia einen fragenden Blick zu, aber diese zuckte nur mit den Schultern.
      »Für jeden einen«, sagte sie und dann machten sie sich auf den Weg zurück.
      An einer ruhigen Straßenecke an einem Tempel hielt Nelye Tenia am Saum ihrer Tunika zurück, schaute sich verstohlen um und griff dann in ihren Korb.
      »Ein Fladen ist übriggeblieben«, sagte sie. »Da hat sich wohl jemand in der Küche verzählt.«
      Tenia zögerte einen Moment.
      »Das kommt schon mal vor«, sagte sie.
      »Hier, nimm«, sagte Nelye und riss den Fladen vorsichtig darauf bedacht, dass nichts von der Füllung herunterfiele, in der Mitte durch und bot Tenia die Hälfte an. »Für das Stückchen Käse vorhin.«
      Tenia nahm es und merkte jetzt erst, wie hungrig sie eigentlich war.
      »Wir sollten es aber essen, bevor uns irgendjemand von den anderen Sklaven sieht«, sagte sie und setzte sich auf die niedrige Mauer, die das Grundstück, auf dem sich der Tempel befand, umgab. »Es gönnt einer dem anderen nichts.«
      Nelye setzte sich neben sie und sie aßen eine Weile schweigend.
      »Weißt du, mein Vater diente zwar den Magiern, aber er ist wirklich kein schlechter Mensch«, sagte Nelye. »Er traute sich einfach nicht, sich den Rebellen anzuschließen. Bis zum Ende des Krieges hatte er befürchtet, dass die Magierfürsten doch noch die Oberhand gewinnen könnten.
      Tenia nickte. Ihr gefiel das Thema nicht.
      »Es waren ja nicht alle schlechte Menschen«, fuhr Nelye fort. »Die Magier natürlich schon und es ist richtig, dass sie vernichtet wurden, aber ich meine die einfachen Leute.«
      »Ich verstehe schon«, sagte Tenia und klatschte dann, als sie aufgegessen hatte, in die Hände. »Und jetzt beeil dich, sonst kommen wir noch zu spät zum Mittagessen.«
      »Zum zweiten Mittagessen«, sagte Nelye und grinste. »Wir speisen schon fast so wie der Kaiser in seinem Turm.«

      Im Speisesaal im Sklavenhaus erwartete sie das gleiche Essen wie das, was die Männer erhalten hatten, wenngleich ihre Portionen kleiner waren, was Nelye und Tenia aber nun nicht weiter störte. Während des Essens redeten die Sklaven allesamt durcheinander und selbst die strengsten unter den Vorstehern, die selbst auch nur Sklaven waren, ermahnten nur hin und wieder jemanden, etwas leiser zu sprechen.
      »Wir sind hier schließlich nicht in einem Kriegslager der Inmesed«, sagte ein älterer von ihnen mit erhobenen Zeigefinger.
      »Neis kun te tates bis?«[1], fragte Tenia leise und legte eine Hand auf die Wange, die sie schnell zum Mund fahren ließ, um ihr Grinsen zu verbergen.
      Nelye glotzte Tenia an.
      »Was?«
      Tenia winkte ab.

      Nach dem Mittagessen folgten der Abwasch und das Säubern des Speisesaales und der Küche sowie der Vorhalle des Hauses. Tenia hasste es, die Böden zu feudeln, damit alles einen tadellosen Eindruck machte, wenn Bürger kämen, um Sklaven mitzunehmen. Als ob irgendjemand aufgrund eines Staubkornes den Entschluss fassen würde, doch ganz gut ohne Sklaven zurechtzukommen.
      »Wir wollen heute einen guten Eindruck hinterlassen«, sagte der Sklavenmeister mit hinter dem Rücken verschränkten Händen. »Heute erwartet uns hoher Besuch aus Ulga. Ein Stollen ist dort eingestürzt und viele Sklaven fanden den Tod. Ich denke, sie haben damit ihre Schuld abbezahlt.«
      Der alte Mann schloss die Augen und nickte. Er war vermutlich von dem, was er sagte, wirklich selbst überzeugt. Tenia spürte, wie ihr plötzlich das Essen schwer im Magen lag. Es war keineswegs ein Witz gewesen, dass auch Frauen in den Minen arbeiten konnten und sollten. Es war denen, die jetzt die Macht im Reich hatten, völlig egal, ob Sklaven bei der Arbeit starben. Sie drückte den Lappen, den sie in ihren Händen hielt, fester, als könne sie sich so irgendwie an Egemenoi und ihr Leben hier klammern, das zwar nicht perfekt, aber doch zu ertragen war. Sie schaute zu einer Sklavin, die schon am Ende der Rebellion alt gewesen war. Tenia selbst war zu dieser Zeit nicht einmal ein Jahr alt gewesen.
      »Was ist los?«, fragte Nelye, die neben Tenia hockte, leise, aber Tenia schüttelte nur den Kopf.

      Nachdem sie mit dem Putzen fertig waren, bekamen die Sklaven nun Zeit zu ihrer freien Verfügung, doch Tenia konnte sie nicht genießen. Immer wieder musste sie daran denken, in einem Stollen eingeschlossen zu werden. Sie konnte es sich viel zu gut vorstellen. Als sie noch ein kleines Mädchen in einem Kinderheim außerhalb der Stadt gewesen war, hatte es ein Erdbeben gegeben – nichts völlig seltenes in der Nähe des Gol-tar-Inat, jenes Vulkanes, an dessen Fuße der Turm des Kaisers stand, den einst der Magierfürst Torios errichtet hatte, und von dem es hieß, er sei unzerstörbar. Tenia war mit einem Freund zu diesem Zeitpunkt gerade aufgrund ihrer dummen Neugier allerdings in den Keller einer Ruine in der Nähe des Kinderheimes geklettert und das Beben der Erde hatte den Eingang zum Einsturz gebracht. Es war der schlimmste Tag ihres Lebens gewesen. Nun saß allein im Schatten eines uralten Olivenbaumes im Garten. Wo Nelye war, wusste sie nicht, und es interessierte sie auch nicht. Sie hatte es ihr gesagt, aber Tenia hatte gar nicht hingehört.

      Schließlich rief einer der Vorsteher alle Sklaven in die Vorhalle, wo sich die Männer rechts und die Frauen links der Treppe, die hinauf zu den Schreibstuben und Archiven führte, an den Wänden aufstellten und Reihen bildeten. Nelye stellte sich neben Tenia und zupfte dieser zur Begrüßung am Ärmel..
      »Wehe jemand von euch macht uns Schande, wenn gleich der Gesandte aus Ulga kommt!«, drohte der Sklavenmeister.
      »Dürfen wir dann zur Strafe nicht mit ihm gehen, um in den Minen zu verrecken?«, hörte Tenia eine Sklavin flüstern.
      »Wer hat das gesagt?«, fragte der Sklavenmeister, dem diese freche Bemerkung nicht entgangen war, doch ehe jemand antworten konnte, ging die Tür auf und einer der älteren Sklaven, die hier ihren Lebensabend verbringen sollten, da niemand sie mehr gebrauchen konnte, führte einen jungen Mann herein, der etwas verblüfft schauend stehenblieb und den Blick über die Reihe der Sklaven schweifen ließ.
      »Es ist mir eine Ehre, Euch begrüßen zu dürfen«, sagte Sklavenmeister, legte seine rechte Hand, wie es Brauch war, zum Gruße aufs Herz und verneigte sein Haupt. »Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Reise.«
      Der Mann erwiderte die Begrüßung.
      »Eine Reise würde ich es vielleicht nicht gerade nennen, aber es war ein netter Spaziergang.«
      Der Sklavenmeister lachte.
      »Ein netter Spaziergang«, wiederholte er. »Einige Sklaven brauchen wir bei Arbeiten in der Stadt, aber das heißt keineswegs, dass die, welche Ihr hier seht, nicht ebenso geeignet für alle schweren Arbeiten sind. Ich hörte, Ihr ließet Kinder in den Minen die Schuld ihrer Eltern abbezahlen. Nun, mit Kindern kann ich nicht dienen, aber wir haben hier einige kleinere, kräftige Sklaven, die sich ideal für diese Arbeit eignen sollten. Es soll ja durchaus von Vorteil sein, wenn man beim Bergbau nicht zu groß ist, nicht wahr? Die Zwerge können davon wohl ein Lied singen.«
      Er lachte erneut, aber der junge Mann kratzte sich nur am Hinterkopf und ließ seinen Blick über die Reihe der Sklaven schweifen.
      »Ich denke schon«, sagte er, »aber ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht.«
      Der Sklavenmeister schaute ihn verdutzt an.
      »Ihr seid doch der Gesandte aus Ulga?«
      »Nein, ich brauche eigentlich nur einen Haussklaven, der lesen kann«, sagte er.
      Der Meister schaute den alten Sklaven, der den Mann hineingeführt hatte, grimmig an.
      »Mit größtem Bedauern muss ich Euch sagen, dass Ihr etwas ungelegen kommt.«
      »Sagt jetzt bitte nicht, dass ich völlig umsonst den ganzen Weg hierher gelaufen bin und alle diese Sklaven jetzt nach Ulga sollen.«
      »Nein nein«, sagte der Sklavenmeister und schaute sich ein wenig nervös um. »Einer, der lesen kann, ja?«
      »Ich könnte eine Hilfe brauchen beim Durchschauen von Büchern und Schriftstücken«, sagte er. »Ich will Inquisitor werden, wisst Ihr.«
      »Das ist höchst ehrenwert!«, sagte der Sklavenmeister. »Ich mag mir nicht vorstellen, wo wir ohne die Inquisition wären, die uns vor jenen Magiern schützt, die im Verborgenen danach trachten, die alten Zustände wiederherzustellen. Nun denn! Alle, die lesen können, treten vor!«
      Von denen, die einen Schritt nach vorne machten, waren die meisten bereits älter und männlich. Tenia und Nelye stachen geradezu hervor.
      »Ich durfte meiner Herrin immer Gedicht vorlesen«, flüsterte Nelye und Tenia nickte.
      »Ihr habt die Wahl, Herr«, sagte Sklavenmeister und deutete auf einen älteren Sklaven. »Dieser hier war Gerichtsschreiber im Dienste Torios’ und versteht daher sein Handwerk.«
      Der Mann machte noch einen Schritt vor, legte seine vernarbte rechte Hand aufs Herz und verneigte sich.
      »Es wäre mir eine Ehre, Euch zu …«
      »Ich spreche elbisch!«, rief Tenia und trat in die Mitte des Ganges.
      »Du freches Gör sprichst vor allem nur dann, wenn du gefragt wirst!«, fuhr sie Hena an.
      Der junge Mann und der Sklavenmeister schauten zu ihr und Tenia beschloss, dass sie nun dreist sein musste.
      »Wenn Ihr Inquisitor werden wollt, dann beschäftigt Ihr euch …«
      »Kannst du denn nicht hören?«, fragte Hena und zog ihren Rohrstock, aber der junge Mann kam gefolgt vom Sklavenmeister auf sie zu und hob beschwichtigend die Hand.
      »Ja?«, fragte er zu Tenia gerichtet.
      »Viele Texte der Magierfürsten sind auf Elbisch und Ihr werdet euch doch sicherlich mit ihnen beschäftigen müssen. Ich spreche Elbisch.« Sie schaute dem Fremden in die Augen. »Und ich spreche die Sprache der Inmesed!« Sie biss sich auf die Lippe und murmelte dann: »Auch wenn das vielleicht weniger wichtig ist …«
      Der Sklavenmeister schaute zu Perilos.
      »Sie hat recht, es wäre gut, wenn sie Elbisch spräche.«
      »Gut«, sagte der Sklavenmeister und wandte sich dann an die Sklaven. »Wer elbisch spricht, trete nun vor.«
      Für Tenia war dies wie ein Schlag ins Gesicht. Sie konnte elbisch! Warum jetzt einen anderen suchen?
      Nelye machte einen Schritt nach vorn und Tenia glotzte sie an.
      »Du?!«
      Nelye lächelte und verneigte sich höflich vor dem Fremden.
      »Wollt Ihr eine Kostprobe, Herr?«, fragte sie.
      »Öhm, natürlich«, sagte er und schaute Tenia dabei an, die merkte, dass ihr der Mund offenstand, und nun wütend die Zähne zusammenbiss.
      Nelye räusperte sich.
      »Ess me tapiolin, me gelinan a te,
      Lirenan maira, me gelirnan a te,
      Me falan in hilm, me gelirnan a te,
      Avan tumrin, me naersinan a te.
      Voi umbran! Me enan ven emes te.
      «[2]

      »Deine Aussprache ist grauenhaft!«, sagte Tenia. »Hast du überhaupt auch nur ein Wort verstanden?«
      »Ja«, sagte Nelye und verschränkte die Arme vor der Brust. »Es ist ein trauriges und wunderschönes Liebesgedicht.«
      »Anwe! Telm vinte ten phiman!«,[3] sagte Tenia. »Tarine an ambelan ei tingwe alvarinwe!«[4]
      »Wa-…?«
      »Sie versteht kein Wort!«
      »Niemand sagte etwas vom Verstehen!«
      Der Fremde musste nun grinsen.
      »Das wäre allerdings schon von Vorteil.«
      Der Sklavenmeister seufzte.
      »Dann steht Eure Wahl wohl fest?«
      »Ich denke schon.«

      Wenig später saßen der Fremde und der Sklavenmeister in dessen Schreibstube, während Tenia neben dem großen Schreibtisch stand.
      »Nun gut«, sagte der Sklavenmeister. »Perilos Parenin ist Euer Name, sagtet Ihr?«
      »Richtig«, sagte Perilos. »Hier aus Egemenoi. Ursprünglich aus Comenis.«
      Der Sklavenmeister nickte und machte einige Notizen.
      »Und für wie lange gedenkt, Ihr die Sklavin bei Euch aufzunehmen?«
      Perilos kratzte sich am Kinn.
      »Das kann ich noch nicht so genau sagen.«
      »Das macht nichts. Es geht mir eher darum zu wissen, wie Ihr zahlen möchtet. Monatlich, vierteljährlich, halbjährlich …?«
      »Spare ich denn Geld, wenn ich direkt im Voraus für halbes Jahr bezahlen würde?«, fragte Perilos und lachte.
      »Ja, das würdet Ihr tatsächlich.«
      »Oh. Das ist natürlich gut«, sagte Perilos und nahm eine Blatt Pergament entgegen, das der Sklavenmeister ihm gab.
      »Dort steht alles.«
      »Bei einem ganzen Jahr im Voraus würde ich wirklich sehr gut sparen«, sagte Perilos nachdenklich und schaute dann zum Meister. »Also nicht, dass ich es nötig hätte, aber …«
      Der Sklavenmeister lächelte und nickte.
      »Dann vielleicht … direkt jährlich?«
      »Wenn sie Ärger machen sollte, könnt Ihr sie natürlich zurückbringen und würdet einen Teil des Geldes erstattet bekommen.«
      »Ich werde keinen Ärger machen!«, fuhr es aus Tenia heraus, die sich die ganze Zeit schon zusammenreißen musste, ruhig zu stehen. Sie kannte diesen Kerl zwar nicht, aber er machte einen anständigen Eindruck und es war allemal besser, als in den Minen von Ulga zu schuften.
      »Das wird sich noch zeigen«, sagte der Sklavenmeister. »Sag mir noch einmal deinen Namen.«
      »Tenia, Silios' Tochter. Silil.«
      »Gut, dann werde ich den Ring holen«, sagte er, stand auf und ließ Tenia mit ihrem neuen Herrn allein.
      Er füllte die Urkunde aus, die ihm der Sklavenmeister gereicht hatte. Er wirkte nicht wie ein Inquisitor. Nicht einmal ein angehender. Als er zu ihr schaute, sah sie rasch aus dem Fenster. Er sollte nicht glauben, sie würde ihn dämlich anstarren wie ein Rindvieh.
      »Wie kommt es, dass du Elbisch sprichst?«, fragte er.
      »Meine erste Anstellung hatte ich bei einem alten Geschichtsschreiber, der sich sehr für die Elben interessierte, die in Atamerés gelebt haben. Vor den Magierfürsten. Er brachte es mir bei, weil er meinte, ich sei ihm so dienlicher. Er und seine Frau waren sehr freundlich.«
      Perilos wollte etwas erwidern, aber in dem Moment kam bereits der Sklavenmeister mit einem ernsten Gesicht wieder. In der einen Hand hielt er ein Schriftstück, in der anderen vermutlich den Ring.
      »Es ist mir furchtbar peinlich, Herr Perilos, allerdings muss ich Euch etwas zu dieser Sklavin sagen.« Er schaute Tenia vorwurfsvoll an.
      »Was?«
      »Ihr Vater, Silios, war … nun ja.«
      »Ein Magier«, sagte Tenia leise. Nun würde er sie ablehnen und sie würde nach Ulga müssen. Oder sie würde für immer hier bleiben, weil niemand die Brut von Magiern wollte.
      Perilos schwieg und schaute sie an, als sie ihm in die Augen sah, schüttelte er den Kopf.
      »Das ist dann eben so.«
      »Es tut mir wirklich aufrichtig leid. Vielleicht könntet Ihr zunächst die andere Sklavin mit Euch nehmen und wir geben Euch Bescheid, wenn ein …«
      »Nein nein«, sagte Perilos. »Ich meinte, dass ich sie trotzdem mitnehmen werde.«
      »Ha!«
      Die beiden Männer schauten zu Tenia, die sich eine Hand vor den Mund hielt.
      »Entschuldigung.«
      »Nun gut, dann soll es so sein«, sagte der Sklavenmeister, nahm die ausgefüllte Urkunde entgegen, ging um seinen Tisch und setzte sich. »Das scheint alles zu passen. Jährlich.«
      Perilos nickte und holte einen schwarzen Lederbeutel hervor, aus dem er einige goldene Münzen nahm und sie dem Meister hinschob. Dieser legte nun den kupfernen Ring, den er in der Hand gehalten hatte, vor Perilos auf den Tisch. Er nahm ihn und betrachtete die Schriftzeichen. Tenia wusste, was in ihn eingraviert war: Tenia Silil aus Egemenoi dient mir.
      »Hast du deinen Ring?«, fragte der Sklavenmeister sie und sie holte ihren eisernen Ring hervor. Sie hatte ihn an ein ledernes Band gehängt, wie es die meisten Sklaven taten. Auf ihm stand: Tenia Silil, Sklavin aus Egemenoi.
      »Schwörst du, Perilos Parenin zu dienen, bis er dich fortschickt, einer von euch in Tesseias Hallen geht, oder die Schuld deiner Väter abbezahlt ist?«
      »Ich schwöre es«, sagte Tenia, wohl wissend, dass letzteres für sie nie der Fall sein würde. Vierhundert Jahre hatten die Magierfürsten geherrscht und dreimal so lange sollten ihre Anhänger und deren Nachkommen dafür den einst Unterdrückten dienen.
      »Muss ich auch noch irgendetwas schwören?«, fragte Perilos.
      »Nein«, sagte der Sklavenmeister mit einem Lächeln. »Ihr solltet sie nur nicht weglaufen lassen. Wenn sie entkommt, dann müsst Ihr so lange weiter für sie bezahlen, bis sie wieder aufgetaucht ist.«
      Perilos lachte nervös. »Eine Kette habt Ihr nicht zufälligerweise?«

      Als Tenia mit ihrem neuen Herrn das Sklavenhaus hinter sich ließ, schaute sie nur einmal zurück. Ob Nelye in die Minen geschickt werden würde? Erst dachte sie, dass sie es ihr gönnen würde – gerade nach ihrem letzten Auftritt. Aber Tenia konnte sie auch verstehen und auf eine gewisse Weise bedauerte sie es, sich nicht von ihr verabschiedet haben zu können. Vermissen würde sie jedoch weder das Sklavenhaus selbst, noch irgendeinen, der dort lebte. Allerhöchstens vielleicht die Tiere oder den guten, alten Almon. Es war gut, dort endlich fort zu sein. Perilos nahm, während sie Richtung Marktplatz gingen, eine Halskette ab, die er um den Hals trug. An ihr hing ein Stein in einem Geflecht aus silbernem Draht. Der Stein war schwärzer, als alles, was Tenia jemals gesehen hatte. Perilos ließ den Ring auf die Kette gleiten und hängte sie sich dann wieder um.
      »Ein Familienerbstück«, sagte er. »Mein Vater hatte mir gesagt, dieser Stein schütze vor Magie.« Er zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber er für mich ist er eine gute Erinnerung und ein Glücksbringer.«

      Als sie weitergingen, unterhielten sie sich ein wenig über Tenias Talente.
      »Die meisten Inquisitoren sprechen kein Wort Elbisch«, sagte Perilos. »Sie lernen einfach die häufigsten Zaubersprüche auswendig, um sie im Notfall erkennen zu können. Dieses andere Mädchen hat mich daran ein wenig erinnert, weißt du?«
      Tenia musste grinsen.
      »Vielleicht würde sie eine gute Inquisitorin abgeben?«
      Sie wollte sich bereits für diese etwas freche Bemerkung entschuldigen, aber Perilos lachte.
      »Ich hoffe, dass du mir jedenfalls die Sprache richtig beibringen kannst«, sagte er. »Ich finde, wir sollten unsere Feinde so gut wie möglich kennen und verstehen können. Sie haben teilweise nicht nur ihre Zaubersprüche in der elbischen Sprache verfasst, sondern ganze Schriftrollen und Bücher, und wenn man selbst jedes zweite Wort nachschlagen muss, ist es eine Folter. Daher möchte ich, dass du mir hilfst und mir die Sprache beibringst.«

      Tenia wollte sofort ihre Nützlichkeit unter Beweis stellen und begann, ein paar einfache elbische Sätze mit ihrem neuen Herrn zu sprechen, um zu sehen, wie viel er schon konnte – es war nicht viel aber doch mehr, als sie erwartet hatte.

      An einer Taverne auf dem Marktplatz machten sie schließlich einen Zwischenhalt. Perilos bestellte Getränke für sie und sich und platzierte dann mit einigen Goldmünzen eine Wette auf einen Kampf, der am nächsten Tag in der Arena stattfinden sollte.
      »Wenn wir Glück haben«, sagte er, »werde ich mit dem Geld, dass ich jetzt gespart habe, indem ich gleich für ein ganzes Jahr bezahlt habe, das andere wieder hereinholen.« Er hob einen Zeigefinger. »Und es ist nicht nur Glück. Beim Wetten kommt es vor allem darauf an, sich gut mit der Sache auszukennen.«
      Tenia nickte nur, als Perilos ihr alles Mögliche dazu erzählte, womit er auch nicht aufhörte, als sie beide ausgetrunken hatten und weiter zu ihm nachhause gingen. Erst am Tor zum Innenhof seines Hauses beendete er schließlich seine Ausführungen. Nachdem sie eingetreten waren, kam ihm direkt eine Frau entgegen, die etwa im gleichen Alter wie Perilos und damit nur wenige Jahre älter als Tenia selbst sein musste. Sie beäugte Tenia von oben bis unten, ehe sie sich Perilos zuwandte.
      »Aha«, sagte sie.
      »Was?«
      »Nichts.«
      Die Frau drehte sich um und begab sich wieder ins Haus. Perilos wies Tenia an, kurz draußen zu warten und folgte ihr dann.
      Tenia konnte das Gespräch der beiden sehr gut mit anhören, ohne überhaupt lauschen zu müssen. Die Frau, Miona, war wohl nicht besonders zufrieden mit der Auswahl ihres Geliebten, und erst als er schließlich aufgebracht fragte, ob er Tenia wieder wegbringen sollte, und sie ihm stattdessen selbst bei seiner Arbeit helfen wolle, gab sie nach.
      »Ich bin nicht eifersüchtig, falls du das glaubst!«, sagte sie. »Ich weiß, dass dich nie mit einer Sklavin einlassen würdest. Ich wunderte mich nur, dass du niemanden mit mehr Erfahrung mitgebracht hast.«
      »Es gab keinen, der Elbisch sprechen konnte«, sagte Perilos und schließlich kamen die beiden wieder heraus.
      »Ich heiße dich herzlich willkommen«, sagte Miona und Tenia verneigte sich auf die übliche Weise vor ihr.
      »Ich danke Euch«, sagte sie. »Ich hoffe, dass ich Euch gut dienen kann.«
      »Das hoffe ich auch«, sagte Miona, und wandte sich dann an Perilos. »Willst du nicht heute Abend zu mir kommen? Mein Bruder ist wieder auf Reisen und es ist schrecklich langweilig.«
      »Natürlich«, sagte Perilos.
      »Und du kannst dir derweil deine Stube einrichten«, sagte sie zu Tenia.

      Viel einzurichten gab es allerdings nicht. Ihr Zimmer war recht klein und lediglich eine Truhe und ein Bett befanden sich in ihm. Nachdem sie ihre wenigen Habseligkeiten, die sie aus dem Sklavenhaus mitgenommen hatte, verstaut hatte, und zu Abend gegessen hatte, schaute sie sich in dem Haus um, das sie nun für sich allein hatte, da ihr neuer Herr wohl nicht vor dem nächsten Morgen wiederkommen würde. Es war nicht besonders groß, aber hatte alle Annehmlichkeiten, die man sich wünschen konnte und von einigen Fenstern aus konnte sie zum Meer schauen, hinter dem gerade die Sonne zu versinken begann. Tenia glaubte, dass es ihr hier gefallen könnte.


      Fußnoten

      • 1. Inmesedisch: »Sind wir nicht?«
      • 2. Siehe hier.
      • 3. Elbisch: »Gut! Dann zeig dein Können!«
      • 4. Elb.: »Erzähl mir von der Liebe und sprich Elbisch!«

Empfänger
Elatan
Betreff:


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